Bauern und Heuerleute in Groß Dohren
Geschichte des Bauernhofes
Wehlage

4. Wehlage / Schröder. Der Hof Wehlage lag an der Kreuzung Mittelstraße / Brookstraße, etwa diagonal gegenüber von Barlage auf einer kleinen Anhöhe, dem Esch. Von dieser kleinen Anhöhe, niederdeutsch Bült, hat vermutlich der Pächter Schröder seinen Beinamen "Bülten". Alte Hausnummer: Groß Dohren Nr. 4, UK: 27/70. Nach übereinstimmenden Aussagen von Augenzeugen war das Haus mit einer Länge von 30 m und einer Breite von 13 m außergewöhnlich lang. Er wurde als halbes Erbe gewertet. Der Hof hatte 1895 eine Größe von 47,9 ha.

Der Hof Wehlage wird bereits 1553 wie auch 1749 und 1829 aufgeführt. Im Jahre 1811 hatte Gerhard Heinrich Ahe die Margareta Angela Wehlage geheiratet. Er heiratete damit in den Hof ein, weil hier vermutlich kein männlicher Nachkomme vorhanden war, und übernahm auch den Familiennamen Wehlage. Die genannten Eheleute hatten anscheinend ebenfalls keinen Sohn, der den Hof hätte weiterführen können, so dass Johann Heinrich Rapien aus Andrup ihre Tochter Anna Helena Wehlage heiratete und sowohl den Familiennamen als auch den Hof übernahm. Unter seiner Ägide brannte der Hof 1847 ab. Er wurde mit der Hilfe von Holz- oder Balkenspenden unmittelbar darauf wieder aufgebaut (s.u. Balkeninschriften). Johann Heinrich Wehlage, geb. Rapien, ging im Jahre 1886 mit seiner Familie zurück nach Andrup. Der Hof in Groß Dohren wurde verpachtet und zwar zunächst an eine Familie Schnelte. Diese hat nur kurzzeitig den Hof bewirtschaftet, so dass schon zwischen 1886 und etwa 1888 die Familie Josef Schröder hier ansässig wurde. Möglicherweise waren die Familien Schnelte und Schröder miteinander verwandt. Jedenfalls hat die Familie Schröder noch lange Zeit das Grab der Familie Schnelte auf dem Dohrener Friedhof gepflegt. Josef Schröder war, bevor er hier Pächter wurde, wahrscheinlich Heuermann in dem Doppelheuerhaus Gödiker / Brüggemann des späteren Hofes Tappel. Im Jahre 1923 ist sein Sohn Bernhard Schröder der Pächter, den er vermutlich bei seiner Hochzeit im Jahre 1908 übernommen hat. Es ist auch 1938 mit seiner Frau Anna und ihren Kindern Josef und Maria hier nachweisbar. Nachdem er 1943 verstorben war, gab es zunächst keinen männlichen Nachkommen, der den Hof hätte übernehmen können. Denn der älteste Sohn, Josef, war als Soldat im Krieg, Hermann war als Kleinkind verstorben und Bernhard war verheiratet und lebte nicht mehr zu Hause. So bewirtschafteten zwischen 1943 und 1945 die drei Töchter Maria, Agnes und Johanna zusammen mit einem Kriegsgefangenen den Hof. Genau genommen waren es zwei Kriegsgefangene, beide Franzosen, die nacheinander auf dem Hof beschäftigt waren. Der erste, der zur Nacht jeweils in die Gefangenenunterkunft auf dem Hof Ostermann zurückkehren musste, war 1944 geflohen und durch einen anderen ersetzt worden. Dieser Mann musste nachts nicht mehr ins Lager zurückkommen, sondern schlief auch auf dem Hof. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg im Jahre 1945 übernahm Josef Schröder den elterlichen Hof. Er heiratete etwa 1952 und bewirtschaftet die Pachtstelle bis 1953. Schröder zog nach Herzlake und der nachgeborene Bauernsohn Heinrich Wehlage übernahm den Hof als sein Erbteil. Da er zu dieser Zeit noch ledig war, betrieb er den Hof zunächst zusammen mit seiner Schwester Aloisia und der Magd Maria Willen, der späteren Frau Timmer. Im Jahre 1957 heiratete Aloisia Wehlage den Bauern Hemmen aus Dohren und übersiedelte auf dessen Hof. An ihre Stelle trat ihre Schwester Irmgard auf dem Hof Wehlage bis 1960. 1961 heiratete Heinrich Wehlage Margaretha Starmann vom Hof nebenan. 1962 wurde ihr Sohn Bernhard Josef geboren und schon im Jahr darauf begann man im Rahmen der Flurbereinigung die Umsiedlung ins Moor. 1964 war das Haus an der Grafelder Straße 11 fertiggestellt und es erfolgte der Umzug dorthin. Das alte Bauernhaus an der Mittelstraße wurde 1966 abgerissen. Familie Wehlage gab 1996 die Landwirtschaft auf. Die landwirtschaftlichen Flächen sind heute verpachtet.

Die Balken des alten Hauses wurden zur Errichtung einer Scheune auf der neuen Siedlungsstelle wieder eingesetzt. Fünf davon tragen Inschriften. Die ersten beiden waren früher im vorderen Giebel eingebaut und tragen den Sinnspruch: "Wir bauen dieses Haus unter Gottes Schutz / für uns und unser Erben Nutz / nach unser Lage und Stand / Heil und Segen kommt aus Gottes Hand / Neu errichtet Anno 1847" und "Genügsamkeit des Friedens wegen / bringt jedem Hause Glück und Segen / Wer danach strebt wird an keinem Mangel leiden". Letzterer Spruch soll zumindest früher auch das Bauernhaus Book in Bookhof geziert haben. Am hinteren Giebel des alten Hauses Wehlage war zu lesen: "Der Segensspruch jetz(t) oben, von oben kömmt auch die Hülfe. Segne uns mit deiner Hand, u. gib, was wir bedürfen. Gib uns in dies Gebäude, Freude u. Einigkeit, dieses ist das Beste hier auf Erden." In der Aufschrift zweier weiterer Balken haben sich die Schenkenden ein eigenes Denkmal gesetzt: "Zum Geschenk erhalten von Maria Katharina Ahe Wittwe von Johann Hermann Ahe gb. Grüter. Großeltern Joh. Gerhard Ahe u. Anna Helena Wehlage 1847" und "Ein Geschenk von Wittwe Maria Katharina Böens gb. Ahe und Jungfer Maria Anna Böens 1847".

Im Jahre 1895 hatte der Hof Wehlage eine Größe von 47,9 ha. Vor 1963 waren die Ländereien mit einer Gesamtfläche von etwa 40 ha in insgesamt 23 Parzellen stark zerstückelt; unmittelbar am Hof war nur ca. 1 ha Land. Im Rahmen der Flurbereinigung wurde der Hof arrondiert, so dass er danach in der Nähe der Grafelder Straße aus zwei 26 ha und 14 ha großen Flächen bestand. Die Familie Wehlage sollte in diesem Verfahren ca. 12% ihrer Flächen abgeben. Dieser Verlust konnte durch einen finanziellen Ausgleich abgewendet werden, so dass der Hof vor und nach der Flurbereinigung gleich groß war. Durch spätere Zukäufe umfaßt er heute eine Fläche von 49 ha.

Quellen: Gespräch mit Heinrich Wehlage und seiner Frau Margaretha, geb. Starmann, am 21.6.1998. Gespräch mit Johanna Hörnemann, geb. Schröder, am 19.02.2000. Besichtigung der Balkeninschriften mit Heinrich Wehlage und Bernhard Josef Wehlage am 12.06.2000. Gespräch mit Wilhelm Book, Georgenstr. 7, 82152 Planegg, am 11.3.2001.
 

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