
Das TATRA-Gespann
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Die Geschichte
des einzigartigen TATRA - Gespannes.
Die Tschechische Firma TATRA baut seit ca. einem Jahrhundert erfolgreich Fahrzeuge. Der größte Produktionszweig ist im Bereich der Nutzfahrzeuge angesiedelt. Weltweit werden LKW der Firma TATRA auf Baustellen, im Bergbau und überall dort eingesetzt, wo schier unverwüstlich robuste und gleichzeitig leistungsstarke Arbeitsmaschinen ihren Dienst zu verrichten haben.
Auch PKW der
Firma TATRA sind bereits seit den 30er Jahren in hervorragender Qualität verkauft worden.
Oft waren diese Fahrzeuge richtungweisend für den Fahrzeugbau weltweit. Die
luftgekühlten Boxer-Motoren und die damals schon erstaunlich windschnittigen Karosserien
wurden sogar von einem heute berühmten deutschen Sportwagenhersteller hervorragend
kopiert.
Ende der 50er Jahre, so lautet ein Gerücht, forschten die Ingenieure im Hause TATRA auf einem ganz anderen Gebiet: Aufgrund des weltweiten Motorradbooms in den 50ern entwarf die Entwicklungsabteilung ein Motorrad, das an Leistung, Standfestigkeit und zukunftweisender Technik alles bis dahin Bekannte übertreffen sollte und somit seiner Zeit wieder einmal weit voraus war.
Dieses Fahrzeug
entstand nicht nur auf dem Zeichenbrett, sondern erreichte sehr bald das Stadium der
Prototypen. Drei Exemplare dieser Fahrzeuge entstanden damals in liebevoller Handarbeit.
Zwei davon mit, und eines ohne Beiwagen. Der Motor (960 ccm, 4-Zylinder in Reihe ,
Luftgekühlt) und das Fahrwerk (verschraubter Doppelschleifen-Rahmen mit links und rechts
um den Motor geführten Oberzügen, sowie Monofederbein hinten) stellten sich als völlig
ausreichend dimensioniert und außerordentlich haltbar heraus. Leider waren die zu dieser
Zeit erhältlichen Reifen der für damalige Verhältnisse immensen Motorleistung von 98 PS
nicht im geringsten gewachsen. So mußte bereits Anfang der 60er die Weiterentwicklung des
Solo-Motorrades eingestellt werden. Um so intensiver wurden die Arbeiten an den beiden
fast identischen Gespannen, die auf PKW-Bereifung liefen, vorangetrieben. Ende ´62 war es
dann so weit. Das Gespann war bis zur Serienreife fertiggestellt. Tausende Kilometer
wurden auf der firmeneigenen Teststrecke, sowie auf den kurvigen Landstraßen des
Tatra-Gebirges zurückgelegt. Unendliche Stunden verbrachte das Team damit, das Fahrwerk
und den Motor auf die bis dahin im Motorradbau nicht annähernd erreichte Motorleistung
und das bärenstarke Drehmoment von über 100 Nm bereits aus untersten Drehzahlbereichen
abzustimmen.
So makaber es
klingen mag, aber leider war dieses Gespann, was seiner Zeit doch um Jahrzehnte voraus
eilte nun doch zu spät entwickelt worden. Es erreichte seine Serienreife zu einem
Zeitpunkt, wo angesichts von Wirtschaftswachstum und Aufbruchstimmung kein vernünftiger
Mensch mehr ernsthaft ein Motorrad fahren wollte. Motorräder wurden zum Fahrzeug des
armen Mannes degradiert, wer sich in dieser Zeit noch wagte, mit einem Motorrad, und dann
auch noch mit Seitenwagen auf der Straße sehen zu lassen, hatte entgültig die Zeit
verschlafen und wurde nur mitleidig belächelt. An den Verkauf eines Motorrades und dann
auch noch in dieser Leistungs- und Preisklasse war nicht zu denken. Schweren Herzens
stellte daraufhin die Marketing - Abteilung im Hause TATRA das Projekt Motorrad ein.
Fortan kümmerte man sich nur noch um die Entwicklung und Herstellung von Nutzfahrzeugen
und (nicht ganz so erfolgreich) PKW. Die LKW der Marke TATRA sind bis heute der
hauptsächliche Geschäftszweig. Auch auf internationalen Geschicklichkeitsrennen und
Rallyes, wie z.B. der berüchtigten Paris - Dakar - Rallye fahren sie jährlich
beachtliche Pätze heraus.
Nach Einstellung
der Motorrad - Entwicklung verließ der leitende Ingenieur die Firma TATRA, um nach
Griechenland auszuwandern. Die zwei Vorserien-Gespanne bekam er als Abfindung mit. Er
setzte die beiden Motorräder dort bis in die 90er Jahre auf seinem kleinen Weingut als
zuverlässige Lastesel ein. Aus Mangel an Ersatzteilen wurde mit der Zeit aus zwei
Fahrzeugen eines, was aber dank der fachkundigen Hand seines Besitzers in einem
erstaunlich gutem Zustand geblieben ist.
Nach dem Tod
seines Schaffers Ende 1998 und Verkauf des Weingutes an einen amerikanischen Großkonzern,
stand nun dieses TATRA - Gespann zum Verkauf frei. Dank Internet wurde der heutige
Besitzer auf dieses interessante Fahrzeug aufmerksam. Kurzentschlossen flog er nach
Griechenland, sah diesen Giganten der Motorradgeschichte dort in einem sehr guten, aber
sichtbar gebrauchten Zustand und wurde sich schnell mit den Besitzern handelseinig. Im
August 2000 nahm das Fahrzeug nach intensiven Restaurationsarbeiten dann die Hürde des
deutschen TÜV und fährt seither - Sommer, wie Winter - bei jedem Wetter als
Transportfahrzeug im Einsatz der Wirte des Rock & Blues Gasthofes "GRÜNER
JÄGER" in Lingen.
Informationen über dieses Gespann und seine Besitzer: