OMD und ich !

Bereits in den 80er Jahren habe ich mir die ersten OMD-Platten zugelegt. Leider ließ es mein Taschengeld damals nicht zu, dass ich jede OMD-Platte gleich nach dem Erscheinen mein Eigen nennen konnte.

Mein „erster Kontakt“ mit OMD waren zwei Radioaufnahmen von „Enola Gay“ und „Messages“, die ich – es muss etwa 1981 gewesen sein - auf Cassette aufgenommen hatte und in meinem Jugendzimmer rauf und runter dudelte. Nach der Veröffentlichung von „Maid Of Orleans“ habe ich mich dann dazu durchgerungen, mir die LP „Architecture & Morality“ zuzulegen. Ab diesem Zeitpunkt wanderte jede neue OMD-LP ziemlich schnell auf meinen Plattenteller.

Der Kauf von 7“ Singles kam für mich schon damals nicht in Frage, weil ich die Lieder alle irgendwo auf Cassetten aus dem Radio aufgenommen hatte und B-Seiten für mich nur lästiges Füllmaterial waren. Ich habe mich deshalb schon damals auf Maxis konzentriert. Damals spielte es für mich eine wichtige Rolle, ob die Version auf der Maxi auch deutlich länger war als die Single-Version, die ich aus dem Radio kannte. Ich erinnere mich noch genau, wie ich in Wilhelmshaven in einem Plattenladen die gerade erschienene „Telegraph“-Maxi aus der Hülle zog, enttäuscht die Laufzeit von nur 5:35 zur Kenntnis nahm und die Platte gleich wieder ins Regal stellte. Heute weiß ich natürlich, wie dämlich das war. Denn zum einen ist ein möglichst langer Maxi-Mix noch lange kein guter, und außerdem gehört gerade die „Telegraph“-Maxi heute zu den meistgesuchten OMD-Platten. Ich selbst musste sie dann später auf einer Plattenbörse in Holland für einen Wucherpreis erstehen, den ich Gott sei Dank vergessen habe. So wurde in 1984 „Talking Loud And Clear“ meine erste gekaufte OMD-Maxi, und erst später bemerkte ich, dass der 8:50-Mix auf der Maxi eigentlich ziemlich langweilig war.

Als ich mir in 1987 meinen ersten CD-Spieler zulegte, musste ich natürlich auch eine CD dazu kaufen (meine erste !), um das tolle Gerät zu testen. Ich entschied mich für das erste (titellose) OMD-Album ! Kurze Zeit später packte ich meine Vinyl-LPs in den Schrank und kaufte mir innerhalb von drei Tagen den gesamten OMD-Backkatalog – bis hin zu „Pacific Age“ - auf CD.

1991 erlebte ich dann mein einziges Mal OMD live – als Vorgruppe der Simple Minds in der Weser-Ems-Halle Oldenburg. Ich weiß noch genau, wie Andy McCluskey den Simple Minds absolut die Show gestohlen hat, und die Kritik in der Zeitung war eine einzige OMD-Verherrlichung, bei der Jim Kerrs Mannen fast nur am Rande erwähnt wurden. Einen Auszug aus dem Artikel gibt es hier.

Etwa seit 1996 kaufe ich mir auf Flohmärkten und bei anderen Gelegenheiten die Maxis der 80er zusammen, die ich mir früher nicht kaufen konnte, sei es weil es meine Finanzen nicht zuließen oder weil ich von der Existenz bestimmter Platten damals gar nichts wusste. Natürlich stand dabei OMD immer mit im Vordergrund. Ich habe u. a. in Plattenläden und auf Plattenbörsen in Holland, Oldenburg, Bremen, Berlin, München, Frankfurt, London, Paris und Chicago nach OMD-Platten gesucht und auch viele gefunden. Und seit es Ebay gibt, ist mein Sammelwahn natürlich noch viel schlimmer geworden.

Allerdings muss ich nicht alles haben, auf dem die Buchstaben OMD stehen. Ursprünglich habe ich nicht die OMD-Platten gesammelt, sondern die Songs, d. h. es hat mir gereicht, jeden Song (und jeden Mix) einmal auf irgendeinem Tonträger zu haben. Inzwischen habe ich aber – da mir nicht mehr all zu viel fehlte und das Sammeln deshalb immer weniger Spaß machte – begonnen, meine Sammlung etwas auszudehnen. Die 7“ und 12“ Singles sammle ich als deutsche, englische und (soweit dort erschienen) amerikanische Pressungen. Veröffentlichungen aus anderen Ländern kaufe ich – ebenso wie Promos – nur dann, wenn andere Stücke darauf sind.

Natürlich waren die ersten Jahre für OMD auch musikalisch die besten, während später doch deutlich der Kommerz Einfluss auf die Songs nahm und das „Experimentelle“, das die Fans an OMD so liebten, immer mehr in den Hintergrund trat. Man kann zur späteren Musik von OMD stehen wie man will; Tatsache ist, dass sie zeitlos ist und immer noch von höherer Qualität als das meiste aus der heutigen Massenproduktion. Das Ende von OMD in 1996 war nicht unbedingt ein Schock für mich. Denn nach dem Alleingang von Andy McCluskey in 1988 konnten OMD weder kommerziell noch qualitativ nochmals an die alten Zeiten anknüpfen. Außerdem haben OMD eine solche Masse an guten Songs und Platten „hinterlassen“, dass man genügend Material hat, um immer wieder gute, zeitlose Popmusik zu hören und ab und zu Stücke neu zu entdecken, die man versehentlich verdrängt hatte. So zeigt ganz besonders der B-Seiten-Sampler „Navigation“ aus 2001, wieviel musikalische Substanz in OMD auch über die bekannten „Hits“ hinaus steckte. Auch die digital remasterten Neuveröffentlichungen der ersten drei OMD-CDs mit massenweise Bonus-Tracks waren eine schöne Idee der Plattenfirma.

Eine mögliche „Wiedervereinigung“ von OMD sehe ich – offensichtlich anders als die meisten Fans - etwas kritischer. Man sollte der Tatsache ins Auge sehen, dass die alten Zeiten der 80er Jahre vorbei sind. Alles, was jetzt noch Neues unter dem Namen OMD produziert werden könnte, wäre immer nur ein müder Abklatsch vergangener Zeiten. Besonders hat mir das der Fernsehauftritt im Mai 2005 verdeutlicht, den ich – wie die Bandmitglieder offensichtlich auch – sehr amüsant fand. Ich kann gut auf eine Reunion oder ein neues Album verzichten, würde mich aber sehr über ein Album mit bisher unveröffentlichtem Material – wie es ja nun schon seit einigen Jahren angekündigt wird, ohne das etwas Konkretes passiert ist – freuen.

 


 

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