Grabungsarbeiter Gerd Wessoly mit einem Hornkamm aus der Abfallgrube der Beninga-Burg / Juni 2000

Wirdum, Landkreis Aurich

Wehrhafte Burg mit Turm

Aus der Vermutung ist Gewissheit geworden: Unter den beiden Warften, die unübersehbar zwischen den Ortschaften Wirdum und Grimersum aufragen, liegt tatsächlich die Beningaburg, der ehemalige Sitz einer der bedeutensten alten Häuptlingsfamilien Ostfrieslands. Und was für eine Burg: Das Gebäude war etwa 44 Meter lang und elf Meter breit. Im Osten ragte ein wuchtiger Turm auf, von dessen beeindruckend dicken Mauern noch die breiten Fundamentgraben zeugen.

 
Vor etwa einem Jahr haben die Mitarbeiter der Archäologischen Forschungsstelle der Ostfriesischen Landschaft mit der Ausgrabung der Warften begonnen. Das Geld dafür bekam der Landkreis Aurich unter anderem von der ten Doornkaat-Koolman-Stiftung und vom Arbeitsamt. Die Überlieferung sagt, dass dort die Beningaburg steht. Aber einen Beleg, etwa in Form überlieferten Urkunden, gab es nicht.
 
Schon bald nach Beginn der Arbeit stießen die Ausgräber auf Gebäudereste und konnten verschiedene Siedlungsphasen nachweisen. Aber erst in diesem Jahr gelang es, den gesamten Gebäudekomplex abzugrenzen, sagte Grabungsleiter Erik Peters gestern bei der Vorstellung der Grabungsergebnisse Vertretern des Landkreises Aurich und der Gemeinden Wirdum und Krummhörn. Die wehrhafte Beningaburg war zweigeteilt: Im Osten der Turm mit der Grundfläche eines Ein-Familien-Hauses, im Westen unmittelbar daran angeschlossen ein Saalbau von über 30 Metern Länge, der im Inneren durch Zwischenwände unterteilt war. Peters vermutet, dass Turm und Anbau etwa zeitgleich entstanden sind. Erhalten geblieben sind nur einige Mauer- und Fußbodenreste. Denn das Gebäude wurde abgerissen.
 
Bauweise und Keramikfunde stellen Warft und Burg in die Zeit zwischen dem 11. und dem frühen 15. Jahrhundert. Als besonders ergiebiger Fundort erwies sich das stille Örtchen der Beningas. Die Kloake war nämlich irgendwann zur Abfallgrube umfunktioniert wurden, und so landeten hier alte Gefäße, Knochen und Essensreste. Die, so Peters, lassen sogar ein paar Rückschlüsse auf den Speiseplan zu. Zu den Besonderheiten, die Grabungsarbeiter Günter Wessoly aus Riepe bei Ausräumen der Grube fand, gehört ein langzinkiger, schön gearbeiteter Kamm aus Rinderknochen.
 
Das Überraschende an der Burg erläuterte der Leiter der Archäologischen Forschungstelle Dr. Wolfgang Schwarz: Die Anlage wurde offenbar von vornherein als Burg geplant. Einen Vorgängerbau hat es nicht gegeben. Sie gehört damit historisch unmittelbar in die Zeit der mittelalterlichen Häuptlingsfehden der Krummhörn, in der sich die Herrschaftsstrukturen der künftigen Grafschaft Ostfriesland herausbildeten.

Erstveröffentlichung:
Ostfriesen-Zeitung, 18. Juni 2000

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