Einfache Vertikal-Antenne für die Bänder 40m bis 6m
Von Kai-Uwe Hoefs, DL1AH
Auf dieser Seite beschreibe ich meine
Vertikal-Antenne. Ich kann sie uneingeschränkt zum Nachbau
empfehlen, wenn
folgendes beachtet wird, denn alles hat Vor- und Nachteile:
Ich habe bei einem OM aus meinem Ortsverband mitgeholfen, eine
GAP-TITAN aufzubauen
und abzustimmen. Eine schöne Antenne für 80m bis 10m.
Wenn sie erstmal läuft, braucht man nur ein 50-Ohm-Koax und
keinen Tuner (Vorteil). Sie kostet aber jenseits 400 Euro (Nachteil).
Meine Vertikal
ist eine alte CB-Antenne, die ein OV-Mitglied und ehemaliger CB-Funker
wegwerfen wollte. Die habe ich
dann für (damals) 0 DM bekommen (Vorteil). Dafür muss
ich mir über die Speisung Gedanken machen
und brauche für Mehrbandbetrieb in jedem Fall einen Tuner
(Nachteil). Da kann man also abwägen, was
einem wichtig ist. Ich habe mich für den Selbstbau
entschieden.
Material
Grundmaterial ist eine 5/8-Lambda CB-Antenne. Der Strahler ist etwa
6,70 m lang, es gehen vier Radial rechtwinklig zur Seite, je 2m lang.
Auf genaue Maße und Bauform kommt es nicht an, es wird ja
sowieso abgestimmt. Geeignet ist jede "überflüssige"
CB-Vertikal, die man kostengünstig ergattern kann.
Aufbau
In der ursprünglichen Ausführung der Antenne gab es
eine Anpassspule für den
Betrieb auf 11m. Diese Spule habe ich ersatzlos entfernt. An den
Strahler kommt
die Seele des Koax bzw. die "heiße Seite" der
Hühnerleiter. An die
Radials kommt die Masse/Drahtgeflecht des Koax bzw. die andere Seite
der
Hühnerleiter. Bei meiner Antenne habe ich die Verbindungen
geschraubt, weil an
der Antenne entsprechende Ösen waren. Die Antenne selbst ist
in 1,60m Höhe mit
zwei Schellen an ein Wasserrohr geschraubt, das wiederum in einem
Betonfuß
eines (abgerosteten) Wäschepfahls steckt und mit einem
Holzkeil gegen Verdrehen
gesichert ist.

Speisung
Anfangs hatte ich mit Hühnerleiter gespeist und im Shack mit
einem alten
manuellen Tuner "Yaesu FC-902" abgestimmt. Die Hühnerleiter
hatte ich
selbst gebaut. Spreizer waren aus Sperrholz, Leitung waren einfacher
Kupferdraht.
Am Spreizer befestigt hatte ich den Draht mit jeweils etwas
Heisskleber. Abstand der Drähte bei mir war 9 cm.
Länge der Hühnerleiter ca. 8 m bis zum Tuner, ist
aber beliebig. Man kann auch die kommerziell verfügbare
"Wireman"-450 Ohm-
Hühnerleiter nehmen, die gibt's bei fast jedem
Afu-Händler. Das Bild unten
zeigt die Antenne im norddeutschen Winter, im Hintergrund ist die
Hühnerleiter
zu sehen. Es ergeben sich ganz andere Werte beim Abstimmen durch den
Eisbefall!
Hier empfiehlt es sich, die Antenne kurz mit dem Besen vom Schnee zu
befreien.
Die Antenne stand mir zu dicht am Haus und nach dem Umsetzen habe ich dann Koax zum Speisen verwendet. Ich hatte einen Rest RG-62 (93 Ohm) von passender Länge und frei nach dem Motto "wegwerfen kann ich das Kabel immer noch" habe ich das halt installiert. Physikalische Gründe hat die Verwendung von 93 Ohm-Kabel nicht. An der Antenne habe ich es als Zugentlastung mit einem Kabelbinder fixiert. Dieses Koax ist etwa 10m lang und endet auf einer Blitzpatrone am Haus. Von dort gehen noch etwa 5m RG-58 (50 Ohm) ins Haus und enden auf dem schon erwähnten Tuner.

Betrieb
Der Betrieb gestaltet sich problemlos. Ein Tuner ist absolut
nötig, die Antenne
bzw. das gesamte System ist nicht für irgendein Band resonant.
Das ist auch
nicht gewollt. Gut läuft sie von 6m bis 40m, Kontakte mit der
Umgebung (200 KM)
sind auch auf 80m schon geglückt. Für 80m und 160m
ist sie aber nicht zu
empfehlen, dafür wären Verlängerungsspulen
ähnlich einer W3DZZ nötig, die
ich nicht einbauen wollte. Als Vergleichsantenne habe ich eine Zepp
(40m
lang, 5m hoch, Richtung 030). Unterschiede ergeben sich beim Empfang.
Die Zepp liefert ein
höheres Grundrauschen als die Vertikal-Antenne. Beide Antennen
haben jedoch bei mir ihre Berechtigung. Die Vertikal deckt die
höheren Bänder für DX
ab, die Zepp die tieferen Bänder 160m / 80m und für
kurze Distanzen auch
die höheren Bänder noch bis 6m. Für
Funkbetrieb mit DL ist die Vertikal wegen
der Flachstrahlung nur bedingt geeignet. Der Langdraht erzeugt ein
lauteres
Signal, wohl auch, weil er relativ tief aufgehängt ist
("Springbrunnen-Effekt").
Erfolge
Mit dieser Vertikal und 100 Watt in CW habe ich Felix, DP1POL, auf der
Neumayer-Station (70 Grad Süd, 8 Grad West) von 40m bis 10m
mehrfach arbeiten können. Mit
der Zepp war er nicht zu hören - wobei die Antennenrichtung
dafür aber
auch nicht optimal ist, sie müsste nach Süden zeigen
und nicht nach Nord-Ost...
Ebenfalls nur mit der Vertikal war A35XM auf 17m zu hören und
auch zu arbeiten
(100 Watt, CW). Mit der Zepp war die DX-pedition auf Tonga nicht zu
hören.
Es zeigt sich hier wieder, dass die Vertikal tatsächlich die
ihr zugeschriebene
Flachstrahlung besitzt.
Fazit
Ich kann nur jedem OP raten, den "Umbau" einer alten CB-Antenne zu
wagen. Das Kostenrisiko ist gering, man kann quasi nichts falsch
machen. Selbst
bei den Speisungsmöglichkeiten ist man flexibel. Die Anpassung
erfolgt entweder
mit einem manuellen oder dem bei vielen Geräten eingebauten
automatischen Tuner
(wobei es sein kann, dass dieser unglücklicherweise das eine
oder andere Band
nicht anpassen können wird. Versuchen! Gegebenenfalls hilft
es, die Länge der
Speiseleitung zu verändern. Mein FT-920 kann 40m bis 6m
automatisch anpassen).
Wer mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist, kann dann immer noch eine
kommerzielle
Variante anschaffen.