Bau eines vereinseigenen Bruthauses Im Sommer 2006 war auf der Vorstandsitzung
des FV Wildeshausen der Bau eines eigenen Bruthauses Thema. Bei der
Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle war die künstliche Erbrütung
von Fischeiern in den vergangenen Jahren eine wichtige Unterstützung
bei der Vermehrung der Großsalmoniden. Als Ergänzung der Naturvermehrung
waren die gewonnenen Eier unserer Rückkehrer wichtiger als zusätzlicher
"fremder" Besatz. Erbrütungen in Zetel, Rastede und Ritterhude
machten den Vorstandmitgliedern des Fischereivereines Wildeshausen Mut
dieses Projekt selbst in die Hand zu nehmen. "Was die anderen Vereine
können, muss bei uns auch klappen", äußerte Alfred Finke. Impressionen
Im November 2007 meldet der Verein rechtzeitig
vor der Brutsaison die Fertigstellung der Brutanlage. Mit einer Kapazität
von bis zu 40.000 Eier wollen die Verantwortlichen des Vereines zunächst
Erfahrungen sammeln.
Eine Rinne fasst vier Siebe, pro Sieb können maximal 6.000 - 10.000 Eier erbrütet werden. Das Wasser sammelt sich in einem Behälter und wird wieder in die Tanks gepumpt. Jetzt beginnt der Kreislauf erneut. Regelmäßig läßt man Frischwasser nachlaufen, falls die chemische Wasserwerte schlechter werden. 1. Brutsaison (2007)
18.000 Brütlinge konnten so im ersten Jahr erbrütet werden. Die Erfolgsquote lag bei ca. 95 %. Die Gewässerwarte Ralf Siemer und Marco Kuhn waren die Garanten dafür. Die Verantwortlichen entschlossen sich aufgrund des Erfolges und der guten Funktionalität des Bruthauses, die Anlage zu vergrößern.
Die Kapazität wurde nun auf max. 80.000
Eier gesteigert. Außerdem bildete man mit Stefan Piening einen eigenen
Jetzt sind alle Vorraussetzungen für
eine erfolgreiche künstliche Vermehrung geschaffen. Mit Stefan Piening
und einem eigenen E-Gerät kann man schnell auf eingetroffene Rückkehrer
reagieren und die kurzen Wege ins Bruthaus machen diese Aufgabe leichter.
Auch die zweite Brutsaison hatte eine Erfolgsquote von 95 %. "Die Anlage ist durchdacht gebaut worden und funktioniert mit einfacher Technik. Wir sehen auch weiteren Erfolg für die Zukunft", erklärt Ralf Siemer. Wenn die Anzahl der Rückkehrer stabil bleibt, können genügend Eier abgestreift und künstlich erbrütet werden. So wird in Zukunft ein Stamm an Meerforellen und Lachse aus Wildeshausen gezielt vermehrt. Auch beim Aufwuchs der Jungfische in den Bächen sind interessante Erkenntnisse gewonnen worden. Es wurden in kleinen Bächen (Rinnsäle) wie Lohmühlenbach und Denghauser Mühlbach Meerforellen eingesetzt. Die Kontrollbefischung hat nach einem Jahr ergeben, dass die Fische unwahrscheinlich positiv abgewachsen sind. Außerdem hat es wenig Verluste gegeben. Diese Bäche haben ein hohes Nahrungsangebot ohne Fresskonkurrenten (es gibt kaum andere Fischarten), außerdem sind keine Fressfeinde vorhanden. Die Meerforellen waren in einem Jahr auf eine Größe von bis zu 20 cm abgewachsen und werden wahrscheinlich bereits nach einem Jahr Aufenthalt in unseren Gewässern ins Meer wandern (üblich sind zwei Jahre). Hier werden die Verantwortlichen des Vereines weitere Gewässer suchen, die ähnliche Bedingungen mitbringen.
3. Brutsaison 2009 Die dritte Brutsaison ist eröffnet. Mitte November fischte man zum ersten Mal mit dem E-Gerät die hiesigen Bäche ab. Insgesamt konnten zwei Lachsmilchner und fünf Meerforellen registriert werden. "Leider konnten wir keine Lachsweibchen feststellen, der Wasserstand ist vielleicht zu niedrig. Und die Meerforellen sind noch nicht so weit," erklärte Gewässerwart Ralf Siemer. Eine Woche später konnten die Verantwortlichen den ersten Erfolg vermelden. Zwei Meerforellenrogner konnten abgestreift und ca. 3000 Eier gewonnen werden.
4. Brutsaison 2010 Zu Beginn der vierten Brutsaison sind
die Verantwortlichen des FV Wildeshausen zuversichtlich. "Die Wetterbedingungen
sind im Verhältnis zum letzten Jahr optimal. Viel Regen im Herbst hat
die Flüsse und Bäche ansteigen lassen. Außerdem fallen die Temperaturen
langsam. Wir rechnen in diesem Jahr mit einer hohen Rückkehrerzahl,"
erklärt Gewässerwart Ralf Siemer.
"Hier versuchen wir wieder, Eier im Augenpunktstadium zu kaufen, damit der Brütlingsbesatz noch mindestens über zwei weitere Jahre ausprobiert wird. Sollten in den nächsten zwei Jahren weiter so wenige Lachse zurückkehren, müssen wir kritisch auf das Lachsprogramm schauen," erklärt der 2. Vorsitzende Jens Pfänder. 5. Brutsaison 2011 Mit der Anpachtung der Teichanlage von der Fam. Ahrmann und dem Bau eines Anzuchthauses wurde das Projekt der künstlichen Vermehrung unserer Großsalmoniden komplettiert. In der Hütte wurden die Rundstrombecken so aufgestellt, dass sie analog zu den Teichen ohne Strom mit Bachwasser gespeist werden. Nach der Erbrütung werden hier ein Teil der Brütlinge an das Futter gewöhnt und anschließend in der Teichanlage vorgestreckt. Die Überlebenschancen unserer Brutfische steigert sich so um ein vielfaches. Extrem niedriger Wasserstand und verhältnismäßig hohe Temperaturen dämpften die Erwartungen der Vereinsverantwortlichen vor dem ersten E-Fischen, obwohl hohe Fangzahlen mit der Angel im Herbst gemeldet wurden. "In der Hunte halten sich zur Zeit viele Meerforellen auf, aber wir wissen nicht, wann sie bei dem niedrigen Wasserstand in die Bäche ziehen," erklärt Gewässerwart Ralf Siemer. Aber bereits Ende November lagen über 20.000 Eier im Bruthaus auf.
Einige laichfähige Rogner konnten erfolgreich abgestreift werden. "Wir sind jetzt wieder zuversichlicher. Wenn erst Regen kommt, wir die Anzahl der Großsalmoniden steigen und wird werden schon noch ein paar Fische abstreifen können," macht sich Gewässerwart und Keschermann Marco Kuhn Mut. Nach dem ersten Dezemberwochende setzte dann Schauerwetter ein und die kleinen Bäche stiegen sehr schnell an. "Sofort ziehen dann die Großsalmoniden in die Bäche, um zu laichen," erklärt Ralf Siemer. Die Meldungen beim E-Fischen stiegen rasant und es konnten über 100.000 Meerforelleneier von Rückkehrern in drei Bächen abgestreift werden. Zum ersten Mal seit Fertigstellung des Bruthauses sind die Kapazitäten voll ausgeschöpft. Die Gewässerwarte, allen voran Ralf Siemer kümmern sich jetzt die nächsten drei Monate um den kostbaren Inhalt. Aber es gibt in dieser Sason auch einen Wehrmutstropfen, an dem die Vorstandsmitglieder stark zu knabbern haben. Zum ersten Mal seit 2002 ist kein Lachs zurückgekehrt. Jens Pfänder, 2. Vorsitzender, bezeichnet es als das absolute Debakel. "Am Wetter kann es nicht gelegen haben. Vor drei und vier Jahren wurde die größte Zahl an Smolts besetzt im Wiederansiedlungsprogramm seit 1999. Wenn dann kein Fisch zurück kommt, müssen deutliche Worte über Stamm und Besatzart gesprochen werden. Wir setzen zusätzlich seit drei Jahren auf Brutbesatz, wenn im nächsten Winter auch kein Fisch zurückkehrt, werden wir darüber nachdenken, aus dem Lachsprogramm auszusteigen und uns nur noch auf die Meerforelle zu konzentrieren," erwidert Pfänder verbittert.
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