
Thrillington
Veröffentlicht:
29. April 1977
LP: EMI 1C 066 - 98745
(Deutschland)
CD: EMI / Regal Zonophone 07243
8 32145 2 5
Titel:
Too
Many People / 3 Legs / Ram On / Dear Boy / Uncle Albert - Admiral
Halsey / Smile Away / Heart Of The Country / Monkberry Moon Delight /
Eat At Home / Long Haired Lady / The Back Seat Of My Car
Das Album "Thrillington" trägt den
Namen seines
Interpreten - Percy "Thrills" Thrillington. Wären die Songs
nicht
so eindeutig und Paul McCartneys Antlitz nicht auf der
Coverrückseite zu sehen, so wäre es schwierig gewesen
herauszufinden, wer Percy Thrillington wirklich ist. Auch die auf das
Albumcover gedruckte Biografie, die von einem gewissen Clint Harrigan
verfasst wurde, hätte nicht entscheidend
weitergeholfen. Kurz: Sowohl Clint Harrigan (von dem auch die
Sleeve Notes auf "Wings Wild Life" stammten) als auch Percy
Thrillington waren Pseudonyme von Paul McCartney.
Als "Thrillington" 1977 erschien, waren die Aufnahmen
schon sechs
Jahre alt. Innerhalb von drei Tagen - vom 15. bis 17 Juni 1971 -
entstanden diese Neuinterpretationen von Songs des "Ram"-Albums. Paul
McCartney hatte den Wunsch, mit den Songs, die er für "Ram"
geschrieben hatte, noch etwas anderes anzufangen. Er stellte sich vor,
dass jemand das Album im Big Band-Sound aufnehmen würde. Seine
Leidenschaft für dieses Genre, speziell für die Musik
der
1920er und 1930er Jahre ist bekannt. Da aber keine potenziellen
Interessenten McCartneys Tür einrannten, übernahm der
Meister
schließlich selbst die Regie.
Unterstützen ließ sich McCartney in Fragen des
Arrangierens
bei Richard Hewson, der schon die McCartney-Produktion von Mary Hopkins
"Those Were The Days" orchestriert hatte. Genau genommen ließ
McCartney Hewson weitgehend freie Hand. Er stellt nur die Bedingung,
dass das Orchester um eine Popband ergänzt wird. So
verpflichtete
Richard Hewson Studiomusiker, die ihm geeignet erschienen (darunter
auch Herbie Flowers am Bass, der später auf mehreren
Produktionen
von George Harrison vertreten war). Auch wenn es eine
Instumentaleinspielung war, so wurde mit den Mike Sammes Singers auch
ein Chor zu den Aufnahmen eingeladen.
Die Veröffentlichung fiel in die Blütezeit des Punk.
Diese
Musikrichtung war radikal, erschütterte die Popmusik in ihrern
Grundfesten und sorgte mit ihrem Drei-Akkorde-Dilettantentum
für
ein reinigendes Gewitter. Insbesondere auf den Artrock von Genesis oder
Yes mit ihren ausufernden Soli hatten es Bands wie die Sex Pistols, The
Clash oder die Dead Kennedys abgesehen. Auch Musiker wie Paul McCartney
blieben davon nicht unbeeinflusst [vgl. "Spin It On" ("Back To The
Egg") oder "Boil Crisis" (bisher unveröffentlicht)]. McCartney
war
stets ein Musiker, der auch aktuelle Trends und
Musikströmungen
für sich nutzte, doch er war und ist immer noch jemand, der
kreative Entscheidungen trifft, mit denen man nicht rechnet. So setzte
er 1977 also dem Punkrock eine Scheibe entgegen, die durch und durch
nach der Zeit klingt, in der sie aufgenommen wurde. Man erinnert sich
an James Lasts "Nonstop Dancing"-Reihe in der elterlichen Musiktruhe
und kommt unweigerlich auf den Gedanken, dass "Thrillington" in den
beginnenden 70er Jahren durchaus Hitpotenzial gehabt hätte.
Doch man schrieb das Jahr 1977 und so tauchten trotz geschickter und
witziger Promotionkampagnen weder die Single ("Uncle Albert/Admiral
Halsey"/"Eat At Home") noch das Album in den Charts auf. Warum genau
McCartney diese Platte auf diese Weise der Öffentlichkeit
präsentierte, bleibt vorerst sein Geheimnis.
Insgesamt klingt diese Neuinterpretation des komplexen "Ram"-Albums
heute recht angestaubt und altbacken - "Muzak" im Sinne der
Lennon-Attacke aus "How Do You Sleep?". Instrumentierung und
Produktion sind hervorragend, doch möglicherweise
hätte es dem Projekt besser zu Gesicht gestanden, auf
Chor und Popband zu verzichten und die Arrangements konsequenter im
traditionellen Stil eines Duke Ellington, Benny Goodman, Glenn Miller
oder Jimmy Dorsey zu schreiben. So aber bleibt "Thrillington" ein
Album, das eher selten aus dem Platten- oder CD-Regal gezogen wird.
Anspieltipps:
Dear Boy, Heart Of The Country
Bewertung:

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