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Geschichte der historischen Batterie

 

 

Die preußische


6pfd. Fuß-Batterie Nr. 4

(später Nr. 6)


von den Reformen von 1809 bis zum Ende der Befreiungskriege

 

 

Allgemeine Einführung

Nach der preußischen Niederlage und dem daraus folgenden Diktatfrieden von Tilsit wurden in dem Königsberger Folgeabkommen neben bereits beschlossenen umfangreichen Gebietsabtretungen noch die Kriegskontributionen und eine Reduzierung des preußischen Heeres auf 42.000 Mann (von 240.000 Mann im Jahr 1806) festgelegt. Diese Bedingungen waren Auslöser der umfangreichen Reformen und Reorganisationen. Zuerst wurden die beiden Hauptwaffengattungen Infanterie und Kavallerie einer Reorganisation unterworfen, erst 1809 kam es zur Reorganisation der Artillerie.

Wichtigste Neuerungen waren der Wegfall der Regimentsartillerie (bis dahin hatte jedes Infanterieregiment eigene Geschütze, die nicht der Artillerie unterstellt waren), die Vereinheitlichung des Geschützmaterials (es gab künftig nur noch 6pfd. und 12pfd. Kanonen sowie 7pfd. und 10pfd. Haubitzen, die unzweckmäßigen Kaliber fielen weg; vereinzelt wurden aber im Befreiungskrieg noch 3pfd. ehemalige Regimentsgeschütze verwendet) und der Wegfall der eigenständigen Festungsartillerie. Die Artilleristen wurden an allen Geschützen ausgebildet und konnten so überall eingesetzt werden. Aus den früheren Spezialisten wurden dadurch Generalisten. Es wurde eine militärische Bespannung angeschafft und die früher erst im Mobilmachungsfall eingezogenen Knechte wurden durch ausgebildete Fahrer ersetzt. An der Spitze als 15. Chef der brandenburgisch-preußischen Artillerie und verantwortlich für die Reorganisation war Brigadegeneral Prinz August von Preußen, der diese Position bis 1843 ausübte. Einen wesentlichen Anteil hatte General v. Scharnhorst.

1806 hatte die preuß. Artillerie noch einen Umfang von rd. 13.000 Mann ohne Train, Knechte und Regimentsartillerie mit 4.614 Geschützen. Bei der Reorganisation der preußischen Artillerie 1809 wurden aus den zugestandenen 6.000 Artilleristen 45 Kompanien gebildet mit 360 Geschützen, aufgeteilt in neun reitende und 36 Fuß-Kompanien. Tatsächlich waren es dann rd. 6.400 Artilleristen ohne Mineurs und Sappeurs, die mit einzurechnen gewesen wären. Damit, und mit den Krümpern, gab es bereits eine kleine Reserve. Die Kompanien wurden auf drei Brigaden verteilt:
1.Preußische Artilleriebrigade
2.Brandenburgische    “
3.Schlesische              “
Jede Artilleriebrigade hatte im Mobilmachungsfall zwei Truppenbrigaden zu versorgen. Jeweils eine Fuß-Kompanie pro Brigade wurde als Handwerkskompanie eingerichtet.

Die Fuß-Kompanien hatten weder Geschütze noch Bespannung (Pferde). Es gab pro Brigade eine Exerzier-Batterie zur Ausbildung mit acht Geschützen und 60 Zugpferden, die wechselweise zugewiesen wurde. Erst im Kriegsfall wurden den Kompanien Geschütze zugewiesen, dann hießen sie Batterien (allerdings mit einer neuen Nummer). Ohne Bespannung blieben sie immobil und wurden bspw. Festungsartillerie, mit Bespannung mobil.

1812 war die Stärke einer 6pfd. Fuß-Batterie:


5

 

Offiziere

 

 

92

 

Königl. Dienstpferde

   13

Unteroffiziere

 

 

davon

   20

Bombardiere

 

 88

Zugpferde

    2

Spielleute

 

   4

Klepper

104

Gemeine

 

 

zzgl.

    1

Chirurg

 

   9

Offizierspferde

    2

Handwerker

 

101

Pferde

  15

Trainsoldaten

 

 

 

162

Mann

 

 

 

Sechsspännig wurden mitgeführt: sechs 6pfdige Kanonen, zwei7pfdige Haubitzen, zwei 6pfdige Kartuschwagen, zwei 7pfdige Granatwagen und vierspännig zwei Leiterwagen.

Gründung der Batterie

Die 6pfd. Fuß-Batterie Nr. 4 hat ihren Ursprung in der 5. Kompanie der brandenburgischen Brigade, welche 1809 in Kolberg neu errichtet wurde. Chefs waren hintereinander v.Stankar, Heidenreich und Streit. Unter dem letztgenannten marschierte sie am 12.Mai 1810 von Kolberg nach Berlin. Sie bezog dort die Kaserne des ehemaligen 3.Artillerie-Regiments. Nächster Führer war der Pr.-Lt. Glasenapp II. Sie erhielt hier die Exerzierbatterie und konnte sie fast ein Jahr lang besetzen, was ihr einen großen Ausbildungsvorteil ggü. den anderen Kompanien bescherte. Anfang April 1811 erhielt sie die zur Mobilmachung einer 6pfd. Batterie notwendigen Geschütze und Wagen und marschierte Ende dieses Monats wieder nach Kolberg. Auch die Krümper wurden bereits eingezogen, so daß alle Geschütze vollständig besetzt werden konnten.

Mit dem Yorck’schen Korps nach Kurland
Der Bündnisvertrag v. 24.2.1812 hatte Preußen verpflichtet, ein Hilfskorps mit 20.000 Mann (Kommandeur erst Grawert, dann Yorck), davon 2.000 Artilleristen mit 60 Geschützen, für den Rußlandfeldzug zu stellen. Das preuß. Hilfskorps wurde dem französischen X. Korps McDonald unterstellt, welches zur Deckung der linken Flanke der Grande Armée eingesetzt wurde und deswegen nicht am verhängnisvollen Marsch nach Moskau beteiligt war. Im Frühjahr 1812 wurde die Mobilmachung vervollständigt. Die Geschütze und Wagen blieben die gleichen, die Munitionswagen waren dagegen altpreußischer Art. Die Pferde kamen aus Hinterpommern. Die mobilgemachte Batterie erhielt die Nummer 4 und war für das Hilfskorps bestimmt. Es wurden insgesamt vier Fuß-Batterien mobil gemacht, die 1.-3. kamen von der Preußischen Brigade, die 4. von der Brandenburgischen Brigade. Die Mannschaft bestand aus Pommern und Kassuben aus Westpreußen, war sehr gut ausgebildet und vollständig bekleidet und ausgerüstet. Allerdings waren die Geschützführer nicht, wie sonst üblich, beritten.

Im März 1812 erfolgte der Abmarsch nach Ostpreußen. In Elbing wurde ein Teil der fahrenden Artilleristen getauscht, hierdurch kamen etliche Brandenburger in die Batterie. Diese verblieb acht Wochen in Königsberg/Pr. und vollendete dort die feldkriegsmäßige Ausbildung. Hier bekam die Batterie den neuen Chef Kapitän Ludwig. Anfang Juni erfolgte der Abmarsch über Labiau nach Tilsit, wo die Batterie geteilt wurde. Die erste halbe Batterie marschierte unter dem Chef Ludwig nach Memel, wo sie als Besatzung blieb und an den weiteren Kämpfen keinen Anteil nahm. Allerdings bekam die Hälfte der Mannschaft die Ruhr und später viele Fieber, aber alle konnten geheilt werden.

Die zweite halbe Batterie marschierte unter dem Kommando des Lt. Magenhöfer mit dem Hilfskorps und passierte am 2.Juni die preußisch/russische. Grenze. Diese Halb-Batterie machte den ganzen russischen Feldzug mit und erhielt dadurch eine Ausbildung, die sie die gesamte Kriegszeit von der anderen Hälfte abhob. Das erste Gefecht fand bei Eckau statt. Die Stimmung unter den Männern war dem Usurpator ggü. feindlich und prorussisch. Trotzdem erfüllten alle Männer stets ihre Pflicht. Später änderte sich allerdings die prorussische Stimmung, als es zu einigen Vorfällen mit Russen kam. Bspw. hatten gefangengenommene Russen um Pardon nachgesucht und erhalten, fielen dann später allerdings einen Dragonerunteroffizier „meuchlings“ an. Aufgrund solcher Vorfälle kam es zur Erbitterung ggü. den Russen. Weitere Gefechte wieder Eckau, Lautschkruge und Gräfenthal am 26.9., 30.9. und 2.10. Beim Rückzug von Riga wieder Gefechte bei Eckau und Ruhenthal, hier bekam der Bombardier Paesch das Militärehrenzeichen für sein wirksames Feuer. Im November in Paulsgnade vereinigte sich die Batterie wieder. In dem gesamten Zeitraum gab es nur den Verlust eines Mannes, der beim Baden ertrank.

Auf dem Rückzug kam es früh zu Mangel an Lebensmitteln und Fourage, dazu kam die starke Kälte. Die fahrenden Artilleristen hielten es auf den Pferden nicht mehr aus und gingen den ganzen Marsch im tiefen Schnee neben den Pferden. Am 26.Dezember kam das Korps in Tauroggen an und passierte am 31.Dezember die preußische Grenze bei Tilsit. Die Batterie war in Tilsit vollständig angekommen, dort allerdings bekam fast die Hälfte der Männer Typhus, eine Hinterlassenschaft des Durchmarsches der „Grande Armée“. Die Erkrankten kamen ins Lazarett und die Batterie sah sie nie wieder. Ein herber Verlust an kriegsgedienten Leuten. Die Bekleidung und die Pferdegeschirre waren mittlerweile sehr dürftig, die Mittel zum Ersatz fehlten allerdings.

Zeit des Waffenstillstandes
Nun marschierte die Batterie unvollständig nach Berlin, wo sie eine kurze Zeit in Charlottenburg blieb und dann weiter nach Spandau. Nach der Konvention von Tauroggen und dem Waffenstillstand mit Russland kam es nun zum Krieg mit Frankreich.

Am 1.Februar 1813 fand die erste Formation mobiler Batterien aus den immobilen Stammkompanien statt. Die Batterien wurden kaliber- und gattungsweise (über die Brigaden hinweg) durchnummeriert. Also 1.-3. Fuß-Batterie bei der Preußischen Brigade, 4.-6. Fuß-Batterie bei der Brandenburgischen Brigade und 7.-9. Fuß-Batterie bei der Schlesischen Brigade. Die folgenden Batterien wurden dann nach Bedarf weiter verteilt. Analog wurde mit den reitenden Batterien verfahren.

Innerhalb weniger Monate wurden 21 Batterien planmäßig aufgestellt und 33 Batterien neu errichtet. Die Batterien des Yorkschen Korps waren bereits mobil (7 ½ ), danach in Pommern sieben und in Graudenz drei. Daneben 15 ½ in Schlesien, insges. 33 Batterien.

Im Rahmen dieser Veränderungen und Mobilmachungen bekam die Batterie die neue Bezeichnung:  6pfd. Fußbatterie Nr. 6 (beim Yorkschen Korps Nr. 4) der Brandenburgischen Artilleriebrigade. Als Ersatz kamen ostpreußische Infanteristen zur Batterie.

Befreiungskriege

Befreiung Preußens
Im April 1813 war die Batterie wesentlich an der Belagerung und Beschießung der Zitadelle Spandau, die von starken französischen Kräften besetzt war, beteiligt. Der Bombardier Henny erhielt für einen Treffer, der die Explosion des Pulvermagazins auf der Bastion „Königin“ auslöste, das erste Eiserne Kreuz und das russische Georgenkreuz. Vor Spandau gab es einen Verlust. Die Festung wurde am 23.April von den Franzosen übergeben.

Am 4.Juni Teilnahme am Gefecht bei Luckau gegen einen doppelt so starken Feind. Anfangs stand die Batterie im Zentrum, dann wurde sie aus der Not heraus als reitende Batterie eingesetzt, was sie auch bewältigte.

Am 23.August gehörte sie bei Großbeeren zu den sechs Batterien, mit denen Holtzendorff (Kommandeur der Artillerie im AK Bülow) von Heinersdorff aus gegen Großbeeren vorging. Die Infanterie folgte dahinter. Hier fand ein 90 min. Artilleriegefecht statt, in welchem die franz. Artillerie niedergekämpft wurde. Nach einem ½stündigem Feuergefecht rückten die preußischen 6pfd. Batterien bis auf 1.300 Schritt (1.000 m) gegen die feindliche Geschützlinie vor, die 12 Pfünder folgten später. Beim Vorgehen wurde von den Tambours der Sturmschritt geschlagen. Nach einer weiteren stündigen Kanonade wurde auf 900 Schritt (700m) vorgerückt. Nach dem Ausfall mehrerer französischer Geschütze trat das 3.AK, bisher 300 Schritt im Rücken der Artillerie, mit der blanken Waffe, da wegen des Regens kein Gewehr losging, zum Angriff an. Sechs Mann der Batterie sind vor Großbeeren gefallen, darunter Lt. Lemke. Die Batterie verschoss 169 Kugeln, 21 Kartätschen und 40 Granaten.

Bei Dennewitz mußte die Batterie in einem zähen Artilleriekampf die feindliche Artillerie niederkämpfen und ging dann gemeinsam mit der Infanterie zum Sturm über. Kap. Ludwig hatte 15 Schußlöcher in seinem Mantel, ohne verwundet worden zu sein. Die Batterie verlor acht Mann und dazu acht Verletzte. Die Mannschaften erhielten vier Eiserne Kreuze.

Nach Dennewitz erhielt die Batterie neue Uniformen. Etatmäßig waren die Artilleristen wie folgt gekleidet:

Dunkelblauer, frackartiger Rock mit schwarzem Kragen und Aufschlägen, gelben Knöpfen und farbige Achselklappen (preuß. Brigade weiß, brandenburgische rot und schlesische Brigade gelb). Die Garde hatte gelbe Litzen am Kragen und schwedische Aufschläge. Tschako mit der dreifach flammenden Granate (Garde: Gardestern). Artilleristen zu Fuß mit weißer Borte am oberen Rand des Tschakos. Beinkleidung wie Infanterie (Gamaschen), bei den Berittenen analog Dragoner (Stiefel). Fußmannschaften Infanteriesäbel am schwarzen Säbelgehenk, reitende Artilleristen Husarensäbel an weißen Schleppkoppeln.

Allerdings waren die preußischen Artilleristen in der Praxis sehr bunt gekleidet und die wenigsten etatmäßig. Aufgrund der großen Geldknappheit mußte jeder sich selbst behelfen, Beutestücke und mehr oder weniger umgearbeitete Zivilstücke waren an der Tagesordnung. Ähnlich war es bei der Bewaffnung. Wer Bedarf hatte, versorgte sich auf dem Schlachtfeld oder anderweitig. Es galt das Motto: „Der Zweck heiligt die Mittel“.

Die letzten neuen Uniformen hatte es für die Batterie bei der Mobilisierung in Frühjahr 1812 gegeben und seitdem waren sie ununterbrochen im Einsatz. Da es seinerzeit keine Zelte mehr gab, stattdessen waren die Mäntel ausgegeben worden, mußte, sofern keine Quartiere gefunden wurden, ohne Schutz bei jedem Wetter auf dem Boden geschlafen werden. Seitdem gab es nur eine kleine Ersatzlieferung aus dem Königsberger Magazin im Frühjahr 1813. Nun bekamen sie blaue englische Monturen mit rotem Kragen und Aufschlägen. Graue engl. Hosen und Mäntel, die preuß. Tschakos wurden behalten. Die unförmigen engl. Epauletten wurden allerdings sofort von den Männern abgetrennt und dafür die eleganteren franz. angelegt (s.u. Abbildung B mit engl. Ärmelpolstern, Abbildung C mit französischen Epauletten und weißem Säbelgehänge). Das ging gut, bis sie Oberstleutnant Holtzendorff auffielen. Daraufhin mußten sie aus den engl. schwarzen Gamaschen schwarze Kragen und Aufschläge und aus den roten Kragen die Achselklappen fertigen und anlegen, so bekamen sie wieder ein gefälligeres preußischeres Ansehen. Diese Arbeit wurde, um ihren Kommandeur zu erfreuen, über Nacht erbracht.

Jetzt folgte ein Einsatz bei der Belagerung von Wittenberg. Kapitän Ludwig wurde das Kommando über die gesamte Artillerie der Brigade Thümen übertragen. Zw. dem 25. und 30.9. mußten die Haubitzen an einem Tag Wittenberg mit Schnellfeuer (72 Wurf in zwei Stunden) mit der größten Erhöhung beschießen. Dies führte schließlich zum Auseinanderfallen der Lafetten. Eine Reparatur war nicht möglich. Als Ersatz wurden zwei 5 ½ zöllige englische Haubitzen zugeführt.  Unerwartet wurde Wittenberg durch eine französische Streitmacht von 20.000 Mann mit 24 Geschützen entsetzt, denen nun ungünstig verteilte 5.000 Preußen mit acht Geschützen gegenüberstanden. Der Rückzug nach Rosslau wurde von der Batterie kaltblütig „am Tau feuernd“ (d.h., sie haben die Geschütze mittels eines Taues rückwärts gezogen und dabei ständig geladen sowie gezielt geschossen und den Feind auf Abstand gehalten) gedeckt und dadurch erfolgreich bewältigt. Der weitere Verlauf des Rückzuges über Coswig zählte zu den glänzendsten Taten des Krieges. General Thümen erklärte öffentlich, daß er die Rettung seiner Brigade nur dieser Batterie verdanke. Die Batterie hatte keine Verluste, außer Bombardier Traffehn, der an völliger Entkräftung gestorben ist. Im Oktober 1813 ging es zum Schutze Berlins bis nach Potsdam zurück. Hier erkrankte Kap. Ludwig und Lt. Kambly übernahm das Kommando der Batterie.

Befreiung Hollands
Bei der Erstürmung Arnheims im November 1813 verdiente Feuerwerker Jonas sich das Eiserne Kreuz. Nun ging es durch Holland, welches schnell von Napoleon befreit wurde. Die nächsten Gefechte waren bei Lönhout am 11.Januar 1814 und Merxem. Von dort wurde der Feind bis Antwerpen verfolgt und die Batterie beschoß Antwerpen. Die Brigade Thümen bekam mit ihrer Artillerie die wegen des Terrains schwierige Aufgabe, die feindlichen Truppen in die Festung zu drängen. Öffentlich wurde erklärt, daß der glückliche Ausgang des Gefechtes dem Mut und der Umsicht des Batterieführers Kambly und den Offizieren Ristow (ehemaliger Uffz. in der Batterie) und Hackebek zu verdanken sei. Lt. Ristow fiel durch einen Kopfschuss am 1.2.1814. Weitere Verluste waren zwei Bombardiere und sechs Kanoniere. Ein Kanonier bekam vor Antwerpen das Eiserne Kreuz, Lt. Kambly bekam das EK 1. Kl.

Die Aufnahme der preußischen Befreier durch die holländische Bevölkerung war sehr warm und gastfreundlich, die Bekleidung gegen die Kälte ausreichend, so dass es den Mannschaften sehr gut erging.

Beste Fuß-Batterie der preußischen Armee

Unter Lt. Kambly, der stets alles gab, kein Risiko scheute und die Mannschaft bis zur Perfektion ausbildete, wuchs die Batterie über sich hinaus und galt als die mobilste und beste Fußbatterie der preußischen Armee, „die alles leistete, was von einer reitenden gefordert wurde“.

Wie kam es dazu ? Lt. Kambly hatte in Potsdam eine bereits gut ausexerzierte  und kriegserfahrene Batterie übernommen. Er beließ es aber nicht dabei, sondern führte auf dem Marsch nach Holland folgende Maßnahmen/Ausbildungen durch:

  • Er achtete und drang auf beste Pflege des Materials
  • Bei den großen Forderungen an Mensch und Pferd traf er stets Vorsorge um das Wohlsein beider und kümmerte sich rastlos darum, damit es beiden, den Umständen entsprechend, möglichst gut ging. Die Mannschaft wurde von der Wichtigkeit der sorgfältigsten Pflege der Pferde überzeugt und mit Strenge überwacht.
  • Er sorgte für brauchbares Pferdematerial für die berittenen Unteroffiziere
  • Ein bekanntes Problem bei der Fußartillerie war, daß die Mannschaften mit den Pferden zu wenig ausgebildet waren sowie zu wenig reiterische Kenntnisse hatten, deshalb beanspruchten sie die Pferde über Gebühr und Notwendigkeit. Aufgrund dessen waren sie nicht in der Lage, die volle Leistung der Pferde abzurufen. Darum sorgte er für eine Verbesserung der reiterischen Ausbildung aller Mannschaften. Bspw. das Voltigieren auf dem nackten und gesattelten Pferd, guten Sitz in allen Gangarten. Es wurde ausgiebig exerziert und die Pferde an ausdauernde Bewegung gewöhnt.
  • Das Einüben der Bedienung der Geschütze mit der Hälfte der vorgesehenen Mannschaft führte insbesondere zu der gerühmten Mobilität der Batterie.
  • Ausbildung der gesamten Mannschaft in der Selbstverteidigung gegen Infanterie und Kavallerie, wodurch der Mut und das Selbstvertrauen der Mannschaften im Gefecht entscheidend verbessert wurde. In Folge dessen traute sich die Mannschaft auch in schwierigen Situationen zu, auszuharren.

Ein Resümee einige Jahre später lautete: „So ausgebildet, und über die Schranken des damaligen Reglements geführt, mußte sie allerdings Epoche machen, und gerechte Anerkennung finden“. Kambly wurde wegen seiner ausgezeichneten Verdienste später zur Gardeartillerie versetzt und starb am 9.Juli 1816 an einem Schlaganfall in Spandau.

Kämpfe in Frankreich

Das Korps überließ Antwerpen den Engländern und schloß sich der schlesischen Armee an. Die nächste Belagerung war La Fère, welches bereits nach zwei Stunden, nachdem das Pulvermagazin getroffen wurde, kapitulierte. Zwei Kanoniere wurden verletzt. Dort wurden Werte von einigen Millionen Talern erbeutet. So lagen dort u.a. mehrere tausend eiserne Achsen. Die Preußen erfuhren dort, welche Reserven ein Staat haben konnte und müßte. Für die durch die Franzosen lange Jahre ausgepreßten Preußen eine höchst willkommene Beute, insbesondere das Pulver. Viele der Achsen wurden unverzüglich in preußische Geschütze eingebaut.

Berennung von Soissons am 1.März 1814, hierbei fiel allerdings ein Unteroffizier.

Am 9.März, dem ersten Schlachttage von Laon, stand die Batterie so geschützt, daß der Feind, obwohl er einige Geschütze heranführte, nichts gegen sie ausrichten konnte. Am nächsten Tag stand sie dafür ungedeckt im feindlichen Feuer und hatte bald einige Verluste und nur noch einen Offizier außer dem Kommandeur. Der Kommandeur Lt. Kambly war mit dem Brigade-Kommandeur Thümen auf Erkundung. Der einzig vorhandene junge Offizier gab dem Drängen der anderen Truppen nach und erwiderte das Feuer aus der ungünstigen Stellung heraus. Sofort vereinigte eine erhebliche Anzahl feindlicher Geschütze, die bisher verdeckt standen, ihr Feuer auf die Batterie.  Die Batterie wurde von Oberst Holtzendorff dann schnell herausgezogen, hatte aber bis dahin schon erhebliche Verluste. Danach ging es wieder nach Soissons. Durch die anhaltende Belagerung von Soissons wurde die Schlacht um Paris versäumt.

Nach Kriegsende

Nach dem Ende des Krieges kam die Batterie nach Versailles und die Region an der Somme, schließlich nach Brabant, wo sie sehr herzlich aufgenommen wurde. Dort erholte sie sich in drei Wochen vollständig. Anschließend sollten in Brügge die Mannschaften der Batterien so vertauscht werden, daß sie landsmannschaftlich einheitlich waren. Da die Batterie in die Mark zurück sollte, sollten die Kassuben und Ostpreußen versetzt und Brandenburger zugeführt werden. Die Ostpreußen fügten sich klaglos, die Kassuben waren darüber sehr unglücklich und baten Holtzendorff, in der Batterie verbleiben zu dürfen, was ihnen aufgrund der guten Leistungen auch erfüllt wurde. Nun wurde statt nach der Mark, nach Greiffenberg in Pommern marschiert, wo die Batterie am 29.Juli 1814 eintraf und einen rauschenden Empfang bekam. Weiter ging es nach Stettin, wo sie demobilisiert wurde.

Während der „Herrschaft der Hundert Tage“

Im März 1815 wurde sie wieder mobilisiert (unter Hauptmann Veith), kam aber, zum 5. Armee-Korps gehörend, nur bis Münster. Demobilisiert wurde sie dann in Stralsund.

Fazit und Verbleib

Sie hatte in ihrer mobilen Zeit Verluste von 27 Mann und zehn Verletzten zzgl. die erheblichen Verluste von Laon, die aber nicht beziffert wurden. An die Batterie wurden mind. ein Eisernes Kreuz 1. Kl., sieben Eiserne Kreuze 2. Kl., ein Militärehrenzeichen, ein russisches Georgenkreuz verliehen und 13 Artilleristen wurden belobigt. Allein in einem halben Jahr marschierte die Batterie 200 Meilen (1.500 km).

1816 bei der Neuorganisation der Artillerie wurde aus ihr die 6. Kompanie der zweiten Artilleriebrigade. Der Weg der Batterie lässt sich weiterverfolgen bis zum Ende des preußischen Heeres. Zuletzt ab 1909 war sie die 1. fahrende Batterie des 1. Pomm. Feld-Art.-Regiments Nr. 2.

Quellen:

    • Urkundliche Beiträge und Forschungen zur Geschichte des Preußischen Heeres; Heft 14/15 ; Die Preußische Artillerie von ihrer Neuformation 1809 bis zum Jahr 1816; Großer Generalstab; Berlin 1909
    • Das Preußische Heer im Jahre 1812, 1813 und 1814; Großer Generalstab; Berlin 1914 
    • Geschichte der preußischen Armee, Curt Jany, Bd. 4,
    • Theilnahme der Artillerie an dem Befreiungskrieg - Erwähnung wichtiger Batterien; Berlin 1846
    • Beiträge zum Feldzug 1813  Der Zustand der preuss. Artillerie im Feldzug von Leipzig; J. Titze
    • Zur Geschichte der Königlich Preussischen dritten Artillerie-Brigade bis zum ... Von Karl von Strotha
    • Das Preußische Heer der Befreiungskriege 1812-15 Bd. 1-3; Großer Generalstab; Berlin 1912

     

 
 
 
    Preußischer 6pfünder 1812 6pfd. Kanone    
           
    Preußischer 6pfünder 1812 aufgeprotzt    
           
    Kanonier der schlesischen Artillerie-Brigade und Pionier 1812/13    
   

preuß. Artilleristen 1813/14 nach einer Vorlage von Knötel, veröffentlicht in der Zeitschrift f. Heereskunde, 1979

Abb. B-C: 6pfd. Fußbatterie Nr. 6 (früher Nr. 4) - Beschreibung im Text

Knötel preuß Artillerie 1813/14    
           
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Namentlich bekannte Angehörige der Batterie:
 
   
Lt. Magenhöfer Offizier 1810-April 1813
Lt. Veith Offizier 1810-
Lt. v. Hertig II. Offizier 1810-
Lt. Lemke Offizier 1810-Aug. 13
Lt. Papendick Offizier
1812
Bombardier Paesch Militärehrenzeichen Sep. 1812
Ebel Belobigung Sep. 1812
Bombardier Henny EK, russ. Georgenkreuz April 1813
Lt. Lemke belobt Spandau
Kap. Ludwig belobt April -Okt. 1813 w/Krankheit
Uffz. Gemmel belobt Großbeeren
Uffz. Nikrenz belobt Großbeeren
Bomb. Wagner belobt Großbeeren
Bomb. Dames belobt Großbeeren
Bomb. Gräber belobt Großbeeren
v.Hertig Offizier
Below Vorderreiter in Dennewitz gefallen
Uffz. Ristow belobt, später Offizier Dennewitz
Uffz. Schorlemmer belobt Dennewitz
Kann. Schönholz belobt Dennewitz
Kann. Loose belobt Dennewitz
Chirurgus Ebel belobt Dennewitz
Kanoniere n.n. 4 EK's
Lt. Kambly Eintritt bei Wittenberge Führer ab Okt. 13, gest. 9.7.16 an Schlaganfall in Spandau
Feuerwerker Jonas bei Wittenberg
Bomb. Traffehn an Entkräftung gestorben Coswig
Lt. Hakebek Offizier
Okt 13
Arzt Ebel Antwerpen
Hauptmann Veith Kommandeur März 1815
 
   
Chef Zeitraum Bemerkungen
v.Stankar
1809
5. Komp.
Heidenreich
1809
5. Komp.
Kap. Streit
Mai 1810
5. Komp.
Pr.Lt. Glasenapp II
April 1812
5.Komp./4.Batt.
Kap. Ludwig
April 1812
4.Batt.
Lt. Kambly
Okt 13
6. Batt.
Hptm. Veith
März 1815
6. Batt.