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Den Gegensatz zu Emanuel Lasker bildete sein langjähriger
Widersacher Siegbert Tarrasch. Als die Grundsätze von Wilhelm Steinitz durch Tarrasch
verabsolutiert und damit eine Ausweitung des Schöpferischen im Schach unterbunden werden sollte,
betonte Emanuel Lasker das kämpferische Element in der schachlichen Auseinandersetzung.
"Wie paßt nun Emanuel Lasker in dieses Bild? Was ist das Besondere und offenbar
Einmalige in seiner schachlichen Wirksamkeit? Und warum darf man sie höher einschätzen als die
des Dr. Tarrasch? Gewiß, Lasker war Weltmeister, was Tarrasch nie war, Lasker hat den alten
Steinitz geschlagen und später auch den alternden Tarrasch. Aber der äußere Erfolg allein
entscheidet nicht über den Wert einer Persönlichkeit. Man muß auch alle anderen Umstände kennen
[...]. Was aber schon hier gesagt werden soll, was wir hier schon erörtern müssen, wenn
auch ein Schachlaie, wenn auch ein Nichtschachspieler uns verstehen soll, das ist die
Schachauffassung, die Lasker selbst allmählich aus seinem Wesen, aus der Entfaltung seines
Charakters, aus der Gestaltung seines gesamten Weltbildes herausentwickelt hat."
Lasker proklamierte nicht nur den einen besten Zug
in einer Stellung auf dem Schachbrett, sondern machte die Stärke eines Zuges von dem Spielstil des
Gegners abhängig. Er praktizierte einen relativen Schachstil. Der Gegner spielte bei Tarraschs
Betrachtung des Schachs keine Rolle, für Lasker hingegen war der Gegner das Entscheidende. Emanuel
Lasker war der erste Schachspieler, der die sich entwickelnde wissenschaftliche Psychologie
systematisch auf das Schachspiel übertrug.
Neben den unterschiedlichen Auffassungen über das Schach traten bei diesen beiden deutsch-jüdischen
Spitzenspielern politische Differenzen hinzu. Im Gegensatz zu Tarrasch erkannten Schachspieler wie
Savielly Tartakower (1887-1956) und eben Emanuel Lasker, die den ersten Weltkrieg genauso wie
Tarrasch auf deutsch-österreichischer Seite mitgetragen hatten, daß eine Assimilation der Juden
in Deutschland nicht gelingen würde.
Tarrasch verurteilte die kosmopolitische Haltung Laskers und übertrug diese Geringschätzung
teilweise auf die schachlichen Qualitäten Laskers, wie dieser im übrigen umgekehrt auch.
"War Tarrasch Repräsentant
des geistigen Bildnisses seiner Zeit: Wahrer, Hüter und Lobpreiser der Werte, so war Lasker der
Repräsentant der Kehrseite des Bildes: Skeptiker, Ironiker, Bezweifler der Werte. Tarrasch sah das
Statische des Bildnisses, die unbewegte Form, Lasker sah das Dynamische, das Vergängliche, den
ewigen Fluß der Dinge. Aus derselben Welt derselben Werte, derselben Lebensbedingungen, derselben
sozialen und kulturellen Beschaffenheit kamen sonach zwei ganz wesensverschiedene Naturen. Und das
ist nichts Neues, nichts Auffallendes. Immer hat es nebeneinander den Konservativen und den
Fortschrittlichen gegeben, den einen, der die errungenen Güter zu verteidigen und zu befestigen
strebte, den anderen, der sie umformen, besser machen wollte. Beides zusammen, das Beharrliche und
das Vorwärtstreibende, geben erst in ihrer höheren Einheit den eigentlichen Charakter der Welt.
Das Schachspiel der zwanziger Jahre vor dem Weltkrieg wäre undenkbar ohne Tarrasch, den
Konservativen, und ohne Lasker, den Revolutionär."
Anhand des Wettkampfes 1908
zwischen Lasker und Tarrasch in Düsseldorf um den Weltmeistertitel läßt sich die Einbeziehung
der Psychologie durch Lasker,
die besondere Beziehung der beiden und die Überzeugung Tarraschs, einen einmal eingeschlagenen Weg
nicht mehr zu verlassen und selbst kurz vor der Niederlage stehend immer noch davon überzeugt zu
sein, sich auf dem richtigen Weg zu befinden, sehr gut verdeutlichen.
Tarrasch wurde durch sein starres Festhalten an seinen Prinzipien von Lasker mit Hilfe der
Psychologie geschlagen. Lasker verstand es ein um das andere Mal, sogenannte Verluststellungen
(laut Tarrasch) in Siege umzuwandeln.
"Er gewann die Mehrzahl
seiner Partien nicht, weil er der stärkere Schachspieler, sondern weil er der ruchlosere
Psychologe war, dem die naive Redlichkeit der Schachwissenschaftler von der Art von Wilhelm
Steinitz und Siegbert Tarrasch im Turnierkampf nicht gewachsen sein konnte."
Tarrasch und Lasker hatten ihre schachlichen
Wurzeln bei Steinitz. Tarrasch wollte der sich entwickelnden Schachtheorie eine wissenschaftliche
Grundlage geben, die er für die Durchführung einer Partie für unverzichtbar hielt.
Er [Tarrasch] glaubt an
Dauer, er glaubt an Sicherheit, er glaubt an die Erreichbarkeit der absoluten Wahrheit und er ist
vor allem tief überzeugt von
der absoluten, unwan-delbaren und für jeden konkreten Fall mit gleicher Kraft gültigen
Richtigkeit seiner eigenen Schachwahrheit und Schachtheorien.
Für Lasker war das Schachspiel ein Spiegelbild
der Gesellschaft, eine Theorie des Kampfes. Siegbert Tarrasch praktizierte einen
methodisch-wissenschaftlichen, Emanuel Lasker einen philosophisch-realistischen Schachstil.
Steinitz war immer auf der Suche nach dem
wissenschaftlichen Zug,
Tarrasch glaubte mit preußischem Selbstbewußtsein, immer den wissenschaftlichen Zug zu spielen.
Er selbst schrieb über seine Partien im Wettkampf mit Karl August Walbrodt, daß seine Partien
einen „Grad der Korrektheit“
erreicht hätten, wie noch kein Spieler über mehrere Partien vor ihm. Sein Spiel sei von „fast
absoluter Korrektheit geprägt gewesen“.
Lasker hingegen interessierte sich nicht für den korrekten Zug, sondern nur für den
unangenehmsten. Für Lasker war das Spiel nicht nur Geisteskampf, sondern in erster Linie eine
Auseinandersetzung mit dem Gegner. Schach bedeutete für ihn Wettkampf mit dem Ziel des Sieges.
Charakteristisch für Lasker war sein Ausspruch:
"Man hüte sich vor dem
Dogma. Das Dogma ist des Künstlers Feind. Und dennoch gibt es eine Wahrheit auch im Schachkampfe,
nur hat sie nicht die Form, die der Naive sucht: der beste Zug. Ach nein! In dem Augenblick wo
‚der beste Zug‘, wie ihn der Naive ersehnt, erkannt sein wird, in diesem selben Augenblick wird
das Schachspiel tot sein, denn zum Leben gehört das Problematische.
In der Spielauffassung von Tarrasch und Lasker
spiegelte sich ihre Lebensweise und -auffassung wider.
Denn die unvergleichliche Größe
Laskers beruht darin, daß er den Relativismus des Steinitzschen Denkens noch weiter getrieben hat,
über die Grenzen hinaus, an denen Steinitz stehen blieb: Steinitz suchte das absolute Schach,
wenngleich er wußte, daß es nur im Lande Utopia zu finden sei. Lasker aber suchte erst gar nicht
dieses absolute Schach, sondern er tat seine Augen auf und suchte den Menschen. In all ihrem
Schachdenken und Schachphilisophieren hatten sowohl Steinitz als auch Tarrasch immer nur mit dem
Hemmnissen des eigenen Hirnes gerechnet und ihr ganzes Streben darauf gerichtet, durch schärfste
eigene Geistesanstrengung, durch gesteigertes Gehirntraining zu den letzten endgültigen Wahrheiten
vorzudringen. Sie hatten aber nicht im mindesten mit Bewußtsein erwogen, daß im Schachkampf ja
noch ein zweites Gehirn, noch eine zweite Seele da ist, nämlich der – Gegner. Im Denkprozeß
Steinitz und Tarrasch hatte der Gegner überhaupt keine Rolle gespielt. In ihrer Theorie war es
gleichgültig, wer der Gegner war. In Laskers Theorie hingegen war das Entscheidende – der
Gegner!"
Lasker spielte und provozierte Stellungen, von
denen er glaubte, daß sein Gegner sie nicht mögen würde. Schon in der Eröffnung geriet er häufig
in Nachteil. Dies geschah jedoch nicht aus Unkenntnis, sondern entsprach seinem subtilen,
aggressiven Spiel auf Sieg, basierend auf der These, daß Angriffe des Gegners ohne eine gesunde
positionelle Basis Schwächen hervorrufen mußten. Er provozierte die Romantiker zu Angriffen, um
sie im Konter und durch den damit hervorgerufenen Schock - Verlust der Initiative - mit einer
ausgefeilten Technik zu schlagen. Für ihn hing der jeweils beste Zug in einer Stellung vom
Spielstil des Gegners ab.
"Nach seiner These gab
es so viele richtige Züge, als es psychologisch differenzierte Gegner gab. Steinitz und Tarrasch
haben im Schach in unerreichter Abstraktion gespielt, Lasker aber hat mit lebenden Menschen
gespielt, mit jedem anders, jeden unter das Gesetz seines psychologischen Denkens zwingend."
Beide veröffentlichten in ihren Schachzeitungen
unfreundliche Kommentare über den anderen. Dies führte sogar soweit, daß Tarrasch Lasker in
einer eigens von ihm konzipierten „Dusel-Tabelle“ mit weitem Abstand an erster Stelle führte.
Ein typischer Kommentar Tarraschs über eine Partie Laskers lautete, daß die ganze Partie einer
der sogenannten Laskerschen Glücksfälle war.
Noch lange nach dem Weltmeisterschaftskampf gegen
Lasker, den Tarrasch mit 8 : 3 deutlicher als erwartet verlor, verstand Tarrasch nicht, wie Lasker
ihn hatte besiegen können. Er veröffentlichte Schriften mit abfälligen Bemerkungen über Laskers
Spielweise. Dies zeigt, wie wenig Verständnis Tarrasch der von Lasker systematisch eingeführten
Psychologie entgegenbrachte, sicherlich beeinflußt vom Unverständnis darüber, daß ein deutscher
Jude nicht wie er mit Leib und Seele für Deutschland spielte. Lasker seinerseits schrieb über
Tarrasch:
"Dr. Tarraschs Stärke
oder Schwäche - wie man wünscht - ist seine ausgesprochene Eigenliebe. Ohne sie wäre er ein höchst
mittelmäßiger Schachspieler; im abnormen Maße mit ihr begabt, ist er ein Gigant geworden. Seine
Eigenliebe ist derart, daß er sich igendworin hervortun muß. Schach war nun einmal das, was ihm
am leichtesten fiel, und deshalb ist er sehr angetan vom Schach, aber ganz besonders von seinem
eigenen Schach."
In einer Anlehnung an das von Tarrasch im
Zusammenhang mit dem Schachspiel häufig verwendete Wort Korrekt/Korrektheit schrieb Lasker über
Tarrasch:
"Korrekt heißt in
Deutschland die Haltung eines Mannes, dessen Benehmen nach dem Urteile seiner Nachbarn seiner
Stellung angemessen ist. Um korrekt zu sein, muß man sich der Meinung der anderen
anpassen..."
Den Unterschied in der Spielauffassung der beiden
charakterisierte Lasker wie folgt:
"Dr. Tarrasch ist ein
Denker, der tiefe und vielschichtige Überlegungen liebt. Er ist bereit, die Effektivität und
Zweckmäßigkeit eines Zuges anzuerkennen, wenn er ihn gleichzeitig als schön und als theoretisch
korrekt betrachtet. Aber ich akzeptiere diese Art von Schönheit nur, falls und wenn sie gerade
zweckmäßig ist. Er bewundert eine Idee um ihrer Tiefgründigkeit willen, ich bewundere sie wegen
ihrer Wirksamkeit. Mein Gegner glaubt an Schönheit, ich glaube an Stärke. Ich finde, daß ein Zug
dadurch, daß er kraftvoll ist, auch schön ist."
"Ich liebe die Kraft,
die gesunde Kraft, die das Äußerste wagt, das Erreichbare zu erreichen. Wir beide sind sehr
verschieden, und um die Wahrheit zu sagen, wir lieben uns nicht."
Lasker erzielte seine Erfolge im Schach als Künstler,
Tarrasch als Soldat.
Tarraschs Einfluß auf seine Zeitgenossen war
trotz aller Kritik Laskers sehr groß. Durch ihn glaubte man, das Schachspiel vollständig
verstanden und lehrbar gemacht zu haben. Seine Regeln wurden zu Dogmen.
Er begegnete dem Vorwurf Laskers, zu dogmatisch zu sein, immer mit dem Hinweis, daß es in der
Wissenschaft um gar nichts anders gehen könne, als nach Dogmen zu suchen. Ein Versuch, die beiden
zur Versöhnung zu bringen, endete bezeichnend für ihre Situation mit dem Satz:
"Ihnen, Herr Lasker,
habe ich nur drei Worte zu sagen, Schach und
Matt!"
Zur Erläuterung der Psychologie im Schachverständnis
von Emanuel Lasker sind noch zwei Äußerungen von Bedeutung. Sie deuten den Wert Laskers für das
Schach im Wechselspiel mit der Gesellschaft an. Joachim Petzold bemerkte über Laskers neue Ideen:
"Lasker, der sich im
Alter nicht zufällig der Freundschaft Albert Einsteins (1879-1955) erfreuen konnte, hatte auch
seine Schlüsse aus dem Zusammenbruch der mechanistischen und posivistischen Weltanschauungen und
dem Triumph der Dialektik in der Wissenschaft gezogen. Einsteins Relativitätstheorie wurde zur
gleichen Zeit formuliert, da Lasker am Schachbrett nach dem relativ besten Zug trachtete. Beide
sahen auf ihre Weise, daß sowohl im großen Universum als auch auf dem kleinen Schachbrett alle
Wertmaßstäbe vom Bezugssystem abhingen."
Ähnlich äußerte sich Garry Kasparow:
"Der deutsche
Mathematiker und Philosoph war der Pionier des psychologischen Elements im Schach. Lasker war ein
herausragender Stratege, aber er wußte, daß eine psychologische Schwäche seines Gegners
wichtiger sein konnte als die 100prozentige Korrektheit seiner Züge. Sein Wissen um die
menschliche Psyche und sein Sinn für Relativität schachlicher Strategie ließ ihn fast alle
Turniere gewinnen, an den er teilnahm und machte ihn zum Rekordweltmeister - 27 Jahre lang! Und
welche zwei Namen beherrschten die Gedanken der gebildeten Menschen seiner Zeit? Natürlich
Einstein und Freud! Weitere Erläuterungen unnötig."
Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß Tarrasch zum Zeitpunkt des Vergleichs seinen schachlichen
Zenit überschritten hatte und schon 47 Jahre alt war.
S. Tarrasch, Dreihundert Schachpartien. Ein Lehrbuch des Schachspiels für geübte Spieler, 3.
Verb. Aufl., Gouda 1925, S. 474.
E. Lasker über S. Tarrasch, zitiert nach: H. C. Schonberg, Die Großmeister des Schachs, S.
119.
Zitiert nach: J. Silbermann/W. Unzicker, Geschichte des Schachspiels, S. 126.
H. C. Schonberg, Die Großmeister des Schachs, S. 119.
Zitiert nach: L. Steinkohl, Schach und Schalom. Das Schach der Juden gestern und heute, Maintal
1995,
S.
16.
J. Petzold, Schach. Eine Kulturgeschichte, S. 227.
R. Munzert führte zu Emanuel Lasker an: „Spielmann nannte Steinitz den Newton des
Schachspiels (weil jener allgemeine Schachprinzipien aufstellte). Wenn ich diesen Vergleich
aufgreifen darf, könnte man Lasker als den Einstein des Schachs bezeichnen. Er erkannte, daß
im Schach vieles relativ ist – vor allem zum Gegner. Die Relativität Einsteins ersetzte die
(absolute) Theorie Newtons nicht, sondern ergänzte sie. Einstein erkannte, daß Raum, Zeit und
Bewegung keine absoluten, sondern relative Größen sind (abhängig vom Beobachter und Zeitpunkt
der Beobachtung). Viele Phänomene des Kosmos lassen sich aufgrund der Newtonschen
Gravitationsgesetze dennoch gut beschreiben, erklären und voraussagen, wie die Umlaufbahn der
Planeten und Sonnenfinsternisse. Andere Vorgänge können wiederum mit der Relativitätstheorie
am besten verstanden werden (z.B. die Ablenkung des Lichts durch Materie). Beide Denkansätze
(der absolute und der relativistische) haben ihre Gültigkeit und schließen sich gegenseitig
nicht aus. In der modernen Physik wird eine Vereinigung der wesentlichen Konzeptionen und Ansätze
angestrebt [...] für die Psychologie versuchte der Verfasser etwas Ähnliches [...] Wie in der
Physik können auch im Schach allgemeine Prinzipien (z.B. über die Beherrschung des Zentrums,
die Bedeutung des Läuferpaares) und relativistische Denkweisen nebeneinander bestehen und sich
ergänzen. Sie sind kompatibel und komplementär. Üblicherweise sind während einer Partie
sowohl die annähernd objektive als auch die relativistische Betrachtung und Beurteilung
relevant; hier herrscht kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-Als-auch! [...] Ähnlich wie
Einstein revolutionierte Lasker die Grundlagen seines Fachgebietes, oder besser gesagt, er
beschleunigte die Evolution des Schachs.“ Zitiert nach: R. Munzert, Emanuel Lasker und die
psychologische Seite des Schachspiels. Die Relativitätstheorie des Schachs, in: Schach-Magazin
64, Nr. 16/1995, S. 447-448. Vgl. ferner: Schach-Magazin 64, Nr. 14/1995, S. 390-393 und Nr.
15/1995, S. 419-420.
G. Kasparow, in: Welt am Sonntag, Nr. 14/1996, S. 63. Das wohl berühmteste Beispiel in der
Verbindung von Psychologie und Strategie ist die bekannte Entscheidungspartie zwischen Lasker
und Capablanca in St. Petersburg 1914. Capablanca führte mit einem halben Punkt vor Lasker. Ihm
genügte ein Remis zum Turniererfolg. Lasker, der die weißen Steine führte, mußte gewinnen,
was gegen Capablanca, der in seiner gesamten Schachkarriere nur 34 Partien verlor, ein
schwieriges Unterfangen war. In dieser Situation spielte Lasker nicht etwa wild auf Angriff,
sondern wählte die Abtauschvariante der Spanischen Partie, eine als Remiseröffnung verschriene
Variante. Schwarz erhält durch einen Doppelbauern eine kleine positionelle Schwächung, die er
aber bequem durch aktives Spiel beseitigen kann. Die anwesenden Zuschauer fragten sich demgemäß
verwundert, wie Lasker mit dieser Eröffnung Capablanca würde schlagen können. Doch Lasker
erkannte richtig, daß Capablanca eben nicht aktiv spielen, sondern möglichst schnell das Remis
machen wollte. Durch das darauf folgende passive Spiel Capablancas kompensierte er seine
positionelle Schwäche nicht mit dem aktiven Läuferpaar, was Lasker ausnutzte, um den
Turniererfolg zu erzielen.
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