![]() 7. Feindfahrt 16.Dezember 1942 bis 18.Februar 1943 Operationsgebiet Mittelatlantik/südl. d. Azoren
Diesmal stieß “U575“ zur Gruppe
„Delphin“, die es zu einiger Berühmtheit brachte. Die Gruppe „Delphin“ operierte
vom 26.12.42-15.2.43 erst als Vorpostenlinie und dann auf den Tankergeleitzug
TM 1 mit Brennstoff für die Invasionsarmee in Nordafrika (sieben Tanker von
neun versenkt). Ein Boot („U 442“) sank, ein weiteres („U 381“) wurde
beschädigt. Beteiligt waren die Boote U 87, U 103, U 107, U 125, U 202, U
258, U 264, U 381, U 436, U 442, U 511, U 522, U 524, U 558, U 571, U 575 und
U 620. Einige Boote waren nur kurz eingebunden, weil sie zu Ihrer Heimatbasis
zurück mussten, andere wechselten zur Gruppe „Rochen“.
Zur Gruppe „Delphin“ habe ich
einen Auszug aus „Zehn Jahre und zwanzig Tage“ von Großadmiral
Dönitz, der sehr schön die riesigen Probleme und Schwierigkeiten des
U-Bootskrieges wiedergibt.
Am 9.1.43 um 00.03 Uhr horchte
„U 575“ nach einem FAT-4er-Fächer Explosionen und glaubte an einen Erfolg.
Tatsächlich waren es aber Wasserbomben-Detonationen. Um 6.36 Uhr wird ein
Torpedo aus dem Heckrohr auf den norwegischen Tanker „Minister Wedel“ 6.83
BRT geschossen, der daraufhin in Brand gerät (Position: 28°08´N/28°20`W Planquadrat DG8682). Konvoi TM 1.
Zwei Minuten später, 6.38 Uhr,
Treffer mit einem Torpedo aus einem FAT-4er-Fächer an dem norwegischen Tanker
unter panamesischer Flagge „Norvik“ mit 10.034 BRT.
Beide werden durch Fangschüsse
von „U 522“ versenkt. Bei „Minister Wedel“ überleben alle, bei der „Norvik“
43 Überlebende, zwei Tote.
Am 25.1.43 wird aus dem
Geleitzug UGS.4 der amerikanische Dampfer „City of Flint“ mit 4.963 BRT um 22.05 Uhr versenkt (PQ DG1326). An Bord sind 24 „Armed Guard sailors“, eine bewaffnete
Truppe zum Schutz der Schiffe, von denen vier fallen. Der Dampfer ist schwer
bewaffnet mit Artillerie ( 2 x 12,5 cm und 8,8 cm) mehreren Flakständen, MG`s
und Entfernungsmessgerät. Zur Ladung gehören neben allgemeinem Kriegsmaterial Panzer und Flugzeuge. Von 65 Besatzungsmitgliedern überleben 59.
Am 28.1. werden 48
Schiffbrüchige der „City of Flint“ von dem portugiesischem Zerstörer „Lima“
gerettet. Am 12.3. werden nach 46 Tagen im Rettungsboot nochmals zehn
Seeleute von HMS Quadrant gerettet.
Am 3.9.39 gehört die „City of Flint“ zu den Schiffen, die der von „U 30“ torpedierten „Athenia“ zu Hilfe eilen und Schiffbrüchige aufnehmen. Die „City of Flint“ wurde am 9.10.39 durch das Panzerschiff „Deutschland“ als Prise aufgebracht. Beim Passieren norwegischer Gewässer auf dem Weg nach Murmansk jedoch schließlich durch den norwegischen Minenleger „Olav Tryggvason“ gestoppt, die deutsche Besatzung interniert worden und das Schiff wurde am 4.11. in Bergen wieder freigelassen. Bei keiner dieser Aktionen gab es Tote. |
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|---|---|
City of Flint |
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M/T Minister Wedel |
M/T Norvik |
Bericht und Auszug aus dem KTB aus „U Liliput Geschichte unseres Bootes“
SIEBENTE FEINDFAHRT
DIE SCHLACHT IM ATLANTIK ‑
ENDE 1942, ANFANG 1943
"Die einzige Sache, die mir wirklich jemals während des
Krieges Furcht einflößte, war die U‑Boot‑Gefahr ", schreibt Churchill in seinen Lebenserinnerungen.
Worin bestand eigentlich die
Gefährlichkeit des U‑Bootes? Langsam und leicht verletzlich war es
seinen ärgsten Feinden, den Zerstörern und Flugzeugen, hilflos ausgeliefert,
sobald es einmal bemerkt war. Seine einzige Waffe gegen Wabos und Fliebos
waren sein Ausguck, die Schnelligkeit, mit der es sich im Alarmtauchen dem
Angriff entzog, und die sichere Beherrschung des komplizierten technischen
Apparates durch die Besatzung, die Fähigkeit des technischen und
seemännischen Personals, Ausfälle und Schäden im Handumdrehen zu beseitigen.
Gefährlich waren die U‑Boote für den englischen Nachschub
über See nur, solange sie sich unbemerkt in größeren Rudeln vor den
englischen Geleitzügen aufstellen und
ihre Torpedos, die eine Laufstrecke von 7000 bis 10.000 Meter hatten, auf
kurze Entfernung ungesehen ins Ziel bringen konnten.
Die Entzifferung unserer Funksprüche, das Radar und die
Unterwasserortung hatten dem U‑Boot viel von seiner Gefährlichkeit
genommen.
Im Dezember 1942 war es den Engländern nach neun‑monatiger
Pause endlich wieder gelungen, unseren Funkschlüssel Triton zu entziffern und
unsere Funksprüche mitzulesen, wenn auch gelegentlich mit einigen Tagen
Verzögerung.
Gegen die Ortung schützte uns seit August 1942 das Funkmeßbeobachtungsgerät,
der Metox. Aber Ende des Jahres 1942 erhielten die Zerstörer und Flugzeuge
der Alliierten ein neues Ortungsgerät, das im Kurzwellenbereich von 10 cm
arbeitete und vom Metox nicht erfaßt wurde, der nur die Ortung im Mittelwellenbereich
zwischen ein und zwei Metern anzeigte.
Die Torpedokrise hatte die U‑Boote in unzähligen Fällen
drei Jahre durch um den Erfolg gebracht. Erst im Dezember 1942 erhielten die
auslaufenden U‑Boote verbesserte Torpedos mit einem neuen Tiefenapparat
und einer neuen kombinierten Abstands‑ und Aufschlagpistole. Aber auch
auf die neue Pistole war Anfang 1943 noch kein Verlaß: Beim Angriff auf den
Tankergeleitzug von Trini dad nach Gibraltar am 8. Januar 1943, an dem auch
unser Boot beteiligt war, verfehlten nach Auswertung der deutschen und
alliierten Kriegstagebücher 24 Torpedostrotz genauer Schußunterlagen ihr
Ziel, von denen 16 Torpedos infolge Pistolenversagens im Geleitzug
detonierten, ohne ein Schiff zu beschädigen.
AUSZÜGE AUS UNSEREM KRIEGSTAGEBUCH 16.12.1942 bis 18.2.1943
15.12. Tropenausrüstung an Bord genommen.
17.12. 16.30 Uhr von Lorient ausgelaufen zur siebenten
Feindfahrt.
Marsch durch die Biskaya ohne Zwischenfälle.
24.12. 17.00 Uhr bis 19.00 Uhr getaucht zur Weihnachtsfeier. Funkspruch
von BdU: "U‑Boots‑Männer, Euch und Euren Angehörigen ein frohes
Weihnachtsfest. Ich bin in Gedanken mit meinen besten Wünschen bei Euch. Euer
Befehlshaber."
27.12. Backbord‑Diesel ausgefallen durch Korrosionsschaden
im Zylinderblock Backbord V. Laufbuchse muß zweimal gezogen werden. In 69
Stunden durchgehender Arbeit gelingt es uns, den Diesel zu reparieren.
Am 29.12. erhalten wir vom BdU unseren ersten Einsatzbefehl.
Zusammen mit Pückler, Möhlmann, Hesse, Stein und Seibicke bilden wir die
Gruppe Delphin. Wir sollen vor der brasilianischen Küste eingesetzt werden
und marschieren zunächst in einem Vorpostenstreifen südlich der Azoren nach
Westen, um die für Casablanca bestimmten amerikanischen Geleitzüge mit
Nachschub für die in Marokko gelandeten alliierten Truppen abzufangen und
anzugreifen.
Am 3. Januar schwenkt der Vorpostenstreifen, dem sich nun auch
der Versorger Wolfbauer angeschlossen hat, nach Süden und nimmt Kurs auf das
Einsatzgebiet vor der brasilianischen Küste.
Da meldet um 16.00 Uhr U 514 Auffermann, daß er rund 1000 sm nordwestlich
von Trinidad auf neun, offenbar für Gibraltar bestimmte, Tanker gestoßen ist.
Gruppe Delphin erhält Befehl, mit Höchstfahrt auf Geleit
Auffermann zu operieren.
Wenn wir Glück haben, können wir den Geleitzug in vier Tagen am
8. Januar erreichen.
22.50 Uhr meldet Auffermann
die Versenkung eines
Tankers. Drei Minuten später wirft der BdU die Gruppe Delphin zum Angriff auf
einen soeben von Claussen westlich von Madeira erfaßten Geleitzug herum, der
mit westlichem Kurs genau auf die Gruppe Delphin zuläuft. Nach Kopplung
müßten wir am 5. auf das ClaussenGeleit stoßen.
Am 4.1. um 13.00 Uhr meldet
Claussen, daß er um Mitternacht nach Artilleriebeschuß und sieben Stunden
hartnäckiger Wabo‑Verfolgung die Fühlung verloren hat.
Wie wir heute wissen, handelte es sich bei dem von Claussen gemeldeten
Geleitzug um den nach New York bestimmten amerikanischen Konvoy GUF 3 mit 22
Schiffen, gesichert durch ein Schlachtschiff, einen leichten Kreuzer, sieben
Zerstörer und eine Sloop.
05.01. 03.00 Uhr. Stehen nach Kopplung vor dem Geleit. Wind Ost
zu Nord 1, Seegang 0, geringe Dünung, schlechte Sicht, verschwommene Kimm,
zeitweise Regen. Voraus in rw 60 Grad mehrere Schatten in Sicht. Der
Geleitzug mit westlichem Kurs. Machen kehrt und laufen mit 240 Grad vor dem
Geleitzug her. Gegnerkurs 250 Grad, Fahrt 11 sm, ca. 20 Schiffe in zwei
Dwarslinien, steuerbord und backbord voraus je ein Zerstörer, außerdem in der
Mitte vor dem Geleitzug der vordere Feger, alle in enger Sicherung. Wir
stehen vor dem Backbord‑Flügel des Geleitzuges günstig zum Angriff auf
die Steuerbord‑Flügel‑Schiffe. Haben dunklen Horizont hinter uns
und völlig verschwommene Kimm. Ein steuerbord querab sichernder Zerstörer
schießt Leuchtgranaten auf ein anscheinend von Norden angreifendes Boot.
Sind klar zum Angriff und wollen gerade zudrehen, als wir vom
Scheinwerfer des mittleren Zerstörers angeleuchtet und sofort voll erfaßt werden.
Erhalten Artillerie‑ und MG‑Beschuß
von allen drei Zerstörern.
Der erste Schuß fällt gleichzeitig mit Scheinwerferleuchten. Erster Aufschlag
unmittelbar hinter dem Heck der Seite nach genau eingerichtet; jedoch um ein
geringes zu niedrig abgekommen. Offensichtlich haben uns die Zerstörer durch Ortung erfaßt und den Feuerüberf all in Ruhe vorbereitet. Gehe
kurz mit beiden Dieseln auf Äußerste Kraft voraus, um dann sofort mit Alarm
zu tauchen. Beim Einsteigen ins Turmluk kann ich gerade noch zwei weitere,
der Seite nach etwas herausliegende Aufschläge in Höhe der beiden
Auspufftöpfe beobachten. Starke Erschütterungen im Boot, jedoch keine
Ausfälle. Drehen im Tauchen auf den Geleitzug zu und gehen auf 130 Meter.
Kurz vor Eröffnung des Feuers staffelte der Backbord‑Zerstörer
etwas heran. Ich hielt dies für einen normalen Zack. Offenbar haben sich die Zerstörer
nach dem Beschuß gegenseitig behindert, denn die ersten Wabos fallen erst
nach 10 Minuten in mittlerer Entfernung. Dann folgen mehrere Wabos etwas zu
flach eingestellt genau über dem Boot. Die folgenden Wasserbombem liegen
wieder weiter entfernt.
Ein abgesetzter Zerstörer bleibt noch längere Zeit in der Nähe
des Bootes, stoppt vorübergehend, geht wieder an und verschwindet erst um
05.40 Uhr in westlicher Richtung. Tauchen um 05.58 Uhr auf, stoßen mit
Höchstfahrt in 270 Grad nach und geben Fühlunghaltermeldung ab: "03.28
Uhr Geleit DG 1462, 250 Grad, 11 sm, Wabos, stoße nach, Heydemann."
Die Sicht hat sich weiter verschlechtert, meist unter 500 Meter,
diesige Kimm, Nieselregen, glatte See. Schäden durch Artilleriebeschuß und Wabos:
Netzabweiser bis auf ein Kardeel zerschossen. Splitter in Oberdeck und
Bordwand. Geringe Schleichluftundichtigkeiten der etwas eingebeulten
Tauchzelle 1, Luftflaschengruppe II losgeschlagen, Wand zwischen Steuerbord‑Regelbunker
und Zelle gerissen. Keine ernsten Ausfälle. Steuerbord‑Regelbunker und
Zelle werden als gemeinsame Flut‑ und Lenzregler gefahren.
10.20 Uhr bis 11.30 Uhr. Vor einem in der Morgendämmerung
schnell aufkommenden Zerstörer unter Wasser.
Um 17.54 Uhr erhält die Gruppe Delphin von BdU Befehl, wieder auf
den von Auff ermann gemeldeten Geleitzug zu operieren und am 7. Januar um
12.00‑Uhr im Aufklärungsstreifen von DG 7635 nach DS 3524 den Tankern
mit Kurs 245 Grad, Fahrt 7 sm, entgegenzulaufen.
07.01. 15.00 Uhr Funkspruch von BdU an Gruppe Delphin:
"Falls vorher keine Fühlung, um 20.30 Uhr kehrt. Kurs 65 Grad, Fahrt 9
sm."
08.01. 16.00 Uhr Funkspruch von Pückler: "Geleitzug in
Sicht, DG 8495, Kurs 60 Grad."
16.18 Uhr Funkspruch von BdU: "Gruppe Delphin ran wie
Blücher! Die Vernichtung der Tanker ist für den Kampf um Afrika von größter
Bedeutung. Seid hart im Einsatz, helft Euren Kameraden in Tunis".
Gehen auf 17 Grad. Können den Geleitzug nach Kopplung gegen
01.00 Uhr erreichen.
Um 22.00 Uhr zieht die Gefechtswache auf.
22.40 Uhr zwei Tankerexplosonien in rw 315 Grad etwa 20 sm
entfernt.
Laufen zunächst genau darauf zu, dann etwas nördlicher, um den
Geleitzug zwischen uns und den hellen Feuerschein der beiden brennenden
Tanker zu bringen.
23.15 Uhr mehrere Waboserien zu hören.
23.29 Uhr Geleitzug in Sicht in rw 330 Grad. Staffele näher
heran. Zwei Dwarslinien von je 4 bis 5 Tankern. Steuerbord achteraus vom
Geleitzug undeutlich auszumachen ein Sicherungsfahrzeug. Gehe zur Erfassung
der Schußunterlagen auf Parallelkurs. Stehe günstig steuerbord vorlich vom
Geleit. Gegnerbug rechts, Lage 60. Die einzelnen Schiffe der beiden
Dwarslinien überlappen sich um etwa die Hälfte.
23.48 Uhr laufe an.
09.01. 00.03 Uhr Mehrfachschuß aus Rohr I bis V. Gegnerfahrt 10,
Bug rechts, Lage 60, Entfernung 3000 Meter, Tiefe 3 Meter, Torpedogeschwindigkeit
30 sm. Ziele Rohr I und II zwei Normaltanker der zweiten Kolonne, Rohr III
Normaltanker der ersten Kolonne, alle um 6000 BRT, Rohr IV und V Großtanker
um 10.000 BRT.
Drei Treffer nach 4 Minuten 26 Sekunden, 4 Minuten 30 Sekunden
und 4 Minuten 32 Sekunden. Ein Torpedo nach Horchbeobachtung Aufschlag ohne
nachfolgende Detonation.
Nach dem Ablaufen keine Sprengsäule beobachtet. Wegen zu großer
Entfernung 6000 bis 7000 Meter wahrscheinlich nicht mehr auszumachen. Keine
Branderscheinungen, anscheinend Schweröltanker.
Fünf Minuten nach den Torpedodetonationen mehrere Waboserien.
Gehen wieder auf 90 Grad. Geleitzug ist auf 8000 Meter
Entfernung an der Grenze der Sicht schwach auszumachen. Laden nach.
00.35 Uhr Steuerbord‑Diesel unklar. Brennstoffpumpe hat
gefressen. Neue Brennstoffpumpe eingebaut.
00.57 Uhr Steuerbord‑Diesel wieder klar.
02.34 Uhr Funkspruch an BdU: "Geleitzug DG 8673, Kurs 90
Grad, Fahrt 11 sm. Heydemann."
02.40 Uhr Nachladen beendet. Kann bisher beim Geleitzug nur zwei
Bewacher feststellen. Einer vorn mit abgeblendeter Blaulampe als Topplaterne.
Ein zweiter steuerbord achtern.
03.40 Uhr stehe günstig und bin wieder klar zum Angriff, werde
jedoch von dem Steuerbord‑Bewacher, der plötzlich vom Geleit abstaffelt
und mit hoher Fahrt aufkommt, abgedrängt. Laufe zunächst mit 40 Grad auf den
Geleitzug zu, in der Hoffnung, bei weiterem Abstaffeln des Bewachers zwischen
diesem und dem Geleitzug zum Schuß kommen. Muß dann aber, um von dem Bewacher
freizukommen, nach steuerbord vom Geleit weg abdrehen. Bewacher dreht jetzt
nach und drängt uns 20 Minuten nach Süden ab, um dann wieder kehrt zu machen
und wieder zum Geleitzug zurückzustoßen. Machen ebenfalls kehrt und stoßen
wieder nach.
05.'30 Uhr. Stehen wieder in günstiger Angriffsposition
steuerbord vorlich vorm Geleit. Kommen jedoch trotz wiederholter Versuche
nicht an dem jetzt steuerbord querab vorm Geleit stehenden Bewacher vorbei.
Müssen abwarten, bis dieser einmal etwas weiter abstaffelt, um dann in einem
günstigen Moment zu schießen. Zu einem Angriff auf die Sicherung sind die
Torpedos bei den lohnenderen Zielen der Tanker zunächst zu schade.
06.19 Uhr. Zwei Tankerexplosionen in rw 280 Grad (Angriff
Schneiders). Kurz danach mehrere Waboserien.
06.25 Uhr Leuchtgranaten in nordwestlicher Richtung vom Geleit geschossen
beleuchten vier mit nördlichen Kursen ablaufende Tanker, die sich vom
hellerleuchteten Horizont gut abheben. Laufe mit Äußerster Kraft an.
06.35 Uhr. Viererfächer auf einen Pulk von drei überlappenden
Tankern in rw 305 Grad, Bug rechts, Lage 60, Gegnerfahrt 11,5 sm, Entfernung
3000 Meter, Tiefe 3 Meter, Torpedogeschwindigkeit 30 sm.
06.36 Uhr. Einzelschuß aus Rohr V auf einzelnen, etwas achteraus
stehenden Tanker. Entfernung 2000 Meter, Bug rechts, Lage 90, Gegnerfahrt
11,5 sm, Tiefe 3 Meter, Torpedogeschwindigkeit 30 sm.
Vier Treffer auf alle vier Tanker nahezu gleichzeitig. Laufzeit
des Fächers 3 Minuten 15 Sekunden, Torpedorohr V, das eine Minute später losgemacht
wurde, 2 Minuten 10 Sekunden. Anscheinend wieder Schweröltanker, da keiner
nach der Torpedierung in Brand geraten. Nach dem Angriff keine Leuchtgranaten.
Laden die beiden letzten Etos nach, um uns anschließend zu einem dritten Nachtangriff
bzw. Unterwasser‑Dämmerungsanlauf vorzusetzen.
07.15 Uhr Steuerbord‑Diesel ausgefallen, Kolbenfresser
Steuerbord V. Da mit einer Höchstfahrt von 11 sm ein weiteres Vorsetzen
unmöglich ist, sofort mit Reparatur, Auswechseln des Kolbens und der Laufbuchse
begonnen.
Melden dem BdU Erfolg und letzte Position des Geleitzuges.
Nach Auswertung der englischen und deutschen Kriegstagebücher
ergibt sich heute folgendes Bild von dieser Tankerschlacht:
Ab 10. Dezember 1942 konnten die Engländer unsere Funksprüche
wieder entziffern. Der Ansatz der Gruppe Delphin auf den Tankergeleitzug
"TM 111 war ihnen jedoch entgangen, weil sich die Entzifferung der
Funksprüche gerade in dieser Woche um mehrere Tage verzögert hatte. Das war
Pech.
Am 4. Januar erhielt der Tankergeleitzug von der englischen
Admiralität vorsorglich Befehl, weiter südlich zu steuern. Dieser Befehl
wurde von dem Geleitzugführer nicht ausgeführt, weil auf der befohlenen Südroute
schlechteres Wetter zu erwarten war, das die Brennstoffergänzung der
Sicherungsfahrzeuge aus den Tankern nach der Hälfte der Reise erschwert
hätte. Doppeltes Pech; denn bei Ausführung dieses Befehls wäre der Geleitzug
von der Gruppe Delphin nicht erfaßt worden.
Der Geleitzug bestand aus neun Tankern und war gesichert durch
einen Zerstörer und drei Korvetten.
Insgesamt wurden in der Zeit vom 3. bis 11. Januar sieben Tanker
versenkt und zwar ein Tanker am 3. von Auffermann, zwei Tanker am
8. von Seibicke, zwei Tanker am 9. von Schneider, ein Tanker am 9. von Hesse
und ein Tanker am 11. wiederum von Schneider.
Von zwölf auf den
Geleitzug angesetzten U‑Booten
kamen zehn zu Schuß. 31 Torpedos verfehlten ihr Ziel, davon 24 trotz genauer
Schußunterlagen. 16 Torpedos waren Pistolenversager, die im Geleit
detonierten, ohne ein Schiff zu beschädigen. Auch die von U 575 um 00.03 Uhr
und 06.36 Uhr gemeldeten Treffer waren Fehldetonierer, die sowohl von den
englischen Bewachern als auch von U
571 Möhlmann, das um 00.00
Uhr getaucht war, als Torpedodetonationen registriert wurden. Eine
Verwechslung der Torpedodetonationen mit Wasserbombendetonationen ist nach
den englischen und deutschen Kriegstagebuchaufzeichnungen demnach ausgeschlossen.
Am 10.1. sprach der BdU der Gruppe Delphin mit dem kurzen Funkspruch:
"Gut gemacht" seine Anerkennung aus.
Wie die übrigen Delphin‑Boote erhielten auch wir Befehl zu
ergänzen und von Wolfbauer 50 Kubikmeter Brennstoff und von dem heimkehrenden
Bleichroth 3 Atos und möglichst ein bis zwei Etos zu übergeben
Die Brennstoffübernahme wurde am
11. abends durchgeführt und am 13. nachmittags übernahmen wir vier Atos von
Bleichroth mittels eines Torpedoübernahmenmerätes das uns von Hesse und
Seibicke zur Verfügung gestellt worden war
Bei auffrischendem Südwest, Seegang 3 und mittelhoher Dünung aus
Nordwest war die Übernahme der Torpedos nicht ganz einfach, ging
aber doch verhältnismäßig schnell und reibungslos vonstatten.
Am 16. Januar bezog die Gruppe Delphin in Erwartung eines
ostgehenden Geleitzuges wieder einen Vorpostenstreifen von CE 8434 nach BG
1961. Zu dem erhofften großen Schlag gegen einen Nachschubgeleitzug für Casablanca
kam es zwar nicht, aber dafür erfaßte die Gruppe Delphin drei
schwerbewaffnete, mit Panzern und anderem Kriegsmaterial beladene
Einzelfahrer:
25.1. CE 8771 auf Position im Vorpostenstreifen. Wind Süd‑West
2, Seegang 2, lange Nordwestdünung, gute Sicht.
17.55 Uhr. Zwei Mastspitzen in Sicht in rw 225 Grad. Setzen uns
vor zum Angriff. Gegner ist schneller Einzelfahrer, Fahrt 14 bis 15 sm, stark
zackend bis zu 9 Dez, häufige Kursänderungen, etwa alle 10 Minuten ein Zack
bis zu 4 Dez. Generalkurs 110 Grad.
20.30 Uhr Dämmerungsbeginn von Süden her.
21.40 Uhr. Erster Anlauf mißlingt wegen eines starken Zacks,
kommen auf seine Steuerbordseite.
21.58 Uhr. Zweiter Anlauf führt ebenfalls nicht zum Ziel.
Dampfer dreht kurz vor dem Schuß um 5 Dez zu und kommt mit Lage 0 schnell
auf. Weichen mit hart Ruder nach Steuerbord aus, laufen mit Großer Fahrt vor
seinem Bug vorbei, setzen uns etwas vor und lassen ihn mit Bug links einwandern.
22.05 Uhr Schuß aus Rohr V. Schußunterlagen Gegnerbug links,
Lage 80, Fahrt 14 sm, Torpedogeschwindigkeit 40 sm, Tiefe 3 Meter. Nach 1 Minute
22 Sekunden Treffer in Luke 2. Starker Brand. Dampfer sinkt vorn schnell weg,
bleibt dann jedoch in diesem Zustand mit eben überspülter Back, das
Achterschiff aus dem Wasser ragend, liegen.
22.28 Uhr Fangschuß fehl. Vorn vorbei. Dampfer macht jetzt
geringe Fahrt über den Achtersteven, nachdem er zunächst noch längere Zeit Vorwärtsfahrt
behalten hatte.
22.45 Uhr. Zweiter Fangschuß. Treffer in Höhe vorderer Mast.
Dampfer sinkt vorn noch tiefer, schwimmt aber auf der Luftblase des Mittel‑
und Achterschiffes weiter.
23.20 Uhr. Schießen ihm mit 30 Schuß Spreng‑ und
Brandmunition Entlüftungen in Bordwand und Heck, die sofort zu dem
gewünschten Erfolg führen.
Fischen einen treibenden Mann auf und kehren zur Position im
Aufklärungsstreifen zurück. Vernehmung des aufgefischten Seemanns, es ist der
Chefkoch, 62 Jahre alt, ergibt: sein Schiff gehörte zu einem am 13. Januar
von New York nach Casablanca ausgelaufenen Geleitzug. Am 22. wurden bei
schlechtem Wetter einzelne Schiffe abgesprengt. Geleit wahrscheinlich völlig
aufgelöst. Ladung des Schiffes ist Kriegsmaterial, u.a. 30 Panzer mit der
entsprechenden Menge Brennstoff in Fässern, 15 davon schwere Kampfwagen an
Oberdeck. Name des Schiffes "City of
Flint"
Bewaffnung: Vorn und achtern je ein großes Geschütz mit vollem
Schutzschild, Kaliber etwa 12,5 cm. Dahinter überhöht je eine kleinere Kanone
etwa 8,8 cm. Acht Flakstände mit wahrscheinlich 2 cm Flak‑Waffen, außerdem
in den Brückennocken eine Flak 3,7 bzw. 4 cm mit Schutzschild. Auf der Brücke
zwei Maschinengewehre sowie zwei Entfernungsmeßgeräte.
Unterrichte den BdU über den Erfolg und Gefangenenaussage.
Am 28. Januar melden Auffermann
und Hesse, daß auch sie je
einen schwerbewaffneten Dampfer mit Kriegsmaterial für Casablanca versenkt
haben.
30. Januar Funkspruch vom BdU: "An meine U‑Boots‑Männer:
Auf Befehl des Führers habe ich heute den Oberbefehl über die
Kriegsmarine übernommen. Den U‑Boot‑Krieg führe ich auch
weiterhin selbst. Euer Truppenbefehlshaber wird der Konteradmiral von
Friedeburg als kommandierender Admiral der U‑Boote. Seit 1935 gehört
meine ganze Kraft und mein Herz der U‑Boots‑Waffe. Ich danke Euch U‑Boot‑Männern für Eure Treue. In kühner
Kampfbereitschaft habt Ihr im Kriege Großes geleistet. Todesmutig und hart
gegen uns selbst müssen wir weiterkämpfen, bis zum Endsieg. Denkt daran, daß
auch Euer Kampf für das Schicksal unserer geliebten Heimat entscheidend ist.
Der BdU".
Am 08.02. besetzt die Gruppe Delphin in Erwartung eines
nordgehenden Geleitzuges westlich von Portugal einen neuen Vorpostenstreifen
von CG 4659 nach CF 9665.
Aber auch diesmal bleibt uns der große Erfolg versagt. Am 12. Februar
erhalten Johannsen und Maus Fühlung an je einem südgehenden Geleitzug in der
westlichen Biscaya. Beide Boote nach
einem Fehlschuß auf einen großen Passagierdampfer werden von Zerstörern und
Flugzeugen abgedrängt und melden hartnäckige Wabo‑Verfolgung.
Am 13. Februar treten wir mit 13 Kubikmeter Brennstoff den Rückmarsch
nach St. Nazaire an. Im Vertrauen auf unser FuMB und unseren Ausguck fahren
wir in der Biscaya nachts grundsätzlich und bei Tage bei guter Sicht
aufgetaucht. Müssen wiederholt vor Ortung tauchen. Scheinen im übrigen einen
Schutzengel zu haben; denn am 15.2. werden wir kurz nach Mitternacht in
stockdunkler Nacht in so geringer Höhe von einer zweimotorigen Maschine
überflogen, daß dem Obersteuermann die Mütze vom Kopf geweht wird. Aber es
fallen keine Bomben. Wir werden den Verdacht nicht los, daß die Engländer
eine neue Ortung einsetzen, die vom Metox nicht erfaßt wird.
24 Stunden vor dem Einlaufen müssen wir ein Torpedorohr
freischießen, weil der Propeller eines Etos aus unerklärlichen Gründen unter
starker Gasentwicklung plötzlich zu laufen beginnt und wir das Boot nicht
durch eine Batterieexplosion gefährden wollen. Der Torpedo wird "toter
Mann" und verabschiedet sich nach 20 Sekunden mit einer schwachen
Detonation.
18.02. 14.20 Uhr in St. Nazaire eingelaufen.
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