Bauern und Heuerleute in Groß Dohren
Ich möchte hier nicht versuchen, die Familien- oder Hofgeschichte von Többen / Barlage nachzuzeichnen. Das würde den Rahmen dieses Artikels endgültig und vollständig sprengen. Es existiert eine handgeschriebene "Familienchronik des Többen´schen Hofes", in der von 1622 an die Geschichte der Familie und des Hofes dargestellt ist. In der CD, die ich plane herauszugeben, möchte ich mich u.a. damit intensiver beschäftigen als es hier möglich ist. Ich möchte hier nur die Flächenentwicklung und wenige weitere Einzelheiten herausgreifen.
Den Hof Többen, heute Barlage/Eikens, gibt es mindestens seit der Mitte des 16. Jahrhunderts. Er wird sowohl in einem Steuerregister von 1553, als auch im Status Animarum von 1749 und in der Liste der "Familienhäupter im Kirchspiel Herzlake" von 1829 erwähnt. Soweit sich das anhand von Quellen überblicken läßt war er immer ein Vollerbenhof und ist nie geteilt worden.
Der Hof war ein Lehnshof des Herrn von Büren und Ringelstein, von Schenkingh, Freiherr zu Bevern und Visbek, Burgmann zu Haselünne und Nienborg, ein Lehen des Bischofs von Münster. Durch Heirat der Tochter des Herrn von Büren wurde er Lehnshof des Freiherrn Droste zu Vischering. Nach dem früheren Freikauf einzelner Familienmitglieder erfolgte der Freikauf des Hofes durch Tobias Többen am 18. Oktober 1779 für 2700 Thaler. Im Jahre 1874 löste Johann Splanemann, der auf den Hof eingeheiratet hatte, den jährlich an die Herzoglich Arenbergische Domänen - Inspektion zu Meppen zu liefernden Richthafer mit 18 Thalern ab.
Schon 1553 ist er einer der Höfe mit der höchsten Steuerkraft. Um 1640 war es den Eigentümern gelungen, einen Zuschlag aus der gemeinen Mark zu erhalten. Diese Fläche, die dem Hof aus dem gemeinsamen Eigentum aller Beerbten "zugeschlagen" worden war, lag östlich des Lages Bachs und westlich von der in diesem Bereich in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Verlängerung der Mittelstraße auf die Lager Straße zu. In diesem Gebiet befanden sich zeitweise bis zu vier Heuerstellen des Hofes (z.B. Kramer, Foppe/Hilling). Zwar wurde der Zuschlag im Rahmen einer Mitgift kurzzeitig vom Hofe getrennt, kam später aber wieder dazu.
1849 heiratet der schon erwähnte Johann Splanemann aus Gersten auf den Hof ein. Er entfaltet umfangreiche Aktivitäten z.B., was das Management der Heuerstellen angeht (s.u.). Im Jahre 1859 kauft er laut Familienchronik Brinkers Drittel-Erbe in Klein Dohren an. Bei der Markenteilung wurde der Többen - Hof daher laut Familienchronik als 1 1/3 - Erbe gewertet. Seltsam ist daran, daß in anderen Quellen ein Brinker(s) Erbe in Klein Dohren nirgendwo auftaucht. Möglicherweise ist dieses Erbe identisch mit dem Drittel-Erbe Schaper in Groß Dohren (siehe unten, Nr. 13), das im Status Animarum von 1749 ebenfalls irrtümlich zu Klein Dohren gezählt wird. Diese Zuordnung war vermutlich ein Fehler, jedenfalls wird in allen anderen Quellen Schaper zu Groß Dohren gerechnet. Lag dieser Irrtum vielleicht daran, daß zwar das Wohnhaus in Groß Dohren angesiedelt war, größere zu diesem Hof gehörende Ländereien, etwa die später auch noch so genannte Brinkerei aber in Klein Dohren lagen? Immerhin wird Schaper in einer Steuerliste von 1759 als Brinksitzer (= Brinker) bezeichnet. Bei der Markenteilung gab es für Groß Dohren insgesamt 9,5 Erben-Anteile. Das bedeutet, daß entweder der Hof Schaper zu dieser Zeit noch vorhanden gewesen ist, oder daß Többen tatsächlich als 1 1/3 Erbe galt. Beides zusammen ist nicht möglich. Da nach meinen Erkenntnissen das Erbe Schaper letztmalig 1840/41 erwähnt wird, halte ich die Übernahme von Schaper durch Többen für die wahrscheinlichste Variante. Die Brinkerei ist ein Gebiet, das ungefähr durch die Straße Im Eichengrund, die Herzlaker Straße, die Straße Fillerberg und einen Graben eingegrenzt wird.
Eine weitere Vergrößerung des Hofes ergab sich in der Nachfolge der Auflösung des Erbes Wolken. Um 1850 war dieser Hof aufgegben und die Flächen wohl relativ gleichmäßig an die Erbhöfe Ahillen, Toben, Hemmen und Feyen (später Dr. Müller) verteilt worden. Ähnlich wie später bei der Markenteilung waren die einzelnen Parzellen geviertelt worden, so daß die einzelnen zugeteilten Flächen sehr klein wurden und damit nicht mit opitmalem Nutzen für die Eigentümer zu bearbeiten waren. Durch außerordentlich geschicktes Zusammenwirken mit seinem Bruder Wilhelm, der auf den Hof Ahe genannt Jaspers in Groß Dohren eingeheiratet hatte, konnte Johann Többen durch offensichtlich abgestimmte Kauf- und Tauschgeschäfte weitere etwa 5 ½ ha Land in bester Lage zu seinem Hofe um 1883 in seinen Besitz bringen. Durch Weiterführung dieser Geschäfte konnte der Landgewinn für den Hof sogar auf knapp 8 ha gesteigert werden.
Einen großen Fortschritt für den Hof brachte die Markenteilung, die 1881 abgeschlossen wurde, mit sich. Ich schätze den Flächengewinn auf etwa 40 ha. Jedenfalls belief sich die Größe nach der Teilung auf 118,1435 ha. Damit war der Hof Többen endgültig zum fächenmäßig größten in ganz Dohren geworden. Von der Steuerkraft her soll er der größte im ganzen Kreis Meppen gewesen sein. Als einer der wenigen, wenn nicht der einzige Hof in Dohren, bildete der Hof Többen nach der Markenteilung weitgehend eine zusammenhängende Fläche. Hier mag an einen Zufall glauben, wer will. Ich denke, es hieße die Geschäftstüchtigkeit der Betreiber zu unterschätzen, wenn man hier nicht gezielte Bemühungen am Werk gesehen haben will. Für diesen Hof hätte es daher keine Flurbereinigung in den 1960er Jahren geben müssen. Folgerichtig hat es Anstrengungen gegeben, den Hof aus dem Flurbereinigungsverfahren auszunehmen, allerdings erfolglos.
Einen weiteren Gewinn erzielte der Hof im Jahre 1908/09 durch die Übernahme des benachbarten Erbes Kroner / Möllering. Dieser Hof lag etwa 100 m südlich der Kreuzung Kreuzdamm / Mittelstraße am Kreuzdamm, also in unmittelbarer Nähe des Többen-Hofes. In der Gebäudesteuerrolle von 1895 wird die Hofgröße von Többen mit 120,7 ha angegeben, die von Kroner / Möllering mit 26 ha bzw. an anderer Stelle mit 25 ha. Damit hatte der Hof seit der Zeit des Übergangs von Többen auf Barlage in der Zeit von 1909 bis mindestens 1927 seine größte Ausdehnung mit etwa 146 ha angenommen.
Aus der Familienchronik geht hervor, daß in den Jahren 1927/28 Moor in einer Fläche von 17 ha enteignet worden sein soll. Hier ist dem Chronisten vermutlich ein Irrtum unterlaufen. Denn die sogenannten Moorenteignungen fanden in Dohren im Herbst 1938 statt. Es handelt sich zum einen vermutlich um einen Schreibfehler (1927/28 statt 1937/38), und zum anderen waren es nicht wirklich Enteignungen, sondern "freiwillige" Verkäufe, allerdings unter massivem Druck von staatlicher Seite mit der Androhung einer Enteignung. Einige Erwerbungen im Jahr 1933 (berechnet zusammen etwa 7 ha) von der Arenbergischen Verwaltung in Meppen und durch eine Zwangsversteigerung bei Loddeke, Groß Dohren, konnten den Verlust durch die sogenannte Moorenteignung nicht ausgleichen.
Obwohl vom Hofeigentümer nicht als notwendig erachtet, wurden Barlages Ländereien in das 1960 eingeleitete Flurbereinigungsverfahren einbezogen. Vor dieser Maßnahme wies der Hof (1960) eine Größe von 136 ha auf, danach (1977) waren es noch 121 ha.
Im Jahre 1971 wurde das Wohnhaus grundlegend renoviert. Da die Kosten erheblich höher ausfielen als erwartet, wurden eine Fläche im Hahnenmoor (6,67 ha) und das ehemalige Heuerhaus Drente / Gebbeken am Lieninghagen verkauft. Da im Verlauf der folgenden Jahre die letzten Heuerleute den Hof verließen und es Bernhard Barlage aufgrund seiner Kriegsverletzung unmöglich war, den Hof allein weiter zu bewirtschaften, sah er sich gezwungen, die landwirtschaftlichen Flächen zu verpachten. Zum 1.11.1973 übergab er 99 ha (von vermutlich insgesamt ca. 110 bis 115 ha) an 11 einheimische Pächter. Am 29. September 1974 fand dann eine Auktion statt, bei der die noch vorhandenen Maschinen und Milchkühe verkauft wurden.
Die Geschichte des Hofes Többen ist von etwa der Mitte der 17. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine Erfolgsgeschichte. Und sogar noch am Ende dieser Zeit besaß die Familie Barlage den erster Trecker in Dohren, einen Hannomag 25 PS, angeschafft im September 1949. Im Jahre 1952 wurde der erste Bindemäher erworben, 1962 der erste Mähdrescher. Noch 1966 wurde ein Gebäude zur Unterbringung der Maschinen errichtet und die alten Pferdeställe zu einem modernen Kuhstall umgebaut. Die Ursache für die Aufgabe der Landwirtschaft war klein, aber folgenschwer. Bernhard Barlage heiratete erst mit 45 Jahren. Er hatte nur ein Kind, Anette. Und die war bei der Aufgabe der Landwirtschaft erst 13 Jahre alt, so daß niemand aus der Familie die Führung des Hofes übernehmen konnte.
Quellen: Familienchronik Többen / Barlage, erhalten von Anette Barlage-Eikens im Juni 1998. Unterlagen Edith Scheer, erhalten am 31.12.1999.