Unten
siehst du eine Tonleiter (die unteren, dickeren Noten) mit
jeweils zwei dünnen Noten darüber. Das sind die
Dreiklänge, die aus der C-Dur-Tonleiter "einfach so" entstehen.

Auf
der ersten Stufe (I) der Tonleiter steht der Ton "c". Darüber
steht der dritte Ton von c aus gerechnet, nämlich e, und der
fünfte, das g. Die Töne dieses auf "c" aufgebauten
Dreiklanges kommen also alle aus der C-Dur-Tonleiter, sie sind
"leitereigen".
Der Dreiklang auf der zweiten Stufe ist genauso aufgebaut, aber wenn du
c-e-g und d-f-a spielst und vergleichst, wirst du einen Unterschied
hören: c-e-g ist ein Durdreiklang, während d-f-a ein
Molldreiklang ist. Das "Rahmenintervall", die Quinte, ist bei beiden
gleich groß, der mittlere Ton, der "Terz" genannt wird, ist
aber vom Grundton unterschiedlich weit entfernt: c - e sind zwei
Ganztonschritte, d - f nur anderthalb Tonschritte. Den Abstand zwischen
c und e nennt man eine große Terz, das andere ist eine kleine
Terz.

Ein
Durdreiklang besteht aus
einem Grundton, einer großen Terz, und einer reinen Quinte;
ein
Molldreiklang aus einem Grundton, einer kleinen Terz und einer reinen
Quinte.
Übrigens wird die Konstruktion oft so beschreiben: Dur hat
unten
eine große Terz und oben eine kleine, Moll unten eine kleine
und
oben eine große Terz. Das ist zwar richtig beobachtet, aber
der
obere Ton baut eigentlich auch auf dem Grundton auf, nicht auf dem
mittleren Ton. An Position 3, 4 und 5 der Obertonreihe liegen die
Töne des Durdreiklanges, das kann man mit einer Gitarrensaite
zeigen, indem man die Obertöne beim fünften, vierten
und
dritten Bundstab spielt.
Schreibe unter die Dreiklänge der beiden Reihen oben die
richtigen
Buchstaben: "C" bedeutet C-Dur, "c" meint C-Moll. Zur
Lösung
Wie
lauten die
Töne des Fis-Moll Akkordes? Wie geht noch mal der Des-Dur
Dreiklang? Typische Fragen aus fröhlichen Musikarbeiten, die
man
gerne schnell beantworten können möchte. Es gibt
verschiedene
Wege, den Akkkordaufbau für Lernende verständlich zu
machen,
die teilweise mit Eselsbrücken arbeiten, damit die Sache nicht
wirklich erklären und schnell zu falschen Ergebnissen
führen.
Dass
ich es falsch finde, den
oberen Ton des Dreiklangs als weitere Terz über der Terz
zu konstruieren, weil es harmonisch nicht korrekt ist habe ich oben
schon geschrieben. Diese Methode ist eine tolle Fehlerquelle, und sie
verschleiert die Gemeinsamkeiten der Tongeschlechter
Dur und Moll. Natürlich
kann man von jedem Ton sieben Halbtonschritte
aufwärts zählen, um die Quinte zu finden, aber das
ist
umständlich! Und auch hier macht man leicht Fehler, denn
sieben
Halbtonschritte über dis liegt nun mal ais oder b, und was
braucht
man doch gerade für den Dis-Dur-Dreiklang? Bestimmt b, denn
ais
ist doch etwas ganz Seltenes? (Selbstverständlich braucht man
ein
ais, denn dis - b ist keine Quinte, sondern eine Sexte!)
Wenn
du das Gefühl hast, es wäre hilfreich, erstmal die
Seiten
über Intervalle und Tonleitern
durch zu arbeiten, ist das sicher eine gute Idee. Dreiklänge
bestehen aus den Tönen von Tonleitern, und wenn man
weiß,
dass man sich gerade in A-Dur befindet, weiß man auch, dass
der
Fis-Moll-Akkord nur fis - a - cis heißen kann, weil diese
drei
Töne in A leitereigen sind. Und es ist natürlich
besser, wenn
du sicher gespeichert hast, dass Quinten zu den "reinen Intervallen"
gehören, Terzen aber groß oder klein sein
können.
Ich
möchte
hier aber versuchen, einen praxisnahen Weg aufzuzeigen, der darauf
beruht, dass
man sich mit den Stammtönen auskennt.
1.
Alle Dur- und
Mollakkorde haben als Rahmenintervall eine reine Quinte. Eine reine
Quinte besteht aus sieben Halbtonschritten, oder 3 1/2 Tonschritten.
Wenn du dir die Stammtonreihe anschaust, kannst du leicht feststellen,
dass alle Quinten mit einer Ausnahme rein sind:
Jede
Quinte, die
einen der natürlichen Halbtonschritte enthält, ist
rein.
Untersuchen wir die Quinte c - g: sie enthält den
Halbtonschritt
zwischen e und f, ausserdem die Ganztonschritte c - d, d - e und f - g.
Das macht 3 Ganztonschritte und einen Halben, sie ist also eine reine
Quinte. Die Quinten d - a und e - h enthalten denselben
Halbtonschritt. Bei der Quinte f - c liegt dieser Halbtonschritt
außerhalb, dafür liegt jetzt der Halbtonschritt h -
c zwischen den beiden Tönen.
Nur die Quinte h - f ist etwas Besonderes, sie enthält
nämlich beide natürlichen Halbtonschritte, ist also
zu klein,
man nennt sie "vermindert". Dur- und Mollakkorde auf h müssen
als
oberen Ton ein fis haben!
2.
Wenn c - g eine
reine Quinte ist, dann muss die Quinte über cis gis
heißen,
und die über ces heißt ges. Wenn du Intervalle auf
alterierten (durch # oder b
verändert) Tönen auf diese Weise ableitest, kannst du
zwei
Hauptfehler vermeiden: einmal den des schlichten Verzählens (7
Halbtonschritte über dis war doch a, oder?) und dann den der
enharmonischen Verwechslung (die Quinte über dis ist doch b,
oder?
Nein, dis - b ist und bleibt eine Sexte!).
3.
Wenden wir uns der
Frage "Dur oder Moll?" zu: jede Terz der Stammtonreihe ist
groß
oder klein. Enthält sie keinen der natürlichen
Halbtonschritte, ist sie groß, wie zum Beispiel c - e. Liegt
einer der Halbtonschritte innerhalb der Terz, ist sie klein, wie d - f,
oder h - d.
4.
Benutze wieder das
Ableiten für sicheres Erkennen komplizierterer
Abstände: Wenn
d - f eine kleine Terz ist, dann muss die kleine Terz über dis
fis
sein. Brauchst du eine große Terz über d, dann muss
das f
zum fis erhöht werden.
5.
Beispiele: Du
brauchst einen C - Dur - Akkord? Einfach! c - g ist eine
reine
Quinte, c - e ist eine große Terz... Antwort: c - e - g!
Ein C-Moll-Dreiklang ist gefragt? Auch einfach! c - g ist immer noch
eine reine Quinte, das e muss zum es erniedrigt werden, damit du eine
kleine Terz erhälst... Antwort: c -
es - g. |

|
Aber
Ces-Moll ist
doch bestimmt schwierig zu konstruieren?! Hier kommt das Prinzip des
Ableitens zum Einsatz. Vom
C-Dur-Dreiklang leitest du C-Moll ab, und dann folgt: wenn man das c
von C-Moll
zum ces erniedrigt, müssen die anderen beiden Töne
auch ein b
bekommen: ces - eses - ges.
Natürlich
darfst du keinen
Allergieschock wegen des eses erleiden. "Das ist doch dasselbe wie ein
d, da kommt man doch durcheinander", sagen alle, aber - wenn du
den Akkord in Noten aufschreibst, und statt des eses ein d malst,
erkennst du hoffentlich: so sieht der Dreiklang gar nicht
mehr wie ein Dreiklang aus! |
 |
| Wenn
F-Dur f - a - c
heißt, muss Fis-Dur fis - ais - cis sein. F-Moll und Fis-Moll
sind f - as - c und fis - a - cis. |
 |
| H-Dur
ist etwas
spezieller: du brauchst die reine Quinte h - fis, und da die Terz h - d
klein ist, muss auch das d erhöht werden, der Dreiklang heisst
also h - dis - fis. |
 |
6.
Zusammenfassung
des "Praxisrezeptes": erst die Quinte wissen, da beide
Tongeschlechter, Dur und Moll, eine reine Quinte als
Rahmenintervall haben, und dann die Terz auf den Grundton. Einfach
mit der Stammtonreihe operieren, bekannte Dreiklänge zum
Ableiten
benutzen und fertig.
7.
Übungsaufgaben: schreibe folgende Dreiklänge:
d
- D - Des - F - fis - g - gis - B - b - es - E - cis - A - as - ais -
Gis - As - Cis - e - f - G - H. Zur
Lösung
8.
Nachbemerkungen:
Ein Ces-Moll-Akkord ist natürlich etwas weltfremd. Er
wäre
die Tonikaparallele in Eses Dur, einer Tonart mit 10 bs
als Vorzeichen - so etwas nutzt man nicht im Ernst. Er dient als
Beispiel dafür, dass das System immer funktioniert, und dass
man
es verstehen kann.
Andererseits... wenn ich in G-Dur eine Mollsubdominante habe (doch, das
klingt enorm hübsch!), ist das der C-Moll-Dreiklang. Die
Mollsubdominante von Ges-Dur ( nur sechs bs als Vorzeichen)
wäre ein ...Ces-Moll-Akkord! So undenkbar ist er also doch
nicht!
Die Bemerkung über Fis-Moll als leitereigenen Klang in A-Dur
ist
damit hoffentlich auch als nur eine Möglichkeit von vielen
entlarvt: der Akkord könnte als Mollsubdominante von Cis-Dur
auftreten, als Moll - Zwischendominante in einer II - V - I Sequenz in
einem Jazzstück oder als Durchgangsakkord in einer wilden
Modulation. Auf Bestimmbarkeit mit Hilfe des tonalen Umfeldes kann man
sich nicht immer verlassen. Die Ableitung "F-Dur ist f - a - c; F-Moll
erhalte ich, indem ich die Terz zu as erniedrige, und Fis-Moll durch
Erhöhen aller Töne um einen Halbtonschritt: fis - a -
cis"
ist ein ziemlich sicherer Weg, es sei denn jemand kommt auf die Idee,
die Erhöhung von c könne des heißen.
9.
Zweite
Nachbemerkung: Ist noch unklar, dass man verminderte und
übermäßige Dreiklänge genauso
erarbeiten kann?
Septakkorde und schlimmere Dinge gehen sowieso fast von alleine, wenn
man mit normalen Dreiklängen genug Übung hat. Ein
entsprechendes Kapitel zum Finden von Intervallen findest du hier:

Du
siehst hier nochmals die erste Zeile dieser Seite, mit
zusätzlichen Verzierungen. Musik ist eine Kultur mit
Sprache und Schrift; man darf ruhig Dinge benennen können.
Also: die Dreiklänge innerhalb einer Tonart haben bestimmte
Namen, die etwas über ihre Funktion oder Verwandtschaft
aussagen.
In
einer Tonart sind die Hauptakkorde die der ersten, fünften und
vierten Stufe. Grund hierfür ist wieder die aus der
Obertonreihe resultierende Verwandtschaft.
Der Dreiklang der ersten Stufe heißt Tonika, die 5. Stufe
heißt Dominante, die 4. Subdominante.
"Tonika" bedeutet "dem Grundton zugehörig", "dominieren"
bedeutet "beherrschen", und die Vorsilbe "sub-" heißt
"unter". Die Dominante ist also der andere wichtige Dreiklang einer
Tonart, und die Subdominante hat ihren Namen von der Tatsache, dass sie
spiegelverkehrt zur Dominante fünf Tonschritte unter dem
Grundton (oder vier darüber) anzutreffen ist.
Für die Harmonisierung vieler Lieder reichen diese drei
Akkorde aus. Wenn man es etwas ausgefeilter braucht oder haben
möchte, nimmt man die Mollparallelen hinzu: Die
Tonikaparallele, die Dominantparallele und die Subdominantparallele.
Jeder dieser Dreiklänge steht, wie bei den Tonleitern bereits
beschreiben, eine kleine Terz unter dem Hauptklang.

Für
die Funktionsbezeichnungen gibt es Abkürzungen: T für
Tonika, D und S für Dominante und Subdominante. In einer
Molltonart wären diese drei Kleinbuchstaben. Die parallelen
Mollakkorde heißen Tp, Sp und Dp (Großbuchstabe
für den Ausgangsklang, Kleinbuchstabe für die
Parallele, die ja ein Molldreiklang ist.).
Diese sechs Akkorde sind die Grundausstattung für die
Harmonisierung von Melodien in einer Tonart. Sie sind die
nächsten Verwandten eines tonalen Zentrums.
Spiele das unten stehende Lied "Schlaf, Kindchen, schlaf" mit beiden Harmonisierungen! Du
siehst und hörst: die einfache Version ist ausreichend, die
andere aber interessanter...

Bei
komplizierteren Liedern
kommen noch einige andere Akkorde zu den direkt zur Tonart
gehörenden hinzu. Wenn das Lied moduliert, d.h.
vorübergehend
in eine andere Tonart ausweicht, wird der Weg dahin gerne mit einer
Zwischendominante vorbereitet. In C-Dur taucht plötzlich die
Note
"fis" auf, die ja zu G-Dur gehört, und ihr wird als Harmonie
der
D-Dur-Dreiklang zugeordnet. Ein Molldreiklang auf "d" ist in C-Dur ja
als Subdominantparallele bekannt; der D-Dur-Akkord heißt
"Doppeldominante". Wegen des Bezuges zur Subdominantparallele wird er
auch manchmal "Wechseldominante" genannt. Allzu überrascht
sollte
man auch nicht sein, wenn statt E-Moll plötzlich E-Dur als
Zwischendominante zur Tonikaparallele auftaucht...
Unten also die etwas "erweiterte Familie" der Dreiklänge, die
mit der Tonika C-Dur in freundlichen verwandtschaftlichen Beziehungen
stehen:

Der
dritte Akkord, B-Dur, ist in
C die doppelte Subdominante. Darauf folgt F-Moll, die Mollsubdominante,
zugegeben ein eher seltener Gast. Die Doppeldominante D-Dur
führt
zur Dominante hin - ein häufiges Manöver.
Die Zwischendominanten zur Tp und zur Sp schreibt man als "D" in
Klammern und einem Bogen zum Bezugsklang.
Alle diese Dinge kommen in etwas abwechslungsreicherer Musik vor, und
man sollte sie kennen, dann kommt man beim Heraussuchen einer
Begleitung eher auf solche Tricks!
Im
unten stehenden Quintenzirkel sind die Akkorde eingerahmt, die in C-Dur
am wichtigsten sind. Die eingeklammerten Buchstaben stellen die Akkorde
dar, die gerne als Zwischendominanten ins Spiel kommen. Einen solchen
Rahmen kannst du dir um jedes tonale Zentrum denken, und schon
weißt du, welche Akkorde zur Begleitung eines
Stückes wahrscheinlich Verwendung finden. Der Quintenzirkel
hat definitiv einen Bezug zur Praxis!
 |

|
Links siehst
du den Quintenzirkel in vertikaler Form. (Eine Idee des Theorielehrers
an der HKM Bremen, H. J. Feilke) Suche das "C" in der Mitte. Darunter
siehst du ein kleines "a", also die Tp, darunter wiederum "F", die
Subdominante. Über dem "C" steht "e", die Dp, und
darüber die
Dominante "G".
Wenn du "C" und die beiden Akkordbuchstaben darüber liest,
hast du
die Töne des C-Dur - Dreiklangs: C - e - G. Bei "c", dem
Symbol
für C-Moll, findest du "c - Es - g", die Töne dieses
Dreiklangs. Das klappt überall!
Dur -
Quintenzirkel Quintenzirkel
Dur & Moll
Wie
gefällt dir die folgende Version von "Der Kuckuck und der
Esel"?
|
 |
Schreibe
unter die folgende Zeile die Funktionsbezeichnungen und die
tatsächlichen Akkorde! Zur Lösung

Der
letzte Dreiklang der
Analyseaufgabe oben ist offenbar eine Mogelpackung: Er hat nicht die
übliche Terzenstruktur! Von fis nach a ist eine kleine Terz,
aber
von a nach d sind es vier Tonschritte - was nun?
Es handelt sich um die Umkehrung eines Dreiklanges. Um das
Rätsel aufzulösen, musst du den Akkord solange
"umschichten", d.h. Töne oktavieren, bis er die Terzenstruktur
hat. Dann ergibt sich zwischen den Rahmentönen eine reine
Quinte, und dann ist der untere Ton der Grundton des Dreiklanges.

Hier
siehst du als erstes einen normalen C-Dur - Dreiklang. Da es die
Grundstellung des Dreiklangs ist, steht darunter keine Ziffer.
Als zweites folgt die 1. Umkehrung. Sie wird "Sextakkord" genannt, weil
zwischen unterstem und höchstem Ton eine
Sexte liegt. Die Terz e - g wird nicht extra bezeichnet (Terzen sind in
Akkorden selbstverständlich und werden nicht benannt.).
Bei der 2. Umkehrung sind beide Intervalle ungewöhnlich, also
steht beim "Quartsextakkord" eine 4 und eine 6 als Bezeichnung darunter
.
Achtung: Bei den Umkehrungen, dem Sextakkord und dem Quartsextakkord
ist der tiefste Ton nicht der Grundton! Den findest du wie oben schon
erklärt, indem du den Akkord umkehrst, bis du die
Grundstellung erreicht hast.
Im zweiten Takt kommt ein Dreiklang, der unten auf der Seite 6 schon
erschien: er steht auf der 7. Stufe einer Durtonleiter und hat
über eine Quinte, die um einen Halbton zu klein ist. Wegen
dieser "verminderten Quinte" heißt er denn auch "verminderter
Dreiklang" - nur, was machen wir mit ihm?
Erst Mal stellen wir fest, dass er weder ein Dur- noch ein
Molldreiklang ist. Und dann findet unser Ohr, dass er keinen Grundton
hat: Dieser fehlt (deswegen ist der Funktionsbuchstabe "D" auch
durchgestrichen) und muss nachkonstruiert werden: er liegt eine Quinte
unter dem mittleren Ton.
Mit dem "g" darunter ist er ein vollständiger
"Dominantseptakkord", ein Vierklang, der zu Grundton, Terz und Quinte
noch mit einer kleinen Septime ausgestattet wurde. Dieser Vierklang
kommt genau so in der Obertonreihe vor, deshalb sind unser Ohr und
unser Gehirn auch so zufrieden, wenn wir den Grundton eben so
"konstruieren".
Auch Septakkorde kann man umkehren: Auf die Grundstellung, den
Septakkord, folgen der Quintsextakkord, der Terzquartakkord und der
Sekundakkord, der vollständig "Sekundquartsextakkord"
heißen
müsste, aber nie so genannt wird. Auch die "Bezifferung" weist
höchstens mal 2 und 4 auf. Am Ende der Zeile findest du die
Umkehrungen des verminderten Dreiklangs.
Weshalb ich dies alles so ausführlich erkläre? Weil
im "wirklichen Leben" Stücke mit Akkorden nur in
Grundstellungen nicht existieren. Selbst die Musikarbeit in der Schule
zu diesem Thema wird mit Umkehrungen aufwarten, und da wäre es
doch schön, wenn du nicht nur b - d - f, sondern auch f - b -
d als B-Dur - Akkord erkennst...
Ergänze
unter den folgenden Zeilen Funktionsbezeichnungen und
Dreiklangsbuchstaben. Mache dir Gedanken über die
Umkehrungen! Zur Lösung

Wie
löst man korrekt einen Dominantseptakkord auf - eine wichtige
Frage nicht nur für die nächste Musikklausur! Ich
versuche kurz zusammen zu fassen:
Nehmen
wir einen vierstimmigen Satz im Violin/Bassschlüsselsystem.
Der Bass bewegt sich jeweils von Grundton zu Grundton, in diesem Fall
von G nach C, da das Beispiel der Einfachheit halber in C-Dur steht:

Für
jeden Ton der Dominante gibt es Stimmführungsregeln:
- Der
Leitton h (die Terz der Dominante) löst sich in den Grundton c
(des Zielklanges) auf.
- Die Quinte d wird abwärts zum Grundton c geführt,
weil man
es vermeidet, die Terz eines (Dur-) Akkordes zu verdoppeln (sonst
müsste man sie, wenn sie Leittoncharakter hat, zweimal in
einen
neuen Grundton führen und erhielte Oktavparallelen).
- Die Septime f, der Gegenleitton, wird einen Halbtonschritt
abwärts zur Terz c des Zielklanges geführt.
- Die Oktave g bleibt liegen und wird somit zur Quinte des
Zielklanges.
- Die verminderte Quinte h-f in der Dominante löst sich in die
große Terz c-e auf (bei einem Mollzielklang in die kleine
Terz c-es).
- Die übermäßige Quarte f-h löst
sich in die kleine Sexte e-c auf.
Daraus
ergibt sich, dass auf
einen vollständigen D7, der also Grundton, Terz, Quinte und
Septe
enthält, eine unvollständige Tonika folgt - ihr fehlt
die
Quinte. Anders herum gilt: ist der D7 unvollständig (dann
fehlt
die Quinte und der Grundton, der schon im Bass steht, wird in einer
Stimme verdoppelt) erhält man als Auflösung eine
vollständige Tonika.
Kommentare
zu den einzelnen Takten:
1. D7
vollständig,
Auflösung unvollständig. Im Sopran liegt die Septime,
die
sich in die Terz der Tonika auflöst, die Quinte d wird zum c
abwärts geführt, der Leitton h im Tenor geht
ebenfalls zum c,
also wird dieses verdoppelt (das c im Violinschlüssel hat zwei
Hälse). Der Zielklang enthält dreimal den Ton c,
einmal das e
und keine Quinte g.
2. D7
unvollständig (die
Quinte d fehlt), Tonika vollständig. Das f im Sopran geht zum
e,
das h zum c, und der verdoppelte Grundton g im Tenor bleibt liegen,
sodass der Zielklang diesmal eine Quinte besitzt.
3. D7
vollständig,
Auflösung unvollständig. Man kann die Stimmen so wie
in Takt
1 verfolgen, allerdings ist das dreifache c deutlicher sichtbar. In
dieser Lage, mit der Terz in der Oberstimme, wird beim Spielen auch
deutlich, warum der Leitton nicht zum g abwärts springen
darf.
4. D7
unvollständig (die Quinte d fehlt), Tonika
vollständig. Die Alternative zu Takt 3.
5. Da
im Sopran die Quinte d liegt, muss die Dominante vollständig
und damit die Tonika quintlos sein.
6.
Hier ist in der Oberstimme
der Grundton verdoppelt, also fehlt der Dominante die Quinte, und man
erhält eine vollständige Tonika.
Kann
der Dominante nicht auch mal etwas anderes als die Quinte fehlen? Wenn
man die Septime weglässt, ist es kein D7 mehr, und die Terz
braucht die Dominante als Charakteristikum, weil sie als Leitton zum
Tonikagrundton führt. Muss man sich immer an diese Regeln
halten? Natürlich gibt es jede Menge Gegenbeispiele, viele
Sätze in denen der Leitton in einer Mittelstimme "abspringt"
und zur Quinte geht ("sich zur Quinte auflöst" würde
ich das allerdings nicht nennen). Trotzdem sollte man die Regeln
beherrschen, bevor man sich - bewusst - darüber
hinwegsetzt.
In der
obigen "Übung zur
Funktionsanalyse" sieht man, was passiert, wenn man im Bass statt des
Grundtones die Terz, Quinte oder Septime der Dominante hat. In der
folgenden "Übung: Schreiben und spielen" gibt es weitere
praktische Beispiele für die Auflösung des
D7.
Die
folgenden Akkordfolgen in C - dur und a - Moll sollen kein reiner
Denksport sein: wenn du sie auf der Gitarre durchgespielt und
durchdacht hast, sollst du entsprechende Folgen in den angezeigten
Tonarten aufschreiben und spielen.
Selbstverständlich kann man die Noten auch im
Violin/Bassschlüsselsystem aufschreiben und auf einem
Tasteninstrument spielen.
Der Dominantseptakkord ist in der ersten Akkordfolge
unvollständig (die Quinte fehlt) und löst sich in
eine vollständige Tonika auf: der Grundton im Bass geht zum
Grundton, die Septime im Tenor wird zur Terz der Tonika
geführt, der Grundton im Alt bleibt liegen und wird zur Quinte
des Zielklanges, und der Leitton im Sopran wird
selbstverständlich in den Grundton aufgelöst. Im
zweiten Beispiel ist es zunächst umgekehrt: die
vollständige Zwischendominante (D7) löst sich in
einen vierstimmigen Akkord ohne Quinte auf (die Dominante G). Der
Grundton im Bass geht wieder zum Grundton, die Quinte im Tenor geht
abwärts zum Grundton, die Septime (Gegenleitton) im Alt wird
nach unten in die Terz des Zielklanges geführt, und weil der Leitton
fis nach oben in den Grundton aufgelöst werden muss fehlt dem
G-dur-Akkord die Quinte d. Darauf folgt noch einmal der
unvollständige Dominantseptakkord, der sich in die
vollständige Tonika auflöst. Zur Lösung

Um
eine etwas umfangreichere Analyseübung zu bieten, habe ich mir
einen Choral vorgenommen, der sich unter den vierstimmigen
Chorälen J. S. Bachs sechs Mal findet: "O Haupt voll Blut und
Wunden" (einmal unter dem Titel "Herzlich tut mich verlangen"). Da die
Sätze in nur 4 Tonarten stehen, habe ich zweimal transponiert.
Selbstverständlich ist jede Bearbeitung von Bach anders; wie
gilt es herauszufinden - ich hoffe, gerade das ist etwas interessant.
Im
Verlauf der Sätze wechselt mehrfach die Tonart; ich habe
versucht, dies kenntlich zu machen. Zu Bachs Zeiten war es ja
üblich, zu sagen "das Stück geht aus dem C-Dur" und
weniger "das Stück steht in C-Dur". Als Beispiel sei zum
ersten Choralsatz vorausgeschickt: Das Stück beginnt in
D-Moll, wechselt dann nach dem Wiederholungszeichen in die
Paralleltonart, um nach dem Zeilenschluss in Takt 6 wieder nach D-Moll
zurück zu modulieren (über eine plagale Kadenz mit
Picardischer Terz in der Tonika). Ab Takt 9 bis zum Schluss nehme ich
wieder F-Dur als Tonart an. Dies ist natürlich
Interpretationssache. Wie ich darauf komme? In erster Linie, in dem ich
mir die Zeilenschlüsse (unter den Fermaten) anschaue. Wer
meine Meinung nicht teilt, oder sonst Fehler (Besonders Durchgangsnoten
im Bass habe ich allerdings nicht immer bezeichnet) findet, kann mir
gerne Verbesserungen mitteilen; meine Emailadresse steht im
Impressum.
Um
sich der Sache anzunähern ist es vielleicht eine gute Idee,
sich zu jedem Satz zunächst den tonalen
Bereich zu skizzieren. Dann ist man besser auf die
Wechselfälle des Lebens vorbereitet. Nützlich ist
vielleicht auch, den Abschnitt über entfernte
Verwandte noch mal zu lesen. Grundsätzlich sollten
Vorkenntnisse zu Kadenzen vorhanden sein - die Aufgabe ist eher
für Fortgeschrittene...
Durch
einen Klick auf die Links öffnen sich PDF - Dateien. Links
stehen die Choräle, rechts die Choräle mit
Funktionsbezeichnungen... viel Spaß beim Analysieren und
Vergleichen!
Wir
sind zwar weit entfernt davon, dass ich alles Wissenswerte
über Akkorde erklärt hätte, aber immerhin
weißt du jetzt so viel über sie, dass du dieses
Wissen in der Praxis ausprobieren musst: Versuche Lieder und Melodien
zu begleiten, nutze den Quintenzirkel als Hilfe! Schreibe selber
Stücke!
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