Daktyloskopie

Beispiel für ein FingerspurenmusterMerkmale im Verlauf der Papillarlinien
Links ein Beispiel für einen Fingerabruck.Im Verlauf der Papillarlinien werden die rechts dargestellten anatomischen Merkmale herausgesucht. Stimmen das Muster und zwölf Merkmale in Spur und Abdruck überein, handelt es sich um eine sichere Identifizierung.
Die Daktyloskopie (Daktylos = der Finger, skopein = schauen) ist ein sehr wichtiger Faktor im Bereich der Spurensuche. Ein absoluter Beweis. Wird eine Fingerspur an einem Tatort gefunden, ist die betreffende Person dort auch gewesen.
Denn der Finderabdruck ist:
Seit dem dem 15.01.2003 gibt es EURODAC (Europeen Dactyloskopie)-ein zentrales, europäisches automatisiertes Fingerabdruck-Identifizierungssystem (AFIS) für Asylbewerber und illegal eingereiste bzw. aufhältige Ausländer-. Die VO gilt für alle EU-Staaten außer Dänemark. Erfaßt werden alle Ausländer über 14 Jahre. Als Rechtsgrundlage gilt in Deutschland das Asylverfahrensgesetz und das Ausländergesetz i.V.m. der Strafprozeßordnung. Illegal eingereiste bzw. aufhältige Ausländer werden in das Land abgeschoben, wo sie den ersten Asylantrag gestellt haben.
Für AFIS werden Fingerabdrücke und Fingerspuren unter eine Videokamera gelegt und digitalisiert in einen PC eingegeben. Das Grundmuster wird bestimmt. Den Rest erledigt der PC. Der Daktyloskop braucht am Bildschirm nur noch berichtigend eingreifen. Für ein Gutachten kann alles ausgedruckt werden.
Für die Personenidentifizierung ist das BKA zuständig, die Spurenidentifizierung erledigt das jeweilige LKA.
Voraussetzung für ein erfolgreiches Arbeiten mit der Daktyloskopie ist die erkennungsdienstliche Behandlung bekannter Straftäter.
Daktyloskopiertisch, hier werden Fingerabdruckbogen erstellt.
Da für jedes Handeln eine Rechtsgrundlage erforderlich ist, findet man eine solche in der StPO und in den Nebengesetzen. -z.B. 81 b StPO, 15 NGefaG- Wichtig ist dabei, daß nur solche bekannten Straftäter erkennungsdienstlich behandelt werden, für die eine Negativprognose gestellt werden kann. Ausnahme bildet hier nur der aktuelle Ermittlungsfall, in dem eine Spur verglichen werden muß. Eine erkennungsdienstliche Behandlung kann auch gegen den Willen des Tatverdächtigen durchgeführt werden. Sie kann auch zur Entlastung des Tatverdächtigen führen, was dann wiederum zur Vernichtung der angefertigten Unterlagen führen wird.

Fingerspuren sind in der Regel latent. Sie werden sichtbar gemacht mit Adhäsionsmitteln, chemischen Mitteln, Lumogenen, Licht oder Superkleber. Danach werden sie entweder mit Folie vom Spurenträger abgezogen oder fotografisch gesichert.
Selber ausprobieren?

Eine daktyloskopische Spur besteht zu ca. 97% bis 99% aus Wasser, im Rest befinden sich Arminosäure, Eisenbestandteile u.a. Eine Altersbestimmung ist in der Regel nicht möglich. Auf Papier wurden Spuren noch nach 5 - 7 Jahren sichtbar gemacht. Ob eine Spur sichtbar gemacht werden kann hängt von vielen Faktoren ab. Das Klima und der Untergrund spielen eine entscheidende Rolle.


Zum Beispiel kann für nichtsaugende, glatte Oberflächen ein Zephir- oder Fehhaarpinsel benutzt werden. Mit diesem Pinsel trägt man Rußpulver, welches mit Stärke gemischt ist, auf. Das Pulver bleibt an den Rückständen der Spur hängen. Die Spur kann nun mit einer Folie abgezogen werden.
Zephirpinsel und Rußpulver Spezialfolie zum Abziehen der Fingerspuren

Für Plastiktüten eignet sich ein Superkleber sehr gut, wenn der Wirkstoff Cyanacrylat enthalten ist. Ein paar Tropfen in ein zu verschließendes Behältnis geben, den Spurenträger mit hineinlegen und ca. 30 - 60 Minuten warten. Das Cyanacrylat polimerisiert mit den Rückständen der Spur zu Kunststoff. Die Spur ist nun weiß zu sehen. Die Sicherung erfolgt fotografisch und muß dann farblich, fotografisch umgekehrt werden. Neben diesen beiden Verfahren gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten Fingerspuren sichtbar zu machen, häufig werden chemische Verfahren angewandt.


Ein kleines Beispiel aus der Praxis.

In der hiesigen Presse ist ein Bild veröffentlicht worden, welches einen Bankräuber bei der Ausführung der Tat zeigte. Es war genau zu sehen, der Bankräuber trug Handschuhe. Im Text unter dem Bild stand aber: Der Täter wurde eindeutig anhand einer Fingerspur identifiziert.

Wie war das möglich?

Eigentlich ganz einfach. Die Kassiererin hat in Ihrer Aufregung das Geld nicht in die vom Täter mitgebrachte Plastiktüte getan, sondern in eine andere. Bei der Tatortarbeit erinnerte sie sich daran. Damit war der Rest ganz einfach. Er hätte auch seinen Ausweis liegen lassen können.


Zieht der Täter bei der Tatausführung Handschuhe an, können unter Umständen die Handschuhe identifiziert werden oder aufgrund der zurückgebliebenen Epithelzellen kann DNA/DNS (Desoxieribonukleinsäure/-acid) eingesetzt werden. Mehr darüber erfahren Sie auf der 'DNA/DNS' Seite.



Wer noch mehr zur Daktyloskopie wissen möchte, kann den folgenden Absatz lesen.

Geschichte und Entwicklung der Daktyloskopie

Das Wort stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den beiden Wörtern: "dakty1os - Finger" und "skopein - schauen sehen, betrachten" zusammen. Mann kann es also mit Fingerschau oder Fingerbetrachten übersetzen. Das Wort wurde von dem in La Plata wohnhaft gewesenen Vucetich geprägt.
Unter Daktyloskopie versteht man die Auswertung der Verschiedenartigkeit der Hautlinien an den Fingerbeeren, den Handflächen und den Fußsohlen der Menschen zum Zwecke der Verbrechensaufklärung und der Personenidentifizierung durch die Kriminalpolizei.
Es wurde oftmals zum Ausdruck gebracht, daß die Daktyloskopie eine junge bzw. neuzeitliche Wissenschaft sei. Das ist aber keineswegs der Fall, denn die Daktyloskopie ist eine empirische Wissenschaft, das heißt. daß es sich hier um eine Wissenschaft handelt, die auf Erfahrungen und Versuchen aufbaut.


Es kann mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß den Assyriern und Babyloniern die Daktyloskopie schon bekannt war. Das soll aus Untersuchungen von vielen Tontafeln hervorgehen, die bei Ausgrabungen zwischen Euphrat und Tigris in der Nähe von Ninive gefunden wurden und an denen neben Nageleindrücken auch teilweise noch schwache Spuren von Papillarlinienbildern festgestellt werden konnten.
Dr. Robert Heindl, einer der bekanntesten Autoren auf dem Gebiete der Daktyloskopie, berichtet, daß der Fingerabdruck bei den Ureinwohnern Nordamerikas bereits in vorgeschichtlicher Zeit bekannt war. Das ging aus den Funden von sogenannten Steinhandzeichnungen auf der Halbinsel Labrador hervor. Diese Zeichnungen stellten primitiv gezeichnete Hände dar, die in der Handfläche Linien und an den Fingerspitzen Reste von Papillarlinienbildern aufwiesen. Mit Sicherheit kann aber auf Grund geschichtlicher Überlieferungen gesagt werden, daß der Fingerabdruck in seiner vorgeschichtlichen Form zuerst um das Jahr 700 vor Chr. in China auftaucht. Aus dieser Zeit sind noch Urkunden, wie z B. Schuldscheine, erhalten geblieben, die neben der Unterschrift deutlich sichtbar Fingerabdrücke aufwiesen. Auch im benachbarten Japan wurden ähnliche Feststellungen gemacht.
Während nun die Chinesen und Japaner mehr durch Zufall als durch systematische Forschung auf die Bedeutung der Finger- und Handflächenabdrücke aufmerksam wurden, haben sich seit dem späteren Mittelalter europäische Forscher und Wissenschaftler eingehender mit den Papillarlinienbildern beschäftigt. Als erster muß hier der italienische Arzt und Naturforscher Marcello Malphighi genannt werden, der in einem bereits im Jahre 1686 von ihm herausgegebenen Werk von sogenannten Runzeln in den Handflächen spricht, die verschiedenartigsten Figuren bilden. Malphighi entdeckte die Keimschicht der Haut und stellte fest, daß in dieser die Tastwarzen wurzeln bzw. verankert sind. Diese Keimschicht, die zwischen Oberhaut und Lederhaut liegt, hat nach ihm die Bezeichnung "Malphighisches Netz" erhalten.

Im Laufe der Jahre erscheinen dann wissenschaftliche daktyloskopische Abhandlungen von Hintze (1747) und von Albinus (1764). In einem im Jahre 1812 erschienenen Werk weist Prichaska darauf hin, daß genau besehen jede Papillarlinie aus zwei kleineren parallel laufenden Linien besteht, die durch eine Furche getrennt sind Johann Purkinje, ein gebürtiger Tscheche, der als Professor an der Universität in Breslau tätig war, versuchte als erster Europäer die Papillarlinienbilder zu klassifizieren, und er schuf damit die Grundlage für die heute üblichen Registriermethoden. Er gelangte bei seinen Versuchen zunächst zu einer neunteiligen Klassifizierung. Purkinje wird sich wahrscheinlich gesagt haben, daß man mit Fingerabdrücken, die nicht registriert und nicht klassifiziert sind, nichts anfangen kann. Er wird dann allem Anschein nach sich die alphabetische Ordnung als Beispiel genommen haben, denn hier ist es ja so, daß man auf Grund dieser Ordnung eine Karteikarte einrangieren und auch wieder herausnehmen kann.

Das Hauptverdienst um die Einführung der Daktyloskopie zum Zwecke der Identifizierung von Personen kommt aber unstreitig den Engländern zu.

Sir William Herschel, seinerzeit im Dienste der englischen Zivilverwaltung in Indien, begann bereits im Jahre 1858 seine ersten Versuche, das Fingerabdruckverfahren für polizeiliche Zwecke dienstbar zu machen. Herschel mußte Pensionen und Renten an entlassene Soldaten auszahlen. Um sich vor Doppelzahlungen zu schützen und um Betrügereien vorzubeugen, ließ er sich von den Empfangsberechtigten als Quittung den Fingerabdruck geben. Ferner ließ er alle Insassen der Gefängnisse seines Distrikts daktyloskopieren, um so irgendwelchen Verwechselungen vorzubeugen.
Nach jahrelangen Versuchen machte er dann dem Generalinspekteur der Gefängnisse Bengalens den Vorschlag, alle Insassen der Gefängnisse daktyloskopieren zu lassen. Der Vorschlag wurde aber abgelehnt, und aus Enttäuschung darüber ließ Herschel seine Pläne fallen.
Der etwa um die gleiche Zeit in Japan lebende und an einem Krankenhaus in Tokio beschäftigte Arzt Dr.Henry Faulds wies als erster darauf hin, daß am Tatort zurückgelassene Fingerspuren zur Identifizierung des Täters führen könnten. Er empfahl auch, bei der Daktyloskopierung alle zehn Finger abdrücken zu lassen und nicht, wie bisher, nur zwei oder drei Finger.

Der Berliner Tierarzt Wilhelm Eber kann als der erste Deutsche bezeichnet werden, der sich intensiv mit der Daktyloskopie beschäftigte. Er schlug der damaligen preußischen Regierung die Einführung der Daktyloskopie als Identifizierungsmittel vor Trotzdem er seinem Vorschlag brauchbare und gut verständliche Unterlagen beifügte, wurde er abgelehnt.
Es kann angenommen werden, daß Eber durch blutige Fingerabdrücke, die er in seiner Eigenschaft als Direktor des Berliner Schlachthofes dauernd an den Wänden feststellte, überhaupt erst auf die Daktyloskopie gekommen ist. Eber war ein Sauberkeitsfanatiker, und er konnte sich immer wieder über diese blutigen Abdrücke an den Wänden ärgern. Als er dann feststellte, daß diese Abdrücke Papillarlinienbilder aufwiesen, war es ihm ein leichtes, die Übeltäter festzustellen.
In diesem Zusammenhang ist noch von Interesse, daß das heute noch angewandte Jodverfahren zur Sichtbarmachung latenter Fingerabdrücke auf Papier auf die Versuche Ebers zurückzuführen ist. Er entwickelte weiter noch ein Verfahren, wonach er die durch Jod sichtbar gemachten Fingerabdrücke fixieren konnte. Diese Jodogramme haben sich Jahrzehnte lang erhalten. Leider ist es bis heute noch nicht gelungen, dieses Verfahren zu ergründen, trotzdem viele Versuche angestellt wurden.

Der erste, dem es gelang, die Daktyloskopie allgemein für polizeiliche Zwecke einzuführen, war der Engländer Sir Francis Galton. Galton war Anthropologe, interessierte sich aber auch noch für andere Identifizierungsmethoden und darunter ganz besonders für die Daktyloskopie. Galton hat auch ein brauchbares Klassifizierungssystem geschaffen und zehn Grundmuster, im Gegensatz zu den heute noch geltenden vier Grundmustern.
Er erkannte vor allen Dingen die Wichtigkeit der immer bekannter werdenden Grundsätze der Verschiedenheit der Naturgebilde, auf die sich ja die Beweiskraft der Daktyloskopie aufbaut.
In diesem Zusammenhang muß noch darauf hingewiesen werden, daß die Einführung der Daktyloskopie mit Schwierigkeiten verbunden war, weil damals von dem Franzosen Bertillon - einem Angehörigen des Pariser Erkennungsdienstes - die Anthropometrie - ein Körpermeßverfahren ausgearbeitet und im Jahre 1888 in Frankreich eingeführt worden war.
Von hier aus gewann es Boden und verbreitete sich über Länder und Kontinente. Nach diesem Meßverfahren mußten elf Körpermaße ange-nommen werden, und zwar unter anderem die Körpergröße, die Sitzhöhe, Arm- und Beinlänge Schädelumfang usw.
Durch die Beschaffung von Spezialmeßgeräten war dieses Verfahren aber teuer und außerdem auch ungenau, da der Mensch ja körperlichen Veränderungen ausgesetzt ist und die rnessenden Beamten nicht immer die gleichen waren. Das machte sich besonders bei reisenden und inter-nationalen Verbrechern bemerkbar.
Nach Publizierung der Daktyloskopie erkannte man die Schwächen der Anthropometrie ganz besonders. In den Sammlungen häuften sich die Körpermeßkarten, ohne zu nennenswerten Erfolgen zu führen.
Trotzdem sich nun Galton verschiedene Male mit Bertillon in Verbindung setzte und ihn bat, die Daktyloskopie als Identifizierungsmittel anzuerkennen, weigerte sich Bertillon aus begreiflichen Gründen. Er mußte der Daktyloskopie aber einige Zeit später dann doch Konzessionen machen, indem zunächst zwei und später dann alle zehn Finger auf der Körpermeßkarte abgedruckt wurden. Aber diese Abdrucke hatten noch, nicht viel Wert, weil sie nicht klassifiziert und registriert wurden.
Trotz all dieser Schwierigkeiten wurde die Daktyloskopie aber durch den damaligen Polizeipräsidenten von London, Sir Edward Henry, in London im Jahre 1901 eingeführt. Es wurden aber immer noch Unterschiede gemacht, denn jugendliche Personen, deren Gliedmaßen ja noch dem Wachstum unterlagen, ,wurden nur daktyloskopiert. Erwachsene Personen, etwa vom 25. Lebensjahr an, wurden daktyloskopiert und ge-messen. Man verfuhr deshalb so, weil erst der erwachsene Mensch auch als ausgewachsen angesehen werden kann.

Henry hat übrigens das Klassifizierungssystem von Galton noch verbessert.
Als Beginn des Siegeslaufs der Daktyloskopie kann man das Jahr 1901 ansehen.
In Deutschland führte sie Sachsen im Jahre 1903 ein, Berlin, Hamburg, Nürnberg, Augsburg und im Jahre 1909 München.
Nach dem Tode Bertillons wurde die Daktyloskopie dann auch im Jahre 1914 in Frankreich eingeführt, besonders nachdem die Nachfolger Bertillons die Daktyloskopie als Identifizierungsmittel anerkannten.
Den Hauptanlaß hierzu gab der Diebstahl des berühmten Gemäldes Leonardo da Vincis "Mona Lisa" aus dem Louvre in Paris im Jahre 1911. Das Bild wurde hierbei aus dem Rahmen gelöst. Beim Auffinden des Rahmens stellte man Fingerabdrücke an diesem fest Der Täter, ein junger Italiener, wurde beim Verkauf des Bildes in Italien festgenommen. Es stellte sich heraus, daß er als Galeriearbeiter im Louvre beschäftigt gewesen und bei der Pariser Polizei schon in Erscheinung getreten war. Bei dieser Gelegenheit wurde er erkennungsdienstlich behandelt, das heißt, er wurde vermessen fotografiert, und man legte eine Körpermeßkarte von ihm an. Da man ihn aber bei der Ausführung der Tat nicht gesehen hatte, konnte man ihn zunächst auch nicht als Täter feststellen. Auf Grund der zurückgelassenen Fingerspuren wäre er aber ohne weiteres festgestellt worden, wenn man statt seiner Körpermeßkarte eine Fingerabdruckkarte geführt hätte.
Heute ist die Daktyloskopie in allen Kulturstaaten der Welt eingeführt. Der daktyloskopische Wirkbetrieb im BKA ist ein System auf der Grundlage der EDV, nämlich AFIS -siehe oben-.