Ulrich Meyer, Gitarre
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Gitarre - Stimmung!

Schwierig zu beschreiben ist das Stimmen der Gitarre, weil viele physikalische Aspekte eine Rolle spielen, und weil der Vorgang halt nicht einfach ist. Sicherheitshalber finden Sie unter "Stimmtöne" Mididateien, die vielleicht beim Überprüfen helfen.

Beim Stimmen wird deutlich: um Musik zu machen braucht man vor allem eins: Stille. 

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Gitarre - Stimmung!
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Die 5. Bund - Methode
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Stimmen der Gitarre 1: allgemeine Hinweise

Ich glaube nicht, dass man das Stimmen wirklich einfach beschreiben kann. Auch beim Erklären im Unterricht braucht man viel Zeit und Aufmerksamkeit. Vor allem muss man das Stimmen praktizieren (üben!). Wenn man es zu selten macht, lernt man es nicht ordentlich. Besonders vor Publikum gelingt es dann nicht...

Ein elektronisches Stimmgerät zu benutzen verhindert zwar, dass man stimmen lernt, aber es hilft! Und freuen wir uns doch bei allem Jammern über die Schwierigkeit des Stimmens, dass unsere sechs Saiten ziemlich flott in Ordnung zu bringen sind - Klavierspieler warten Wochen auf den Stimmer und zahlen dann...

Warum stimmt man die Gitarre ganz gewissenhaft, und das Ergebnis ist trotzdem unbefriedigend?

Temperaturschwankungen und Änderungen der Luftfeuchtigkeit wirken sich auf Musikinstrumente aus. Man stimmt, fängt an zu spielen, und hat nach wenigen Takten das Gefühl, man habe vergebens gestimmt. Der Grund ist in der Regel, dass sich Instrument und Saiten an das Raumklima anpassen. Da die Plastiksaiten anders reagieren als die Basssaiten, und da alle Saiten eine unterschiedliche Masse haben, sich die Einflüsse also unterschiedlich auswirken, geht die Stimmung den Bach ’runter und Bach will nicht klingen. Abhilfe: noch ein bisschen spielen, nicht frustriert sein und nachstimmen.

Alte Saiten, die in sich unsauber sind, können alle Stimmversuche zum Scheitern verurteilen! Selbst wenn die leeren Saiten stimmen – sobald man greift klingt es furchtbar. Abhilfe: neue Saiten.

Schlechte Mechaniken, die knacken und springen, können einen musikalischen Menschen zur Verzweiflung treiben. Suchen Sie den Fehler nicht immer bei sich!

Wenn die Saiten nicht sauber durch den Sattel laufen, kann das auch Probleme machen: manchmal ist besonders bei den Bässen der richtige Ton nicht zu treffen, weil die Saite im Sattel klemmt. Abhilfe: wenn Werkzeug und handwerkliches Geschick vorhanden sind: entsprechend nacharbeiten; wenn man keine Erfahrung hat, geht man am besten zum Gitarrenbauer.

Wer mit zu viel Kraft greift, die Saiten also zu stark herunterdrückt oder gar seitlich verzieht, beeinflusst natürlich auch die Tonhöhe. Besonders auf Kindergitarren, auf denen die Saiten schlaffer gespannt sind ist das ein Problem.

Wenn alles zum Besten bestellt ist, manche Töne aber trotzdem etwas schief klingen, liegt das an der Diskrepanz zwischen reiner und temperierter Stimmung. Siehe unten unter „Feinheiten“.

Im Folgenden zwei Stimmanleitungen. Bitte lesen Sie den folgenden Text nicht durch ohne jeden Punkt sofort auszuprobieren, denn er ist so kompliziert, dass man ihn besser Schritt für Schritt nachvollzieht.

 

Stimmen der Gitarre 2: Die 5. Bund - Methode

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Wichtig beim Stimmen: Den richtigen Wirbel drehen, nicht zu schüchtern drehen, und vor allem: drehen während man den Ton hört! Der letzte Punkt ist besonders entscheidend, denn wenn man lange genug dreht ohne etwas zu hören, kann eine Saite schon mal reißen. 

Nach dem "a" der Stimmgabel versuchen Sie, die A-Saite zu stimmen. Sie können natürlich auch ein a von einer Flöte oder von einem Klavier nehmen.
Der Pfeil in der Grafik bedeutet „stimme nach" oder „vergleiche". Links steht der gestimmte, rechts der zu stimmende Ton. Römische Zahlen bezeichnen den Bund, arabische Ziffern im Kreis bezeichnen die Saiten, gezählt ab der hohen e-Saite.

 

Im 5. Bund auf der A-Saite liegt das „d". Greifen Sie bitte, ohne den Ton zu verziehen, und stimmen Sie danach die d-Saite.

Der Punkt im Foto oberhalb des zweiten Fingers ist die Markierung des fünften Bundes.

 

Im 5. Bund der d-Saite ist das „g". Stimmen Sie die g-Saite nach diesem Ton.
Überprüfen Sie danach, ob das „a" im 2. Bund der g-Saite zur leeren A - Saite passt! Diese Vergleiche über mehrere Saiten sind bei der „5. Bund - Methode" sehr wichtig!

 

Links wird die g-Saite gestimmt, rechts das h.

 

Die h-Saite stimmt man nach dem 4. Bund der g-Saite! Ausnahme!

Zum Überprüfen greifen Sie auf der A-Saite im zweiten Bund das H und vergleichen mit der leeren h-Saite (Takt 2), außerdem vergleichen Sie die leere d-Saite mit dem d im dritten Bund der h-Saite (Takt 3).

Links stimme ich die hohe e-Saite, rechts das tiefe E. Der Punkt am 5. Bund ist im Bild rechts durch den Finger verdeckt, der sichtbare Punkt ist beim 7. Bund!

 

Um die hohe e-Saite zu stimmen, greifen Sie auf der h-Saite im 5. Bund.
Tiefe E-Saite: schlagen Sie die leere A - Saite an, und spielen Sie danach das „A" im fünften Bund der E-Saite (vielleicht von oben über den Hals greifen). Vorsicht: Diesmal die tiefere Saite stimmen!

 



Tests für die erste und sechste Saite:
Vergleichen Sie die leere E-Saite mit dem e auf der d-Saite und der leeren hohen e-Saite, dann die A-Saite mit dem gegriffenen a auf der g-Saite und dem a im fünften Bund auf der hohen e-Saite, dann noch leere g-Saite und das „g" im 3. Bund er hohen e-Saite.


Die „5. Bund - Methode" ist aus mehreren Gründen nicht ganz unproblematisch:

1. Da Sie jede Saite von der vorhergehenden aus stimmen, kann es passieren, dass sich Fehler addieren. Deshalb sind die Vergleichstests so wichtig!
2. Wenn Sie beim Greifen nicht sehr darauf achten, die Töne nicht zu verziehen, werden die Saiten zu hoch.
3. Saiten, die unsauber schwingen, führen zu falschen Ergebnissen, da im fünften Bund der Fehler schon erheblich sein kann.

 

Stimmen der Gitarre 3: Die Oberton - Methode

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Wichtig beim Stimmen: Den richtigen Wirbel drehen, nicht zu schüchtern drehen, und vor allem: drehen während man den Ton hört! Der letzte Punkt ist besonders entscheidend, denn wenn man lange genug dreht ohne etwas zu hören, kann die Saite schon mal reißen.

Stimmen Sie die A-Saite wieder wie oben beschrieben nach einer Stimmgabel. Sie können auf der A-Saite den Oberton über dem 5. Bund spielen.

 

Dann spielen Sie den Oberton über dem fünften Bundstab auf der A-Saite und stimmen danach den Oberton über dem 7. Bund der d-Saite.
Berühren Sie die Saite über dem 5. Bundstab mit dem Zeigefinger, über dem 7. mit dem Ringfinger. Sanft berühren und kräftig anschlagen! Es braucht ein bisschen Übung, bis beide Töne klar und deutlich klingen, aber das Training lohnt sich: Wenn die Töne nicht stimmen, hören Sie sehr deutlich eine „Schwebung". Wenn sich die Töne einander annähern, wird die Schwebung langsamer. Wenn sie verschwunden ist, stimmt die d-Saite!

 

Nun kommt die tiefe E-Saite an die Reihe. Genau umgekehrt wie bei der d-Saite spiele ich zuerst auf der A-Saite den Oberton des siebten Bundes, dann den des fünften Bundes auf der E-Saite. Ich schlage immer die gestimmte Saite zuerst, und die zu stimmende Saite als zweite an. Mein Gehirn kommt damit besser zurecht.

 

Die g-Saite könnte man auf dieselbe Art nach der d-Saite stimmen, ich versuche aber alles direkt von der A-Saite aus zu machen, damit sich keine Fehler stapeln.
Also nehme ich den Oberton über dem zwölften Bundstab der A-Saite, und stimme danach das im zweiten Bund gegriffene a der g-Saite. Beim Greifen bitte nichts verziehen. Je nach Laune können Sie mit der Anschlagshand am Wirbel drehen - ich höre mir den gestimmten Ton lieber genau an und drehe dann am Wirbel und vergleiche wieder.

 

Als nächstes stimme ich die hohe e-Saite. Dazu erzeuge ich den Oberton über dem 7. Bundstab auf der A-Saite, ein e, und stimme danach die leere e-Saite.




Für die h-Saite gebe ich Ihnen vier Stimmwege:

1. Nehmen Sie den Oberton über dem 7. Bund der E-Saite und stimmen danach das leere h.
2. Schlagen Sie die leere hohe e-Saite an, und stimmen danach das e (gegriffen) im 5. Bund der h-Saite.
3. Greifen Sie das H auf der A-Saite im 2. Bund und stimmen danach das leere h.
4. Machen Sie das Gleiche wie bei drittens, und erzeugen Sie einen künstlichen Oktavoberton, indem Sie mit dem Zeigefinger der Anschlagshand die Saite über dem 14. Bund berühren und mit dem kleinen Finger anschlagen. Sehr elegant!

Beim 4. Bund der g-Saite befindet sich als Oberton ein h, das man nach dem Oberton über dem 7. Bund der tiefen E-Saite stimmen könnte. Aber Vorsicht: beim 4. Bund liegt die reine große Terz. Die g-Saite wird also sehr tief werden, dieser Weg ist also nicht zu empfehlen!

Zum Vergleichen sollten Sie dieselben gegriffenen Töne spielen, wie bei der „5. Bund - Methode".

 

Stimmen der Gitarre 4: Die Feinheiten

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Die Bünde der Gitarre sind gleichschwebend temperiert gestimmt (wie ein Klavier), Obertöne sind „reine Intervalle“. Diese beiden Stimmungen vertragen sich nicht. Da unser Gehör eigentlich auf reine Intervalle geeicht ist, kommen uns gleichschwebend gestimmte Instrumente manchmal ein bisschen verstimmt vor, und diese Wahrnehmung ist auch richtig.

Mit reinen Intervallen kann man streng genommen nur in einer Tonart musizieren. Zu Bachs Zeiten wurden neue Stimmungssysteme entwickelt, die gangbare Kompromisse darstellen und ein Werk wie das „Wohltemperierte Klavier“, 24 Präludien und Fugen in allen Dur- und Molltonarten, ermöglichten.

Auf der Suche nach Kompromissen (und damit sei gesagt, dass man eine Gitarre nicht „perfekt“ stimmen kann) für die Gitarrenstimmung sollten Sie unbedingt einige Akkorde spielen, und dann die Stimmung nachkorrigieren, denn Intervalle in reiner Stimmung sind zum Teil größer oder kleiner als in der temperierten Stimmung. Das klingt nicht nur kompliziert, sondern ist es auch, bestimmt aber trotzdem unser Leben als Musiker.

Wenn Sie einen E-Dur-Akkord spielen, haben Sie auf der hohen e-Saite die Oktave des Akkordes, bei A-Dur die Quinte, bei C-Dur und D-Dur die Terz des Dreiklanges. Die Oktave sollte schlicht stimmen, die Quinte wäre gerne etwas hoch und die Terz wäre gerne erheblich tiefer. Wenn E-Dur genau stimmt, klingt das hohe e beim A-Dur Akkord also ein bisschen tief. Wenn die Quinte von A-Dur genau stimmt, müsste die e-Saite bei C-Dur bei genauem Hinhören schrecklich hoch klingen. Stimmt man die e-Saite nach einer reinen Terz (nach dem Oberton über dem 4. Bund der A-Saite den gegriffenen 9. Bund auf der e–Saite stimmen!) klingt ein C-Dur-Akkord phantastisch, aber A-Dur zieht einem die Schuhe aus! Die e-Saite ist viel zu tief! Entsprechendes gilt für h-Saite und g-Saite.

Stimmt man also die beiden höchsten Saiten nach den Obertönen über dem siebten Bund der A- und E-Saiten, macht man sie zur reinen Quinte, also sehr hoch. Ich stimme die drei hohen Saiten nach Gefühl minimal tiefer, damit sie als Terzen in Akkorden etwas freundlicher klingen. Stimmgeräte geben natürlich gleichschwebend temperierte Töne an.

Dass man auf die Diskrepanz zwischen reinen und wohltemperierten Intervallen bei der Gitarre stärker reagiert als zum Beispiel bei einem Klavier, liegt an der Obertonstruktur des Gitarrentons. Wenn man eine Theorbe mit 150 cm langen Basssaiten spielt, wird das Problem noch verschlimmert, da die langen dünnen Saiten die Obertöne noch stärker hervorbringen.

Auf Lauten oder Gamben, die ja richtige, verschiebbare Bünde haben, kann man den reinen Intervallen näher kommen, allerdings muss man für jede Tonart „neu schieben“. Wenn man aber z. B. im ersten Bund sowohl „fis und cis“ auf dem 4. und 5. Saitenchor, als auch „b und es“ auf 3. und 2. Chor für ein Stück braucht, sind eigentlich zwei erste Bünde notwendig, sonst klingen die erhöhten oder die erniedrigten Töne wirklich total falsch. Immerhin liegt zwischen „dis“ und „es“ auf einer 58cm – Mensur ein guter Zentimeter! Und damit ist man dann mit dem Latein am Ende, weil ein „Doppelbund“ als erster Bund immense Probleme mit der Saitenlage machen würde. Unsere Stimmprobleme gab es also schon um 1500! Wer Violine oder ein anderes bundloses Streichinstrument spielt, kann alles richtig machen, er muss es aber können...

Auf der Internetseite der Gitarrengalerie Bremen findet man weitere interessante und detaillierte Artikel zum Thema Intonation und Stimmung unter „Probleme und Lösungen“. Dort gibt es auch ein paar Bemerkungen und Grafiken zum Thema "Saiten aufziehen".

 

Stimmtöne

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Klicken Sie rechts auf die Links, dann öffnet sich ein Programm zum Abspielen von Mididateien, und Sie hören die entsprechenden Stimmtöne der Standardstimmung inklusive 3. Saite als fis (gerne bei Lautenmusik benutzt) und der 6. Saite als tiefe D-Saite. Da diese Töne über Midi von Ihrer Soundkarte erzeugt werden, sind sie gleichschwebend temperiert.  1 = e
2 = h
3 = g  3 = fis
4 = d
5 = A
6 = E  6 = D

 

Klicken Sie auf die Links unter den Akkorden, und Sie hören diese 4 Beispiele zum Vergleichen.
E-Dur G-Dur A-Dur C-Dur

 

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