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„Sag ihm direkt ins Gesicht, dass er dich nicht mehr ärgern soll“



Fünftklässler der Hauptschule Süd trainieren intensiv soziales Verhalten




Körperlich oder besser noch mit Argumenten Streits zwischen Mitschülern zu schlichten, lernt Jan (10) beim Sozialtraining. Hier trennt der Fünftklässler der Hauptschule Süd die Streithähne Franziska (11) und Marcel (10) im Rollenspiel. FOTO: Andreas Nistlere_SPgB

Zum Schuljahresauftakt bietet das Projekt Sozialarbeit an Schulen der Jugendhilfestiftung das dreitägige Sozialtraining an. „Das tut unheimlich gut“, lobt Lehrerin Susanne Haufe die Übungen, die aus Einzelkämpfern eine Gemeinschaft formen soll. Von Sonia Voigt

Delmenhorst. Wie leicht ein Missverständnis einen wilden Streit verursacht, hat die Klasse 5b der Hauptschule Süd in der ersten Schulwoche erlebt. Ein dreitägiges Sozialtraining der Delmenhorster Jugendhilfestiftung hat ihnen bis gestern Lösungen dafür gezeigt. „Wir hätten ihm sagen müssen, dass alles nur Spaß war“, weiß Alime (12) jetzt über den Streit eines Klassenkameraden mit zwei Jungen, den sie schlichtete.
„Das tut zu Beginn des Schuljahres unheimlich gut“, lobt Klassenlehrerin Susanne Haufe das Training im Jugendhaus Horizont. Dadurch, dass es außerhalb der Schule stattfindet, wirke es auf die 14-köpfige Gruppe „ein bisschen wie eine Klassenfahrt“. „Vorher kannte ich nur Marcel, jetzt kenne ich alle“, bestätigt Jan aus der 5b und ergänzt, „wenn man sich nicht kennt, gibt es schneller Streit.“
Am besten gefallen dem Zehnjährigen die Spiele und Übungen, die Diplompädagogin Natalie Miklis vorbereitet hat. Dabei lernen die Schüler auf andere zu achten, Gesichter zu beobachten und aufmerksam zuzuhören. Denn im Schulalltag fällt es manchem schon schwer, einfache Aufgaben bis zum Ende zu erfassen.
„Viele haben nicht gelernt, Lösungen für Konflikte zu finden“, erklärt die Mitarbeiterin des Projekts Sozialarbeit an Schulen der Jugendhilfestiftung, warum Streits so leicht eskalieren. Viele Schüler seien Einzelkämpfer. Das Sozialtraining sei „kein Allheilmittel“, doch die Wiederholung, auch in Rollenspielen, helfe sozialverträgliches Verhalten zu verinnerlichen. Ihren Mitschülern spielten die Kinder vor, wie sie reagieren können, wenn jemand sie ärgert, sie „Streber“ oder „Loser“ nennt, um sie zum Schwänzen zu überreden. „Sag ihm direkt ins Gesicht, dass er Dich nicht ärgern soll“, rät Alime Vanessa.
In einer Unterrichtsstunde pro Woche wird Natalie Miklis das Sozialtraining mit der 5b und der Parallelklasse 5a fortsetzen, ein Klassenrat soll selbst Verantwortung übernehmen. Geplant ist zudem ein Elternkursus, „ohne erhobenen Zeigefinger“, wie Miklis betont. Es gehe darum, Eltern in ihrer Rolle zu stärken und mit ihnen in Kontakt zu kommen.