Ihlow, Landkreis Aurich

Grabstätten der tom Broks ausgegraben

Grabungsleiterin Marion Brüggler erläuert den Befund. / August 2004

Die Archäologin Marion Brüggler hat bei der Ausgrabung im ehemaligen Kloster Ihlow möglicherweise die Grablege einer der bedeutensten ostfriesischen Häuptlingsfamilien entdeckt. Zwei Skelette, die vergangene Woche übereinander in einer Grabgrube aus Backstein zu Tage kamen, könnten die Überreste von Keno II. tom Brok und seinem Sohn Ocko sein.
 
Bei der seit Mai laufenden Ausgrabung auf dem Gelände der Kirche des Zisterzienser Klosters Ihlow, das gut 300 Jahre nach seiner Gründung im Jahr 1529 abgerissen worden war, war mit der Entdeckung von Gräbern gerechnet worden. Bestattungen bedeutender Persönlichkeiten im Kirchengebäude waren im Mittelalter durchaus üblich. In den letzten Tagen waren im nördlichen Teil des Querschiffs insgesamt vier nicht mehr vollständige Skelette gefunden worden. Bei einer früheren Grabung war schon eine Bestattung zu Tage gekommen. Das Erstaunliche bei den neuesten Fund: In einem Grab lagen zwei Skelette übereinandner.
 

Die Skelette, die in gemauerten Grabgruben lagen, waren nicht mehr vollständig.

"Die Gräber waren alle gestört", erzählt Grabungsleiterin Brüggler am Sonntag bei einer Sonderführung durch die Grabung. So fehlten bei drei Skeletten sämtliche Oberkörper-Knochen. Auch die Grabgruben aus Backstein waren nicht mehr vollständig. In einem Grab fanden die Ausgräber der Ostfriesischen Landschaft drei bronzene Gürtelschnallen. Sie zeigen, so Brüggler: "Der Tote wurde bekleidet bestattet." Sie seien zudem ein wichtiges Indiz dafür, dass es sich um eine bedeutende Persönlichkeit gehandelt haben müsse.
 
Den entscheidenden Hinweis auf die mögliche Identität der Bestatteten gab der Direktor der Ostfriesischen Landschaft, Hajo van Lengen. Der Historiker ist Spezialist für die ostfriesische Häuptlingsgeschichte. Ocko II. habe in seinem Testament verfügt, dass er im selben Grab wie sein Vater Keno beerdigt weden möchte. Unklar sei bisher nur gewesen, wo die tom Broks vor gut 600 Jahren begraben worden waren. "Dass die Grabstätte der tom Broks in der Ihlower Klosterkirche ist, war eine alte These von mir", so van Lengen. Möglicherweise gehören auch die anderen Skelette zur Familie.
 
Ob es sich tätsächlich um die tom Broks handelt, muss aber noch durch die anthropologische Untersuchung hieb- und stichfest gemacht werden. Die Knochen, die gestern geborgen wurden, sollen jetzt untersucht werden. Die Spezialisten können dann zum Beispiel das Geschlecht, das ungefähre Sterbealter und vielleicht die Todesursache feststellen.

Erstveröffentlichung:
Ostfriesen-Zeitung, 10. August 2004

 H O M E
Ostfriesland-Seite
www.fiks.de - die Geschichtsseite
© Norbert Fiks