Die Wenthin-Orgel 1795/96 bis 1916

Johann Friedrich Wenthin

(* 10. August 1746 in Otterstedt bei Bremen; 27. Mai 1805 in Emden),
Er war möglicherweise Geselle bei Heinrich Wilhelm Eckmann und galt als ärgster Konkurrent von Hinrich Just Müller in Ostfriesland. Seit 1774 war er Bürger von Emden.

Nachgewiesene Arbeiten:

  • 1779 Emden (Moederkerk)
  • 1781 Hinte
  • 1785 Riepe
  • 1783 Backemoor
  • 1785 Sweins/Niederlande
  • 1787 Nieuwolda/Niederlande
  • 1789 Reepsholt (Mauritiuskirche)
  • 1793 Wolthusen
  • 1793 Hesel bei Leer
  • 1794 Westerende
  • 1796 Oldersum (1916 beim Kirchenbrand zerstört)

  • 1801 Groothusen
  • 1804 Groß-Midlum.

Dazu kommen noch diverse Umbau- und Erweiterungsarbeiten sowie Reparaturen.

Er hatte sich 1775 in Emden mit Catharina Gertrud Wenthin aus Neustadtgödens verheiratet und mit ihr 4 Kinder. Sein zweitältester Sohn, Joachim Wenthin, übernahm die Werkstatt seines Vaters, arbeitete aber kaum noch in Ostfriesland.

Joachim Wenthin

(* 10. Dezember 1778 in Emden; 1857)

Er wurde 1808 Bürger von Emden und führte die Werkstatt seines Vaters erfolgreich weiter, verlagerte den Betrieb aber zusehends ins Emsland und nach Tecklenburg und war dort auch ab etwa 1820 wohnhaft.

Johann Friedrich Wenthin, Müllers Konkurrent im ostfriesischen Orgelbereich, wurde am 10.08.1746 in Otterstedt bei Bremen geboren. Seine Lehrzeit verbrachte er vermutlich in einer norddeutschen Werkstatt. Der alte Eckmann in Quakenbrück, der bei den Planungen für den Neubau der großen Kirchenorgel in Emden 1774 als Gutachter hinzugezogen worden war, hatte der Emder Orgelkommission den jungen begabten Orgelbauer, wie bereits erwähnt, vielleicht empfohlen. Eine weitere Förderung durch einen in Emden wohnenden Vetter, den Buchdrucker Christopher Wenthin, mochte hinzugekommen sein. Im Juni 1774 übernahm Wenthin das seit dem Bau der Norder Ludgeriorgel bedeutendste Orgelbauvorhaben, das Ostfriesland zu vergeben hatte, den längst fälligen Neubau der Orgel in der "Moederkerk" zu Emden. Die Zeiten waren vorbei, da ein großer Teil der Gemeinde die Orgel "als ein kleinnutzig, ärgerlich und schädlich Gethon" bekämpfen zu müssen meinte; der Orgelbau in der Großen Kirche wurde zum Anliegen des Rates und der Stadt. Im Begräbnischor der Kirche wurde die Orgelwerkstatt eingerichtet; als Gutachter forderte die Stadt die Organisten aus Norden und Groningen, Wideburg und Tammen, auf; Wenthin erhielt am 04.06.1774 das Bürgerrecht verliehen, und nach dem Urteil derZeitgenossen war das 1779 vollendete Werk als Wenthins Meisterwerk zu bezeichnen. Knock pries den Meister als "den beroemden Konstenaar en voornaam Orgelmaker te Embden".

Die Wenthinschen Dispositionen sind fortschrittlicher als die Müllers. Sie bringen Streicherstimmen, ferner das bis dahin in Ostfriesland unbekannte labiale Kornett. Als neues Register erscheint bei Wenthin die Traversflöte 8'; eine Neigung zur Grundtönigkeit macht sich bemerkbar. Die Prospekte Wenthins wirken nüchterner als die Müllers. Solidität im Material ist beiden Orgelbauern gemeinsam. Orgeln wie die in Backemoor, Reepsholt, Wolthuscn, Westerende, Groothusen u. a, haben sich gut erhalten. Der Orgelbauer hatte sich am 30.11.1775 in Emden mit der einzigen Tochter des verstorbenen Buchdruckers Joachim Wenthin aus Neustadtgödens, Catharina Gertrud, verheiratet. Dem Ehepaar wurden in den Jahren 1777-1781 vier Kinder geboren. Wenthin starb am 27.05.1805, als er und sein Sohn Joachim mit dem Unterbau der Orgel in der katholischcn Kirche in Emden beschäftigt waren.

Der zweitälteste Sohn des Meisters, Joachim, geboren am 10.12. 1778 in Emden und Emder Bürger seit dem 30.12 1808, führte das väterliche Geschäft mit Erfolg weiter. Als er 1816 mit dem Unterbau der Orgel in der katholischen Kirche in Uithuizen beschäftigt war, erreichte ihn der ehrenvolle Auftrag der Emder Orgelkommission, für die dortige Neue Kirche ein Werk zu bauen. J. Wenthin lehnte jedoch ab. Er hatte seit dem Tode des Vaters seine Tätigkeit mehr und mehr in das Emsland und nach Tecklenburg verlagert. 1807 entstand ein neues Werk in Lotte, 1817 in Halverde, dessen Gehäuse wie eine Schöpfung des Vaters aussieht. Seit etwa 1820 ist J. Wenthins Wohnsitz in der Stadt Teckenburg nachzuweisen. Um 1840 verband er sich mit einem Compagnon W. Meese. Nach 1850 ist Wenthin an einem unbekannten Ort, außerhalb der Stadt Tecklenburg gestorben.

12. Dezember 1795 - Bericht an den Magistrat der Stadt Emden:
Kontrakt mit Wenthin: Neubau der Orgel für 700 Rtlr. Gold. Wenthin soll die alte Orgel erhalten. - Die Interessenten wünschen die neue Orgel im Chor der Kirche. Der auf vier hölzernen Pfeilern ruhende Himmel des herrschaftlichen Grabkellers ist hinderlich und möge abgenommen werden. Auf den Holzpfeilern soll die Orgel ruhen.

Im Jahre 1796 baute der Emder Orgelbauer Johann Friedrich Wenthin eine neue Orgel mit 12 Registern, die vor dem Chor im Osten der Kirche aufgestellt wurde.

1840 ff. - Jahrespflege durch Rohlfs.

In der Inventur vom 25. November 1859 ist verzeichnet:
Inventar: Die Orgel hat 4 1/2 Oktaven und angehängtes Pedal:

1. Principal 8
2. Bordun 16
3. Gedackt 8
4. Traversflöte 8
5. Flöte 4
6. Nasatquinte 2 2/3
7. Oktave 4
8. Octave 2
9. Cornet 3-fach
10. Mixtur 4-fach
11. Trompete 8
12. Dulcian 8

1859/1860 - Janssen rep. - Winter übernimmt seit 1860 Jahrespflege.

09.01.1916 - Diese herrliche Rokoko-Orgel, von der heute noch ein Schwesterinstrument in der alten Backemoorer Kirche steht, wurde im Jahre 1916 beim Brand der Kirche zerstört.

Stand 2006