![]() U 575 2. Feindfahrt vom 9.November bis 17.Dezember 1941
Operationsgebiet:Nordatlantik/Kanada u. Neufundland, danach westl. v. Gibraltar
Zuerst Anmarsch nach
Kanada/Neufundland. Nachdem die Boote dort angekommen waren und die Angriffsmöglichkeiten
ausgekundschaftet hatten, erfolgte direkt vor dem geplanten Angriffstermin
eine Befehlsänderung und die Boote wurden nach Gibraltar gerufen zur
Unterstützung Rommels und der Italiener in Nordafrika.
Am 1.12.1941 stößt „U 575“ bei 35°40´N/24°00´W (ca. PQ CF75-79) auf den amerikanischen Tanker „Astral“. Er kommt aus
Aruba/Venezuela und ist auf dem Weg nach Lissabon mit einer Fracht von 78.200
Barrel Benzin und Kerosin. Die Astral wurde einige Stunden lang verfolgt, um
in eine günstige Schußposition zu kommen. Als Heydemann aber das
amerikanische Nationalitätenzeichen erkannte, welches auf den Seiten angemalt
war, ließ Heydemann die Astral laufen. Zu dieser Zeit befanden sich
Deutschland und die USA noch nicht im Kriegszustand. Ungeachtet dessen fuhren
neutrale amerikanische Zerstörer aber Begleitschutz für Konvois und griffen
deutsche U-Boote an, die wiederum grundsätzlich die amerikanische
„Neutralität“ achteten. Nur in einigen Fällen wehrten sich deutsche U-Boote,
nachdem sie angegriffen wurden oder die amerikanische Nationalität nicht
erkannt hatten. Naturgemäß war es besonders nachts außerordentlich schwer,
einen Begleitschutz fahrenden oder angreifenden Zerstörer zu identifizieren.
Kurz darauf wurde aber die
Astral nachts in den Morgenstunden des 2.Dezember von „U 43“ (Luth)
angegriffen, der die Nationalität offensichtlich nicht erkannte, aber erst
mal verfehlt. Der Tanker fuhr daraufhin Zick-Zack-Kurse. Luth folgte dem
Tanker während der Nacht und dem folgenden Tag und versenkte die Astral dann
mit zwei Torpedotreffern. Von den 37 Besatzungsmitgliedern gab es keine Überlebenden.
Auch wenn es einem eigenartig
erscheint, daß Heydemann die Neutralität erkannte und Luth offenbar nicht und
den Dampfer versenkte, ist dies durchaus möglich. Der erste Angriff fand
nachts statt. Die darauffolgende Verfolgung des Dampfers sicherlich nur aus
großer Entfernung an der Sichtgrenze (Wäre das U-Boot zu sehen gewesen und hätte
die Astral sich in großer Gefahr gewähnt, hätte sie sicherlich in der relativ
langen Zeitspanne Hilfe herangeholt). Das Vorsetzen und Einnehmen einer
günstigen Schussposition konnte bei einem schnellfahrenden Dampfer durchaus
den ganzen Tag beanspruchen. Und die Identifizierungsmöglichkeit eines
Schiffes ist auch bei Tage ganz wesentlich von Faktoren wie Wetter (Nebel,
Regen) und Seegang usw. abhängig. Zumal die Tage mit einigermaßenen
Sichtverhältnissen im Dezember sehr kurz sind.
Auf dem Rückmarsch fand
Ergänzung in Spanien (Vigo) durch den Dampfer „Wessel“ statt. Aufgrund mit Bordmitteln
nicht behebbarer Schäden erfolgte danach Ansteuerung St. Nazaire.
Teil der Gruppe „Steuben“ in den Planquadraten AL-BC-BD-CE-CF-CG vom
17.11.-13.12.41. Keine Angriffe der Gruppe und auch keine Verluste an Booten.
U-Boote U 43, U 105, U 372, U 434, U 574 und U 575.
Tanker Astral
Bericht und Auszüge aus dem KTB aus „U Liliput Geschichte unseres Bootes“
ZWEITE FEINDFAHRT
DIE SCHLACHT IM ATLANTIK ‑
NOVEMBER 1941
Als die Versenkungsziffern gegen Ende des Jahres 1941 ihren
Tiefpunkt erreichten ‑ im September hatten die U‑Boote 202.000
BRT versenkt, im Oktober 156.000 BRT, im November nur noch 62.000 BRT, schickte der BdU die aus fünf Booten
bestehende Gruppe Steuben nach Neufundland, um die für England bestimmten
Geleitzüge auf ihren Sammelplätzen in der Bucht von St. John's und auf der Reede
vor der Avalon Halbinsel anzugreifen. Zu dieser Gruppe gehörte auch unser
Boot.
AUSZÜGE AUS UNSEREM
KRIEGSTAGEBUCH 10.11.1941 ‑ 17.12.1941
9.11. 18.00 Uhr. Von St.Nazaire ausgelaufen zur zweiten
Feindfahrt.
20.45 Uhr Geleit bei N 1 entlassen. Mit hoher Fahrt von der
Küste abgelaufen.
10.11. 8.34 Uhr bis 12.14 Uhr. Prüfungstauchen und Tieftauchen
auf 200 Meter. Verschiedene Ausstellungen, die nur zum Teil mit Bordmitteln
beseitigt werden können: Druckwasserbordventil im Dieselmotorenraum leckt mit
fingerdickem Strahl, Rückschlagbordventil Anblasen Tauchzelle 1 klemmt und
ist trotz Werftüberholung undicht. Flansch des Luftzielsehrohrs leckt stark.
Ein Teil der Splintsicherungen an den Schnellentlüftungen fehlen.
11.11. 12.00 Uhr BF 7335 Wind West‑Südwest 5, Seegang 3 ‑
4, einzelne Wolken, wechselnde Sicht.
12.10 Uhr bis 12.30 Uhr Alarm vor Flugzeug, auf 1500 Meter
querab im Parallelflug aus einer Wolke in Sicht kommend. Anscheinend eine
Bristol‑Beaufort.
12.50 Uhr bis 14.40 Uhr Alarm vor Flugzeug, Anflug aus einer
Wolke aus 2500 Meter. Wahrscheinlich dieselbe Maschine. Unterwasserausbildung
mit simulierten Wabo‑Ausfällen.
16.32 Uhr Alarm vor Flugzeug, kam im Gleitflug von 30 Grad auf
1500 Meter Entfernung aus einer Wolke neben der Sonne und drehte auf das Boot
zu. Anscheinend wieder eine Bristol. Bleiben zur weiteren Ausbildung unter
Wasser und tauchen erst um 19.17 Uhr wieder auf.
13.11. 22.36 Uhr Funkspruch von BdU: „Schäfer, Heydemann,
Gengelbach, Lüth, Heyda BC 47 ansteuern,
genannte Boote bilden die Gruppe Steuben."
18.11. BD 2714 Wind Süd‑Südwest 7, Seegang 7, bedeckt,
schlechte Sicht, 12.00 Uhr. In den letzten acht Stunden sind infolge der
überkommenden Seen drei Tampen der Anschnallgurte auf der Brücke gerissen.
Halte Ausrüstung mit Stahltampen für zuverlässiger. Haben die Bootsroutine um
vier Stunden verschoben, um einigermaßen der Ortszeit angenäherte
Verhältnisse zu haben.
21.11. BC 6336 Funkspruch von BdU an Gruppe Steuben: „1. Lüth
und Schewe anstreben, in der Nacht vom 26.11. überraschend in folgenden
Ankerplätzen aufzutreten: Lüth BB 6385 sehr wichtiger Sammelplatz, Schewe BB
6381, hier ostwärts der großen Inseln Ankerplatz. Ostseite der Insel
Verladepier für Erzdampfer."
2. Minen und Sperrmaßnahmen nach hier vorhandenen Unterlagen
nicht zu erwarten und unwahrscheinlich.
3. Drei übrigen Steuben‑Boote Längengrad von BC 1854 nicht
vor 25. November nach Westen überschreiten.
4. Am 26.11. alle Steuben Boote an Ost‑ und Südküste der
Halbinsel in BB 63 und 66 operieren. Keine Trennung der Räume. Gebiet
erscheint vor allem in Küstennähe aussichtsreich. Absetzen nach Osten anheimgestellt,
jedoch erst wenn Lage in Küstennähe klar übersehen wird.
5. Für alle Steuben‑Boote: Falls vorher eintretende
Feindberührung Erfolgsaussichten bietet, sind diese in erster Linie auszunutzen.
Operation Lüth und Schewe kann dann also ausfallen oder später stattfinden.
Überschreiten des Längengrades gemäß Ziffer 3 kann dann früher erfolgen.
6. Westgrenze des gesamten zur Zeit für Steuben freigegebenen
Gebietes ist die Länge des Quadrates BB 9875. Südgrenze ist die Breite
desselben Quadrates 9875. Angriffshandlungen westlich dieser Länge bzw.
dieser Breite dürfen nur in Verfolgung eines Dampfers aus dem
Operationsgebiet heraus vorgenommen werden."
7.21 Uhr Funkspruch von Lüth: "Standort BD 5153. Seit Tagen
hoher Seegang aus West. Kann frühestens 27. mittags BC 41 sein. Erbitte
Terminverlegung. Operiere nach Quadratkarte. Sonst keine Unterlagen."
13.18 Uhr Funkspruch von BdU an Gruppe Steuben:"Heydemann
übernimmt Gruppe Lüth in BB 6385. Lüth gemäß Befehl für übrige Steuben‑Boote
operieren. Befohlene Daten bleiben gültig."
8. 21 Uhr Funkspruch von Schewe: "Habe für Aufgabe Lüth nur
Karte D 38 WU 1870 G, kein Handbuch."'
17.46 Uhr Funkspruch von BdU an Schewe: „Operieren gemäß
allgemeinem Befehl für Steuben‑Boote Ziffer 3 bis 6, Schwerpunkt
zunächst 6351 und 6355, Sonderaufgabe fällt aus."
Auch wir besitzen keine Spezialkarten und kein Handbuch, haben
uns nach der Seekarte D 441 W eine fünffach vergrößerte Karte des
Küstengebietes angefertigt, um sicher navigieren zu können.
21.30 Uhr BC 6268 Wind West‑Südwest 4, Seegang 1 ‑
2, mittlere Sicht. 21.30 Uhr beigedreht, um Arbeiten an Oberdeck ausführen zu
lassen, daß nur mäßig überspült ist. Die seitlichen achteren Netzabweiserverstrebungen
sind los, vorderes Antennenkabel erneuert, Luftzielsehrohr an Oberdeck geschmiert.
22.11. BC 5329 13.40.Uhr Alarmtauchen zur Übung; kleine
Tauchpanne: Entlüftung I läßt sich nicht öffnen. Tauchzelle V angeblasen,
Boot geht mit starker Lastigkeit weg, weil Untertriebszellen und Tauchzelle
III geflutet sind. Beide Tiefenruder hart oben, Boot beginnt sich auf 125
Meter langsam aufzurichten, anschließend läßt sich Tauchzelle I öffnen.
Tauchzelle I und V geflutet, unter Wasser geblieben für Torpedoarbeiten.
23.11. 12.00 Uhr BC 4553 Besteckversetzung nach einer
Sonnenstandslinie, einer Lotungsreihe und nach Funkpeilungen: 227 Grad, 98
sm. Nach sechs Schlechtwettertagen zum ersten Mal ein Standort! Die
Funkstation von St. John's, ein 10 kw Radiosender, der normalen Betrieb hat,
ist sehr gut zu peilen. Peilung der Trägerwelle bei angezogener
Rückkoppelung. Im übrigen herrscht auf der 600 m Welle ein völlig
friedensmäßiger, reger Funkverkehr, so daß auch der wiederholt angeforderte
Peilsender von Kap Race bei entsprechender Beobachtung als Peilobjekt sehr
gut zu verwenden ist. Wir beabsichtigen, heute Nacht an die Küste
heranzugehen, um uns die örtlichen Verhältnisse am 24. tagsüber durch das
Sehrohr, am 25. nachts über Wasser anzusehen, um dann in der Nacht zum 26.
die Aufgabe durchzuführen.
Doch erstens kommt es anders, zweitens als man denkt! Um 13.59
Uhr geht ein Funkspruch vom BdU an Gruppe Steuben ein: "Bisherige
Aufgabe abbrechen, sofort Gibraltar ansteuern. Marschfahrt. Grund für neue
Befehle an Steuben ist der Beginn einer englischen Offensive in Nordafrika.
Zweck ist Entlastung des deutschen Afrikakorps durch Angriff auf die
Seestreitkräfte und Ansatz auf Nachschub Bisheriger Verlauf der Kämpfe an
Land ist günstig, über 200 Feindpanzer vernichtet."
Es ist für uns unbegreiflich, daß diese aussichtsreiche
Unternehmung unmittelbar vor ihrer Durchführung abgebrochen wird.
Wie uns heute bekannt ist, hatte die Seekriegsleitung dem BdU
trotz schärfster Proteste einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Diese unsinnige Entscheidung des Oberkommandos der Kriegsmarine
kommentiert Patrick Beesly, der Leiter des "Submarine Tracking
Room" in seinem Buch GEHEIMDIENSTKRIEG DER BRITISCHEN ADMIRALITAT mit folgenden
Sätzen: "Obwohl die Zahl einsatzbereiter U‑Boote immer noch begrenzt war, begann sie nun
beunruhigend anzuwachsen. Von 65 Booten im Juli auf 80 im Oktober. Natürlich
konnte nur ein Teil der Boote sich für eine begrenzte Einsatzperiode in den
jeweiligen Operationsgebieten aufhalten. Oft waren es kaum mehr als ein
Drittel der Gesamtzahl. Zu unserem Glück wurde Dönitz ungeachtet seiner
erbitterten Proteste vom Oberkommando der Kriegsmarine gezwungen, viele U‑Boote
der immer noch bescheidenen Gesamtzahl für Aufgaben abzuzweigen, die er als
sekundär und nicht lebenswichtig ansah. So zu Operationen im Mittelmeer, um
Rommel und die Italiener in der libyschen Wüste zu unterstützen."
Unsere Besatzung ist zu tiefst deprimiert.
Vor Antritt des Rückmarsches können wir es uns nicht verkneifen,
unser Mißvergnügen mit dem Kurzsignal: "Stehe 12 Stunden vor
Einlaufhafen" zum Ausdruck zu bringen.
Dann nehmen wir Kurs auf Gibraltar.
26.11. 10.00 Uhr Funkspruch von BdU: "An Heydemann, Heyda,
Neumann, Gengelbach, Liebe, Schlippenbach, Köhnen, falls Kartenausrüstung B 3
U nicht an Bord, melden, welche Karten von dem Gebiet CH, CJ, CN, CD und CP
vorhanden sind."
Die genannten Quadrate liegen alle im Mittelmeer. Wir melden,
daß wir entsprechende Karten nicht an Bord haben.
28.11. Beim Prüfungstauchen stellen wir fest, daß die Steuerbord‑Abgasklappe
schwergängig ist und sich nicht ganz schließen läßt.
29.11. Um 3.00 Uhr meldet Lüth, daß er im Quadrat CE 2294 auf
einen Geleitzug gestoßen ist, der mit geringer Fahrt nach Süden steuert.
Um 5.18 Uhr kommt ein Funkspruch vom BdU an ehemalige Gruppe
Steuben: "Auf Geleit Lüth operieren, ran!"
Um 7.20 Uhr meldet Lüth , daß er einen großen Munitionsdampfer
torpediert und anschließend drei Stunden Wabos erhalten hat. Aber um 17.00
Uhr reißt die Fühlung endgültig ab. Lüth meldet: "CE 2897 von Zerstörer
abgedrängt. Geleitkurs etwa Süd‑Südost."
Auch den übrigen Booten der Gruppe Steuben gelingt es nicht, den
Geleitzug wiederzufinden. Er ist und bleibt verschwunden.
30.11. 14.30 Uhr Funkspruch von BdU an Gruppe Steuben: "
Schewe, Heydemann, Gengelbach, Heyda am 1.12. 10.00 Uhr im Vorpostenstreifen
stehen von CE 7968 nach 8988."
Nehmen Kurs auf neue Position.
16.30 Uhr CE 5981 Wind Nord‑Ost 3, Seegang 1, mittlere
Sicht, strichweise Regen.
Im Nordwesten tauchen Rauchwolken am Horizont auf. Die Sicht ist
mäßig, der Horizont dunstig. Da um 16.45 Uhr auch ein Zerstörermast zu sehen
ist, nehmen wir an, daß es sich um den Geleitzug handelt. Dampfen Kurs und
Fahrt aus und melden durch Funkspruch um 16.30 Uhr: "Alfa Alfa, Geleit
in Sicht CE 5954, Kurs Süd‑Ost, geringe Fahrt, U 575."
Nach längerer Beobachtung läßt sich jedoch nur eine Rauchwolke
feststellen, staffeln zuerst langsam, dann stärker heran, um uns Klarheit zu
verschaffen. Können zunächst nur einen Dampfer, jetzt mit Ostkurs, ausmachen.
Da kommt weit achteraus aus dem Dunst der seit einer halben Stunde aus Sicht
verschwundene Zerstörer mit Lage 0 auf uns zu. Laufen ab. Zerstörer kommt
langsam näher und eröffnet um 18,30 Uhr das Feuer auf uns, Aufschläge liegen
zunächst schlecht, kommen jedoch langsam näher. So bleibt uns keine andere
Wahl, wir müssen um 18.30 Uhr tauchen und gehen auf 170 Meter.
18.45 Uhr bis 19.40 Uhr. Zerstörer wirft etwa 20 Wabos. Zunächst
zwei Serien von 3 bis 5 Bomben, dann Einzelwürfe, keine Ausfälle, die letzten
Wabos weiter weg.
Da um 20.00 Uhr keine Schraubengeräusche mehr zu hören sind,
gehen wir langsam höher auf Sehrohrtiefe. Beim Zufluten ‑ ein
verhältnismäßig leises Geräusch ‑fallen wieder mehrere Wabos in der
Nähe. So entschließen wir uns, bis zum Dunkelwerden unter Wasser zu bleiben
und mit Schleichfahrt abzulaufen.
22.50 Uhr aufgetaucht und durch Funkspruch gemeldet: "18.30
Uhr CE 5986 Fühlung an Einzelfahrer, Kurs Ost, von Zerstörer abgedrängt,
Wabos, Heydemann."
Doch der BdU hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Gruppe
Steuben erhält Befehl, die Suche für Gegnerkurse von 120 bis 180 Grad
fortzusetzen und brennstoffknappen Booten wird Versorgung in Aussicht
gestellt.
1.12. Um 6.50 Uhr kommt ein hellerleuchteter Dampfer in Sicht,
der nördlich von uns mit hoher Fahrt, Kurs West, passiert.
Eine halbe Stunde später kommt ein Funkspruch von Schewe:
"Beleuchteter Dampfer in Begleitung von zwei abgeblendeten Zerstörern,
Kurs 270 Grad,18 sm."
Das ist derselbe Dampfer, den wir gesehen haben. Von den
Zerstörern haben wir nichts bemerkt.
17.01 Uhr CE 9729 Rauchwolken und Mastspitzen in Sicht in 280
Grad, ein Einzelfahrer, Kurs 60 Grad. Setzen uns vor zum Unterwasserangriff.
18.57 Uhr getaucht. 20.12 Uhr in Schußposition. Der Dampfer ist
auf 1000 Meter heran. Großer Glattdecker mit drei Masten und sechs
Rettungsbooten. Unbewaffnet und hat die USA‑Flagge an der Bordwand, so
daß wir ihn schweren Herzens ziehen lassen müssen (eine Woche vor
Kriegseintritt der USA).
2.12. 15.00 Uhr. Begegnung mit Lüth. Erhalten von ihm die
Schlüsselunterlagen für Januar. Anschließend Tauchbunker umgestellt auf
Tauchzustand A.
4.12. 15.55 Uhr bis 16.15 Uhr Prüfungstauchen. Tauchbunker II
flutet nicht richtig. Entlüftung unklar. Störung läßt sich nicht beheben.
Müssen wieder auf Tauchzustand B umstellen.
5.12. Unser Brennstoff geht allmählich zur Neige. Fragen durch
Funkspruch an BdU an: 1123 Kubikmeter, Frage Ergänzung, sonst am 8.
Rückmarsch. Heydemann."
8.12. 13.41 Uhr. BdU stellt Heyda, Gelgelbach, Liebe und uns
Versorgung in Vigo in Aussicht, und zwar für uns in der Nacht zum 13.
Dezember.
Stehen zwischen den Quadraten CG 21 und 18 auf und ab, um zum
befohlenen Zeitpunkt nach Vigo einzulaufen.
9.12. CG 1889 Wind Nord‑West 2, Seegang 1, wechselnde
Sicht, diesig, zeitweise sehr schlecht. 19.36 Uhr Prüfungstauchen für
Torpedoarbeiten. 10.41 Uhr Rundblick auf 12 Meter. Sicht ist unverändert
schlecht, stellenweise Flugnebel. Beim Auftauchen kommt ein Zerstörer in
rechtweisend 180 Grad in Sicht, etwa 6000 Meter entfernt. Sofort wieder
getaucht. Auf Sehrohrtiefe. Zerstörer läuft mit Lage 0 auf uns zu. Gehen
schnell auf 160 Meter unter gleichzeitigem Lenzen von zwei Tonnen. Abgasklappen
lecken stark, Boot macht viel Wasser. Kreisel abgestellt, Horchfahrt.
Zerstörer wirft in der Zeit von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr zunächst zwei Serien
von Je 5 bis 10 Wabos, dann mehrere einzelne Wasserbomben. Das Boot wird
durch das achtern eindringende Wasser zusehends schwerer und achterlastig,
läßt sich um 12.30 Uhr nur noch mit langsamer Fahrt auf 130 Meter halten.
Zwei Tonnen mit Hauptlenzpumpe gelenzt. Dabei fliegt die Gummidichtung des
Filters der Hauptlenzpumpe mit lautem Knall heraus. Gehen wieder auf 165
Meter. Laufen mit geradem Kurs und jetzt halber Fahrt von der Tauchstelle ab.
Der starke Verbrauch an Preßluft bringt uns in eine gefährliche Situation,
weil eine Flaschengruppe ausgefallen und die Luftleitung des unter Druck
genommenen Regelbunkers geplatzt ist.
14.00 Uhr. Müssen noch einmal zwei Tonnen auf 130 Meter lenzen
und gehen dann wieder auf größere Tiefe.
15.20 Uhr auf Sehrohtiefe. Boot ist jetzt so schwer, daß es sich
nur noch mit halber Fahrt halten lässt. Im ganzen hat das Boot seit dem
Alarmtauchen etwa sechs Tonnen Wasser gemacht. Der Vorrat an Preßluft ist auf
85 kg gesunken. Unsere Lage wird allmählich kritisch.
15.40 Uhr aufgetaucht. Zerstörer aus Sicht. Da der
Dieselverdichter seit Beginn der Reise unklar ist, kann nur der
Elektroverdichter angestellt werden.
16.20 Uhr Mastspitze in 300 Grad in Sicht. Kommt schnell näher
Es ist wieder der Zerstörer, der anscheinend Suchkurven gesteuert hat.
16.21 Uhr tauchen. Gehen auf 165 Meter, Schleichfahrt. Zerstörer
hat uns noch nicht bemerkt. Stoppt zeitweise, wirft mehrere Wabos in größerer
Entfernung. Laufen mit Gegenkurs zur Horchpeilung und Schleichfahrt ab.
20.00 Uhr. Beim Klarmachen zum Auftauchen fallen wieder mehrere
Wabos in mittlerer Entfernung. Wir schieben das Auftauchen bis Dunkelwerden
auf 21.00 Uhr. Haben jetzt noch einen Preßluftvorrat von 45 kg. Das bedeutet,
daß wir nur noch bedingt tauchklar sind.
21.12 Uhr aufgetaucht. Alles frei. Laufen mit langsamer Fahrt
von der Tauchstelle ab.
23.50 Uhr Funkspruch von BdU an Heydemann, Heyda, Gelgelbach und
Liebe: "Größte Vorsicht, nicht vor 0.00 Uhr einlaufen wegen spanischen
Bootsverkehrs. Kartenausrüstung B 3 U übernehmen."
11.12. 12.00 Uhr. Laufen mit geringer Fahrt auf die Küste zu, um eine Stunde nach Mitternacht vor der
Nordeinfahrt zu stehen.
22.00 Uhr. Da alle Küstenfeuer brennen und gut auszumachen sind,
bestehen navigatorisch keine Schwierigkeiten. Mehreren Fischdampfern, die in
Gruppen zu Zweien und Vieren zusammenfischen, ausgewichen.
01.30 Uhr. Einige Fischdampfer, die aus dem Rio de Ponte Vedra
herauskommen und in die Einfahrt einlaufen, vorübergelassen. Weichen einem
Motorboot aus, das ohne ersichtlichen Grund das Fahrwasser zweimal überquert
und dann wieder in den Hafen verschwindet. Anschließend zwischen zwei Dampfern
mit größerem Abstand in die Kiellinie eingeschoren. Weiteres Einlaufen
planmäßig ohne jede Behinderung.
Legen uns von 4.00 Uhr bis 21.30 Uhr auf Grund. Der Zustand der
Abgasklappen hat sich soweit verschlechtert, daß sie jetzt trotz sorgfältigen
Einschleifens mit dreifingerdickem Strahl lecken. Halten unter diesen
Umständen eine Werftüberholung vor weiterem Einsatz des Bootes für notwendig
und entschließen uns, nur soweit zu ergänzen, als für den Rückmarsch nach
Saint Nazaire erforderlich, 21.30 Uhr aufgetaucht. Längsseits Dampfer
"Wessel". Beginn der Brennstoff und Proviantübernahme.
13.12. 02.00 Uhr abgelegt. Auslaufen ohne Behinderung.
5.22 Uhr. Melde dem BdU durch Funkspruch: "Seit
Waboverfolgung 9.12. in EL 68 zunehmend stark leckende Abgasklappen. Werft
erforderlich. Ju‑Verdichter ausgefallen. 10 Tonnen ergänzt. Rückmarsch
Saint Nazaire. Heydemann."
17.47 Uhr Funkspruch von BdU: "Einlaufhäfen sind für Lüth
Lorient, für Heydemann St. Nazaire."
16.12. Auf unsere Anforderung teilt uns der BdU mit, daß die
Funkfeuer von Belle Ile und Ile de Yeu ab 22.00 Uhr bis 8.00 Uhr senden.
17.12. 15.00 Uhr. Mit Geleit eingelaufen. 17.45 Uhr in der
Schleuse Saint Nazaire festgemacht.
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