5.6 Stagge / Drente / Gebbeken / Kramer / Spieker, Lieninghagen 6. Alte Hausnummer: Groß Dohren Nr. 5h, UK: 24/106. Die Lage ist auch aus einer Karte von 1874 ersichtlich.Dieses Heuerstelle gehörte vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts der Familie Stagge. Auch noch in dieser Zeit, aber vermutlich etwas später, wurde sie Eigentum des Amtmanns Bödiker in Haselünne. Später wird Familie Stagge als Heuerlingsfamilie erwähnt. Vermutlich hat Stagge sein Eigentum an Bödiker verkauft und wurde auf seinem ehemals eigenen Hof Heuermann. Weiter lesen wir dazu in der Chronik Többen / Barlage: "Am 20. September 1835 kaufte Tobias [Többen] den Heuermannsteil von Stagge (Drente) zum Preise von 715 Thaler. Die Größe des Kamps war damals 20 Scheffelsaat, und wurde von Stagge dafür gezahlt 25 Thaler Miete. Beim Ankauf also war Stagge schon Heuermann, und wohnt auch noch bis zum heutigen Tage darin." Und an anderer Stelle in der gleichen Chronik: "Zu Ende der 1830er Jahre brannte dem Tobias Többen das im Jahre 1835 neu erworbene Heuerhaus, bewohnt von Stagge (Drente) zur Sommerzeit ab. Er baute schnell wieder ein neues Heuerhaus. Da ihm in der Gegend von Holte, vermittelt durch seine nahe Familie, Tannenholz in Fülle zu Gebote stand, baute er, um rasch fertig zu werden, ganz aus Tannenholz, leider zum großen Nachteil noch, daß es zur Sommerzeit geschlagen wurde. Dieses Haus hat nicht lange gestanden, sondern wurde schon im Jahre 1895, nachdem es total baufällig war, von mir dem Schreiber [Johann J.T. Többen] dieses Buches umgebaut. Es ist jetzt ein erstklassiges Heuerhaus." Und wieder an einer anderen Stelle der genannten Chronik: "Die Steine, die zu diesem Baue [laut Gebäudesteuerrolle von 1896] erforderlich wurden, sind von der Ziegelei Griep in Felsen. Zum Brennen lieferte ich den erforderlichen Torf der Ziegelei, wodurch die Steine erheblich verbilligt wurden. Das meiste Holz ist angefahren von Gersten aus einer Wiese meines Bruders Hermann, der sogenannten Sumpfwiese, und aus dem Wittag."
Durch die Heirat von Margarethe Engel Stagge mit Gerhard (oder Hermann?) Heinrich Drente aus Plankorth bei Bawinkel wurde dieser hier zum Heuermann. Ihr Sohn Bernhard Heinrich Drente heiratete Maria Anna Wessendorf aus Bakerde. Aus dieser Ehe ging der Sohn Wilhelm hervor. In den 1920er Jahren bewirtschafteten Wilhelm Drente und seine aus Felsen stammende Frau Anna geb. Dulle diese Heuerstelle. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Bernhard Drente und Maria, die spätere Frau Kalkmann, hervor. Wilhelm Drente verstarb 1929 und seine Witwe heiratete in zweiter Ehe Bernhard Gebbeken, der aus dem Heuerhaus Merschweg 9 stammte. Aus dieser Verbindung gingen die Kinder Wilhelm und Clara, die spätere Frau des Bernhard Waller in Andrup hervor. Nachdem Frau Gebbeken verwitwete Drente 1936 verstorben war, heiratete Bernhard Gebbeken Anna Hempen aus Bakerde. Ihr einziges Kind ist der heutige stellvertretende Gemeindedirektor der Samtgemeinde Herzlake, Clemens Gebbeken. Bernhard Gebbeken bewirtschaftete den Hof bis zu seinem 65 Lebensjahr im Jahre 1964. Dann übernahm ihn der Sohn seiner ersten Frau, Bernhard Drente, und führte ihn bis 1972 weiter. In diesem Jahr bekam er eine Siedlerstelle in Ramsloh und verzog nach dort. Der alte Bernhard Gebbeken, der bis dahin ebenfalls auf dem Hof gewohnt hatte, zog mit seiner Frau zu ihrem Sohn Clemens in die Rosenstraße 10. Dort starb er 1972 und sie 1984.
"Drentes Haus wurde 1971 (nach anderen Angaben 1973) verkauft, weil es nicht zum geschlossenen Teil des Hofes gehörte", und weil das Geld für den Umbau des Wohnhauses Barlage benötigt wurde. "Mit 1062 qm brachte es 25.000 DM." (Chronik Barlage, S. 219). Barlage verkaufte das Heuerhaus an die pensionierte Lehrerin Gertrud Kramer, die bis zu ihrem Tode etwa 1989 hier lebte. Im Gegensatz zum vorhergehenden Eigentümer Barlage, der über Jahrzehnte wenig in das Haus investiert hatte, renovierte sie es 1983 mit großem finanziellen Aufwand. Nach etwa einjährigem Leerstand verkaufte ihr Sohn das Haus nach ihrem Tode an den aus der Gaststätte Spieker, Dohren, stammenden Bernhard Spieker. Seit 1990 wohnt er mit seiner Lebensgefährtin Hildegard dort.
Von außen sind an dem ehemaligen Heuerhaus Balkeninschriften zu sehen. An der Vorderfront des Hauses steht: "Die Mensch suchen in Reichtum und Gnaden und Zufriedenheit und Gesundheit macht glücklich." [Sinn?] "Vollständig umgebaut von Joh. Többen gerichtet am 29 May 1895 Meist[er] J.B. Kroner in Bookhof. Johannes Tobias Többen und Maria Katharina Grave." Am hinteren Giebel ist zu lesen: "Das Haus wurde renoviert von Gertrud verw. W. Kramer. Anno 1983. Meister H. Lake aus Neuenlande führte die Arbeiten durch."
Die Heuerstelle gehörte zu den großen in Dohren und umfasste eine Fläche von ca. 10 ha. Durch Zupachtung wurden 13 - 14 ha Land bewirtschaftet. Für die Heuerstelle musste eine Arbeitsleistung von 50 Tagen pro Jahr und eine Pachtsumme in Form von Geld erbracht werden. Die Höhe der Pachte dürfte etwa 200 Mark betragen haben. Für jeden der abgeleisteten Arbeitstage wurden 50 Pfennig auf die Pacht angerechnet.
Quellen: Chronik Többen / Barlage, S. 63, 64, 80, 81, 83, 129, 152, 211, 219, 234. Gespräch mit Clemens Gebbeken am 19.6.1998.