Wirdum, Landkreis Aurich
Beningas Burg lockt die Leute zur Grabung
Auf einer Warft bei Wirdum untersuchen Archäologen die Überreste eines spätmittelalterlichen Gebäudes
Erik Peters ist überrascht:
"Mit so vielen Leuten habe ich nicht gerechnet", sagt
der Archäologe, der seit dem Sommer dabei ist, die mutmaßliche
Häuptlingsburg der Beningas zwischen Wirdum und Grimersum
auszugraben. Die Beningas waren im späten Mittelalter eine der
bedeutensten Familien Ostfrieslands. Die Archäologen haben zur
Grabungsbesichtigung eingeladen, weil die Ostfriesische
Landschaft, ihr Arbeitgeber, vor 50 Jahren eine demokratische
Verfassung bekam.
Die historischen
Hintergründe interessieren nicht alle Besucher, die am Sonnabend
kommen. Viele machen ihren Nachmittagsspaziergang zu den beiden
Warften, die ein paar hundert Meter westlich von Wibelsum auf
halber Strecke nach Grimersum deutlich über die flachen Wiesen
aufragen. Sie wollen kucken, was die Ausgräber dort treiben. Es
kommen viele Kinder, von denen manche etwas enttäuscht wieder
abziehen, weil sie statt einer Burg nur ein paar
Backsteinsetzungen zu sehen bekommen.
Die Funde sind wirklich nicht atemberaubend. Das weiß auch
Peters: "Wir haben nicht besonders viele Scherben." Die
erlauben zumindest eine ungefähre Datierung. Die Burg ist
nämlich im späten 14. Jahrhundert planmäßig abgerissen
worden, die Steine wurden wiederverwendet. Weil beim Abriss der
Schutt hier und dort Fundament- und Fußbodenreste überdeckte,
sind diese erhalten geblieben. Zum Glück für die Archäologen.
Das Finderglück bleibt ihnen auch am Sonnabend holt. In einem
im Wurthang entdeckten alten Graben kommen viele Scherben zum
Vorschein. Peters meint, das könne ein Hinweis auf einen
möglicherweise hölzernen Vorgängerbau sein. Der Graben ist
nämlich offenbar verfüllt worden, bevor die Warft um etwa zwei
Meter erhöht wurde. Dabei sind vielleicht die Scherben
hineingekommen. Besucher und Ausgräber finden die Vorstellung
aber viel schöner, hier habe sich ein Burgfräulein mit
tönernen Wurfgeschossen zudringlicher Freier erwehrt.
Bis zum November geht die diesjährige Grabungssaison noch.
Bis dahin wollen die Ausgräber von der Archäologischen
Forschungsstelle der Ostfriesischen Landschaft auf der Warft
weiter nach dem Vorgängerbau suchen. Der könnte allerdings auch
auf der zweiten Warft gestanden haben, ebenso gut aber auch ein
Nebengebäude der Burg. Dort soll nächstes Jahr nachgesehen
werden.
Erstveröffentlichung
Ostfriesen-Zeitung, 25. Oktober 1999
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© Norbert Fiks |
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