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Nachgedacht
Eine kleine Geschichte zum Nachdenken!
Geld oder Grille
Ein Indianer aus dem Reservat besucht einen befreundeten weißen Mann in der Stadt. Das war für ihn ungewohnt und auch ein wenig verwirrend mit all dem Lärm, den Autos und den vielen Menschen um sich.
Plötzlich bleibt er auf der Straße stehen und fragt seinen Freund: "Hörst du auch, was ich höre?" Der Freund lauscht und nennt den Straßenlärm, die Stimmen der Menschen und ihre Schritte und fragt dann zurück: "Was hörst du denn?"
"Ich höre ganz in der Nähe eine Grille zirpen." ist die Antwort.
Der weiße Mann lauscht und schüttelt dann den Kopf: "Du musst dich täuschen, hier gibt es keine Grillen. Und selbst wenn es welche gäbe, bei dem Lärm würde man ihr Zirpen gar nicht hören." Der Indianer geht ein paar Schritte zu einer von wildem Wein bedeckten Hauswand. Er schiebt die Blätter auseinander, und da sitzt tatsächlich eine Grille, die laut zirpt. Jetzt, wo er sie sehen kann, fällt dem Weißen auch das Geräusch auf, das sie von sich gibt. "Indianer haben halt ein schärferes Gehör." meint er zu seinem Freund.
Der Indianer schüttelt den Kopf und sagt: "Das Gehör eines Indianers ist nicht besser und nicht schlechter als das eines weißen Mannes. Pass auf!"
Er nimmt ein 50-Cent-Stück und wirft es auf den Boden. Es klimpert auf dem Asphalt. Leute, die mehrere Meter von den beiden entfernt gehen, werden auf das Geräusch aufmerksam und sehen sich um. Einer hebt das Geldstück auf und steckt es ein. "Siehst du," sagt der Indianer zu seinem Freund, "das Geräusch, das das 50-Cent-Stück gemacht hat, war nicht lauter als die Grille, und doch hörten es viele der Weißen und drehten sich danach um, während das Zirpen der Grille niemand hörte außer mir. Es kommt nicht daher, dass das Gehör der Indianer besser ist. Der Grund liegt darin, dass wir alle stets das gut hören, worauf wir zu achten gewohnt sind."
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| ©2007 Thorsten Lütjen |
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