Leer-Westerhammrich, Landkreis Leer
Der Kriegsgott lag 1800 Jahre in der Erde
Mars-Statuette vom Westerhammrich schließt Forschungslücke
Der Kriegsgott macht einen mitgenommenen
Eindruck: Die Beine fehlen, und der ganze grüne Körper ist
vernarbt. Kein Wunder, Mars hat 1800 Jahre oder noch länger in
der Erde gelegen. Archäologen haben ihn im Westerhammrich in
Leer gefunden.
Genauer gesagt, die Ausgräber der Ostfriesischen Landschaft
holten im April aus einer Grube einen Klumpen Metall. Erst bei
der jetzt abgeschlossenen Restaurierung stellte sich heraus, daß
es sich um die Überreste eine Bronze-Statuette handelt. Es ist
eindeutig eine Figur, ein acht Zentimeter großer Torso. Die
beiden Füße fehlen, an den Händen sind Bruchstellen zu
erkennen, der Kopf ist abgegriffen. Aber der Archäologe Dr. Rolf
Bärenfänger ist überzeugt: Das ist Mars, der römische
Kriegsgott.
Die Indizien sind eindeutig: Die Figur hat den rechten Arm
gehoben, als wolle sie einen Speer werfen, die linke Hand weist
angewinkelt nach vorn, als halte sie ein Schwert, das linke Bein
ist tänzelnd nach hinten ausgestellt. So haben die Römer
ihren Kriegsgott, aber sonst keinen anderen, immer dargestellt.
Mars ist wahrscheinlich im 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr.
gegossen worden. Stilistische Feinheiten, die bei der Datierung
helfen könnten, sind auf der stark verwitterten Oberfläche
nicht erhalten.
Der Fund ist für Ostfriesland außergewöhnlich; es ist die
zweite figürliche römische Plastik überhaupt, die hier zu Tage
kam. Aber er ist keine Sensation. "Damit wird nur eine
Forschungslücke geschlossen", ist Bärenfänger sicher.
Denn rund um Ostfriesland, im Emsland, im Cloppenburger und
Oldenburger Raum und besonders in den Niederlanden, sind Dutzende
römischer Götter-Figuren gefunden worden.
Die Figur kann auf verschiedenen Wegen nach Ostfriesland gekommen
sein. Unwahrscheinlich ist, daß sie einem römischen Soldaten
aus dem Gepäck gefallen ist. Die Legionen waren schon über ein
Jahrhundert fort. Vielleicht hat sie ein Germane in römischen
Diensten mitgebracht, weil er im römischen Mars seinen eigenen
Gott zu erkennen glaubte. Möglicherweise kam das gute Stück mit
Händlern nach Ostfriesland. Der Westerhammrich war eine
bedeutende Siedlung, die Menschen waren reich genug, um sich
römische Importware zu leisten. Das haben die bisherigen
Ausgrabungen eindrucksvoll gezeigt.
Erstveröffentlichung:
Ostfriesen-Zeitung, 30. August 1997
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© Norbert Fiks |
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