2. Schulte, Mittelstraße 11. Vollerbe. Alte Hausnummer: Groß Dohren Nr. 2a. UK: 20//204/3
Der Hof Schulte wird bereits 1749 und 1829 erwähnt. Eine gewisse historische Berühmtheit erlangte die 1797 geborene Angela Schulte geb. Brokgerken. Sie heiratete 1815, unterhielt aber von 1819 bis 1821 ein außereheliches Liebesverhältnis mit dem Kürassier Tamme Jürgen(s) Meyer. Aus dieser Zeit sind 18 Liebesbriefe erhalten geblieben. Diese Briefe, die für emsländische Verhältnisse Seltenheitswert haben, wurden von einem Hamburger Auktionshaus verkauft und gelangten von da im Jahre 1980 in die Hände des Meppener Postaliensammlers Heinrich Heeren. Ein zweites Mal "aktenkundig" wurde Angela Schulte 1861, als sie vom Schwurgericht in Osnabrück verurteilt wurde. In einer Erbschaftsangelegenheit hatte sei versucht, ihre Schwäger zu betrügen. Sie hatte sich bemüht, Ihre Version der Erbschaftsangelegenheit durch eigene eidliche Aussagen sowie falsche Eide von Heuerleuten und Bekannten zu belegen. Nachdem einer ihrer Zeugen "umgefallen" war, folg der Schwindel auf . Nachdem ihre Leute und schließlich auch sie ein Geständnis abgelegt hatten, wurden sie vom Schwurgericht verurteilt. Sie erhielt 16 Jahre zum Teil mit verschärftem Arrest und ihre Helfer zwischen 2 und 3 ½ Jahre Zuchthaus.
Die Tochter Gesina Adelheid der Angela Schulte heiratete den vermutlich aus Felsen stammenden Carl Anton Frese. Aus dieser Ehe ging ein Sohn als Hoferbe hervor, der wie sein Sohn und sein Enkel den Namen Georg bekam. Alle drei verbindet neben dem gleichen Vornamen eine große Jagdleidenschaft. Daneben war der 1914 geborene Georg Schulte bis zu seinem Tode im Jahre 1974 Erster Vorsitzender des Schützenvereins in Dohren. In seine Fußstapfen trat sein 1954 geborener Sohn Georg, der 1982 gleichfalls zum Ersten Vorsitzenden gewählt wurde.
Unter der Ägide des ersten Georg Schulte brannte der Hof im Jahre am 3. Juli 1919 ab. Dabei kamen seine Mutter sowie sein Kind Berta ums Leben. Zum Ende der Heuerlingszeit wurden im Jahre 1972 alle Flächen der Heuerstellen wieder übernommen und selbst bewirtschaftet. 1982 wurden dann die Ländereien bis auf eine Pferdeweide und 3 ha Aufforstung verpachtet. Der heutige Eigentümer (1999) Georg Schulte (geb. 1954) arbeitet seit geraumer Zeit beim Kampfmittelräumdienst der Fa. Tauber.
Der an der Ecke Mittelstraße / Brokkamp gelegene Hof hatte 1895 eine Größe von 74,6 ha. Bis vor 1936 blieb die Größe bei etwa 75 ha. Vor der Flurbereinigung in den 1960er Jahren waren es noch etwa 60 ha. Bei der Bildung des Naturschutzgebietes im Hahnenmoor mussten 2,8 ha abgetreten werden. Bei der Verpachtung im Jahre 1982 waren es noch 56 ha. Heute umfasst der Hof dem Vernehmen nach noch eine Fläche von ca. 10 ha oder weniger.
Quellen: Gespräch mit Georg Schulte (*1954) am 16.06.1999. Emsländische Geschichte, Band 3, S. 97f: Liebesbriefe aus dem ländlichen Biedermeier.