2003 - Delmenhorst. Leugnen half nichts, die Wahrheit kam unwiderlegbar an den Tag: Die Schüler machten dicke Backen, pusteten was das Zeug hielt, und das Messgerät zeigte Lungenvolumen und Kohlenmonoxidgehalt der Atemluft an - eine untrügliche Entlarvung von Rauchern. Die haben es künftig schwerer im Schulzentrum Süd: Hauptschule und Orientierungsstufe sind seit gestern rauchfreie Zonen.
Für Sabrina von der Hauptschule Süd ändert sich nichts: Sie raucht gar nicht, ebenso Christian, 13 Jahre alt. Janina und Yessica müssen sich hingegen umstellen: Sie beziffern ihren Zigarettenkonsum als "standardmäßig": eine halbe Schachtel am Tag. Manuela begnügt sich mit "höchstens" ein,
zwei Zigaretten als Tagesration. Eine Schülerin begegnet der rauchfreien Neuheit mitverschmitzter Subversion: Das Schulzentrum sei ja schön groß, da habe man schon Chancen zu rauchen, hatte die junge Dame mit dem guten Orientierungsvermögen eines aufgeweckten Teenagers erkannt.
Die Gesamtkonferenz der Hauptschule Süd hat sie damit freilich gegen sich. Die hat die Rauchfreiheit einstimmig beschlossen, wie Heiner Barkemeyer, Schulleiter der Hauptschule, erklärte. Auch die Orientierungsstufe schloss sich an: Sie will, so Schulleiter Klaus Wendler, erreichen, dass die jüngeren Schüler die Finger ganz von der Zigarette lassen. Mit Aktionstagen starteten die beiden Schulen in die nikotinfreie Zeit.
Sieben Stationen mit Fragen und Informationen zu gesundheitlichen und sozialen Aspekten und den Risiken des Rauchens schule gestern zum Auftakt. Da wurde an einem Stand das Lungenvolumen getestet. In einem Zimmer betätigten sich die Schüler sportlich, überprüften die Fitness mit einem Pulsmessgerät. Andre begrüßte diese Aktion: Man sehe, wie gut man drauf sei, obwohl man rauche. Er selbst sei allerdings nur Gelegenheitsraucher, schränkte er ein.
Videofilme und ein Quiz über Suchtmittel, Drogentote in Deutschland und krebserregende Stoffe im Tabakrauch ergänzten die Auftaktaktion der Hauptschule Süd. Heute sind die Jungen und Mädchen der Orientierungsstufe an der Reihe. Und dann gibt es Belohnungen: Jede Schule verlost ein Fahrrad unter den Schülern, die den ganzen Parcours zur Rauchfreiheit absolviert haben. Und die Klassen, die sich am besten aufführten, bekommen Geld für die Klassenkasse.
Damit ist die Sache für die Jugendlichen der Hauptschule Süd aber nicht erledigt, wie Heiner Barkemeyer betonte: Nun ist ihre Eigenverantwortung gefragt. Alle Klassen sind aufgefordert, Vorschläge zur Verwirklichung und Überwachung der rauchfreien Schule zu machen. Zum neuen Schuljahr soll das von den Schülern selbst erdachte Regelwerk unter Dach und Fach sein. Das Bündnis für rauchfreie Schulen freut sich über die Aktion von Hauptschule und Orientierungsstufe des Schulzentrums Süd. Nach der Integrierten Gesamtschule und der Fröbelschule hat man nun weitere Schulen für die Teilnahme gewonnen.
Die Niedersächsische Landesstelle gegen Suchtgefahren unterstützt diese Bestrebungen. Sie ist alarmiert über die Zunahme des Rauchens bei den Schülern. So rauchen 18 Prozent der Jungen im Alter von zwölf bis 15 Jahren. Die Mädchen übertreffen diese Quote mit 21 Prozent sogar noch.






