Und von allen Sternen nieder
strömt ein wunderbarer Segen,
daß die müden Kräfte wieder
sich in neuer Frische regen,
und aus seinen Finsternissen
tritt der Herr, so weit er kann,
und die Fäden, die zerrissen,
knüpft er alle wieder an.
Friedrich Hebbel
So führt das Schicksal an verborg'nem Band
den Menschen auf geheimnisvollen Pfaden;
doch über ihm wacht eine Götterhand,
und wunderbar entwirret sich der Faden.
Friedrich Schiller
Es geht wohl anders als du meinst;
derweil du frei und fröhlich scheinst,
ist Lenz und Sonnenschein verflogen,
die liebe Gegend schwarz umzogen;
und kaum hast du dich ausgeweint,
lacht alles wieder, die Sonne scheint -
es geht wohl anders als du meinst.
Joseph von Eichendorff
Da tust du in die dunklen Risse des Unerforschten einen Blick
und nimmst in deine Finsternisse ein leuchtend Bild der Welt zurück;
du trinkst das allgemeinste Leben,
nicht mehr den Tropfen, der dir floß,
und ins Unendliche verschweben kann leicht, wer es im Ich genoß.
Friedrich Hebbel
Nacht ist wie ein stilles Meer,
Lust und Leid und Liebesklagen
kommen so verworren her in dem linden Wellenschlagen.
Wünsche wie die Wolken sind,
schiffen durch die stillen Räume,
wer erkennt im lauen Wind,
ob's Gedanken oder Träume?-
Joseph von Eichendorff
Wie wird nun alles Stille wieder!
So war mir`s oft in der Kinderzeit,
die Bäche gehen rauschend nieder durch die dämmernde Einsamkeit,
kaum noch hört man einen Hirten singen,
aus allen Dörfern, Schluchten, weit die Abendglocken herüberklingen,
versunken nun mit Lust und Leid die Täler, die noch einmal blitzen,
nur hinter dem stillen Walde weit noch Abendröte an den Bergesspitzen,
wie Morgenrot der Ewigkeit.
Joseph Freiherr von Eichendorf
So wandelt sie, im ewig gleichen Kreise die Zeit nach ihrer alten Weise,
auf ihrem Wege taub und blind,
das unbefangene Menschenkind erwartet stets vom nächsten Augenblick
ein unverhofftes seltsam neues Glück.
Die Sonne geht und kehret wieder,
kommt Mond und sinkt die Nacht hernieder,
die Stunden die Wochen abwärts leiten,
Die Wochen bringen die Jahreszeiten.
Von außen nichts sich je erneut,
in dir trägst du die wechselnde Zeit,
in dir nur Glück und Begebenheit.
Ludwig Tieck
Was ist das Leben ? Kommen nur und Schwinden,
ein Wechsel nur von Nacht und Tageshelle,
Verlust und Schmerz, Sehnsucht und Wiederfinden,
so schwebt durch Traum und Wachen hin die Welle,-
drum lächelt hoffend in der Trennung Wehen
durch Abschiedtränen schon das Wiedersehen.
Ludwig Tieck