![]() 8. Feindfahrt 22.April bis 11. Juni 1943 Operationsgebiet Nordatlantik
Gruppe „Elbe“ operierte als
Aufklärungslinie mit den Booten U 107, U 223, U 231, U 266, U 267, U 377, U
383, U 402, U 504, U 514, U 533, U 575, U 584, U 614, U 621, U 634, U 650. Es
gab weder Feindkontakt oder eigene Verluste. Operationsgebiet BC/AJ/BC-CE/BD/BE. Alle Boote außer U 266 wurden auf die Gruppen Elbe I
und Elbe II aufgeteilt. U 575 hatte kurze Feindkontakte mit Wasserbombenverfolgung, am 6.5. erreichte es seine höchste Tiefe mit 210m bzw. 230m (Aussage KTB/US-Geheimdienstbericht).
Vom 10.5.-14.5.43 operierte „U
575“ mit der Gruppe Elbe I als Aufklärungslinie. Es gab keinen Feindkontakt
und auch keine eigenen Verluste. Beteiligte Boote waren U 231, U 267, U 468,
U 514, U 525, U 533, U 569, U 575, U 584, U 614, U 634, U 650, U 709, U 752,
Operationsgebiet BE/BD-CE. Einige Boote wurden bereits früher abgezogen.
Schließlich gehörte „U 575“ noch
zur Gruppe Mosel, die vom 19.5.-24.5.43 auf den Geleitzug HX.239 operierte, allerdings ohne Erfolg. Allerdings
gab es zwei Verluste („U 569“ und „U752“) sowie zwei beschädigte Boote („U
305“ und „U 468“). Nach Auflösung der Gruppe fuhren die meisten Boote einzeln
auf individuellen Positionen. Mosel
umfasste die Boote U 218, U 221, U 228, U 231, U264, U 305, U 336, U 378, U
468, U 552, U 558, U 569, U 575, U 603, U607, U 621, U 641, U 642, U 650, U
666, U 752.
Bericht und Auszüge aus dem KTB aus „U Liliput Geschichte unseres Bootes“
ACHTE FEINDFAHRT
DIE SCHLACHT IM ATLANTIK ‑
MAI 1943
Im Frühjahr 1943 gewannen die Alliierten in der U‑Boots‑Abwehr
endgültig die Oberhand über die deutschen U‑Boote, die nach dreieinhalb
Jahren U‑Boots‑Krieg noch über die gleichen Waffen verfügten, wie
zu Beginn des Kampfes und der englischen Abwehr nichts entgegenzusetzen
hatten als ein Metox, das die neue 10 cm Ortung nicht erfaßte.
Die Alliierten, deren Lebenslinien durch die deutschen U‑Boote
ernstlich bedroht waren, hatten dem Ausbau der U‑Boots‑Abwehr
absolute Priorität eingeräumt:
In Bleachley Park wurden wieder alle deutschen Funksprüche
zeitgleich mitgelesen. So konnten die Engländer und Amerikaner ihre Sicherung
ganz auf die bedrohten Geleitzüge konzentrieren. Zerstörer und Flugzeuge
griffen die U‑Boote im gesamten Nordatlantik mit der neuen
weitreichenden Kurzwellenortung an, die vom Metox nicht erfaßt wurde. Mit
einem automatisch arbeitenden Kurzwellenpeiler "Huff‑Duff"
konnten die Zerstörer und Korvetten jedes, auch das kürzeste, Funksignal
automatisch einpeilen und das sendende U‑Boot mit Hilfe von
Doppelpeilungen sofort angreifen und unter Wasser drücken.
Die von ihren Stützpunkten in USA, Grönland, Island und England
startenden Langstreckenflugzeuge vom Typ Liberator, Coronado und Lancaster
kontrollierten den gesamten Seeraum im Nordatlantik, so daß kein Geleitzug
mehr auf ihren Schutz zu verzichten brauchte.
Die in der Geleitsicherung fahrenden Zerstörer und Korvetten
wurden durch selbständige U‑Jagdgruppen unterstützt, die aus jeweils
vier bis sechs Zerstörern bestanden und über besondere U‑Jagd‑Erfahrung
verfügten. Verstärkt wurden die U‑Jagdgruppen im April 1943 durch die
ersten neugebauten Geleitträger "Vogue", "Biter",
"Dasher" und "Archer". Jeder Träger hatte sechs U‑Jagdflugzeuge
vom Typ Hellcat, Wildcat, Seafire und Swordfish an Bord.
Die Zerstörer und Korvetten waren mit neuen schweren Wabos und
aus Torpedorohren abgeschossenen Superwabos mit einer Tonne Sprengstoff und
Tiefeneinstellung bis zu 200 Metern ausgerüstet. Die meisten
Sicherungsfahrzeuge hatten einen stabilisierten Wasserbombenwerfer vom Typ
Hedgehog im Bug, mit dem sie ganze Salven von 30 Wasserbomben mit
Aufschlagzünder abfeuern konnten. Ab Mai wurden die Flugzeuge mit Raketen
bestückt und mit Horchtorpedos ausgerüstet, die die getauchten Boote mit
ihren Horchgeräten verfolgten und unter Wasser vernichteten. Der Einsatz
dieser Horchtorpedos wurde streng geheim gehalten und ist uns erst nach dem
Krieg bekannt geworden.
AUSZÜGE AUS UNSEREM KRIEGSTAGEBUCH 22.4.1943 bis 11.6.1943
22.04. 18.15 Uhr. St. Nazaire ausgelaufen zur achten Feindfahrt.
Marschieren tags getaucht, nachts aufgetaucht durch die Biscaya.
26.04. 01.30 Uhr. Werden in dunkler Nacht auf etwa 800 Meter
Entfernung von backbord querab von einem Flugzeug mit Scheinwerfer
angegriffen. Mit beiden Dieseln Äußerste Kraft Voraus ausgewichen. Flugzeug
passiert dicht hinter dem Heck unser Kielwasser.
03.24 Uhr. Zweiter Flugzeugangriff mit Scheinwerfer von backbord
querab. Wieder mit Äußerster Kraft Voraus ausgewichen. Große viermotorige
Landmaschine passiert unser Kielwasser in 80 Meter Höhe unmittelbar hinter unserem Heck.
Weitermarsch durch die Biscaya unter Wasser. Tauchen nur noch
zum Laden und Lüften auf. Werden aber auch dabei vom 26. bis 28. April
fünfmal durch anfliegende Flugzeuge sofort wieder zum Tauchen gezwungen.
Erhalten Befehl, das Seegebiet östlich Neufundland anzusteuern
und am 4.5. als Gruppe Amsel I zusammen mit Staudinger, Kruschka, Forstner,
Luis und Tinschert einen Vorpostenstreifen von AJ 7933 nach 8837 zu besetzen.
Noch bevor wir unsere Position erreicht haben, wird der
erwartete Geleitzug am 4.5. um 20.17 Uhr von Hasenschar im Quadrat AJ 6271
mit südlichem Kurs erfaßt.
Gehe auf Große Fahrt Kurs Nord. Kann den Geleitzug nach den
Fühlunghaltermeldungen von Hasenschar am 5.5. gegen Mittag erreichen.
Der BdU setzt auf diesen Geleitzug die Gruppen Amsel I und II
sowie die Gruppe Fink mit insgesamt 39 Booten an.
05.05. 10.34 Uhr Funkspruch von BdU an Hasenschar‑Geleit:
"Die lange Dauer der Helligkeit ausnutzen für Unterwasserangriff. Vor
Beginn der Dunkelheit heute abend so operieren, daß Boote bei Beginn der
Dunkelheit möglichst davorstehen. Gleich nach Beginn der Nacht muß der
Paukenschlag einsetzen. Beeilt Euch, sonst ist bei den 40 Booten nichts mehr vom
Geleit übrig. Die Schlacht dauert wegen des nur noch kurzen Seeraums nicht
lange, deshalb mit aller Energie jede Chance ausnutzen."
Die Sicht ist gut. Wind Süd‑Südost 1, Seegang 1. Um 16.04
Uhr kommen vier einzelne Rauchwolken in rw 20 bis 30 Grad in Sicht.
Anscheinend Zerstörer mit
südlichem Kurs. Seit 17.00 Uhr mehrere eigene Boote in unmittelbarer Nähe.
18.20 Uhr. Müssen vor
den plötzlich schnell herauskommenden Zerstörern mit Äußerster Kraft
ablaufen. Melde mit
Kurzsignal: "AJ 8336 vier
Zerstörer, Heydemann." Vom Geleit bisher nichts zu sehen. Glaube, daß die Zerstörer uns ablenken sollen.
Winkspruchverkehr mit Volkers. Er ist der gleichen Meinung.
21.15 Uhr Funkspruch an BdU: "Seit 18.00 Uhr mit sieben
weiteren Booten Fühlung an gemeldeten Zerstörern. Annahme Täuschungsgruppe.
Frage: Hat einer der Fühlunghalter Anhalt über Geleit selbst? AJ 8383,
Heydemann."
21.30 Uhr zunehmende Verschlechterung der Sicht durch
Nebelschwaden und Regen. Laufe den Zerstörern mit Kleiner Fahrt entgegen.
22.20 Uhr. Geleitzug in rw 40 Grad im Dunst auf 12.000 Meter
Entfernung plötzlich voll heraus. Drei Schiffe von 4000 bis 5000 BRT, Bug
rechts, Lage 40, deutlich auszumachen, möglicherweise mehr. 5000 Meter davor
als undeutliche Schatten zu erkennen die Sicherung. Drehen ab und setzen uns
auf Parallelkurs vor. Müssen vor plötzlich auftauchendem Bewacher nach Westen
abstaffeln. Gehen wieder näher heran und laufen bis Dunkelwerden auf
Parallelkurs mit.
06.05. 00.00 Uhr Dämmerungsbeginn. Sicht nach Einbruch der
Dunkelheit sehr schlecht, nur 200 bis 500 Meter.
00.52 Uhr. Laufe dem Geleitzug mit geöffneten Mündungsklappen
entgegen. Schaltung Vierer‑Fächer, da bei den augenblicklichen
Sichtverhältnissen unsere einzige Chance ist, bei plötzlichem Zusammenprall
mit dem Geleit oder einem Sicherungsfahrzeug, sofort zu schießen.
01.30 Uhr mehrere Maschinengewehrleuchtspurgeschosse backbord
achteraus, anschließend eine Waboserie in unserer unmittelbaren Nähe.
01.35 Uhr rechts‑achteraus in 200 Meter Entfernung eine
Korvette, Lage 0. Drehe mit Äußerster Kraft und Hart‑Ruder nach
steuerbord ab und tauche mit Alarm. Der von mir im Tauchen auf den Gegner mit
Bug rechts, Lage 5 losgemachte Torpedo, Rohr V, fällt nicht mehr, da die
Mündungsklappe bereits zwei Umdrehungen geschlossen ist. Werde im Tauchen
schräg achtern überlaufen. Keine Wabos. Erst fünf Minuten später auf 100
Meter erster Anlauf. Wabos genau über dem Boot, aber zu flach eingestellt.
Keine Ausfälle. Gehe auf 140 Meter.
02.10 Uhr in rw 0 Grad bis 20 Grad Dampferschraubengeräusche zu
hören. Im Auftauchen auf 100 Meter läuft die Korvette wieder an: 1 Knallot in
unmittelbarer Nähe des Bootes, danach 6 Wabos. Gehe wieder auf 140 Meter.
Waboverfolgung durch 3 Bewacher, Ortung mit Knalloten, alle Dreiviertelstunde
ein Waboanlauf.
05.30 Uhr. Bewachergruppe entfernt sich.
06.10 Uhr. Nur ein Bewacher bleibt in Bootsnähe. Werden
wiederholt überlaufen, einzelne Wabos.
07.30 Uhr. Bewacher entfernt sich. Hat uns anscheinend verloren.
08.00 Uhr. Steuern Sehrohrtiefe an. In größerer Entfernung
wieder mehrere Waboserien.
08.30 Uhr. Auf Sehrohrtiefe. Wind Süd‑West 4,
auffrischend. See 3, Nebelschwaden, Regenschauer, Sicht nur bis 3 sm.
Aufgetaucht. In rw 200 Grad erneut mehrere Waboserien. Beabsichtige, die
Suchgruppe nach Westen zu umgehen.
13.40 Uhr. Funkspruch von BdU: "Boote am Hasenschar Geleit
Operation abbrechen, Gruppe Amsel I und II BC 33 ansteuern." Gebe dem 1.
Wachoffizier auf der Brücke Befehl, auf 145 Grad zu gehen. Noch bevor er diesen
Befehl ausgeführt hat, müssen wir mit Alarm vor plötzlich mit Lage 0 aus 6000
Meter aus dem Nebel auftauchenden Zerstörer wegtauchen. Laufen mit Großer
Fahrt gegen die See unter Wasser ab und gehen auf 170 Meter Tiefe auf
Schleichfahrt. Zerstörer hat uns achtern passiert, stoppt wiederholt, bisher
keine Wabos. Tiefenmesser hakt kurzzeitig auf 160 Meter, springt dann
plötzlich auf 200 Meter, Boot hat fallende Tendenz, müssen mit Äußerster
Kraft angehen, um wieder auf 160 Meter zu kommen. Zerstörer überläuft das
Boot und wirft eine Serie von sechs schweren Wabos. Die ersten beiden liegen
sehr nahe. Boot sackt durch bis auf 210 Meter, wird abgefangen durch Anblasen
der Tauchzelle 3, Alle Mann achteraus und beide Maschinen Äußerste Kraft
voraus. Boot kommt zusehends höher. Um nicht an die Oberfläche zu schießen,
wird die Tauchzelle 3 über die Dieselabgasleitung ins Boot entlüftet. Boot
fängt sich. Gehen wieder auf 160 Meter. Ausfälle nach dem Waboangriff:
Tiefenmesser Zentrale, Bugraum und Heckraum, beide Tiefenruder, Seitenruder,
Lichtgruppen, Hauptlenzpumpe, Kreiselanlage, Beleuchtung Magnetkompass.
Störungsbeseitigung binnen 10 Minuten. Von beiden Ausblaseventilen Diesel je
zwei Bolzen vom Druckkörperflansch losgerissen, steuerbord Stevenrohr stark
undicht. Telefon, Fahrtmess ausgefallen. Einige Manometer losgeschlagen.
Beide Oberdeckstuben eingebeult, achtere vollgelaufen.
Laufen nach Nordwesten ab.
Zerstörer entfernt sich nach Süden und kommt nach 50 Minuten aus
nordwestlicher Richtung wieder auf. Läuft anscheinend Suchkurve. Weichen nach
Westen aus.
19.30 Uhr. Zerstörer ist in südöstliche Richtung abgelaufen.
20.15 Uhr. Gehen auf Sehrohrtiefe.
21.00 Uhr aufgetaucht. Setzen uns nach Nordosten ab.
07.05. 08.00 Uhr Funkspruch an BdU: "Zweimalige Waboverfolgung.
AJ 86. Schäden beseitigt. 80 Kubikmeter. Nebel. Heydemann."
10.40 Uhr Funkspruch von BdU: "Boote am Hasenschar Geleit:
Diese Geleitzugschlacht hat wieder einmal bewiesen, daß die Verhältnisse am
Geleitzug im Anfang immer am günstigsten sind. Wer das Überraschungsmoment in
der ersten Nacht ausnutzt und mit allen Mitteln den Angriff anstrebt, der
kommt zum Erfolg. Nach dem ersten Schlag wird es immer schwerer. Dazu kommt
die Unsicherheit des Wetters, wie in diesem Fall, wo der Nebel die großen Chancen
der zweiten Nacht vereitelte. Anerkennung für den harten Kampf, hauptsächlich
in der zweiten Nacht. Oberbefehlshaber und BdU."
Über diese zweite Nacht schreibt Dönitz in seinen Erinnerungen:
"Ungefähr zwei Stunden vor Dunkelheitsbeginn kam dann plötzlich Nebel,
der ziemlich schnell immer dicker wurde und die große Chance dieser Nacht
vereitelte. Die Boote verloren fast alle wieder die Fühlung. Um 4.00 Uhr
morgens wurde dann das Geleit zum letzten Mal gesichtet. Kein Boot kam mehr
zum Erfolg. 15 Boote erhielten allein in dieser Zeit Wabos, davon wurden 6
Boote im Nebel von ortenden Zerstörern überraschend mit Artillerie
angegriffen. Ohne ein Mittel gegen die Ortung waren so die Boote einwandfrei
in unterlegener aussichtsloser Position."
Im Laufe der ersten
Nacht und während des Tages waren versenkt
worden: Von Hasenschar ein Dampfer mit 5081
BRT,
von Kurio ein Dampfer
mit 4737 BRT,
von Looks zwei Dampfer
mit 10.147 BRT,
von Mahnke zwei Dampfer
mit 8076 BRT,
von v. Schröter ein
Dampfer mit 4566 BRT,
von Noelke ein Dampfer
mit 5507 BRT,
von Gretschel ein
Dampfer mit 5565 BRT,
von v. Jessen drei
Dampfer mit 12.002 BRT.
Wir verloren U 710, Oblt. von Carlovitz, durch Wabos von
Zerstörern. U 630,Oblt. Winkler durch Wabos von Korvette, U 638, Kptlt.Staudinger,
durch Wabos von der Loose Strife, U 192, Oblt.Happe, durch Wabos von der
Pink, U 531,Kptlt. Neckel, durch Wabos von der Oribi, U 438,Kptlt. Heinsohn,
durch Wabos von der Pelikan, U 125,Kptlt. Volkers, durch Hedgehog von der
Vidette.
Die starke Geleitsicherung war nach Beginn der Angriffe durch
die dritte U‑Jagdgruppe mit 5 Zerstörern und die erste U‑Jagdgruppe
mit 6 Zerstörern verstärkt worden.
Am 7. Mai erhielten wir einen neuen Einsatzbefehl vom BdU:
"Als neue Gruppe Elbe in der Reihenfolge Dahlhaus, Heydemann, Deecke,
Witzendorf, Sträter, Jessen, Hennig, Wenzel, Auffermann, Tinschert, Kruschka,
Wächter, Luis, Köhler, Gehlhaus, Forster am 8. Mai im Vorpostenstreifen
stehen von AJ 9421 nach BC 6246. Ab 8. Mai ein schneller und ein langsamer
Geleitzug, beide auf ostwärtigen Kursen erwartet."
Am 9. Mai um 12.11 Uhr wird
der erste Geleitzug von Förster gemeldet in CD 3598, Kurs 90 Grad, mittlere
Fahrt. Gruppe Rhein erhält Befehl, auf diesen Geleitzug zu operieren.
Die Gruppe Elbe wird weiter nach Süden verlegt von BC 8111 nach CE 1849.
Der zweite Geleitzug wird von
Luis um 18.30 Uhr in CE 1543 mit östlichem Kurs, Fahrt 8 ‑ 10 sm,
gemeldet. Auf diesen Geleitzug wird die Gruppe Elbe angesetzt.
Gehen auf 160 Grad. Können
den Geleitzug Luis mit
Höchstfahrt in etwa 20 Stunden erreichen.
12.05. 13.30 Uhr. Stehen nach Kopplung in CE 2115, 14 sm vor dem
Geleitzug. Die Sicht ist gut, Wind West 2 ‑ 3, Seegang 3, leichte
Dünung. Bisher nichts in Sicht. Um 13.30 Uhr meldet Hesemann: "Feind
steht CE 2117, Kurs 20 Grad. Beabsichtige anzugreifen."
14.20 Uhr mehrere entfernte Wabo Detonationen.
Wie wir heute wissen, wurde um diese Zeit Hesemann versenkt.
Um 15.30 Uhr kommt in rw 140 Grad eine Rauchwolke in Sicht.
Anscheinend die backbord vordere Sicherung des Geleitzuges. Setzen uns mit
Höchstfahrt vor.
17.58 Uhr. Rauchwolke peilt jetzt 180 Grad. Laufen mit 160 Grad
zur Erfassung genauerer Unterlagen etwas zu, müssen jedoch vor mit hoher Fahrt
und spitzer Lage aufkommendem zweiten Bewacher mit AK abdrehen. Korvette jagt
zwei andere Boote, die sie nach Norden abdrängt, ist zeitweise bis zur Brücke
heraus und bekommt dann größere Lage und wird wieder kleiner.
19.20 Uhr. Halten mit mehreren Booten Fühlung an Bewachern jetzt
in rw 170 Grad.
19.40 Uhr. Bewacher verschwindet hinter der Kimm. Geleitzug muß
nach Osten abgezackt haben. Laufen mit 150 Grad auf den Geleitzug zu.
Witzendorf, Hackländer, Gehlhaus und Tinschert melden
nacheinander, daß sie von Bewachern abgedrängt werden.
Operieren weiter nach den letzten Fühlunghaltermeldungen.
Bekommen Geleit aber nicht wieder in Sicht.
In der Nacht vom 12. auf 13. Mai reißt die Fühlung endgültig ab.
Am Nachmittag des 13. kommt noch einmal ein Funkspruch vom BdU:
"Suche mit Höchstfahrt und Suchschlägen fortsetzen. Bei der guten Sicht
muß Geleit unbedingt wiedergefunden werden. Tut Euer Bestes. In der kommenden
Nacht muß noch Erfolg kommen".
Aber der Geleitzug ist und bleibt verschwunden.
Am 14. bricht der BdU die Operation auf den Geleitzug Luis
endgültig ab. Erhalten Befehl, im erreichten Gebiet einstweilen
stehenzubleiben.
16.29 Uhr getaucht vor Trägerflugzeug. Beim Höhergehen drei
Wabos in mittlerer Entfernung. Bleiben bis 18.50 Uhr unter Wasser.
22.18 Uhr Begegnung mit Claussen. Besteck‑ und
Erfahrungsaustausch.
Auszug aus dem Kriegstagebuch des BdU: "Die Ortung durch
Luft und Überwasserfahrzeuge gibt dem Gegner offenbar ein gut ausgenutztes
Mittel, die vorbereitenden Aufstellungen der U‑Boote zu erfassen und
ihnen auszuweichen. Sie ist damit im Begriff, dem Boot seine wesentlichste
Eigenschaft, die Nichtfeststellbarkeit, zu nehmen. Bei sehr guten
Sichtverhältnissen wurden zum Beispiel am Geleitzug SC 129 (Geleit Luis)
allein elf fühlunghaltende Boote bei Helligkeit von den Sicherungsfahrzeugen
erfaßt und abgedrängt“.
Heute wissen wir, daß beide Geleitzüge, Förster und Luis,
zusätzlich durch eine U‑Jagdgruppe mit dem Geleitträger Biter gesichert
wurden. Aus dem Geleit Förster wurden in der ersten und zweiten Nacht durch
Teichert, Troja und Baltz vier Dampfer mit zusammen 28.000 BRT
herausgeschossen. Aus dem Geleitzug Luis versenkte Forstner am 11. Mai zwei
Dampfer mit 7627 BRT. Wir verloren an diesen Geleitzügen fünf U‑Boote
und zwar Teichert, von Jessen und Göllnitz durch Horchtorpedos von
Langstreckenflugzeugen, Hesemann durch Wabos von Zerstörern und Lohmann durch
ein Jagdflugzeug der Biter und Wabos von zwei Zerstörern.
Nach diesen beiden fehlgeschlagenen Geleitzugunternehmen erhielten
die 500 Tonnen‑Boote Befehl, Brennstoff aus den großen Booten zu
ergänzen, für die 750 Tonnen‑Boote wurde Rückmarsch und Ausrüstung für
weiteren Einsatz im Südatlantik vorgesehen.
So trafen wir uns am 16.05. in BD 6766 mit Jannsen zur
Brennstoff und Proviantübernahme.
Da wir keine Brennstoffschläuche hatten, mußten
Feuerlöschschläuche genommen werden.
Trotz bewegter See und einem frischen Nordostwind geht die
Übernahme reibungslos vonstatten. Beide Boote fahren in Steuerbordstaffel vor
der See. Die Feuerlöschschläuche werden an einer Manilatrosse befestigt; alle
15 Meter eine Schwimmweste. So pumpen wir stündlich 4 bis 5 Kubikmeter
Brennstoff über. Da sich der Gummibelag der Feuerlöschschläuche jedoch
laufend löst.
treten wiederholt Verstopfungen der Schlauchverbindungen und
durch den plötzlichen Staudruck Undichtigkeiten auf, die die Aufnahme und das Auswechseln einzelner
Schlauchlängen erforderlich machen. Das Schmieröl wird in Kanistern im
Schlauchboot übernommen. Zur Beschleunigung dieser vorsinflutlichen
Übernahme, für die nur drei Kanister zur Verfügung stehen, nehmen wir einige
Pistolenbehälter zu Hilfe
Das Schlauchboot hängt mit
einer kurzen zwei Meter langen Vorleine an einer von Bug zu Bug geschorenen
Verholleine, so daß es beim Pendelverkehr immer Kurs parallel zu den beiden
Booten behält und weder querschlagen noch kentern kann
17.05. 16.00 Uhr Brennstoffübernahme und 18.00 Uhr
Schmierölübernahme beendet. Es wurden übernommen: 72 Kubikmeter Brennstoff,
1,5 Kubikmeter‑Schmieröl und Proviant für zwei Wochen.
Die beiden letzten Geleitzugunternehmen gegen das
HasenscharGeleit und das Luis‑Geleit hatte der BdU als Niederlage
empfunden. Trotz der Überlegenheit der Abwehr war er nicht bereit zu
kapitulieren. In einem eindringlichen Funkspruch appellierte er am 18. Mai an
die Einsatzbereitschaft seiner Kommandanten und Besatzungen:
"Der Gegner ist uns in seinem Bestreben, dem U‑Boot
seine wichtigste Eigenschaft, die Unsichtbarkeit, zu nehmen durch seine
Funkmeßortung zur Zeit mal wieder um einige Längen voraus. Eure dadurch
schwierige Lage im Kampf mit der feindlichen Sicherung und Abwehr ist mir im
vollen Umfang bekannt. Seid gewiß, daß ich mit meiner ganzen Kraft als
Oberbefehlshaber alle nur möglichen Maßnahmen getroffen habe und noch treffen
werden, diesen Zustand sobald als möglich zu ändern. Entwicklungs‑ und
Erprobungsstellen innerhalb und außerhalb der Marine arbeiten daran, Eure
Ausrüstung an Waffen und Geräten zu verbessern. Ich erwarte von Euch, daß Ihr
weiterhin den Kampf mit dem Gegner aufnehmt, seinen Listen und technischen
Neuerungen Eure Findigkeit, Euer Können und den harten Willen entgegensetzt,
dennoch mit ihm fertig zu werden. Im Mittelmeer und im Atlantik haben
Kommandanten bewiesen, daß der Gegner auch heute überall schwache Stellen hat
und das die feindlichen Hilfsmittel in vielen Fällen durchaus nicht so
wirksam sind, wie es zuerst erscheint, wenn man entschlossen ist, trotzdem
etwas zu erreichen. Ich glaube Euch für diesen Euren harten Kampf bald
bessere Waffen geben zu können. Dönitz."
Im Anschluß an die Brennstoffergänzung der brennstoffschwachen
Boote stellte der BdU alle verfügbaren 500 Tonnen Boote im Nordatlantik
wieder in zwei großen Aufklärungsstreifen als Gruppe Mosel und Gruppe Donau
auf, um zwei große vom eigenen B‑Dienst gemeldete Nordost‑Geleitzüge
abzufangen und mit je 20 bis 30 Booten anzugreifen.
Wir wurden der
Gruppe Mosel zugeteilt.
Aber dann
wiederholte sich das gleiche dramatische Schauspiel:
Die Geleitzüge
wurden erfaßt, aber alle fühlunghaltenden U‑Boote wurden abgedrängt.
Kein Boot kam zu Schuß, aber wir verloren 8 U‑Boote und zwar durch
Fliebos von Langstreckenflugzeugen:
U 258,Kptlt. Maessenhausen,
U 273,Oblt. Rossmann,
U 646,Oblt.
Wulff,
Durch
Horchtorpedos eines Langstreckenflugzeugs:
U 954 Kptlt. Loewe,
Durch Fliebos
eines Trägerflugzeugs der "Bogue":
U 569,Oblt. Johannsen,
Durch Raketen
eines Trägerflugzeugs der "Archer":
U 752,Kptlt. Schröder,
Durch Wabos
von Zerstörern:
U 209,Kptlt. Brodda,
U 381.Kptlt. v. Pückler,
An Bord von U 954 fiel der älteste Sohn des Großadmirals
Leutnant zur See Peter Dönitz; sein zweiter Sohn Klaus ist am 14. Mai als
Wachoffizier auf dem Schnellboot S 141 im Kanal gefallen.
Am 23. Mai erhielten die Gruppen Donau und Mosel Befehl, die
Operation auf die Nordost‑Geleitzüge abzubrechen und sich nach Westen
abzusetzen.
Über diesen Einsatz der Gruppen Donau und Mosel schreibt Dönitz
in seinem Buch "Zehn Jahre und zwanzig Tage":
"Die beherrschende Überlegenheit der feindlichen Abwehr
zeigte sich endgültig bei den beiden nächsten Geleitzügen, dem SC 130 und dem
HX 239. Die eigentliche Geleitzugsbewachung wirkte mit den in der U‑Boot‑Bekämpfung
besonders ausgebildeten "Unterstützungsgruppen“ vorbildlich zusammen.
Hinzu kam die dauernde Luftsicherung, die aus Trägerflugzeugen und
weitreichenden Landmaschinen bestand, und die allgemeine Ausrüstung mit dem
neuen Ortungsmittel und neuen schweren Wasserbomben sowie ihren verbesserten
Wurfeinrichtungen. All das machte den weiteren Kampf an den
Geleitzügen nicht mehr möglich.
Schon öfter hatte es im U‑Boot‑Krieg Rückschläge und
Krisen gegeben. Sie sind bei jeder Kriegführung unausbleiblich. Sie waren
aber immer wieder überwunden worden, weil die Kampfkraft der U‑Boote im
wesentlichen erhalten geblieben war. Jetzt hatte sich die Lage jedoch
gewendet. Das Radar, besonders aber die Radar‑Ortung vom Flugzeug aus,
hatte die Überwasserkampfkraft des U‑Bootes fast völlig ausgeschaltet.
Der Geleitzugkampf in der Rudeltaktik im Nordatlantik, als dem am stärksten
luftüberwachten Hauptoperationsgebiet, war in Zukunft nicht länger möglich.
Er konnte erst wieder beginnen, wenn es gelang, die Kampfkraft des U‑Bootes
wesentlich zu verbessern.
Ich zog die Konsequenzen und ließ den Nordatlantik räumen. Am
24. Mai befahl ich den U‑Booten, unter Anwendung aller
Vorsichtsmaßnahmen, in den Seeraum südwestlich der Azoren
abzumarschieren."
Zur Vortäuschung stärkerer Angriffsgruppen erhielten wir
zusammen mit neun anderen Booten am 24. Mai den Befehl, über den ganzen
Nordatlantik verteilte Angriffsräume zu besetzen.
Alle übrigen Boote wurden aus dem Nordatlantik abgezogen. Zum
Schutz gegen überraschende Flugzeugangriffe bei Nacht hatten wir bereits am
22. Mai Befehl erhalten, bei Nacht nur noch mit E‑Maschinen zu fahren
und bei der Wahrnehmung von Flugzeuggeräuschen auf Diesel überzugehen und mit
Höchstfahrt über Wasser auszuweichen.
Tatsächlich gelang es uns bereits in der folgenden Nacht mit
diesem Verfahren, dreimal anfliegende Flugzeuge zu horchen und nach dem
Übergang von E‑Maschinen auf Diesel mit Höchstfahrt auszuweichen.
Nach Aufbrauch unseres Brennstoffbestandes traten wir am 31. Mai
den Rückmarsch an.
Am 3. Juni erhielten wir vom BdU Befehl, durch die Biscaya mit
Techand gemeinsam zu fahren und die besonders luftgefährdeten Quadrate BE 60
und BF 40 im Süden zu umgehen. Bei gutem Wetter sollten wir solange als
möglich über Wasser bleiben, um Raum zu schaffen. Überraschende
Flugzeugangriffe sollten wir gemeinsam unter Einsatz aller Fla‑Waffen
über Wasser abwehren und in jedem Fall unbedingt zusammenbleiben.
Der gemeinsame Marsch vom 5. bis 10. Juni klappt reibungslos. Am
8. Juni vormittags weichen wir im Quadrat BE 9525 zwei mit hoher Fahrt
aufkommenden Bewachern aus und am Nachmittag tauchen wir gemeinsam vor einer
Sunderland.
Am 10. Juni um 17.45 Uhr verabschieden wir uns nach Beendigung
des gemeinsamen Marsches von Techand.
Am 11. Juni müssen wir wenige Stunden nach Abgabe des
Kurzsignals: "Stehe 18 Stunden vor Aufnahme. Heydemann." noch
einmal vor einem Flugzeug mit Alarm tauchen.
Um 14.15 Uhr laufen wir mit Geleit in die Schleuse von
St.Nazaire ein.
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