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M 1 / pol syn 2290 (1988) War ein Jahr zuvor der ROLAND D-50 noch der Renner, so gilt das Jahr 88 als das Jahr der M 1 und gleichzeitig als Geburt der Workstation, wie wir sie heute kennen. Mit einer verkauften Auflage von mehr als 100.000 Exemplaren hat die M 1 den Weg für die Zukunft aufgezeigt, denn heutzutage gibt es kaum noch ein Instrument, welches nicht über einen eingebauten Sequenzer, Multieffektprozessor, Schlagzeugklängen und eben der synthesizertypischen Tonerzeugung verfügt. Die M 1 ist in einigen Variationen herausgekommen, wobei der Schwerpunkt auf weiteren klanglichen Möglichkeiten lag (EXK M 1), wobei sich mit INVISION INTERACTIVE sogar ein Drittanbieter mit seiner M 1 PLUS ONE Erweiterung hervortat. Letztere haben sich ja schon mit dem PROTOLOGIC für den E-MU SYSTEMS PROTEUS 1 einen Namen machen können. Im Vergleich zur KORG-eigenen EXK-Erweiterung für die (anfangs nur) M 1 R, ist hier die Entscheidung allerdings weitaus einfacher, bietet die EXK M 1 doch mehr Samples. Doch sehen wir uns zunächst einmal die Möglichkeiten der Standardversion an:
AI-Synthese mit 16-stimmiger Polyphonie und achtfachem Multimodus mitdynamischer Stimmenzuordnung, 100 RAM-Programme und -Combinations, vier Drumkits, 61 leicht gewichtete anschlags- und druckdynamische Tasten, 8-Spur-Sequenzer mit maximal zehn Songs, 100 Pattern und allerdings nur 7700 Events (vgl. I-Serie mit mindestens 32.000 Events!), zwei programmierbare Multieffekte, MIDI IN, OUT und THRU, ein Stereo- und zwei Einzelausgänge, Anschlußmöglichkeiten für Kopfhörer, Sustain-Pedal, sowie zwei weiteren programmierbaren Pedalen/Fußschaltern, RAM-Cardslot und ein 2 x 40-Zeichen-Display, dem bei diesem Funktionsumfang wohl größtem Manko der M 1.
Die Tonerzeugung der M 1 nach dem Prinzip der Advanced Integrated Synthese der 1. Generation (AI-Synthese) gestaltet sich schon hier recht flexibel, wenngleich sie auch in der 01/W-Serie weiter verfeinert worden ist. Aus dem mit 100 Multisounds (= Wellenformen) gefülltem vier MByte ROM-Bereich in 16-Bit-Qualität bedient sich ein digitaler Oszillator pro Stimme. Weiterhin sind 44 Schlagzeugklänge im ROM-Speicher enthalten, welche ein breites Spektrum in ansprechender Qualität abdecken. Die 16 Digitalfilter der M 1 verfügen leider nicht über einen Resonanzparameter, was die Möglichkeiten im Vergleich zur 01/W-Serie wohl klanglich am meisten beschränkt, sofern dieser Begriff überhaupt angebracht ist. Für die Amplitude, das Filter und den Oszillatoren ist jeweils eine eigenen Hüllkurve vorgesehen. Ein LFO mit den Wellenformen Dreieck, Rechteck, steigendem und fallendem Sägezahn steht ebenfalls pro Stimme zur Verfügung, wobei andere Synthesizer auch schon seinerzeit hier mehr LFOs anboten. Das Wellenform-ROM umfaßt neben den heute schon obligatorischen Samples auch Wellenformen nach dem DWGS-Prinzip, wie sie aus der DW-Serie KORGs bekannt sind. Damit wird ein breites Klangspektrum von typischen Synthesizerklängen über Naturinstrumente bis zu auch völlig neuartigen Klängen abgedeckt. Diese werden insbesondere im Double-Modus erreicht, in welchem zwei M 1-Teilklänge geschichtet werden können.
Um der allgemeinen Begriffsverwirrung neues Futter zu geben, hat man sich natürlich auch bei KORG neue Abkürzungen für die allgemein als Oszillator, Filter und Amplitude bekannten Funktionen ausgedacht. Waren es 1987 beim D-50 die WGs, TVAs und TVFs, so sind es nunmehr bei KORG die OSCs, VDAs und VDFs. "VD" steht hierbei für "Variable Digital" und sagt somit nichts aufsehenerregendes neues über die jeweilige Funktion aus. Auch der KORG-typische MG ist hier wieder zu finden. MG bedeutet nichts weiter als Modulationsgenerator und ist von nahezu jedem Hersteller nach wie vor als LFO bezeichnet. Dabei hätte KORG es mit der M 1 gar nicht nötig gehabt, sich mit diesen Kürzeln von der Masse hervorzuheben. Das hat allein schon das Instrument mit seinen für damalige Verhältnisse sensationellem Klang bewerkstelligt. Aus heutiger Sicht fällt da eine Bewertung schon etwas schwieriger, denn die Samples in heutigen Synthesizern sind noch klarer und präziser. Aber auch andere Details wissen heutzutage nicht mehr zu überzeugen. So ist die Bedienerführung der M 1 alles andere als vorteilhaft. Das fängt bei den wenigen als "aufgeräumt" bezeichneten Bedienelementen an und hört bei dem viel zu kleinen nicht grafikfähigen Display auf. Zumindest hier hat man schon kurze Zeit später reagiert und mit der T-Serie ein großes grafikfähiges Display eingebaut. Nichts desto trotz spielten zu diesem Zeitpunkt schon zahlreiche namhafte Musiker eine M 1, so daß jeder andere auch dieses eine Instrument haben mußte. Der Erfolg der M 1 liegt aber auch in der zugegeben hervorragenden Klangerzeugung begründet, welche auch heute noch gut genug ist, in professionellen Produktionen eingesetzt zu werden. Letztendlich scheint die M 1 auch einer der letzten Synthesizer gewesen zu sein, dem ein gewisser Charme anhaftet, wie er heute kaum noch bei neuen Geräten anzufinden ist. Somit bleibt als Fazit nur die Feststellung, das die M 1 sich schon ihren Platz im Museum verdient hat, aber noch lange nicht dafür reif ist! Wer übrigens die Messepräsentation auf der Frankfurter Musikmesse 1988 bewundern konnte, der wird sich über die extern benutzten Sequenzer gewundert haben, besitzt die M 1 doch einen internen Sequenzer. Nun, bei der Vorstellung der M 1 war einfach noch nicht die Sequenzersoftware fertiggestellt gewesen. Ein Problem, was häufig gar nicht so auffällt, in der Regel aber fast immer bei Messeinstrumenten der Fall ist: die endgültige (erste marktreife) Softwareversion fast aller Instrumente besitzt noch einige Fehler oder fehlende Teile, die im Laufe des Jahres fertiggestellt werden. In den wenigsten Fällen ist ein Instrument also schon zur Messepräsentation auch tatsächlich lieferbar, wie es früher bei den analogen Synthesizer (keine Software, keine Probleme) der Fall gewesen ist. Ein ganz klassisches Beispiel für noch nicht fehlerfreie Software ist z.B. der ENSONIQ VFX, der sogar mit dieser fehlerbehafteten Software ausgeliefert wurde, dessen Software aber kostenlos ausgetauscht werden konnte.
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