Spurensuche in der Bronzezeit
September 1998


 

Middels, Landkreis Aurich

Bronzezeit hinterläßt Scherben und Pfostengruben

Fund in Middels / Untersuchung von hochkarätigen Stellen auf neuer Erdgastrasse

Ein Siedlungsrest aus der über 2 600 Jahre zurückliegenden Bronzezeit ist in Ostfriesland eine Seltenheit. Deshalb ist es für die Mitarbeiter der Archäologischen Forschungstelle eine besondere Freude, jetzt Überreste einer Siedlung dieser Zeit entdeckt zu haben. Fündig wurden sie in Middels.
 
Der Archäologe Erik Peters und sein Team arbeiten auf einem Gelände etwa 200 Meter südöstlich der markanten Granitkirche des Auricher Ortsteils. Das Gelände ist Teil der 49 Kilometer langen NETRA-Erdgastrasse, die die Ruhrgas AG zwischen Dornumergrode an der Küste und Etzel (Gemeinde Friedeburg) bauen wird. Wenn dort die Bagger Platz machen für die Gasrohre, bleibt von Hinterlassenschaften früherer Bewohner nichts übrig. Um zumindest einige Bodendenkmäler für die Nachwelt zu dokumentieren, gräbt die Forschungsstelle entlang der Trassen laut Peters an hochkarätigen Stellen. Die Leitungsbauer bezahlen.
 
Eine solche hochkarätige Stelle ist Middels. Dort steht eine alte Kirche, und es gibt einen frühmittelalterlichen Friedhof. Siedlungsreste aus dieser Zeit sind dann auch erwartungsgemäß gefunden worden. Nicht unbedingt damit zu rechnen war laut Peters allerdings, Spuren der bronzezeitlichen Besiedlung zu finden. Diese ist in Ostfriesland bisher nur an ganz wenigen Stellen nachweisbar. Die Spuren bestehen zum größten Teil aus mehr oder weniger runden Bodenverfärbungen. Dort haben Menschen Gruben ausgehoben, um Pfosten darin aufzustellen oder um Abfall loszuwerden. In einigen Gruben kamen Keramikscherben zum Vorschein. Beschaffenheit und Verzierung lassen keine Zweifel daran: Sie stammen aus der Zeit zwischen 1000 und 700 vor Christus, der jüngeren Bronzezeit. Überraschend an den Befunden ist der hohe Anteil von Feuerstein-Werkzeugen. Sie zeigen, daß die Bewohner auch um diese Zeit noch auf Jahrtausende alte Werkstoffe zurückgriffen.
 
Was genau die Archäologen gefunden haben, wissen sie noch nicht. Die Pfostenspuren lassen sie noch nicht zu Hausgrundrissen verbinden. Ob das jemals möglich wird, müssen die weiteren Arbeiten zeigen. Dabei drängt die Zeit: Im nächsten Frühjahr kommen die Bagger, und noch sind längst nicht alle hochkarätigen Stellen untersucht.

Erstveröffentlichung
Ostfriesen-Zeitung, 24. September 1998

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