2.1 Deters / Spieker, Wettruper Straße 2. Alte Hausnummer: Groß Dohren Nr. 2b. UK: 20/17
Hier stand eines der wenigen Doppelheuerhäuser in Dohren. Es hatte einen Grundriss, der sehr ähnlich, wenn nicht genau so aussah, wie der des Doppelheuerhauses Brüggemann / Gödiker. In dem Teil, der von der Wettruper Straße abgewandt lag, wohnte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Familie Lenger, später Spieker. In dem zur Wettruper Straße hin gelegenen Teil lebte die Familie Deters. Die Längsachse des Doppelheuerhauses stand senkrecht zur Wettruper Straße und die beiden Teile des Heuerhauses grenzten mit der "kurzen Seite" aneinander. Dabei ragte die Stube von Spiekers Teil auf der Dorfseite des Heuerhauses in den Deters´schen Teil hinein und die Stube von Deters auf der vom Dorf abgewandten Seite in den Spieker´schen Teil.Vermutlich hat schon Johann Heinrich Lenger mit seiner Frau Gesina Adelheid geb. Brokjans hier gewohnt. Von ihnen ging ihr Teil des Heuerhauses auf ihren Sohn Johann Bernhard und seine aus Felsen stammende Frau Angela Griep über. Bernhard Lenger war im 1901 Mitglied des Kirchenbau-Kommitees. Im Jahre 1912 heiratete der aus Wettrup stammende Gerhard Spieker durch seine Eheschließung mit Caroline Lenger hier ein. Er gab die Heuerstelle an seinen Sohn Bernhard Spieker weiter. Dieser heiratete im Jahre 1950 Josefine Vorwerk, die aus dem Haus stammte, in dem heute Werner Müller seinen Getränkehandel betreibt. Bernhard Spieker bemühte sich aber schon bald nach seiner Hochzeit um ein eigenes Stückchen Erde. Dieses Bemühen mündete im Kauf eines Grundstücks an der Wellenstraße 13 (siehe dort), auf dem ein leerstehendes, verfallenes Heuerhaus des Bauern Brokgerken stand. Das alte Heuerhaus in der Wellenstraße wurde abgerissen, und Bernhard Spieker errichtete dort ein neues Haus, in das er und seine Familie im Jahr 1959 umzogen.. Die noch heute an der Wellenstraße lebende Familie Spieker führt aus den Zeiten, als die Vorfahren an der Wettruper Straße wohnten, den Beinamen Lenger(s).
Die Heuerstelle Lenger / Spieker hatte eine Größe von 7 ha. Die Familie musste eine Pacht von etwa 400,- Mark pro Jahr aufbringen und an 25 bis 30 Tagen im Jahr beim Bauern arbeiten.
In dem anderen, zur der Wettruper Straße hin gelegenen Teil des Heuerhauses wohnte die Familie Heinrich Meemann. Er wurde 1881 auf einer Klein Dohrener Heuerstelle geboren und heiratete 1905 Caroline Weinberg aus Herzlake. Nach der Eheschließung wohnten sie zunächst in Westrum und seit 1907 in Neuenlande. Vermutlich betrieben sie auch dort jeweils eine Heuerstelle. 1910/11 kamen sie auf diese Heuerstelle nach Groß Dohren. Nachdem die Familie schon drei Kinder hatte, wurden ihr hier noch weitere sechs Nachkommen geboren. Die Mutter Theresia Meemann, geborene Weinberg, ist 1932 - vielleicht infolge der Geburt ihres letzten Kindes - verstorben. Schon ein Jahr später verheiratet sich Heinrich Meemann erneut. Mit seiner zweiten Frau Carolina Schlump betreibt er die Heuerstelle weiter. 1934 sollen sie zuerst nach Bookhof, später nach Hesepe verzogen sein. Nachfolger war die Familie Wilken. Sie kam 1934 aus Bawinkel-Duisenburg und war bis 1939 hier ansässig. Die Familie zog dann nach Hesepe, weil der Familienvater im dortigen Torfwerk Arbeit gefunden hatte. Es folgte die Familie Deters. Theodor Deters stammte aus dem Haus Deters, heute Wilbers, an der Herzlaker Straße. Diese zog zu Beginn der 1960er Jahre hier aus und Gerhard Rammler, der bis dahin in einem Heuerhaus an der Andruper Straße gewohnt hatte, kam hierhin. Nachdem noch 1972 ein neuer Maststall und Kuhstall errichtet und das Haus verblendet worden war, wurde es mit dem Hausplatz, aber ohne die bisher dazu gehörenden Ländereien, 1974 an die Familie Drees aus Dortmund verkauft. Rammler zog im gleichen Jahr aus und siedelte sich in Herzlake an. Herr Drees verstarb im Jahre 1997. Zwei Jahre später, 1999, verkaufte Frau Jutta Drees das Haus und ging vermutlich wieder nach Dortmund zurück. Heute wohnt hier die Familie Kurt und Annegret Logemann mit ihren Drillingen.
Die Heuerstelle Deters hatte eine Größe von 5 ha. Pro Hektar musste lange Zeit (vermutlich in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts) eine Pacht von 50,- Mark entrichtet werden. Zum Ende der Heuerlingszeit (1950-1960) waren es etwa 350,- Mark. Darüber hinaus war an einem Tag pro Woche beim Bauern zu arbeiten. Nach Aussage von Heinz Deters musste an 25 bis 30 Tagen pro Jahr für den Bauern gearbeitet werden.
Quellen: Chronik Többen / Barlage, S. 159. Gespräch mit Bernd Spieker am 1.8.1999. Gespräch mit Georg Schulte (*1954) am 16.06.1999. Gespräch mit Heinz Deters, Tannenweg 4, am 22.09.2000.