Bauern und Heuerleute in Groß Dohren
2.3 Schmidt / Deters, Frengenstraße 4. Alte Hausnummer: Groß Dohren Nr. 2g. Gehörte von etwa 1880 bis ca. 1930 zur Gemeinde Neuenlande, aber seit 1910 zur Kirchengemeinde Dohren. UK: ?
Der erste, hier vorgefundene Heuermann war Clemens Schmidt. Er übergab die Heuerstelle an seine Sohn Heinrich Schmidt und seine Frau Maria geb. Weh vermutlich bei deren Hochzeit im Jahre 1910. Sie hatten sieben Kinder, von denen ihr Sohn Josef nach seiner Verheiratung etwa 1956 die Heuerstelle übernahm. Im Jahre 1958 baute Josef Schmidt an der Lager Straße 5, ebenso wie sein Bruder Heinrich am Kreuzdamm 13 ein neues, eigenes Haus, in das beide 1959 einzogen. Im Jahre 1960 kaufte Anton Deters, der bis dahin eine Heuerstelle in Felsen betrieb, diesen Hof vom Bauern Schulte. Deters bauten hier ein neues Haus als Landarbeiterwohnung, in das sie am 13.5.1961 einzogen. Das alte Heuerhaus wird seitdem als Stall genutzt. Zunächst waren Deters noch Heuerleute des Bauern Schulte. Das änderte sich 1974, als Heinrich Deters eine Arbeitsstelle annahm. Bis dahin hatte er noch Land von Schulte gepachtet und musste auch beim Bauern helfen. 1974 endete damit für Deters die Heuerlingszeit. Seit dieser Zeit wird bis heute die Landwirtschaft im Nebenerwerb betrieben. Es werden 5 Kühe und 20 Sauen gehalten. Die Kühle sollen demnächst abgeschafft werden, da das Leasing von Milchquoten abgeschafft wird.
Das alte Heuerhaus steht heute noch und wird als Stall genutzt. Es soll angeblich vor dem Aufbau hier in Herzlake gestanden haben. Die Balken an der Forderfront über dem Eingangstor tragen folgende Aufschriften: "Wer auf Gott vertraut, der hat wohl gebaut", und darunter: "Carl Schulte und Georg geb. Frese m[it] J. Joseph und Benedict Kulke. Aufgerichtet, den 10. Juni 1874". Und dann sind noch einige Zahlen-Buchstaben-Kombinationen eingeschnitzt, bei denen es sich um Hausnummern handeln dürfte: "2g", "4A" und "2J". Eine dieser Kombinationen ist leicht zu erklären: "2g" ist die alte Hausnummer, die dieses Haus in der ehemaligen Gemeinde Groß Dohren trug. Ob "4A" etwas mit der heutigen Hausnummer zu tun hat, ist mir unklar. Für "2J" habe ich keine Erklärung. Leider sind auch die in der Inschrift genannten Namen nicht ganz eindeutig zuzuordnen. Es hat auf dem Hof Schulte einen Carl Schulte, geb. Frese, und seinen Sohn Georg gegeben (siehe dort). Unstimmig ist nur, daß diese Zuordnung mit dem angegebenen Datum nicht ganz übereinstimmt. Zwar ist Carl Schulte, geb. Frese, 1843 geboren und damit 1874 schon 31 Jahre alt. Aber seinen Sohn Georg, der später Schulten-Doktor genannt wird, gibt es noch gar nicht. Denn der wird erst 1880 geboren. Es gibt zwar noch eine andere Möglichkeit, die damit zu tun hat, dass der Vater von Carl Frese / Schulte ebenfalls ein geborener Carl Frese war. Dann müsste dieser aber einen Sohn Georg gehabt haben. Davon ist aber nichts bekannt. Eine Klärung dieses Rätsels könnte darin liegen, dass der Aufbau des Heuerhaus an der jetzigen Stelle und die Erstellung der Balken-Inschriften nicht gleichzeitig vorgenommen worden sein müssen. Gestützt wird diese Annahme dadurch, dass man am Eingangstor erkennen kann, dass die Balken irgendwann ausgetauscht worden sein müssen. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass das beim Umsetzen des Heuerhauses stattgefunden haben wird. Aber immerhin ist auch eine nachträgliche Änderung am Eingangstor möglich. Als ursprünglicher Standort des Heuerhauses wurde von Heinrich Deters Herzlake genannt. Ich könnte mir eher vorstellen, dass er im Bereich von Felsen gewesen ist, da der Hof Frese in dieser Gemeinde angesiedelt ist.
Die Heuerstelle hatte zur Zeit der Familie Schmidt eine Größe von 5 ha. Es war eine Pacht von 50,- DM pro Hektar entrichten, also 250,- DM pro Jahr. Es musste an einem Tag pro Woche beim Bauern gearbeitet werden. Familie Deters hatte 10 bis 12 ha Heuerland, musste dafür an 25 bis 30 Tagen pro Jahr beim Bauern arbeiten und eine Pacht in unbekannter Höhe entrichten. Heute gehört zum Hof Deters eine Fläche von 7 ha Eigenland einschließlich der Hoffläche.
Vorfahren der Familie Deters hatten in früherer Zeit schon zwei andere Heuerstellen in Dohren. Siehe dazu Groß Dohren Nr. 8.1 und Klein Dohren Nr. 2.3.
Quellen: Gespräch mit Maria Schmidt geb. Röper und Heinrich Schmidt, Kreuzdamm 13, am 16.04.1999. Gespräch mit Georg Schulte (*1954) am 16.06.1999. Gespräch mit Heinrich Deters und seiner Frau Margarethe, geb. Lux, sowie ihrem Sohn Ansgar am 9.1.2000.