Der Pferdemarkt in Ovelgönne

Zu Zeiten des Grafen Anton Günther von Oldenburg kam bei aller Wirtschaftsinitiative des Landesherren die Privatwirtschaft nicht zu kurz. Der private Viehhandel des Stad- und Butjadingerlandes hatte seine Chancen. Obwohl das Bannrecht der Herrschaftlichen Waage zu Ellwürden der Landbevölkerung eine verkappte Umsatzsteuer auf die Landesprodukte Käse, Butter, Speck, Talg, Felle usw. auferlegte, so war immerhin die Einrichtung des Vieh- und Pferdemarktes zu Ovelgönne dafür ein genügender Ausgleich. Dieser Markt, "wo die Unterthanen mögen ihr Viehe zu gelde machen", wurde 1630/33 neu eingerichtet und rief einen schwunghaften Eigenhandel der Einwohner hervor. Auch die gräflichen Einkäufer erschienen auf diesem Markt. Zum Schutz des Ovelgönner Marktes verfügte Graf Anton Günther, daß der neue Kram- und Pferdemarkt zu Marx in Ostfriesland nicht besucht werden sollte (1644). Und der Vogt Liborius von Aschwege mußte aufpassen, daß über die Huntebrücke und auf der Weser keine Pferde zum Bremer Markt gebracht würden(1641).
Die Konkurrenz anderer Märkte war jedoch nicht zu übersehen. Es kam daher des öfteren eine Unregelmäßigkeit des Markttermins auf, womit aber die Käufer und Verkäufer nicht einverstanden waren. So erging 1751 aus der Königlich dänischen Regierungskanzlei zu Oldenburg eine "Verordnung wegen Haltung des Ovelgönnischen Pferde- und Füllenmarktes", wonach "das Pferde- und Füllenmarkt zu Ovelgönne in hiesiger Grafschaft Oldenburg allemaldes Donnerstags nach dem Hannöverschen Egidii-Markt, und zwar morgens um 8 Uhr, seinen Anfang nehmen, und alsdann eine Freyfahne daselbst ausgestecket werden, auch solches Markt bis am folgenden Freytag Abend währen solle." Es durften 8 Tage vor Marktbeginn in der ganzen Grafschaft keine Pferde noch Füllen bei Strafe der Konfiskation der Tiere und des Kaufschillings verhandelt werden. Auch durften zur Ovelgönne erst am Tag vor dem Markt, nachmittags 3 Uhr, Zelte aufgeschlagen werden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es zusätzlich noch einen Pferde- und Magerviehmarkt am 2.Mittwoch im April sowie einen Markt für fettes Hornvieh am 1. Oktober. Um die Jahrhundertwende gab es 2 Pferde-, 2 Vieh- und einen Flachsmarkt. Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich die Zahl der Märkte auf 9 erhöht. So war Ovelgönne Mitte des 19. Jahrhunderts der Hauptplatz für den Absatz der blühenden Pferde- und auch der Rinderzucht. Der Ovelgönner Pferdemarkt Anfang September war in ganz Deutschland wohl bekannt und einer der bedeutendsten seiner Art. Auftriebe von 2000 und mehr Tieren waren keine Seltenheit. Das Jahr 1887 brachte Deutschlands größtem Pferdemarkt den Rekordauftrieb von weit mehr als 5000 Pferden und Fohlen. Wegen der steigenden Kosten der Märkte wurden nach einem Statut von 1895 erstmals Marktstättengelder erhoben und zwar

für Buden pro Meter Front 50 Pf;
für Wagen mit Marktkarren 25 Pf;
für Tische mit Verkaufsgegenständen und für Warenniederlegung auf ebener Erde 50 Pf;
für Karussel 4,50 Mark;
für ein Pferd mit oder ohne Saugfüllen, welches zum verkauf aufgeführt wird 20 Pf;
für Hornvieh (Saugkalb bei der Kuh ist frei) 15 Pf;
für Schafe und Schweine (Saugschafe und Saugschweine sind frei) 10 Pf;
Einfriedungen werden den Warenniederlagen auf ebener Erde gleichgeachtet und kosten 50 Pf;
für Treibherden von Heidschnucken und Lämmern 50 Pf.

Für das Jahr 1907 genehmigte der Gemeinderat sogar 11 Märkte. Mit der Zeit merkte man aber, daß zuviel Märkte stattfanden, es wurde wieder reduziert. Zur Belebung der Pferdemärkte wurde im Jahre 1932 für das Jahr 1933 zwischen dem Gemeindevorsteher Ovelgönne und dem Stadtmagistrat Cloppenburg vereinbart, daß der zweite Pferdemarkttag im September (Dienstag) gestrichen und der auf Montag mit dem Ovelgönner Pferdemarkt angesetzte Cloppenburger Pferdemarkt auf Dienstag verlegt werden soll. Diese Regelung wurde damals vom Ministerium in Oldenburg genehmigt.
Während die Bedeutung der Rindermärkte nach dem ersten Weltkrieg ständig zurückging und Ende der 30er Jahre diese Märkte gänzlich aufhörten, behielt der Pferdemarkt noch bis Mitte der 50er Jahre seine überragende Bedeutung. Im Jahre 1951 wurden am 2 Sept. (Vormarkt) und am 3.Sept. (Hauptmarkt) noch 1.600 Pferde aufgetrieben. Das Kaufinteresse bestand vor allen Dingen für Nutztiere. Die volljährigen Tiere brachten 850 bis 1100 Mark, Fohlen 700 bis 850 Mark, Schlachtpferde 200 bis 250 Mark. 1952 wurden dann 1200 Pferde aufgetrieben, 1958 waren es noch 600. Durch die zunehmende Motorisierung auf den Höfen ging der Auftrieb bis zum Jahre 1978 auf nur 50 Tiere zurück. Durch gemeinsame Bemühungen der Gemeinde Ovelgönne, des Bürgervereins Ovelgönne e.V. und der Pferdehändler konnte wieder ein Anstieg erreicht werden. 1995 wurden 167 Tiere (Groß- und Kleinpferde) gezählt, ein weiterer leichter Aufwärtstrend wird von allen Seiten erwartet. Ausgeglichen wurde der Rückgang des Pferdeauftriebs durch eine Landmaschinenausstellung und einem Angebot vielfältiger landwirtschaftlicher Gerätschaften. In den vergangenen Jahren ist der Pferdemarkt zu einem großen Volksfest ausgebaut worden mit Karussels, Schank- und Imbissbuden, Festzelten mit Musikgruppen, Party und was sonst noch dazu gehört.

Die offizielle Eröffnung des Volksfestes erfolgt vor der Neuen Reithalle im Beisein vieler Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft. Gleichzeitig werden die Gewerbe- und Leistungsschau sowie in der alten Reithalle die Rasse- Kaninchenschau des Rassekaninchenzuchtvereins J 92 eröffnet.
Die Gewerbeschau wird von ca. 40 Handwerks- Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben zur Darstellung ihrer Leistungsfähigkeit genutzt. Das besondere an der Ovelgönner Ausstellung ist die abwechslungsreiche Beschickung der Ausstellungsstände. Quer durch alle Branchen gibt es Information und Anschauungsmaterial für den interessierten Besucher der Schau. Technologie und Dienstleistungen werden ebenso vorgestellt wie das klassische Handwerk, besonders im Installations- und Baunebengewerbe.

Für die Besucher wird daneben ein interessantes Unterhaltungsprogramm geboten: Aktionen zur Unterhaltung mit Tanz und Live-Musik sowie ein Kinderprogramm am Sonntagmittag werden geboten. Auch die kleinsten Einwohner des Ortes sollen nicht zu kurz kommen. Am Samstagabend um 20.00 Uhr startet am Marktplatz wieder der große Laternenumzug, angeführt von der Ovelgönner Blaskapelle, zu der alle Kinder in Begleitung ihrer Eltern willkommen sind. Anschließend ist in den Festzelten und auf den Straßen Party angesagt.

Mit vielen Musikzügen setzt sich am Sonntag dann der Festzug um 15.00 Uhr in Bewegung. Am Montag ab 08.00 Uhr geht es auf dem Tierschauhamm mit dem eigentlichen Pferdemarkt, dem sogenannten Hauptmarkt weiter. Zog der Pferdemarkt in den vergangenen Jahrhunderten Tausende von Händlern aus ganz Europa an, so spielen Pferde nur an diesem Tag noch eine Prestige-Rolle. Neben den rund 150 aufgetriebenen Pferden tummeln sich noch allerlei anderes Viehzeug auf dem Markt: vom exotischen Rind über Meerschweinchen und Enten bis hin zu Aquariumfischen. Eine große Landmaschinenausstellung und ein zahlreiches Angebot für Pferdesport und Landwirtschaft bestimmen das Bild.

Bei der Kleinsammelauktion werden wieder vielfältige Antiquitäten und Altertümer zur Versteigerung gebracht. Mehrere Festzelte, Schank- und Wurstbuden laden natürlich auch hier zum Verweilen und Feiern ein. Auf dem Schulparkplatz und entlang der innerörtlichen Kirchenstraße findet ein großer Flohmarkt statt.

Als abschließendes Highlight findet am Montagabend ab 19:00 Uhr der Große Marktball statt.


 

 


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