Aurich-Tannenhausen
Ein Großsteingrab
der Trichterbecher-Kultur
Neu und alt liegen in Aurich-Tannenhausen ganz dicht beieinander. Am Ortsrand, wo sich junge Familien den Traum vom eigenen Heim erfüllen, liegen in einem Wäldchen neben einem kleinen Hügel drei große Steine: Botter, Brood un Kääs werden sie im Volksmund genannt.
Natürlich handelt es sich nicht um das zu Stein gewordene Frühstück eines Riesen. Es sind die Reste eines Grabbauwerks der steinzeitlichen Trichterbecherkultur, die im Gebiet zwischen Ijssel und Elbe vor 5400 bis 4800 Jahren verbreitet war. Sie hat ihren Namen von der charakteristischen Keramik.
Archäologische Untersuchungen in den 60er Jahren haben gezeigt, daß in Tannenhausen ein sogenanntes Megalithgrab von etwa zwölf Meter Länge, 2,2 bis 2,8 Meter Breite und 1,3 Meter gestanden hat, das aus etwa 20 großen Findlingen bestand. Daneben muß ein ähnlich dimensioniertes Groásteingrab gestanden haben. Diese Steingebilde waren ursprünglich mit Erde bedeckt. Der kleine Hügel in dem Wäldchen ist eine Rekonstruktion, der Form und Größe des ursprünglichen Hügels über dem einen Grab veranschaulichen soll.
Derartige Megalithgräber waren in der Jungsteinzeit in Europa weit verbreitet. Einige von ihnen sind bis in die Gegenwart erhalten geblieben. Besonders zahlreich und von oft beeindruckender Größe sind sie noch immer in der Bretagne zu finden.
Auch in Ostfriesland wird es zahlreiche Megalithgräber gegeben haben, die Jahrhunderte und Jahrtausende lang nur Wind und Wetter ausgesetzt waren. Aber in dieser steinarmen Gegend waren sie ein begehrtes Baumaterial, als die Menschen im Mittelalter anfingen, feste Kirchen zu bauen. Die Menschen mußten sich nicht mühevoll die nötigen Findlinge zusammensuchen, sondern konnten sich bei den Hinterlassenschaften der Trichterbecher-Leute bequem bedienen. Die Steine wurden mit Holzkeilen gespalten und die Spaltflächen quaderförmig behauen. Man spricht deshalb von Granitquader-Technik. Die Kirche von Marx (Gemeinde Friedeburg) beispielsweise ist komplett aus Granitquadern errichtet worden. Ob dafür aber tatsächlich ein oder mehrere Großsteingräber zerstört worden sind, läßt sich nicht beweisen.
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Denn es sind neben Tannenhausen nur noch drei Standorte von ehemaligen Großsteingräbern in Ostfriesland bekannt, obwohl es zahlreiche Trichterbecher-Fundplätze gibt: in Utarp, in Brinkum und im Leeraner Westerhammrich. Als in den 60er Jahren im Westerhammrich Sand abgebaut wurde, kamen ein großer Findling, zahlreiche Feldsteine und Granitbrocken zu Tage, typische Bauelemente von Großsteingräbern.
Unklar ist, ob es sich auch bei dem "Stapelstein" von Etzel im Kreis Wittmund, einem Gebilde von sieben verschieden großen Steinen, um eine megalithische Konstruktion handelt. Es könnte ein Dolmen, ein Vorläufer der Großsteingräber, gewesen sein. Oder eine viel jüngere, vielleicht schon frühbronzezeitliche "Steinkiste", die ebenfalls von einem Hügel bedeckt gewesen wäre.
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© Norbert Fiks |
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