Ulrich Meyer, Gitarre
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Rhythmus, Takt und Metrum

Drei Begriffe, die mit der zeitlichen Ebene der Musik zu tun haben. Sie sind miteinander verwoben und manchmal nicht leicht auseinander zu halten.

Lernstrategien für rhythmische Probleme.

Musiklehre
Musiklehre Rhythmus
Die Notenwerte
Irreguläre Teilungen
Punktierungen
Haltebogen
Zählen lernen
Taktschlagen mit Fuß
Takt
Laut zählen
Irreg. Teilungen zählen
Dirigieren
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Rhythmus, Takt, Metrum

Musik passiert in der Zeit. Die Zeit ist eine Dimension, die insofern Probleme macht, als man sie nicht anfassen oder festhalten kann. Ein Maler kann nach zwei Wochen an einem Gemälde etwas verändern, wenn es ihm nicht so gelungen scheint; ein Musiker spielt eine falsche Note, kann sie aber nicht korrigieren, weil seine Kollegen ja weiterspielen. 

Die Dauer der Töne, die ja unterschiedlich lang sind, ergibt eine Bewegung in der Zeit, die meistens attraktiver ausfällt als das gleichförmige "tick tack" einer Wanduhr. Sie wird Rhythmus genannt. 

Fast immer ordnet man diese Rhythmen einer höheren Ordnung unter, die Takt heißt. Wenn offenkundig immer wieder nach je vier gleichlangen Zeitabständen eine Betonung kommt, beschließt der Komponist, dass sein Werk im 4/4 Takt steht, setzt Taktstriche und ordnet das Ganze damit. Das ist für den Musiker, der es spielen soll durchaus erfreulich. Es gibt in den Lautentabulaturen der Renaissance viele Stücke, die anscheinend im geraden Takt notiert sind, also Striche nach je zwei Schlägen haben, bei denen man aber jeweils sechs Schläge zu einem Takt zusammenfassen sollte, damit das Stück so klingt, wie es gedacht und für den zeitgenössischen Lautenisten selbstverständlich war. Wenn man das aus Titel, eventuell Tempovorschlag (was heißt denn "compas apresurado?") und Struktur nicht errät findet man das Stück vielleicht nicht hübsch und verpasst etwas...

Metrum ist ein Begriff, der auch in der Poetik gebraucht wird. Er meint ein grundsätzliches Schema von Länge und Kürze oder Betonung und Nichtbetonung von Silben. Gedichten ordnet man diese grundsätzlichen Schemata zu; eine Liedzeile wie "Kommt und lasst uns tan-zen, sprin-gen, kommt und lasst uns fröh-lich sein." spricht man ja unweigerlich in einer bestimmten Form. Musikstücken lassen sich solche Metren auch zuordnen, allerdings ist es hübsch, wenn ein Stück ein gleichförmiges Schema dann irgendwann auch verlässt oder variiert - mittels unterschiedlicher Rhythmen eben.

 

 

Über diesen Kanon kann man sagen, dass er im 3/4 Takt steht, das Metrum ein Trochäus (lang - kurz oder schwer - leicht) ist und der Rhythmus aus der Abfolge Halbe - Viertel besteht. Rhythmus und Metrum stimmen so sehr überein, dass man nicht über zu viel Abwechslung klagen kann. Damit macht dieses Beispiel auch deutlich, warum es manchmal schwer fällt, Rhythmus und Metrum sauber zu trennen.

Viele Bewohner höherer Intelligenz dieses merkwürdigen Planeten mögen den rhythmischen Aspekt der Musik sehr und tanzen zum Beispiel zu Musik oder wippen beim Hören mit dem Fuß; in unserem Kulturkreis gerne zu relativ einfachen Takt- und Rhythmusstrukturen wie Polka oder Walzer. In der indischen Kunstmusik zum Beispiel ist die Ebene des Rhythmus viel höher entwickelt als in der europäischen. Ähnlich ist es dort mit der Melodik mit den unglaublich komplizierten Skalen der Ragas, die Intervalle benutzen für die wir teils nicht mal Namen haben. Dafür wird vergleichsweise wenig Wert auf harmonische Organisation gelegt.

 

Die Notenwerte

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Zeit messen wir in Einheiten wie Minuten und Sekunden, Musiker haben ein System von relativen Zeiteinheiten entwickelt. Auch dieses System ist enorm praxisbezogen und durchdacht, wie das der Tonhöhendarstellung. Die Form der Note, ausgefüllt, mit Hals, mit Fähnchen oder Balken, gibt die Tondauer an. Von einem Wert zum nächsten wird die Dauer jeweils halbiert bzw. verdoppelt.

Schon betreten wir das Reich der ungenauen Erklärungen: Die Ganze Note hat den Wert von 2 Halben oder 4 Vierteln. Da wir alle wissen, das vier Viertel von einer Torte eine ganze Torte ergeben, halten wir einen 4/4-Takt für den Normalfall, in dem die Welt in Ordnung ist. Ein 4/4-Takt hat vier Schläge (weil der Dirigent den Takt schlägt), und somit hat eine Ganze Note ebenfalls vier Schläge. Die Halbe hat zwei, die Viertel einen, und die kleineren Notenwerte teilen sich einen Schlag. Vierundsechzigstelnoten (nicht in der Grafik) teilen sich zu sechzehnt einen Viertelschlag, in einen 4/4-Takt passen ihrer 64. Eine Tabelle wie die folgende hat jeder schon gesehen:

 

Im Reich der ungenauen Erklärungen muss man unentwegt aufräumen. Zuerst erklärt man etwas ungenau, und dann kommen die Zusatzerläuterungen: 
Die Ganze Note ist nicht der größte Notenwert - es gibt eine Doppelganze. 
Die Bezeichnung "Ganze Note" kann zwei Bedeutungen haben. Erstens: eine Note, die vier Viertelschläge dauert, zweitens: eine Note, die einen ganzen Takt dauert. Man kann prinzipiell in einem 6/8-Takt eine Ganze Note setzen, die dann den Wert von sechs Achteln hat. Allerdings sollte man sich bemühen, Missverständnisse zu vermeiden. 

Was heißt "ein System von relativen Zeiteinheiten"? Klar ist: in einem Stück dauert die Ganze Note immer länger als die Halbe, aber Musikstücke haben unterschiedliche Grundtempi. Die Viertel eines langsamen Stückes können länger dauern, als die Halben in einem sehr schnellen Stück. Um 1816 erfand auf Anregung Beethovens Johann N. Mälzel das Metronom (in einem Rechtsstreit wurde erklärt, dass Dietrich Nikolaus Winkel der Ruhm des Ersterfinders gebührt, namentlich hat sich aber Mälzel durchgesetzt), bei dem man an einer Skala einstellen kann, wie viele Schläge pro Minute erklingen. Tempoangaben wie "Allegro MM 132" bedeuten "nach Mälzels Metronom 132 Schläge pro Minute".

Das System sei "praxisbezogen und durchdacht" habe ich oben behauptet. Zählt man die in der Tabelle fehlenden 64tel mit, muss der Musiker im Orchester, der gerade beginnt, eine längere Oper zu spielen, im Verlaufe des Abends sieben verschiedene Notenwerte sofort auseinander halten können. (In sehr langsamen Sätzen können bei Verzierungen auch schon mal 5 Balken oder Fähnchen an Noten auftauchen, also 128telnoten, aber das merkt man dann schon...) Das scheint ja seit längerer Zeit grundsätzlich zu klappen, was bedeutet, dass die Menge an auftauchenden Zeichen oder Daten für das Gehirn eines musikalisch begabten Menschen zu verarbeiten ist. Aber die gezählten 7 Notenwerte sind noch nicht mal die halbe Wahrheit!

 

Irreguläre Teilungen

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Man kann einen Notenwert nicht nur in zwei kleinere halbieren, man kann ihn auch unregelmäßig teilen! Die häufigste Teilung ist die Triole. Das Wort bedeutet, dass anstelle von zwei kleineren Werten drei ihren Zeitraum einnehmen.

 

Und es gibt natürlich nicht nur Achteltriolen. Man kann drei Halbe setzen, wo sonst zwei stehen, drei 32tel anstelle von zweien usw. Wenn man ein bisschen überlegt kommt man unweigerlich zu folgenden Schlüssen: Da bei einer Triole aus Halben 3 Noten in einen Takt passen, muss es sich um "Drittelnoten" handeln, Vierteltriolen passen 6 in einen Takt, also sind das Sechstelnoten, dann gibt es noch Zwölftelnoten, 24telnoten, 48telnoten usw. 

 

 

Hätten diese Notenwerte eigene Zeichen, müsste sich der Musiker nicht mit sieben Notenwerten, sondern mit, na sagen wir knapp der doppelten Menge herumärgern. Und die Wahrscheinlichkeit in der Praxis zu scheitern wäre groß. Wobei noch nicht erwähnt wurde, dass es auch den umgekehrten Fall gibt: zwei Noten dort wo sonst drei (Duole) stehen, oder vier (Quartole) anstelle von dreien (allgemein: gerade Teilung statt einer ungeraden). Um Quintolen, Sextolen, und die, bei denen der Komponist einfach schreibt "11:10" zu verschwiegen...

 

 

In der Renaissance gab es Verfahren, ungewöhnliche Notenteilungen zu kolorieren, also z.B. rot einzufärben. Heute deutet man die irregulären Teilungen durch Klammern mit arabischen Ziffern an, wie oben in den Notenbildern zu sehen. Jedenfalls gibt es keine neuen Zeichen, und das ist auch gut so. Es ist doch auch ganz schön, dass man für die Laute in Bär, Tür, Öse, Leute, Läuten, Moin, Maul, Meile, Mai, Mayer etc. nicht extra Buchstaben erfunden hat!

 

Punktierungen und Haltebogen

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Das sind immer noch nicht alle Gemeinheiten, die auf den Lernenden in der Welt des Rhythmus warten. Steht ein Punkt hinter einer Note, verlängert sich deren Wert um die Hälfte. Aus einer Halben wird eine Halbe + Viertel, also eine Note, die drei Schläge dauert; aus einer Viertel wird durch den Punkt eine Note, die die Länge von drei Achteln hat. Eine doppelt punktierte Halbe zählt eine Halbe + eine Viertel + eine Achtel; es kommt also die Hälfte und die Hälfte der Hälfte dazu. 

 

 

Und es gibt immer noch Dinge, die man nicht schreiben kann, ohne einen weiteren Trick zu erfinden: den Haltebogen. Er verbindet zwei Noten gleicher Tonhöhe, die dann als ein Ton gespielt werden. Man macht dies, um Notenlängen zu schreiben, die sonst nicht machbar wären, um Noten in einen neuen Takt hinüber zu halten oder um die Lesbarkeit zu verbessern. Besonders in der sogenannten U-Musik (Unterhaltungsmusik), in der der Rhythmus oft gegen den Takt geht und so Spannung erzeugt, sind die Rhythmen leichter zu deuten, wenn sie als Überbindungen geschrieben werden. Tatsächlich klingen viele Popstücke wie Kinderlieder, wenn man sie rhythmisch "begradigt"; anders herum kann man auch "Hänschen klein" als Jazzstück spielen. 

 

 

Zählen lernen

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Wer soll da noch durchsteigen? Es wird Zeit, das wir uns nach der gemütlichen Aufzählung der möglichen Rhythmen und ihrer Zeichen darum kümmern, wie man das eigentlich lernen soll... Was muss man tun, damit man das System nicht nur theoretisch versteht, sondern auch praktisch umsetzen kann? 

In der Besprechung von Alicia Keys' neuer CD in der Tagespresse steht sinngemäß, dass es ähnlich schwierig sei, zu singen und sich dabei gleichzeitig auf dem Klavier zu begleiten, wie sich auf den Kopf zu klopfen und dabei den Bauch in Kreisen zu reiben (vielleicht auch etwas schwieriger). Frau Keys sagt denn auch aus, dass sie lange und viel geübt habe, um das zu können (sehr beruhigend, zu erfahren, dass auch Stars üben...). Genau dies, die Gleichzeitigkeit vieler Vorgänge, ist die Hauptschwierigkeit beim Musizieren. Was passiert im Gehirn des Gitarrenschülers?

Das Auge sieht eine Viertel punktiert a auf der g-Saite auf dem Notenblatt. Dass es sich um das a auf der g-Saite und nicht auf der d- oder A-Saite handelt merkt es an entsprechenden Hinweisen wie Saiten- oder Lagenbezeichnung. Das Gehirn befiehlt der Greifhand, das a auf der g-Saite im zweiten Bund zu greifen (dass dazu eine bestimmte Körper-, Arm- und Handhaltung eingenommen wird lassen wir jetzt mal beiseite), gleichzeitig bekommt die Anschlagshand den Befehl, die g-Saite (und nicht die h- oder d-Saite) anzuschlagen. Dann berechnet das Gehirn, wie lange die Note dauern soll. Außerdem registriert es, ob der zweite Gitarrist noch mitspielt, die richtige Note in der richtigen Länge spielt oder zu schnell weiter geht. Falls letzterer Fall eintritt, wird blitzartig eine Entscheidung  gefällt zwischen "Katastrophe, sofort aufhören und neu beginnen" oder "ebenfalls Ton kürzen und gemeinsam weiterspielen". Am Rande hört der Spieler, dass das kleine Kind in der ersten Reihe des Publikums gut hörbar äußert "Mama, warum guckt der Junge so komisch?", beschließt aber, dieser Wahrnehmung keine größere Bedeutung beizumessen und statt dessen die nächste Note, diesmal eine von drei gleichzeitig zu spielenden, konzentriert in Angriff zu nehmen... 

Als Lehrer für Gitarre und Blockflöte verbringt man viel Zeit damit, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (die beim Lernen oft größere Schwierigkeiten haben) zu helfen, wie man mit dem oben beschriebenen Chaos klarkommt. Was die zeitliche Organisation der Musik, also Rhythmus und Takt angeht, hätte ich einige Tipps für das Lernen und Üben.

 

Taktschlagen mit dem Fuß

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Natürlich will niemand einem Gitarristen zuhören, der den Takt so laut auf den Bühnenboden klopft, dass man die Gitarre nicht mehr hört, aber als Lernprozess ist diese Übung sehr wichtig und effektiv. Es ist schwierig - siehe oben "Alicia Keys..." aber Musik hat mit dem ganzen Körper zu tun! Nicht nur wenn man tanzt! Die Schwierigkeit, bei einer halben Note zweimal mit dem Fuß auf den Boden zu klopfen, besteht darin, dass es dem Körper und seiner Denkzentrale schwer fällt gleichzeitig zwei Dinge zu tun, nämlich einen Ton zu spielen und zweimal mit dem Fuß zu klopfen (oder umgekehrt). Also muss man das mit dem ganzen Körper üben. 

Zuerst bitte nur die einfachsten Stellen vornehmen. Um die Koordination möglich zu machen, spielt man erst mal eine Melodie, die nur aus Vierteln besteht und klopft Viertel dazu. Die Halben Noten in Takt drei und vier brauchen schon mehr Aufmerksamkeit.

 

 

Schwieriger wird es dann, wenn zwei Achtel auf einen "Viertelfuß" kommen. Sehr langsam und bewusst die beiden Bewegungen aufeinander abstimmend macht man aber garantiert Fortschritte - wenn man schnell aufgibt natürlich nicht... Man kann sich erst mal damit helfen, dass die erste Achtel dran ist, wenn der Fuß unten ist, die zweite aber wenn der Fuß oben ankommt. Etwas eckige Bewegungen, für die man entsprechend starke Impulse gibt, helfen.

 

 

Punktierungen sind ein sehr schwieriges Kapitel, von Überbindungen ganz zu schweigen. Richtig erarbeiten kann man diese Rhythmen erst mit Kindern im "Bruchrechenalter", auch wenn es musikalische Menschen gibt, die schon vorher mit diesen Dingen zurecht kommen.

 

 

Takt

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Man teilt Musik aus mehreren Gründen in Takte ein. Einmal ist es viel einfacher, die Notenwerte jeweils bis zum nächsten Taktstrich zu zählen, zweitens kann man besser verabreden, in welchem Takt man noch mal beginnen möchte (wenn die Takte am Zeilenanfang nummeriert sind), vor allem aber gibt das Taktgefüge den Noten eine inhaltliche Wertigkeit. 

Im 4/4 Takt ist die Viertelnote die Schlageinheit, und "die 1. Zählzeit" oder kurz "die Eins" hat immer die Hauptbetonung. Die Drei ist weniger gewichtet, die Zwei und Vier sind am unbetontesten. Der Schlagzeuger einer Rockband schlägt die Snare auf Zwei und Vier und erzeugt mit diesen Akzenten eine Gegenspannung zum eigentlichen Taktgefüge. 
Im 6/8 Takt ist die Zähleinheit die Achtel (also hat die Viertel zwei Schläge!) und die Betonungen liegen auf Eins und Vier. 
Ein 3/4 Takt ist rein rechnerisch genau so lang wie ein 6/8 Takt, hat aber durch die Betonung auf der Eins und den unbetonten Zählzeiten Zwei und Drei ein völlig anderes "Innenleben".

 

 

Exotischere Taktarten gibt es nicht nur in moderner Musik, sondern durchaus in der Volksmusik besonders Osteuropas. Wer schon Stücke aus Béla Bartóks "Mikrokosmos" gespielt hat, kennst sich mit 5/8 und 7/8 Takten aus... 

 

Laut zählen

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Für Sänger und Bläser leider unmöglich und bei Gitarristen enorm unbeliebt: Beim Spielen laut die Zählzeiten sagen. Wie beim Klopfen ist wieder der ganze Mensch gefordert, und es geht anfangs wieder nur mit großen Schwierigkeiten. Aber es hilft, ein kompletter, unabhängiger Musiker zu werden.

Wenn im 4/4 Takt Achtelnoten vorkommen, "fallen diese durch die Maschen" des "1 -2 -3 - 4 - Netzes". Also hilft man sich damit, dass man "Eins und Zwei und Drei und Vier und" spricht. Bei Sechzehnteln sagt man "Ein-ze-un-te Zwei-e-un-te...", Triolen gehen so: "Ei-ner-lei Zwei-er-lei...". Diese angebotenen Verbalisierungen rufen bei meinen Schülern anfangs immer ungläubiges Staunen und Murren hervor, aber bitte: bei "You Tube" findet man einen amerikanischen "online drummer", der sogar sein Metronom so programmiert hat, dass es "one-e-and-a two-e-and-a..." quäkt. Und man übt sich mit diesen Hilfen ja nur so lange, bis man sie nicht mehr braucht!

 

 

In sehr langsamen Sätzen, die ja tendenziell viele kleine Notenwerte enthalten, kann man sich mit zuviel Sicherheitsdenken mehrere Beine stellen: wenn man in Achteln zählt, verzählt man sich leicht bei längeren Tönen und - schlimmer noch: "kleinkariertes" Zählen führt unweigerlich dazu, dass man auch so musiziert. Man kommt zwar hoffentlich heil durch das Stück, aber die vielen kleinen gedachten Impulse führen dazu, dass die Musik nicht schwingt, sondern nähmaschinenartig vor sich hin rattert. Bitte nie vergessen, dass Zählen und Klopfen Übevorgänge sind, Prozesse, um ein Stück Musik verstehen zu lernen, aber nicht das Ziel des Musizierens!

Ein Sonderfall sind unregelmäßige Unterteilungen auf der Ebene unterhalb des Grundschlages. Wenn in einem 4/4-Takt die Achtel nicht in 4 Gruppen von je zweien auftauchen, sondern immer 3 + 2 + 3 Achtel die Grundstruktur ausmachen, zählt man am besten auch "eins zwei drei eins zwei eins zwei drei". Im Beispiel unten könnte die Taktvorzeichnung so aussehen: 3+3+2 im Zähler, und 8 im Nenner des Bruches.

 

 

Irreguläre Teilungen zählen

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Ein besonderes Vergnügen ist es, irreguläre Teilungen gegen ihre Normalwerte spielen zu dürfen. Für Gitarristen eher selten, aber die Fähigkeit zu erwerben trägt wirklich zur musikalischen Allgemeinbildung bei. Was tun, wenn man, wie in Mozarts Klaviersonate KV 332 im ersten Satz in der rechten Hand Achtel und in der linken dazu Triolenachtel zu spielen hat? Ganz einfach: man bildet das "Kleinste gemeinsame Vielfache" von 2 und 3, nämlich 6, denkt sich "die Achtel kommen auf 1 und 4 (denn 6 geteilt durch 2 ist 3) und die Triolen auf 1, 3 und 5 (denn 6 geteilt durch 3 ist 2). Dann klopft man munter auf die Oberschenkel, spielt, je nach Schwierigkeit direkt die Stelle oder legt als Gitarrist die Achtel auf die hohe e-Saite und die Triolen auf die tiefe. Wohlgemerkt bei gleichzeitigem lauten Zählen. Wenn das klappt übt man anders herum, und danach den "fliegenden Wechsel". Dann ist man - jede Wette - um ein paar funktionierende Gehirnwindungen reicher! 

 

Noch hübscher ist "Drei gegen Vier". Das kleinste gemeinsame Vielfache ist 12, das Beispiel aus Beethovens op. 10, 1 im dritten Satz, und der Lernprozess hart...   

 

 

Dirigieren

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Wenn man mit dem Fuß die Zählzeiten schlägt, bleiben diese anonym. Wenn man laut (irgendwann leise im Kopf) zählt, spielt man ja dabei und muss also außer dem korrekten Zählen auch noch die Töne auf dem Instrument bewältigen. Manchmal ist das zu Spielende aber so komplex, dass man nicht recht weiterkommt. 

Dann ist vielleicht eine gute Idee so zu tun, als sei man sein eigener Dirigent! Die Dirigierbewegungen sind ja genauer als das Klopfen mit dem Fuß, weil jede Zählzeit einen Ort im Raum hat. Vorraussetzung dafür ist allerdings, dass man sich die Musik im Kopf vorstellen kann oder irgendwie singen. Häufig habe ich schon Sänger dabei beobachtet, dass sie zum Singen dirigieren - so lernt man am schnellsten seine Einsätze, wenn man zum Beispiel mit Orchester musiziert. Und man bereitet sich auf das vor, was der wirkliche Dirigent möglicherweise machen wird. Die gebräuchlichsten Taktierfiguren sehen so aus:

 

 

Allen gemeinsam ist, dass der "Schlag Eins" immer eine Dirigierbewegung nach unten ist. Im Zweiertakt schlägt man einfach "ab - auf", im Vierertakt "ab - links - rechts - oben". Im schnellen 6/8-Takt wird man nur die Eins und die Vier so wie im 2/4-Takt schlagen, statt der Zeichnung oben zu folgen. Selbstverständlich sind die kruden Grafiken kein Ersatz für ordentlichen Unterricht im Fach Dirigieren, sie sollen nur eine Idee vermitteln, und die Idee, sich Musik vorzustellen und dabei zu taktieren ist auf alle Fälle gut.

Dieser Aufsatz zum Thema Rhythmus ist natürlich in keiner Weise vollständig. Wichtige Gegenstände werden nicht behandelt, weil sie für mich nicht zu den Grundinformationen gehören, an denen man Lernstrategien entwickeln kann: Auftakt, Akzente, Synkopen, Hemiolen, Swing oder ternäre Phrasierung, Taktwechsel und vieles mehr.

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