Das
Gitarrengriffbrett

Griffbrettkenntnis
Die Töne auf dem Griffbrett
der Gitarre sollte man irgendwann im Kopf haben. Man lernt
unsystematisch, beim Spielen nach Noten, kann diesen Prozess aber auch
beschleunigen. Hier sind ein paar Tipps, Aufgaben und Übungen, mit
denen du deine Griffbrettkenntnis verbessern kannst.
Du brauchst: Dein Gehirn, Zeit, die Gitarre, Notenpapier und Stift und einen Freund
oder Würfel. Würfel sind unparteiisch und bestimmen immer neue Aufgaben für
dich nach
dem Zufallsprinzip. Das hält die Sache interessant.
Apropos - wie lange solltest du dich mit einer Aufgabe beschäftigen? Wenn sie anfängt,
dich zu langweilen, "kannst" du sie wahrscheinlich. Wenn du zu früh weitergehst wirst
du
irgendwann auflaufen.

Du siehst hier die Noten der Stammtonreihe. Sage sie
dir von jedem Ton aus auf, und zwar
vorwärts und rückwärts. Also: Von c bis c, von d bis d und so weiter. Du darfst gerne ein
bisschen schreiben. Wenn du schon dabei bist, präge dir die natürlichen Halbtonschritte
(zwischen e und f, sowie h und c) gleich mit ein.
Dies ist eine Übung, und ich rate dir, sie zu machen, bis sie gut
läuft. Noten schnell zu finden hat viel mit Abzählen zu tun.
Sowohl beim Vom - Blatt - Spielen des nächsten Gitarrenstücks
als auch in der nächsten Musikklausur wirst du merken, dass sich
Fleiß bei dieser Basisübung auszahlt. Je besser du die Reihe
rückwärts aufsagen kannst, umso schneller lernst du die
tiefen Töne der Gitarre, die auf bis zu drei Hilfslinien liegen.

Ich gehe mal davon aus, dass du Folgendes weißt:
Die leeren Saiten der Gitarre heißen E, A, d, g, h und e (Eine alte
Dame ging Haifisch essen).
Im zwölften Bund findest Du dieselben Töne, nur eine Oktave höher.
Im fünften Bund ist der Ton der nächst höheren Saite zu
finden, nur auf der g - Saite liegt das h im vierten Bund.
Die hohe e-Saite ist die erste,
die tiefe E-Saite ist die Nummer 6. Saitenzahlen sind in Gitarrennoten immer arabische
Ziffern in einem Kreis, damit man sie von den Fingersätzen für die linke Hand unterscheiden
kann. Lagen- bzw. Bundangaben schreibt man als römischen Zahlen.
Bis zum fünften Bund kannst du auf jeder Saite 4 Stammtöne spielen:

Das sind z. B.: auf der e - Saite 1: e,
2: f, 3: g, 4: a Aufgabe: Nimm einen Würfel, die gewürfelte Zahl ist
die Saite, auf der du Ton 1 nennen musst. Bei der nächsten Saite Ton 2
usw. Oder Du nennst auf den gewürfelten Saiten feste Reihen wie 1-2-3-4
oder 4-2-3-1.
Diese Übung wird dich in kurzer Zeit
ziemlich fit machen, also wendest du dich danach den alterierten Töne
zu.

Zwischen den Tönen c und d, die auf der h -
Saite im ersten bzw. dritten Bund liegen,
befindet sich im zweiten Bund das durch ein Kreuz erhöhte c und das durch ein
"b" erniedrigte
d. Die Note heißt cis oder des; es kommt auf den Zusammenhang an, wie der Ton
gerade genannt wird. Selbstverständlich kann man auch dort Töne erhöhen und erniedrigen,
wo die Stammtöne nur einen Halbton auseinander liegen, also eigentlich kein Platz zu sein
scheint. Genauso wie die Note "c" einen Leitton namens "h" hat, hat auch die Note "cis"
das Recht auf einen Leitton, der "his" heißt und im ersten Bund der h -
Saite liegt.
Unten siehst du die Namen aller einfach alterierten Töne. Doppelt erhöhte heißen dann
"fisis, gisis", die zweimal erniedrigten "ceses, deses" usw. Das doppelt
erniedrigte h heißt heses!

| Ein "eis" zum Beispiel ist keineswegs eine Absurdität: Wenn
du in A-Dur, einer Tonart mit lediglich drei Kreuzen, die Dominante zur Tonikaparallele
spielen willst, dann brauchst du den Cis -Dur-Akkord, und dieser besteht aus "Cis - eis -
gis", so wie C - Dur aus "C - e - g" besteht. Nein, man kommt nicht durcheinander! Wenn man das "eis"
als "f" notieren würde, sähe der Dreiklang überhaupt nicht
wie ein solcher aus. |
 |
Nehme zwei Würfel, einen für die Saite und einen für den Bund, und spiele
und benenne den gewürfelten Ton.
Danach verfahre wie oben, aber schreibe was du würfelst. Schreibe alterierte Töne
abwechselnd als "Kreuz - Ton" und als "b - Ton". Schreibe einigermaßen ordentlich, dann
kannst du deine Noten als Abspielaufgabe nehmen.
Mit der nächsten Aufgabe wirst du wirklich gequält, aber sie wird
dich weiterbringen!
Du bekommst von mir ein paar Intervalle, d. h. zwei Töne übereinander, die
du auf möglichst viele
Arten spielen sollst. Für das erste Intervall z. B. gibt es in dem Bereich des Griffbrettes, den
du bisher durchgenommen hast, drei Möglichkeiten:
a) d - Saite, 1. Bund und h - Saite, 1. Bund; b) d - Saite, 1. Bund und
g - Saite, 5. Bund; und c) A - Saite, 6. Bund und g - Saite, 5. Bund.
Alles klar? Achtung: diese Aufgabe ist wirklich sehr hart, aber sie
trainiert das Denken in Zusammenhängen, und du wirst hinterher
mehr über Intervallstrukturen wissen. Bei einigen Intervallen
darfst du auch schon über den Rand des 6. Bundes hinausgucken!

Wenn du die vorigen Schritte
durchgearbeitet hast, dürfte dich in den ersten sechs Bünden
eigentlich nichts mehr schrecken. Ich fürchte, es wird Zeit, sich
dem mickrigen Rest des Griffbrettes zu widmen.
Im 5. Bund jeder Saite erklingt ja der Ton der nächst höheren Saite (mit einer Ausnahme);
im siebten Bund findet sich - mit einer Ausnahme - die Oktave zur benachbarten tieferen
Saite. Außerdem dürfte es für dich leicht sein, vom 5. zum 7. Bund einen Ganzton
hoch zu zählen.
Im 12. Bund findet sich die Oktave der Leersaite, auf der d - Saite
also ein d, und für den zehnten Bund musst du dann nur einen
Ganzton rückwärts rechnen. Auf der d - Saite ist im 10. Bund
also das c. Die Bünde acht und neun kannst Du vom siebten hoch
zählen oder vom zwölften abwärts. Wenn du bis hier gut
gearbeitet hast, dürfte das ein Kinderspiel für dich sein.
Falls du dich mit Intervallen auskennst oder diese gerade in der Schule durchnimmst:
im 5. Bund findest du die Quarte des Saitengrundtones, im 7. die Quinte, im zwölften wie
gesagt die Oktave. Bund 11 bringt die große, Bund 10 die kleine Septime (Denk an
Septakkorde: hier findest du den gesuchten 4. Ton!); Bund 8 und 9 enthalten die kleine bzw.
große Sexte (Umkehrung der großen und kleinen Terz). Kurz: wenn du schon immer mal wissen
wolltest, aus wie vielen Halbtonschritten eigentlich die Quinte besteht:
Sieben. Weil sie im siebten Bund ist. Nicht nur Klavierspieler haben Vorteile bei
Klassenarbeiten in Musik...

Würfele wie oben, nur das die "1" beim "Bundwürfel" für Bund 7 steht.
Schreibe wieder, was du gewürfelt hast, und spiele später, was du geschrieben hast.
Nimm zwei Würfel für die Bünde, dann hast du Fragen zum ganzen Griffbrett.
Aufgabe: suche auf der Gitarre alle "c", die du finden kannst; pro Saite eins oder zwei.
Wenn du dir klarmachst, dass im 13. Bund wieder der Ton des ersten Bundes auftaucht,
findest du genug. Auf einer E - Gitarre darfst du das ganze Griffbrett beackern! Nach dem "c"
kommt das "g" an die Reihe, und dann der ganze Quintenzirkel:
fis - h - e - a - d - g - c - f - b - es - as - des - ges.
Tipp für Lernwütige: abgesehen von der klaren Sache, dass
du so viel Gitarrennoten wie möglich spielen (vom Blatt spielen) solltest, wie
du in die Finger
bekommen kannst, solltest
du dir mal Blockflöten- oder Geigennoten ausleihen. Besonders Stücke für Altblockflöte gehen
bis zum d, e oder gar f hinauf, sind also sehr schön zum Trainieren des Lagenspiels. Und es
gibt viele Leute, die auf der E - Gitarre Violinsoli von Bach, Paganini und Co. üben bis zum
Abwinken...
Um Dein Verständnis von Griffbildern, von Abläufen, die auf dem Gitarrenhals immer
wieder gleich aussehen, zu verbessern, gebe ich Dir abschließend noch einige Folgen aus
zwei oder drei Tönen. Ansonsten hoffe ich, dass die Zeiten mühsamen
Töne Suchens für
dich der Vergangenheit angehören!
Spiele diese
Tonfolgen an allen möglichen Orten des Griffbretts. Spiele die
Zweitonfolgen erst auf einer, dann auf zwei Saiten. Benutze für
die Dreitonfolgen diese Möglichkeiten: a) auf einer Saite; b)
erster Ton auf einer Saite, die beiden anderen auf der zweiten Saite;
c) zwei Töne auf Saite Nummer eins und den dritten auf einer
zweiten Saite; d) wenn möglich auf drei Saiten. Merke dir
Intervallstrukturen und Griffbilder!

Post Scriptum:
Andere Saiten sind auch nur Menschen! Auf
Lauten gibt es z. B.: f - Saiten, und auch auf denen befindet sich im 5.
Bund die Quarte (b), im siebten die Quinte (c) und so weiter. Solide
Kenntnisse in Intervalllehre sind immer eine große Hilfe!
Eine kleine, unvollständige Grifftabelle
für den Hausgebrauch mit den wichtigsten Standardgriffen und einigen
Barréegriffen in englischer Schreibweise (B heißt H, Bb ist das
deutsche B).

Akkorde auf der Gitarre baut man sich so,
dass die erwarteten Töne vorhanden und möglichst gut erreichbar sind.
Das Ergebnis ist oft "unordentlicher", als vielleicht ein
Pianist für gut halten würde. Während beim D-Dur Griff der Grundton 2
mal, Terz und Quinte je einmal gespielt werden, was wunderbar ist, hat
man im G-Dur Akkord 3 Grundtöne, 2 Terzen und eine Quinte. So ist halt
die Gitarre.
Beim Einüben von Griffwechseln schlage ich folgende
Prioritäten vor:
1. Wenn ein Finger liegen bleiben kann, bleibt er liegen.
2. Wenn man einen Finger schieben kann (auf einer Saite), schiebt man.
3. Wenn man mehrere Finger "als Block" versetzen kann, versetzt man als Block.
Beispiele: Wenn man von E - Dur nach H7 (in der Tabelle: B7) wechselt,
lässt man den 2. Finger auf dem 2. Bund der A-Saite stehen.
Wenn man von D-Dur nach A-Dur wechselt, kann man den Ringfinger vom
dritten Bund der h-Saite in den 2. Bund der h-Saite schieben. Die
beiden anderen Finger setzt man quasi "als Block".
Beim Wechsel von E-Dur nach A-Dur setzt man die Finger 2 und 3 als
Block vom 2. Bund der A und d-Saiten in den zweiten Bund der g und
h-Saiten. Der erste Finger bewegt sich unabhängig.
Es ist sehr nützlich, beim
Erlernen eines neuen Griffwechsels diesen extrem langsam, wie in
Zeitlupe zu beobachten. Welcher Finger legt welchen Weg zurück?
Wenn die Finger gleichzeitig in der neuen Position ankommen sollen,
müssen sie sich unterschiedlich schnell bewegen. Eine Frage der
Choreografie!
Gut ist auch, wenn man Griffe mit unterschiedlichen Fingersätzen
greifen kann. Normalerweise greife ich G-Dur mit den Fingern 1,2 und 3;
im Wechsel mit C-Dur greife ich gerne mit 2,3 und 4 und setze beim
Wechseln 3 und 2 als Block um.
Es lohnt auch, die "häufigsten und wahrscheinlichsten Wechsel" in
Betracht zu ziehen, wenn man seinen Lieblingsfingersatz für einen
Akkord im Langzeitgedächtnis verankert. E-Moll greife ich
normalerweise immer mit 2 und 3. Beim Wechsel zur Subdominante A-Moll
kann man diese beiden als Block versetzen, beim Wechsel mit H7, dem
Dominantseptakkord, kann der 2. Finger stehen bleiben. E-Dur greift man
genauso, nur der erste Finger kommt auf der g-Saite dazu. Also gibt es
nicht wirklich viele Argumente, E-Moll gewöhnlich mit 1 und 2 zu
greifen, obwohl das natürlich möglich ist.
Barréegriffe
Im Prinzip greift man einen
Griff, den man normalerweise mit den Finger 1,2 und 3 greift, mit den
Fingern 2,3 und 4. So wird der Zeigefinger frei und kann quer über
das Griffbrett gelegt werden.
Bei Akkorden, die auf Basis der Griffe E-Dur oder E-Moll funktionieren,
liegt der Grundton auf der E-Saite, bei solchen, die auf A-Dur und
A-Moll basieren, befindet sich der Grundton auf der A-Saite. Man muss
also einen E-Dur-Griff bis in die zweite Lage verschieben, um einen
Fis-Dur-Akkord zu erhalten. Den A-Dur-Griff muss man in die neunte Lage
verschieben, um Fis-Dur zu spielen.
Natürlich kann man auch D-Dur und
D-Moll, ja sogar den C-Dur-Griff in die Lage verschieben. Auf E-Gitarren
ist C-Dur als Barrée im 5. Bund, also F-Dur, gar nicht mal so
unangenehm.
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