Bau eines vereinseigenen Bruthauses

Im Sommer 2006 war auf der Vorstandsitzung des FV Wildeshausen der Bau eines eigenen Bruthauses Thema. Bei der Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle war die künstliche Erbrütung von Fischeiern in den vergangenen Jahren eine wichtige Unterstützung bei der Vermehrung der Großsalmoniden. Als Ergänzung der Naturvermehrung waren die gewonnenen Eier unserer Rückkehrer wichtiger als zusätzlicher "fremder" Besatz. Erbrütungen in Zetel, Rastede und Ritterhude machten den Vorstandmitgliedern des Fischereivereines Wildeshausen Mut dieses Projekt selbst in die Hand zu nehmen. "Was die anderen Vereine können, muss bei uns auch klappen", äußerte Alfred Finke.
So wurde die Idee geboren und auf der Jahreshauptversammlung den Mitgliedern vorgestellt. Aus den Reihen der Wildeshauser Angler kam nur positive Resonanz für diese Idee. Peter Görke, jahrelanges Vorstandsmitglied, plante den Anbau am Fischerheim. Baubeginn war dann im Frühjahr 2007. Ausschließlich mit Eigenleistungen Wildeshauser Mitglieder und Vereinsgeldern wurde dieses Projekt möglich gemacht. "Eine logistische Meisterleistung", so bezeichnete Jens Pfänder die Fertigstellung.

Impressionen


Ohne Gefälle und im rechten Winkel sollte es schon sein. So ein Bagger hilft.


Beim Betonieren haben viele mit angefasst.
Mit viel Elan an die Grundsteinlegung.


Der Anbau wächst.
Man kann schon was erkennen.


Auch beim Dachdecken gibt es genügend Helfer.
Heiko hat den Richtkranz platziert.


Beim Richtfest feiern die fleißigen Helfer.


Die Inneneinrichtung wird aufgestellt (Wassertanks/Brutrinnen/Auffangbehälter).

Im November 2007 meldet der Verein rechtzeitig vor der Brutsaison die Fertigstellung der Brutanlage. Mit einer Kapazität von bis zu 40.000 Eier wollen die Verantwortlichen des Vereines zunächst Erfahrungen sammeln.

Und so funktioniert es - Grundwasser wird zunächst durch eine Filteranlage (Eisen wird ausgefiltert) in die Wassertanks (siehe oben) gepumpt.



Die Tanks sind über den Brutrinnen angebracht, so dass bei einem Stromausfall ein Puffer von 2000 l den Bruterfolg weiter garantiert. Jetzt wird das Wasser in einem Kreislauf zwischen Tanks und Brutrinnen gepumpt. Ein Kompressor reichert das Wasser in den Tanks mit Sauerstoff an (die Sättigung liegt bei 100 %). Anschließend läuft das Wasser durch einen Kühler (hier wird eine konstante Temperatur von
6-8 °C erreicht, so entwickeln sich die Eier optimal) und einer Infrarotlampe, wo sämtl. Keime abgetötet werden, in die Brutrinnen.

Eine Rinne fasst vier Siebe, pro Sieb können maximal 6.000 - 10.000 Eier erbrütet werden. Das Wasser sammelt sich in einem Behälter und wird wieder in die Tanks gepumpt. Jetzt beginnt der Kreislauf erneut. Regelmäßig läßt man Frischwasser nachlaufen, falls die chemische Wasserwerte schlechter werden.

1. Brutsaison (2007)


Im Winter 2007 ziehen die ersten Fischeier ein. Jeden Tag müssen schlechte Eier abgefischt und die Wasserwerte kontrolliert werden.


Nach fast drei Monaten schlüpfen aus den Eiern kleine Fische, die zunächst von ihrem Dottersack zehren. Anschließend werden sie in ihre "Heimatbäche" gesetzt.

18.000 Brütlinge konnten so im ersten Jahr erbrütet werden. Die Erfolgsquote lag bei ca. 95 %. Die Gewässerwarte Ralf Siemer und Marco Kuhn waren die Garanten dafür. Die Verantwortlichen entschlossen sich aufgrund des Erfolges und der guten Funktionalität des Bruthauses, die Anlage zu vergrößern.


Abstreifen und künstlich befruchten klappt.

Die Kapazität wurde nun auf max. 80.000 Eier gesteigert. Außerdem bildete man mit Stefan Piening einen eigenen
E-Fischer aus, das Gerät dazu wurde ebenfalls angeschafft.

Jetzt sind alle Vorraussetzungen für eine erfolgreiche künstliche Vermehrung geschaffen. Mit Stefan Piening und einem eigenen E-Gerät kann man schnell auf eingetroffene Rückkehrer reagieren und die kurzen Wege ins Bruthaus machen diese Aufgabe leichter.

2. Brutsaison 2008

In der Brutsaison 2008 konnten dann ca. 60.000 Eier gewonnen werden.


Alfred legt die ersten Lachseier auf (insgesamt 12.000). Für Marco und Ralf beginnt nun die dreimonatige Arbeit.


Hier ist die Entwicklung der Fische schön zu sehen. Insgesamt konnten 40.000 Meerforellen-, 12.000 Lachs- und 6.500 Bachforelleneier erbrütet werden.

Auch die zweite Brutsaison hatte eine Erfolgsquote von 95 %. "Die Anlage ist durchdacht gebaut worden und funktioniert mit einfacher Technik. Wir sehen auch weiteren Erfolg für die Zukunft", erklärt Ralf Siemer. Wenn die Anzahl der Rückkehrer stabil bleibt, können genügend Eier abgestreift und künstlich erbrütet werden. So wird in Zukunft ein Stamm an Meerforellen und Lachse aus Wildeshausen gezielt vermehrt. Auch beim Aufwuchs der Jungfische in den Bächen sind interessante Erkenntnisse gewonnen worden. Es wurden in kleinen Bächen (Rinnsäle) wie Lohmühlenbach und Denghauser Mühlbach Meerforellen eingesetzt. Die Kontrollbefischung hat nach einem Jahr ergeben, dass die Fische unwahrscheinlich positiv abgewachsen sind. Außerdem hat es wenig Verluste gegeben. Diese Bäche haben ein hohes Nahrungsangebot ohne Fresskonkurrenten (es gibt kaum andere Fischarten), außerdem sind keine Fressfeinde vorhanden. Die Meerforellen waren in einem Jahr auf eine Größe von bis zu 20 cm abgewachsen und werden wahrscheinlich bereits nach einem Jahr Aufenthalt in unseren Gewässern ins Meer wandern (üblich sind zwei Jahre). Hier werden die Verantwortlichen des Vereines weitere Gewässer suchen, die ähnliche Bedingungen mitbringen.


Jährlinge (Smolts) von dieser Größe in Abwanderungsfärbung.

3. Brutsaison 2009

Die dritte Brutsaison ist eröffnet. Mitte November fischte man zum ersten Mal mit dem E-Gerät die hiesigen Bäche ab. Insgesamt konnten zwei Lachsmilchner und fünf Meerforellen registriert werden. "Leider konnten wir keine Lachsweibchen feststellen, der Wasserstand ist vielleicht zu niedrig. Und die Meerforellen sind noch nicht so weit," erklärte Gewässerwart Ralf Siemer. Eine Woche später konnten die Verantwortlichen den ersten Erfolg vermelden. Zwei Meerforellenrogner konnten abgestreift und ca. 3000 Eier gewonnen werden.


Auch im Altoner Mühlbach konnte ein Rogner abgestreift werden. Insgesamt liegen nun 6000 Meerforelleneier auf.
Aufrund des niedrigen Wasserstandes und den milden Temperaturen war die Rückkehrerzahl in diesem Jahr eher mäßig. Insbesondere bei den Lachsen konnten keine Rogner registriert und somit kein Laich gewonnen werden. 3 Lachsmilchner und 45 Meerforellen standen am Ende der Saison auf der Liste. Insgesamt wurden ca. 23.000 Meer- und 600 Bachforelleneier aufgelegt.

4. Brutsaison 2010

Zu Beginn der vierten Brutsaison sind die Verantwortlichen des FV Wildeshausen zuversichtlich. "Die Wetterbedingungen sind im Verhältnis zum letzten Jahr optimal. Viel Regen im Herbst hat die Flüsse und Bäche ansteigen lassen. Außerdem fallen die Temperaturen langsam. Wir rechnen in diesem Jahr mit einer hohen Rückkehrerzahl," erklärt Gewässerwart Ralf Siemer.



Die Vermutungen von Ralf Siemer bestätigten sich bereits bei den ersten E-Fischen. Ende November hatte man bereits über 50 Meerforellenrückkehrer registriert. Und zur Freude aller konnten bereits sechs Fische abgestreift werden. "Bei den Lachsen warten wir noch auf die Rogner, hier konnten erst zwei Milchner gefangen werden," erläutert der erste Vorsitzende Alfred Finke zuversichtlich. Ein regelmäßiges E-Fischen an den Wochenenden konnte zeigen, dass bei erhöhtem Wasserstand (durch viel Regen oder durch Schneeschmelze) die Fische sofort in die Bäche zum Laichen ziehen. 161 Meerforellenrückkehrer konnten in dieser Saison registriert werden. Insgesamt wurden 90.000 Eier, soviel wie noch nie, im Bruthaus aufgelegt. Nur bei den Lachsen wurden, wie im letzten Jahr, ausschließlich Milchner (6 Stck.) gefangen.

"Hier versuchen wir wieder, Eier im Augenpunktstadium zu kaufen, damit der Brütlingsbesatz noch mindestens über zwei weitere Jahre ausprobiert wird. Sollten in den nächsten zwei Jahren weiter so wenige Lachse zurückkehren, müssen wir kritisch auf das Lachsprogramm schauen," erklärt der 2. Vorsitzende Jens Pfänder.

5. Brutsaison 2011

Mit der Anpachtung der Teichanlage von der Fam. Ahrmann und dem Bau eines Anzuchthauses wurde das Projekt der künstlichen Vermehrung unserer Großsalmoniden komplettiert.

In der Hütte wurden die Rundstrombecken so aufgestellt, dass sie analog zu den Teichen ohne Strom mit Bachwasser gespeist werden. Nach der Erbrütung werden hier ein Teil der Brütlinge an das Futter gewöhnt und anschließend in der Teichanlage vorgestreckt. Die Überlebenschancen unserer Brutfische steigert sich so um ein vielfaches.

Extrem niedriger Wasserstand und verhältnismäßig hohe Temperaturen dämpften die Erwartungen der Vereinsverantwortlichen vor dem ersten E-Fischen, obwohl hohe Fangzahlen mit der Angel im Herbst gemeldet wurden. "In der Hunte halten sich zur Zeit viele Meerforellen auf, aber wir wissen nicht, wann sie bei dem niedrigen Wasserstand in die Bäche ziehen," erklärt Gewässerwart Ralf Siemer. Aber bereits Ende November lagen über 20.000 Eier im Bruthaus auf.

Einige laichfähige Rogner konnten erfolgreich abgestreift werden. "Wir sind jetzt wieder zuversichlicher. Wenn erst Regen kommt, wir die Anzahl der Großsalmoniden steigen und wird werden schon noch ein paar Fische abstreifen können," macht sich Gewässerwart und Keschermann Marco Kuhn Mut. Nach dem ersten Dezemberwochende setzte dann Schauerwetter ein und die kleinen Bäche stiegen sehr schnell an. "Sofort ziehen dann die Großsalmoniden in die Bäche, um zu laichen," erklärt Ralf Siemer. Die Meldungen beim E-Fischen stiegen rasant und es konnten über 100.000 Meerforelleneier von Rückkehrern in drei Bächen abgestreift werden.

Zum ersten Mal seit Fertigstellung des Bruthauses sind die Kapazitäten voll ausgeschöpft. Die Gewässerwarte, allen voran Ralf Siemer kümmern sich jetzt die nächsten drei Monate um den kostbaren Inhalt. Aber es gibt in dieser Sason auch einen Wehrmutstropfen, an dem die Vorstandsmitglieder stark zu knabbern haben. Zum ersten Mal seit 2002 ist kein Lachs zurückgekehrt. Jens Pfänder, 2. Vorsitzender, bezeichnet es als das absolute Debakel. "Am Wetter kann es nicht gelegen haben. Vor drei und vier Jahren wurde die größte Zahl an Smolts besetzt im Wiederansiedlungsprogramm seit 1999. Wenn dann kein Fisch zurück kommt, müssen deutliche Worte über Stamm und Besatzart gesprochen werden. Wir setzen zusätzlich seit drei Jahren auf Brutbesatz, wenn im nächsten Winter auch kein Fisch zurückkehrt, werden wir darüber nachdenken, aus dem Lachsprogramm auszusteigen und uns nur noch auf die Meerforelle zu konzentrieren," erwidert Pfänder verbittert.