Saiten
Gitarrensaiten darf man ruhig häufiger wechseln, auch wenn sie noch
nicht gerissen sind. Die Basssaiten werden schmutzig, es sammeln sich
Partikel in den Rillen der Umspinnung, sie oxydieren und verlieren
dadurch ihre Brillanz lange bevor sie am zweiten Bund oder am Steg
durchgescheuert sind und reißen. Die ganze Gitarre klingt
obertonärmer, weniger warm und strahlend mit alten Saiten!
Die Diskantsaiten aus Plastik wechsele ich persönlich seltener als die
Bässe. Wenn sie unsauber schwingen (man sieht deutlich, wenn das
Schwingungsbild einer Saite unregelmäßig ist) sind sie nicht mehr
bundrein, und man kann die Gitarre nicht mehr ordentlich stimmen. Eine
solche Saite scheppert dann auch auf den Bünden, weil
Schwingungsbäuche an falschen Stellen auftreten. Das passiert nach
längerem Gebrauch (durch Eindrücken an den Bundstäben), man kann aber
auch Pech haben und eine neue Saite aufziehen, die nicht sauber
schwingt. Ärgerlich, aber Saitenhersteller sind auch nur Menschen!
Zum Glück sind Gitarrensaiten im Vergleich zu denen anderer
Saiteninstrumente sehr billig.
Carbonsaiten sind ein relativ neues Saitenmaterial für die
Diskantsaiten, die wegen des höheren spezifischen Gewichtes bei
gleicher Saitenspannung dünner sind. Das lässt besonders die g –
Saite weniger „topfig“ klingen. Die Saiten kosten etwas mehr, aber probieren lohnt! Es gibt geschliffene Basssaiten, die Quietschgeräusche beim Lagenwechsel
reduzieren, aber dafür weniger Brillanz haben - Geschmackssache!
Sicher schwierig, aber: hier kommt ein Versuch, mit Worten zu beschreiben, wie man Saiten aufzieht:
1. Wenn die Saiten auf der Gitarre von einem Fachmann aufgezogen worden sind, ist es eine gute Idee, genau zu schauen, wie’s gemacht war, und dies zu imitieren.
2. Wenn man beim Drehen der Wirbel merkt, das einige sich nur schwer bewegen, ist das Saitenaufziehen die Chance, einen Tropfen Nähmaschinenöl oder Silikonöl auf Welle und Zahnrad zu geben.
3. Ich ziehe fast immer die Saiten eine nach der anderen auf. Dann ist das Stimmen leichter, und die Gitarre wird nicht völlig entspannt – immerhin ziehen Tag und Nacht etwa 40 Kilo am Steg! Nur wenn ich vorhabe, meine Gitarre zu reinigen, nehme ich alle Saiten herunter.
4. Das Ende der Plastiksaiten, das am Steg landet, halte ich an eine Flamme, schmelze es so an und mache einen Knoten. Plastiksaiten sind glatt und ziehen sich schlimmstenfalls ganz aus der Befestigung.
Die Basssaiten brauchen keine Knoten am Steg. Sie haben häufig ein Ende, das „lückenhaft“ umsponnen ist. Dieser Teil legt sich leichter um die engen Kurven im Steg und hält sich gut an sich selbst fest. Man muss aber darauf achten, dass auf der Stegeinlage schon die „richtige“ Umspinnung liegt.
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5. Die Saite wird durch die Bohrung im Steg über die Stegeinlage Richtung Kopf geführt. Vor dem Steg lässt man ca. 3 – 4 cm überstehen. Dieses Ende (mit dem Knoten) wird zwischen Steg und Stegeinlage unter der Saite durchgeführt, dann umschlingt man die Saite damit noch 1 oder 2 Mal, und achtet darauf, dass die letzte Überschneidung (wichtig!) hinter der Stegkante zu liegen kommt. Wenn diese letzte Überschneidung oben auf dem Saitenhalter liegt, wird sich die Saite lange verstimmen, weil sie viel Platz zum Nachgeben hat. |
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6. Bitte die Saitenenden nicht so lang lassen, dass sie auf der Decke liegen! Sonst darf man sich über Surrgeräusche nicht wundern. Die Saitenenden unter den Schlingen der Nachbarsaiten zu verweben ist auch nicht toll, das merkt man spätestens, wenn man eine einzelne Saite austauschen muss!
Wer hier die d-Saite
wechseln muss, hat viel Spaß!
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Der Vorsichtige:
Knoten und angeschmolzene Saitenenden!
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7. Oben am Kopf führt man die Saite durch die Bohrung in der Walze, holt einige Zentimeter wieder nach vorne und umschlingt diese mit der Saite. Dann fängt man an aufzuspulen. Bei A, d, g und h - Saite spule ich zuerst nach außen, dann lege ich die Saite über das bereits Aufgespulte und spule innen den Rest auf. Bei den E – Saiten mache ich es umgekehrt. Dabei achte ich darauf, dass die Saite sich nicht in die Holzwange drücken kann. Dann kann nämlich die Saite schnell durchscheuern, oder im Extremfall das Holz gesprengt werden. Also: erst in die „falsche“ Richtung spulen, dann wechseln und zum Schluss möglichst gerade auf die Rille im Sattel zulaufen lassen.
8. Man spult so, dass die Saite oben über die Walze läuft – sonst gibt es scharfe Knicke und Scheuerstellen.
9. Kurz bevor die Saite „Spannung“ bekommt, schaue ich noch mal nach der „letzten Überschneidung“ (siehe Punkt 5)!
10. Man kann natürlich oben möglichst wenig aufspulen und kurz abschneiden. Allerdings reißen Saiten schon mal am Steg, und dann freut man sich, wenn oben noch die entscheidenden fünf Zentimeter vorhanden sind.
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11. Wenn die Saiten drauf sind, merkt man bald, dass sich die Gitarre ständig verstimmt. Es gibt viele Kurven und Schlingen, die sich recken und strecken. Um diesen wochenlangen Spaß abzukürzen, nimmt man Saite für Saite zwischen Daumen und Zeigefinger, und „kneift“ die Saite ein wenig, indem man die Saite entlang fährt und dabei immer vorsichtig dehnt. Das tut zwar ein bisschen an den Fingern weh, lohnt aber die Mühe. |
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12. Vielleicht zieht man die ersten Male die Saiten kurz vor der nächsten Gitarrenstunde auf, damit der Lehrer nachkontrollieren kann. Aber auf alle Fälle sollte man seine Gitarre selber besaiten können!
Die häufigsten Reparaturen sind wohl Risse im massiven Tonholz oder Balken, die sich gelöst haben. Der Gitarrenkorpus ist von innen mit diversen Leisten auf Decke, Boden und zwischen Zargen und Decke und Boden ausgestattet. Sie dienen der Stabilität und dem Klang und gehören zu den großen Geheimnissen der besten Gitarrenbauer! Risse oder lose Balken treten meist im Winter wegen zu geringer Luftfeuchtigkeit auf, oder weil die Gitarre einen zu starken Schlag abbekommen hat. Wenn ein Balken lose ist und schnarrt sollte man beim Gitarrenbauer vorbeischauen. Oft werden Störgeräusche auch nur von Saitenenden, die auf der Decke aufliegen, losen Schrauben an der Mechanik o.ä. verursacht. Trockenrisse sind je nach Lage nicht bedrohlich; man sollte sie aber beobachten und irgendwann reparieren lassen.
Zwei Trockenrisse,
die im Winter bei geringer Luftfeuchtigkeit weiter auseinander
klaffen. |
Sonst gibt es an Standardreparaturen bei Gitarren eigentlich nur das Erneuern der
Bünde. Auf Konzertgitarren zum Glück ein seltenes Ereignis, denn das kostet schon etwas. Achtung bei gebrauchten E – Gitarren! Stahlsaiten und heftiges Vibrato nutzen Bünde stark ab!
Wenn man sehr unachtsam war, und Kopf oder Hals abgebrochen ist, muss man natürlich zum Gitarrenbauer. Solche Unfälle sind aber nicht das Ende eines guten Instruments.
Trotzdem sollte man immer sehr vorsichtig mit seiner lieben Gitarre sein und sie wie ein rohes Ei behandeln! Man weiß nie, wie weit man auf dem Instrument noch kommt, und ob man sich irgendwann etwas Besseres gönnen möchte. Dann kann man natürlich eine gut erhaltene Gebrauchte besser verkaufen!
Fußbank oder Gitarrenstütze gehören für mich eigentlich nicht zum Zubehör, sondern zum Instrument wie Kinn- und Schulterstütze bei der Geige. Fußbänke gibt es in verschiedenen Ausführungen; die klappbaren aus Metall gibt es mit so schlechten Nieten, dass sie sehr schnell kaputt gehen. Auch auf die Stabilen nie draufstellen, dafür sind sie nicht gemacht.
Gitarrenstützen sind teurer, aber das eine Bein wird nicht hochgestellt. Wenn man
wirklich viel spielt, ist das sehr angenehm!
Unterarmauflagen kann man
tatsächlich kaufen! Während der "T-Shirt-Zeit" des Jahres
spiele ich immer mit einem "Ärmel" am rechten Unterarm,
weil man ja gerne zwecks Klangfarbenveränderung die Position des Armes
auf der Zarge verändert. Man rutscht ständig hin und her, und Haut auf
Holz bremst, außerdem sind die Zargen auf Dauer
doch scharfkantig und belasten die Muskeln und Sehnen. Mir trägt das
immer fragende Blicke und mitleidige Bemerkungen ein, aber seit ich in der Werbung eines Musikverlages gesehen habe, dass man auch kaufen
kann, was ich selbstgenäht im Sommer überall griffbereit herumliegen
habe, bin ich da ganz beruhigt...
Ein Stückchen Leder kann
hilfreich sein, wenn die Gitarre auf dem Oberschenkel wegrutscht. Dass
kann bei bestimmen Hosenstoffen passieren und ganz schön stören, wenn
man viel spielt, die Stücke schon etwas schwieriger sind, und man
eigentlich über die Musik und nicht übers Festhalten der Gitarre
nachdenken will. Und natürlich gibt es hinderliche Kleidung. In engen
Röcken kann Gitarrespielen unbequem aussehen, und manche Jeans
mit dicken Reißverschlüssen und Metallapplikationen gerade da wo die
Gitarre aufliegt... ach, das Leben kann ja so absurd sein!
Jeder weiß, wie ein Notenständer aussieht, und dass er dazu da ist, die Noten freundlich für Auge und Haltung vorm Spieler zu platzieren. Genau diese Funktion, Auge und Haltung zu entspannen, motiviert seit Jahrhunderten Menschen, für diesen Gegenstand Geld auszugeben.
Der krasse Gegenentwurf: Üben auf dem Sofa oder Bett, ein Bein übergeschlagen, Noten links neben sich auf dem Sofa. Je nach Gelenkigkeit und Alter schläft einem das Bein ein, man kriegt einen steifen Nacken, verzieht sich den Rücken und fragt sich am nächsten Tag, woher das wohl kommt. Und man verfällt nie auf die Idee, mal etwas länger zu üben.
Eine Wandhalterung für die Gitarre ist fein für den Menschen, der häufiger nach
seinem Instrument greift. Gitarrenständer stehen vielleicht im Weg und können umfallen. Auf jeden Fall führen eine griffbereite Gitarre, die man nicht umständlich aus der Tasche auspacken muss und ein aufgebauter Notenständer oft zu vermehrtem Üben!
Andererseits kann in extrem trockenen Wohnungen im Winter die Aufbewahrung des Instruments in Koffer oder Tasche mit einem
Luftbefeuchter (ein kleines Röhrchen, das man in die Gitarre hängt, im Fachhandel erhältlich), sinnvoll sein, um Trockenrisse zu vermeiden.
Ein Kapodaster (italienisch: Hauptbund) ist eine Klemmvorrichtung, die auf dem Gitarrenhals befestigt wird, und so die Mensur verkürzt. Dadurch wird der Klang der Gitarre höher. Man benutzt ihn gerne bei Liedbegleitungen, wenn ein Lied für die Singstimme zu tief ist. Dann kann man die bekannten Akkorde beibehalten und mit Hilfe des Kapo höher spielen. Bei Stücken, die in unangenehmen Tonarten stehen und sehr viele Barréegriffe (Zeigefinger über alle Saiten legen) erfordern, setzt man entsprechend den Kapo und kann dann die Akkorde einer „leichteren“ Tonart benutzen.
Für Renaissancelautenstücke wird gerne ein Kapo im dritten oder zweiten Bund gesetzt. Die Instrumente waren kleiner und höher gestimmt, man erleichtert sich also die ganz schlimmen Streckungen in der Greifhand und passt die Tonhöhe an. Es gibt Kapos, die erschreckend mehr kosten als die günstigsten Modelle, aber die Ausgabe lohnt sich.
Und natürlich gibt es gewölbte Kapos für Western- und E-Gitarren, und
gerade für Konzertgitarren.
In den „guten alten Zeiten“ bekam man als Kind eine normale Gitarre auf den Schoss, Kapo auf den siebten Bund, und dann konnte man sehen, wie man zurechtkam.
Eine Stimmgabel ist ein U–förmiges Stahlstück mit Griff, das zuverlässig immer den gleichen Ton hervorbringt. Danach kann man jedes Instrument stimmen. Elektronische Stimmgeräte können häufig auch Töne angeben, wobei
je nach Preis einstellbar ist, ob der Stimmton 440 Hertz haben oder höher liegen soll. Eigentlich soll das Stimmgerät einem aber die Entscheidungen über die Stimmung abnehmen.
Achtung: Stimmgeräte sind manchmal tückisch! Man muss nicht nur lesen, ob der Ton zu hoch oder zu tief ist, sondern auch auf den Ton achten! Wenn die d – Saite näher am c ist, zeigt das Gerät an „c, aber zu hoch“. Wenn ich nur das „zu hoch“ beachte, wird die Saite bald auf c gestimmt sein, und die Gitarre merkwürdig klingen. (Auch dieser absurde Satz steht hier, weil mir dieses Phänomen schon in der Praxis begegnet ist.)
Ein Metronom ist eine mechanische oder elektronische Vorrichtung, die man benutzt, ein vorgegebenes Tempo einzustellen oder zu üben, ein Tempo zu halten, also nicht ungewollt im Tempo zu schwanken. Es ist nicht dazu da, „im Takt spielen zu lernen“, also die Notenwerte richtig wiederzugeben. Dazu hat man das Gehirn. Der dazugehörige Lernprozess ist sehr komplex und sehr musikspezifisch. Die Tatsache, dass ein Schüler der Musik gleichzeitig spielen und beim Spielen überwachen muss, ob in Bezug auf die Zeit auch alles stimmt, braucht enorm viel Aufmerksamkeit, Abstraktionsvermögen und Arbeitsspeicher! Womöglich einer der Hauptgründe, weshalb Menschen, die ein Instrument lernen ihre Konzentrationsfähigkeit steigern.
Wenn man im Internet die Suche bemüht, findet man schnell Metronome als Freeware für den PC, ebenso kleine Programme, die
Stimmtöne angeben.
Eine Saitenkurbel ist ein einfaches Hilfsmittel, schneller Saiten aufzuziehen.
Ein Satz Saiten in Reichweite ist extrem nützlich, wenn plötzlich eine Saite reißt. Böswillige Saiten reißen immer im Konzert, am Wochenende oder auf der Südseeinsel. Dann hat man den Blues und kann ihn nicht spielen!
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