DER FRAUEN KIGGE
Frauen wünschen sich einen Mann, der stark und cool ist. Aber er darf kein Macho sein. Er soll seine Gefühle zeigen und darüber sprechen, sich jedoch nicht als weinerliches Weichei entpuppen. Er sollte ihr jeden Wunsch von den Augen ablesen, seine Interessen dabei aber nicht aufgeben. Fassen wir zusammen: Der perfekte Neuzeit-Mann ist ein gefühlsduselnder Macho, der zwischen grenzenlosem Egoismus und totaler Selbstaufgabe pendelt. Seien Sie also so belastbar und flexibel wie eine Nylon-Strumpfhose, dann wird die Beziehung ganz entspannt und ohne weitere Komplikationen verlaufen. Um Sie perfekt auf das Leben als Kautschuk-Liebhaber vorzubereiten, haben wir ein 10-Punkte-Programm der schlimmsten Wort- und Taten-Fallen erstellt.
1.
Die Tür aufhalten
a) Sie findet das ganz reizend und staunt, dass Mutti Ihnen diese alte Manier
tatsächlich noch beigebracht hat. Mit einer aufgehaltenen Tür verschaffen Sie
sich somit freien Eintritt in das Herz der Angebeteten.
b) Sie stutzt und fragt in beleidigtem Tonfall: "Sehe ich so aus, als könnte
ich mir selbst keine Tür öffnen?". Die ersten Sekunden nach dieser
scheinbaren Beleidigung an ihrer Person wird sie noch zickig sein, sich aber
bald beruhigen.
Fazit:
Öffnen Sie ihr schon möglichst zu Beginn der Bekanntschaft eine Tür und
warten die Reaktion ab. Danach können Sie entscheiden, ob Sie zukünftig immer
fünf Meter voraussprinten, um ihr alle Tore zu öffnen, oder ob sie
"handlahm" hinterherkleckern.
2.
In die Jacke helfen
a) Sie bricht fast in Tränen aus vor Rührung, dass Sie auch über diese nette
Geste informiert sind und wird garantiert ihrer Mutter und der besten Freundin
von diesem bahnbrechenden Ereignis berichten.
b) Sie reißt Ihnen die Jacke förmlich aus den Händen und kommentiert:
"Nee danke, das schaff ich noch allein...". Auch wenn sie sich dann
windet und wendet und mühevoll in jedem Ärmel zwängt, jegliche Hilfestellung
wird mit einer reservierten Bemerkung abgewürgt.
Fazit:
Halten Sie Ihrer neuen Traumfrau die Jacke nicht schlüpffrei, sondern
geschlossen hin. Schaut sie verdutzt, können Sie sie immer noch öffnen. Greift
sie einfach zu, haben Sie sich wenigstens nicht erniedrigt.
3.
Blumen schenken
a) Jeder Blumenstrauß lässt ihr Herz ein bisschen weicher werden. Sie trocknet
alle Sträuße, die sie bereits von Ihnen bekommen hat und könnte in Kürze
einen Trockenblumen-Handel eröffnen.
b) Sie ist auf alles, was irgendwie mit Blühen und Grün zu tun hat allergisch,
und das nicht nur medizinisch. Blumen wandern vasenlos auf den Küchentisch, wo
sie binnen weniger Stunden vergammeln.
Fazit:
Schenken Sie zu Beginn erst eine einzelne Blume und warten ab, wie mit dem Pflänzchen
umgegangen wird. Ist Ihnen selbst diese Investition zu riskant, versuchen Sie es
mit einer geklauten Park-Blume. Das greift die Geldbörse nicht so an.
4.
Den Stuhl zurechtrücken
a) Sie bleibt ohnehin erwartungsvoll stehen, weil sie Ihre Manieren schon kennt
und liebgewonnen hat. Ein hingeschobener Stuhl stellt die Weichen zum gelungenen
Date.
b) Sie ist ein Mensch, der gern die Kontrolle behält, und wenn es nur um eine
banale Sitzordnung geht. Sprint zum reservierten Tisch, Sprung auf einen Stuhl
und "ERSTER!"...
Fazit:
Schnellen Schrittes sollten Sie auf den Tisch zusteuern, bleibt Sie hinter
Ihnen, können Sie den Stuhl zurechtrücken. Überholt sie, vielleicht sogar von
links, ersparen Sie sich den Hürdenlauf. Es ist zwecklos.
5.
Die Rechnung zahlen
a) Es ist das erste Date und sie macht keine Anstalten, ihr Portemonnaie zu zücken.
Vielmehr freut sie sich, dass Sie die Einladung als selbstverständlich
empfinden.
b) Schon wenn der Kellner mit dem Bon um die Ecke biegt, ruft sie von weitem
"Wir zahlen getrennt" und hat schon seit zehn Minuten ihre Geldbörse
demonstrativ auf den Tisch gelegt.
Fazit:
Sollte sie nicht wie in b) angegeben ihren Zahlungswunsch äußern, überlassen
Sie dem Kellner den ersten Schritt. Denn der fragt immer "Getrennt oder
Zusammen?". Lesen Sie die Antwort in ihrem Gesicht!
6.
Komplimente
a) Sie wird zusehends größer, ihre Augen leuchtender, die verschämt-glücklichen
Blicke auf den Boden häufen sich. Der geistigen Verblendung steht förmlich
nichts mehr im Weg.
b) Sie quält sich ein angestrengtes Lächeln heraus, das sich in
Sekundenschnelle in eine genervte Fratze verwandelt. Nach dem dritten Kompliment
pöbelt die Schöne Sie an, dass Sie langsam eintönig werden.
Fazit:
Ein Kompliment in Ehren kann niemand verwehren. Übertreiben Sie die
Lobandachten nicht. Gering dosierte nette Bemerkungen lassen auch die schlimmste
Zicke weich wie Butter werden.
7.
Der Handkuss
a) Sie denkt: Er ist wie ein Märchenprinz. So elegant, so zurückhaltend und
charmant. Dieser stilvolle Handkuss zeigt, dass er nicht nur das eine von mir
will.
b) Sie denkt: Wie eklig ist das denn bitte schön? Jetzt habe ich einen
vollgesabberten Handrücken und, ich glaube, da klebt jetzt sogar ein Essensrest
auf meiner Haut...!
Fazit:
Bevor Sie sich zum Handkuss hinunterbeugen, hauchen Sie ein schmachtendes
"Darf ich?". Rosige Bäckchen ihrerseits geben grünes Licht. Ein
angewiedertes "Darf ich W-A-S!" erübrigt alle weiteren Schritte.
8.
Liebesbriefe schreiben
a) Sie beantwortet jeden Ihrer Briefe, legt kleine Haarsträhnchen bei oder
dieselt den Umschlag mit ihrem Lieblingsparfum ein. Sie sind also auf dem
richtigen Weg.
b) Alle Briefe kommen ungeöffnet zurück, manchmal mit einem
Stiefelsohlenabdruck darauf. Sie spricht offenbar nicht die gleiche Sprache der
Liebe wie Sie.
Fazit:
Schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe. Ein Liebesbrief mit "Empfänger
zahlt"-Vermerk. Falls sie die Liebesbotschaft missachten sollte, muss sie
gleich dafür bezahlen.
9.
Singen vor dem Fenster
a) Sie stützt sich auf die Fensterbank, schluchzt, schaukelt mit und wirft
Ihnen inbrünstig Kusshände zu. Am Ende der Ballade öffnet der Tür-Buzzer das
Tor zur sexuellen Erfüllung.
b) Zuerst wirft sie mit kleineren Gegenständen (Zigarettenstummel), dann folgen
Blumentöpfe - und zum bitteren Ende fliegt der Hauskater mit ausgefahrenen
Krallen und Panikaugen auf Sie zu.
Fazit:
Bevor Sie zum Minnesang ansetzen, suchen Sie sich eine Stelle aus, die festen
Unterschlupf bietet. Vielleicht sollten Sie zur Sicherheit in der Schwärze der
Nacht auftreten, damit die Angebetete beim eventuellen Beschuss das Ziel nicht
sofort orten kann.
10.
Frühstück ans Bett
a) Wenn dieses Problem auftritt, haben Sie es schon weit gebracht. Alle
bisherigen Aktionen haben gefruchtet. Ihre Süße scheint pflegeleicht, bringen
Sie ihr also die Nervennahrung getrost ans Liebesnest.
b) Wenn die Herzdame bisher immer in der b)-Variante gehandelt hat, werden Sie
wohl nie vor dem Problem stehen, denn hoffentlich haben Sie von der offenbaren
Zicke mittlerweile die Nase voll und sparen Ihre Manieren für umgänglichere
Geschöpfe auf.
Fazit:
Seien Sie flexibel, aber machen Sie sich nicht zum Deppen. Dann klappt' s auch
mit der Nachbarin!