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Weser Kurier, Donnerstag, 8. Februar 2001
Erziehungsaufgaben nehmen zu

Hauptschule Süd freut sich auf Einstellung eines Sozialpädagogen nach Ostern
Redakteur
Gerd Weber

Delmenhorst. Heiner Barkemeyer freut sich auf die Zeit nach den Osterferien: Dann wird sich an seiner Schule, der Hauptschule Süd, einiges ändern: Ein Sozialpädagoge oder eine Sozialpädagogin nimmt die Arbeit an der Hauptschule auf. Die Stellenausschreibung läuft zur Zeit. Ermöglicht wird die Einstellung durch ein Präventionsprogramm des Landes, das der Stadt die Finanzierung erleichtert. Das Projekt ist auf sechs Jahre angelegt.
Sozialpädagogen in den Hauptschulen, das ist für den Rektor der Hauptschule Süd, der größten in Delmenhorst, bitter nötig. Der Erziehungsauftrag nehme an den Hauptschulen gegenüber dem eigentlichen Bildungsauftrag einen wachsenden Raum ein. Die Schulen müssten Aufgaben der Familien übernehmen, obwohl sie dafür nicht genügend vorbereitet seien. Die Zahl verhaltensauffälliger Schüler wächst nach den Beobachtungen von Heiner Barkemeyer stetig. Die Beratungslehrer bekommen immer mehr Arbeit, müssen die Familien in ihre Arbeit einbeziehen. Viele Kinder leiden unter familiären Problemen wie Scheidung der Eltern, Arbeitslosigkeit oder Suchtabhängigkeit, sind oft nach neun Schuljahren noch nicht so reif und entwickelt, dass sie eine Ausbildung aufnehmen können. Zwar ist die Hauptschule Süd wegen ihrer Lage in Düsternort von dieser Problematik besonders betroffen, doch tendenziell dürfte es an allen Hauptschulen ähnlich aussehen, schätzt der Schulleiter die Entwicklung ein.
Für Heiner Barkemeyer ist der Handlungsbedarf unstrittig: Die Gesellschaft könne es sich nicht leisten, einen Teil der Bevölkerung außen vor zu lassen. Um die Kosten komme man ohnehin nicht herum: „Was wir jetzt an Präventionsausgaben investieren, sparen wir später tausendmal wieder ein an nicht beanspruchten Therapien und Sozialhilfeleistungen.“

Mit Hilfe der sozialpädagogischen Fachkraft will die Hauptschule Süd für ihre Jugendlichen ein Nachmittagsangebot aufbauen. Den Schülern sollen Möglichkeiten eröffnet werden, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Zugleich sollen Förderkurse am Nachmittag eingerichtet werden. Deren Besuch wird für die in Frage kommenden Schüler verbindlich sein.

Zum Erziehungsauftrag der Schule gehört nach Einschätzung von Heiner Barkemeyer auch das Augenmerk auf das soziale Verhalten der Schüler. Im Zeugnis dürften nicht nur Deutsch- und Englischnoten auftauchen, nötig seien auch Bemerkungen über das Verhalten.
Und da ist die Hauptschule Süd über die neu eingeführten "Kopfnoten" weit hinausgegangen. Die Hauptschule Süd hat sich nicht mit den knappen Bemerkungen begnügt, ob das Verhalten eines Schülers den Erwartungen entspreche oder nicht, sondern hat ein ausführliches Zusatzzeugnis entwickelt. Dieser Bericht enthält Bemerkungen über Arbeitsverhalten, Umgangsformen, Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit und Erledigung der Hausaufgaben. Es wird notiert, ob ein Schüler überwiegend freundlich oder oft unhöflich ist, ob die Arbeitsmittel in Ordnung gehalten werden.

Dieses Zusatzzeugnis, das Schüler und Eltern unterschreiben müssen, ist gut angenommen worden, freut sich Heiner Barkemeyer. Die Jugendlichen nähmen es ernst, und auch die Eltern hätten reagiert, hätten zum Beispiel nachgefragt, warum ihre Sprößlinge als unhöflich bezeichnet wurden. In solchen Fällen habe es nützliche Gespräche der Lehrer mit den Eltern im Beisein der Schüler gegeben. Die Hauptschule Süd wird aufgrund dieser Erfahrungen das Berichtsmuster überarbeiten. Für die Jugendlichen könnte eine günstige Verhaltensbeurteilung nützlich sein, vielleicht den Ausschlag bei der Lehrstellensuche geben.

Verstärkte sozialpädagogische Arbeit, Verbesserung der Unterrichtsversorgung, Weiterbildung der Lehrer, das sind in den Augen von Heiner Barkemeyer unerlässliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit in der Hauptschule. Eine Zusammenlegung mit der Realschule bietet zum jetzigen Zeitpunkt nach seiner Einschätzung keine Vorteile. Die Schülerschaften seien zu unterschiedlich, förderungswürdig die einen, stärker leistungsorientiert die anderen. Die Zusammenlegung wäre ein "Spagat", den man derzeit nicht bewältige.

Heiner Barkemeyer, Leiter der Hauptschule Süd, hält den Einsatz von Sozialpädagogen an Hauptschulen für unerlässlich.