Brunnen-Grabung
im Westerhammrich von Leer
Oktober 1997


 

Leer-Westerhammrich, Landkreis Leer

Die ältesten Brunnen Ostfrieslands

Ungewöhnliche Häufung im Westerhammrich / Holz kann für genaue Datierung sorgen

Eine ungewöhnliche Häufung von Brunnen haben die Archäologen der Ostfriesischen Landschaft im Westerhammrich von Leer ausgegraben. Die Konstruktionen aus Flechtwerk oder einem ausgehöhlten Baumstamm stammen aus dem zweiten oder dritten nachchristlichen Jahrhundert. Vier Brunnen wurden in den letzten Tagen ausgegraben, ein oder zwei weitere werden noch im Boden vermutet.
 
Die Brunnen liege nahe bei einander und gehören zu der kaiserzeitlichen Siedlung, deren Überreste in den letzten Jahren im Westerhammrich erforscht wurden. Im Gelände um die Brunnen konzentrieren sich einstige Werkgruben, deren genaue Funktion unbekannt ist. Hier, so der Archäologe Dr. Rolf Bärenfänger, wurden auch die meisten der römischen Funde gemacht. Dazu gehören Terra-Nigra-Gefäße, eine vergoldete Silbernadel und eine bronzene Statuette des römischen Kriegsgottes Mars, alles Gegenstände, die die damaligen Bewohner aus der römischen Rheinprovinz importierten.
 
Auffällig sei, so Bärenfänger, daß in diesem Bereich keine Spur von Buntmetall-Verarbeitung gefunden worden sei, wie in einem vor einigen Jahren untersuchten Geländeabschnitt. Dafür gebe es dort kaum römische Funde. Es handele sich daher entweder um zwei auf unterschiedliche Tätigkeiten spezialisierte Gutshöfe oder um zeitlich nicht zusammengehörende Befunde, vermutet der Wissenschaftler. Im letzten Fall wäre die jetzt untersuchte Siedlung vermutlich älter als die früher ausgegrabene Siedlung.
 
Vor einigen Jahren hätten die neuen Funde aus dem Westerhammrich noch als kleine archäologische Sensation gegolten. Denn Holz- oder Brunnenfunde aus den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt waren in Ostfriesland so gut wie unbekannt. Erst die Grabungen der letzten Jahre vor allem im Westerhammrich, im Nortmoorer Hammrich und in Leer-Hohegaste haben diese Forschungslücke geschlossen. Holz bietet den Archäologen eine gute und verläßliche Möglichkeit der Datierung. Das Fälldatum läßt sich anhand der Jahresringe exakt ermitteln. Ein solches sogenanntes Dendrodatum hofft Bärenfänger für die Brunnen des Westerhammrichs zu bekommen. Die Holzproben sind schon im Labor.

Erstveröffentlichung:
Ostfriesen-Zeitung, 1. Oktober 1997

 H O M E
Ostfriesland-Seite
www.fiks.de - die Geschichtsseite
© Norbert Fiks