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Zündung

Hier wird die Zündung der Geschütze vorgestellt, nicht die Zündung des abgeschossenes Geschosses. Dies ist ein separates Thema.

 

 

 

 

 
 

Für die Zündung des Geschützes war der Kanonier Nr. 4 zuständig. Nachdem die Ladung ein-gebracht war, stach Kanonier Nr. 4 mit der Kartuschennadel durch das Zündloch die Ladung ein. Dies geschah aus zwei Gründen. Die angestochene Ladung konnte leichter entzündet werden und die Ladung wurde dadurch erstmal fixiert. Wenn das Geschütz dann gezündet werden sollte, wurde die Kartuschennadel entfernt und in eine Halterung an der Lafette ge-steckt. Anschließend wurde die Schlagröhre in das Zündloch gesteckt. Das Papier auf dem Näpfchen der Schlagröhre wurde nun entfernt.

Jetzt wurde die Ladung gepudert. Die Schlagröhre wurde nicht direkt entzündet, da durch die heftige Bewegung, welche durch die Explosion der Ladung, entstehen konnte, die Gefahr be-stand, daß der Zündstock dem Kanonier aus der Hand geschlagen wurde. Die Puderung wurde auf der Schlagröhre und um das Zündloch herum aufgetragen. Aufgepaßt werden mußte, daß kein Puder an die Lafette kam.

Die eingepuderte Zündung wurde dann durch Kanonier Nr. 4 mit einem Pelzlappen zugehalten, bis der Feuerbefehl kam. Auf das Kommando „Kanone", wurde der Pelzlappen entfernt, ohne das Puder mit abzuwischen. Mit dem folgenden Befehl „Feuer" wurde durch Kanonier Nr. 3, nachdem er sich überzeugt hat, daß kein Kanonier hinter dem Geschütz steht, das Puder mit dem 80 cm langen Zündstock, um den die Lunte gewickelt war, angezündet. Die Lunte ragte ungefähr 2 Zoll (5 cm) über den Zündstock. Bei der Zündung mußte der Kanonier sich außer-halb der möglichen Rückwärtsbewegung des Geschützes halten. Bei Regen wurde ein Lunten-verberger benutzt, die überstehende Lunte war dann nur 1'' (2,6 cm) lang. Die Lunte wurde von oben nach unten an das Puder geführt.

Bei starkem Regen oder sehr schnellem Feuern (um das Aufpudern zu sparen) wurden statt des Zündstockes Zündlichter benutzt. Hierbei mußte aufgepaßt werden, daß durch den leicht entstehenden starken Funkenflug kein Unfall passierte. Das Zündlicht wurde durch eine Lich-terklemme gehalten. Das Zündlicht wurde, anders als bei der Lunte, von unten nach oben an das Zündloch geführt, damit Funken die Zündung nicht zu früh entzündeten. Durch die 3'' (7,5 cm) lange Flamme, mußte das Zündlicht nicht direkt über die Schlagröhre geführt werden.

Normalerweise wurde ein Zündlicht für vier Geschütze benutzt und ein zweites als Reserve be-reit gehalten. Nur bei sehr schnellem Feuern wurde für jedes Geschütz ein Zündlicht benutzt. Erfolgte eine Pause beim Feuern oder sollte das Geschütz bewegt werden, wurde das Zünd-licht direkt unter der Flamme mit einem Messer abgeschitten.

Standen weder Schlagröhren noch Stoppinen zur Verfügung, konnte das Zündloch auch mit feinem Pulver gefüllt werden. Mit der Kartuschennadel mußte immer nachgestochert werden, damit das Pulver nachrutscht. Wenn das Zündloch gefüllt war, konnte das Pulver direkt ge-zündet werden. Bei jedem Geschütz waren zwei Zündstöcke vorhanden.

Standen die Geschütze beim Feuern in Reihen, begann bei starkem Wind das windabgewandte Geschütz mit dem Feuern, damit feuerbereite Geschütze nicht durch Funkenflug vorzeitig ge-zündet werden konnten.

Ist das Geschütz nicht losgegangen, wurde kurze Zeit gewartet und ohne Eile die Zündung überprüft. War das Puder abgebrannt, ohne das die Schlagröhre abgebrannt war, wurde neu aufgepudert und gezündet. War die Schlagröhre abgebrannt ohne die LAdung zu entzünden, wurde die Schlagröhre mit dem Seitengewehr herausgehebelt. Mit der Kartuschennadel wurde das Zündloch überprüft und ob die Ladung richtig sitzt. War das Zündloch frei und die Ladung saß richtig, wurde eine neue Schlagröhre gesetzt, neu gepudert und gezündet.

Kam es auch nach wiederholten Versuchen nicht zum Zünden der Ladung, bspw. weil sie verkehrt herum eingebracht wurde, wurde das Geschütz entladen.

 

 
           
     

Schlagröhre

Die Schlagröhren waren 1,6'' (4,16 cm) lange und 0,22'' (0,6 cm) breite Röhren aus Weißblech. An einer Seite befand sich das Näpfchen (Durchmesser 0,75'' (1,95 cm), welches die Anfeuerung enthielt. Die Schlagröhre war mit feinem Pulver gefüllt. Ungefüllte Schlagröhren wurden "ungeschlagene Schlagröhren" genannt. Die Schlagröhren waren jahrelang haltbar, ohne ihre Zündfähigkeit zu verlieren. Eine Schlagröhre entzündete aus einer Entfernung von 2 1/2 bis 3 Fuß noch Pulver.

 
         
     

Stoppinen

Stoppinen waren 8'' (20,8 cm) lange kieferne Stäbchen, welche mit Baumwollgarn umwickelt und mit Anfeuerung bestrichen waren. Es gab sie auch aus Schilf, dann gefüllt mit Zündschnur. Sie waren in der Anschaffung deutlich günstiger als die Schlagröhren und wurden benutzt, wenn das Feuern nicht schnell erfolgen mußte.

 
         
     

Anfeuerung

Die Anfeuerung war ein Brei in der Konsistenz von Honig und bestand aus Mehlpulver und Branntwein. Die mit der Anfeuerung bestrichenen Körper wurden dann noch mit trockenem Mehlpulver bestrichen.

 
           
     

Zündschnur

Die Zündschnur bestand aus drei- bis vierfachem Baumwollgarn, welches mit Anfeuerung, vermischt mit arabischem Gummi, getränkt ist. Dadurch wurde die Anfeuerung elastischer und platzte nicht so schnell ab.

 
           
     

Zündlicht

Zündlichter sind 15'' (39 cm) lange papierene Röhren, die mit einer sehr brennbaren Füllung (bestehend aus 12 Teilen gebr. Salpeter, 3 Teile gest. Schwefel, 12 Teile Mehlpulver, 1/4 Teil grünem oder weißem Pech) gefüllt waren. Das Zündlicht brannte 12 bis 15 Minuten mit einer 3-4'' (7,8 - 10,4 cm) langen Flamme auch bei starkem Regen.