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"Anno 1639 den 29. Martii haben H. Folcardt Brechters zue Wierder Monniken
erbgesessener und der Herrlichkeit Oldersum Leutenant, Hero Haiken, Ocko Tiden und
Peter Bussen neben Pastorn Henrico Freyen die große Glocke, so in
Manßfeldesche Zeiten zu Embden Dieterich Leners für 700 Gulden versetzett
widerumb von seinem Schwiegersohn Peter Mustert gekaufft und dakegen der Gemeinte
Praetension wegens Manßfeldische und Kaiserliche inquartierungen auff seine,
Peter Mustert Herden und platze fallen lassen und daüber ihme im nahmen der
Gemeinte noch 900 g uff drei underschedene (Termine) vermuge außgegebene
Obligation zu zahlen angelobett."
Dies hat Pastor Frey von eigener Hand aufgezeichnet. So hat es Dr. H. Reimers,
Spiekeroog, in "Heim und Herd", der Beilage zum "Ostfriesischen Kurier"
in Nr. 134, Jahrgang 70, am 11. Juni wiedergegeben.
Weiter heißt es bei Pastor Frey:
"Hir auff habe obgemelt der Gemeinte vuhlmechter M. Johan Arends die Glocke
von Embden zu holen und in den Turm zue lieffern für 23 g anbestettett."
Noch mehr Einzelheiten sind festgehalten:
"Den 1. Aprilis ist selbige Glocke zu Oldersum mitt ein schiff angekohmen
und den 2. Aprillis zu Rorichum auß das schiff gesetzett und mit eine pfost,
dafür vier pferde waren, biß an den Turm gefüerett."
Nun kam dann gewiß der schwierigste Teil der Arbeit.
Auch darüber schrieb der Rorichumer Seelsorger damals:
"Den 3. Aprilis ist erwehnte Glocke von außen in den Turm in
Kegenwordt oberwenter deputirten wie auch Johann Tonen (?) als furnehmsten
gelitt Rorichumer Gemeinte gewunnen und umb vünff uhr nachmittag mit
großen freueden und frolockende Menner, Frauwen unnd Kindern in den
Turm gehengett und mit beiden Glocken geleudett wurden."
Unendlich froh müssen die Rorichumer gewesen sein, daß sie
das alte Ehrenstück, das 1497 von dem berühmten Gerhard van
Wou von Campen, der als der bedeutendste Glockengießer des
Mittelalters gilt, offenbar in Rorichum gegossen worden ist und die
sich seit nunmehr 500 Jahren durch eine überaus große
Klangschönheit auszeichnet, ihnen erhalten geblieben war.
Besondere Worte findet dazu der Prediger:
"Der Allmechtige Godt und Vatter unsers H. Jesu Christi wolle
diese Gemeinte sampt das gantze Land in gnaden bewahren, daß
sie nicht in sothane bedrangk und treubsal widerumb geraden und die
Vasa sancta außzusetzen oder dergestalt anzutasten genotigett
werden muegen."
In Rorichum hängt die größte Glocke (mit 125 cm unterer Durchmesser)
Ostfrieslands, die der berühmte Gerhard van Wou gegossen hat.
Übrigens sind nur drei signierte Glocken erhalten geblieben
(Wybelsum, 1494, 55 cm, Logumer Vorwerk, 1495, 88 cm, Rorichum, 1497, 125 cm)
wie ein nicht signiertes Glöckchen in Dunum (42 cm).
Rorichums besitzt mit der großen alten Glocke einen großen kunst-
und kulturgeschichtlichen Schatz.
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