Kurzer geschichtlicher Abriss der Kirche in Rorichum

Gebaut wurde die evangelisch-reformierte Kirche in Rorichum bereits Anfang des vierzehnten Jahrhunderts. Verwunderlich ist, daß das Gotteshaus von Anfang an eine recht eckige Einraumkirche war, die wahrscheinlich nie eine Apsis hatte.

Wechselte die Gemeinde auch kurz nach dem Oldersumer Religionsgespräch im Jahre 1526 zum reformierten Glauben, so war sie im vierzehnten Jahrhundert noch katholisch. Charakteristisch für die Bauweise katholischer Kirchen war aber stets ein halbrunder Vorbau als Verlängerung des Langhauses, in dem der Hochaltar stand und die Messe zelebriert wurde. Die fehlende Apsis ersetzte in Rorichum wahrscheinlich der Raum hinter der Orgelempore, in dem heute drei alte Grabplatten aus dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert aufbewahrt werden.

Die verschiedenen Renovierungs- und Umbauarbeiten der vergangenen Jahrhunderte sind an der Rorichumer Kirche noch genau nachvollziehbar. Aus großen Klosterformatsteinen gebaut, sind verschiedene Stellen im Mauerwerk mit kleineren Ziegel ausgebessert worden. Die Fenster an der Südseite wurden während der Reformation vergrößert. Das niedrige Portal an der Nordwand, an der heute die Kanzel steht, ist zugemauert. Der Eingang mag aus der Normannenzeit stammen und so niedrig gewesen sein, damit sich die Kirchenbesucher nach dem Verlassen des Gotteshauses nach Norden, in die Richtung der Heimat der Wikinger, verneigen mußten.

Der freistehende Glockenturm ist bereits einige Jahrzehnte vor der Kirche gebaut worden. Entsprechend kann man davon ausgehen, daß es in Rorichum eine Vorgängerkirche gegeben haben muß, zumal der Ort seit dem neunten Jahrhundert besiedelt war und in dieser Zeit im Heberegister des Klosters Werden/Ruhr aufgeführt wurde. Dieses Kloster wurde vom heiligen Liudger gegründet, dem Missionar der Friesen und späteren Bischof von Münster. Neben der Kirche, dem Glockenturm und der kleinen Dorfschule ist das alte Pfarrhaus vor einigen Jahren vom lnstitut für Denkmalpflege des Niedersächsischen Landesverwaltungsamtes als Baudenkmal eingestuft worden. Das hatte für Rorichum den Vorteil, daß das Pfarrhaus 1989 mit öffentlichen Geldern restauriert und zu einem Gemeindehaus umgestaltet werden konnte.

Die "Oll Pastoree" wurde 1791 als Wohnhaus mit einer Gulfscheune gebaut. Bei den Sanierungsarbeiten sind Reste eines Steinhau ses aus dem späten Mittelalter gefunden worden, das in seiner Bauweise dem eben falls unter Denkmalschutz stehenden Pfarrhaus in Stapelmoor geähnelt hat.

Die Rorichumer Petri-Glocke

Pastor Freys Bericht über frohe Tage

"Anno 1639 den 29. Martii haben H. Folcardt Brechters zue Wierder Monniken erbgesessener und der Herrlichkeit Oldersum Leutenant, Hero Haiken, Ocko Tiden und Peter Bussen neben Pastorn Henrico Freyen die große Glocke, so in Manßfeldesche Zeiten zu Embden Dieterich Leners für 700 Gulden versetzett widerumb von seinem Schwiegersohn Peter Mustert gekaufft und dakegen der Gemeinte Praetension wegens Manßfeldische und Kaiserliche inquartierungen auff seine, Peter Mustert Herden und platze fallen lassen und daüber ihme im nahmen der Gemeinte noch 900 g uff drei underschedene (Termine) vermuge außgegebene Obligation zu zahlen angelobett."

Dies hat Pastor Frey von eigener Hand aufgezeichnet. So hat es Dr. H. Reimers, Spiekeroog, in "Heim und Herd", der Beilage zum "Ostfriesischen Kurier" in Nr. 134, Jahrgang 70, am 11. Juni wiedergegeben.

Weiter heißt es bei Pastor Frey:

"Hir auff habe obgemelt der Gemeinte vuhlmechter M. Johan Arends die Glocke von Embden zu holen und in den Turm zue lieffern für 23 g anbestettett."

Noch mehr Einzelheiten sind festgehalten:

"Den 1. Aprilis ist selbige Glocke zu Oldersum mitt ein schiff angekohmen und den 2. Aprillis zu Rorichum auß das schiff gesetzett und mit eine pfost, dafür vier pferde waren, biß an den Turm gefüerett."

Nun kam dann gewiß der schwierigste Teil der Arbeit. Auch darüber schrieb der Rorichumer Seelsorger damals:

"Den 3. Aprilis ist erwehnte Glocke von außen in den Turm in Kegenwordt oberwenter deputirten wie auch Johann Tonen (?) als furnehmsten gelitt Rorichumer Gemeinte gewunnen und umb vünff uhr nachmittag mit großen freueden und frolockende Menner, Frauwen unnd Kindern in den Turm gehengett und mit beiden Glocken geleudett wurden."

Unendlich froh müssen die Rorichumer gewesen sein, daß sie das alte Ehrenstück, das 1497 von dem berühmten Gerhard van Wou von Campen, der als der bedeutendste Glockengießer des Mittelalters gilt, offenbar in Rorichum gegossen worden ist und die sich seit nunmehr 500 Jahren durch eine überaus große Klangschönheit auszeichnet, ihnen erhalten geblieben war.

Besondere Worte findet dazu der Prediger:

"Der Allmechtige Godt und Vatter unsers H. Jesu Christi wolle diese Gemeinte sampt das gantze Land in gnaden bewahren, daß sie nicht in sothane bedrangk und treubsal widerumb geraden und die Vasa sancta außzusetzen oder dergestalt anzutasten genotigett werden muegen."

In Rorichum hängt die größte Glocke (mit 125 cm unterer Durchmesser) Ostfrieslands, die der berühmte Gerhard van Wou gegossen hat.
Übrigens sind nur drei signierte Glocken erhalten geblieben (Wybelsum, 1494, 55 cm, Logumer Vorwerk, 1495, 88 cm, Rorichum, 1497, 125 cm) wie ein nicht signiertes Glöckchen in Dunum (42 cm).
Rorichums besitzt mit der großen alten Glocke einen großen kunst- und kulturgeschichtlichen Schatz.

Diese Dokumentation wird fortgesetzt