Berlin und Cölln © Landesarchiv Berlin
Die Stadt entwickelt sich Ende des 12. Jahrhunderts aus den beiden Kaufmannssiedlungen Berlin und Cölln, gelegen zu beiden Seiten der Spree im heutigen Bezirk Mitte.
Das Jahr 1237 gilt als offizielles Jahr der Stadtgründung. Cölln wird in diesem Jahr erstmals urkundlich erwähnt, Berlin folgt 1244.
Berlin erhält ein neues Stadtsiegel, auf dem erstmals zwei Bären abgebildet sind.
Bau der Nikolaikirche im heutigen Nikolaiviertel. 1292 wird die Marienkirche erstmals urkundlich erwähnt.
Berlin und Cölln bilden eine Union, um die Rechte gegenüber dem Landesherrn zu sichern und auszuweiten. Im neuen, gemeinsamen Rathaus sitzen 12 Ratmannen aus Berlin und 6 aus Cölln. Nach innen behalten die Städte eigenständige Verwaltungen und Haushalte, nach außen bilden sie eine Einheit.
Die Markgrafenschaft Brandenburg wird Kurfürstentum.
Berlin-Cölln wird Mitglied des Hansebundes und nimmt als Vertreter der mitttelmärkischen Städte an den Tagungen in Lübeck teil. Der Kaufmanns- und Städtebund erlaubte weitreichende Handelsbeziehungen, jedoch hatte Berlin-Cölln kein großes Gewicht in dem Bündnis. 1518 wird die Stadt nach eigener Lossagung aus dem Bündnis ausgeschlossen.
Am Platz der Nordwestecke des heutigen Berliner Rathauses im Bezirk Mitte wird erstmals ein Berliner Rathaus nachgewiesen.
Berlin und Cölln haben rund 8.500 Einwohner und 1.100 Häuser. Die Doppelstadt besitzt drei Rathäuser, drei Hospitäler, Kirchen und Klöster mit Wohnstätten für die Geistlichkeit und den markgräflichen Hof.
Kurfürst Friedrich Wilhelm, Gemälde von Jacques Vaillant © Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Mit der Berufung des Nürnberger Burggrafen Friedrich VI. aus dem Hause Hohenzollern zum obersten Verweser und Hauptmann der Mark beginnt die über 500-jährige Hohenzollernherrschaft in Berlin. 1415 wird er durch König Sigismund auf dem Konstanzer Konzil als Friedrich I. zum Kurfürsten und Markgrafen von Brandenburg berufen.
Berlin und Cölln schließen sich zu einer Stadtgemeinde zusammen. Zur Durchsetzung eigener Machtansprüche wird diese gemeinsame Stadtverwaltung 1442 durch Kurfürst Friedrich II. wieder aufgehoben.
Auf der Spreeinsel in Cölln wird der Grundstein zum späteren Berliner Stadtschloss gelegt. Die Aus- und Umbauten bis zu seiner endgültigen Form dauern bis 1716.
Kurfürst Johann Cicero macht das Schloss in Cölln zur ständigen Residenz der brandenburgischen Kurfürsten aus dem Haus Hohenzollern. Die Entwicklung zur Residenzstadt bringt einen Zugewinn an politischer Bedeutung, zugleich aber auch einen Verlust der städtischen Freiheiten.
Berlin und Cölln haben ca. 12.000 Einwohner.
Reformation in Brandenburg. Am 1. November nimmt Kurfürst Joachim II. in der Spandauer St. Nikolai-Kirche erstmals das Abendmahl nach lutherischem Ritus ein. Rat und Bürgerschaft von Berlin/ Cölln folgen in einer öffentlichen Feier einen Tag später. Im Sommer 1540 wird die Reformation durch eine neue Kirchenordnung für ganz Brandenburg allgemein verkündet.
In Cölln wird die Gaststätte "Zum Nußbaum" eröffnet. Das auf der Südspitze der Fischerinsel gelegene Gebäude wird 1943 zerstört. Als älteste überlieferte Gaststätte Berlins wird sie 1986/87 im heutigen Nikolaiviertel rekonstruiert.
Zwischen dem Stadtschloss und dem Tiergarten, dem kurfürstlichen Jagdrevier westlich der Stadt, wird eine Allee angelegt: die spätere Straße Unter den Linden.
Zum Ende des dreißigjährigen Krieges hat sich die Einwohnerzahl von Berlin/Cölln auf 6.000 halbiert.
Bis 1683 werden Berlin und Cölln als Festung in Form eines Sterns mit 13 Bastionen ausgebaut. Reste davon sind heute noch am Märkischen Museum zu besichtigen.
Die Berliner jüdische Gemeinde wird gegründet. Bis 1700 wächst sie auf 114 Familien mit über 1.000 Personen. Ein Jahr später erfolgt die Gründung der Hugenotten-Gemeinde zu Berlin mit anfangs 100 Mitgliedern. Bis 1677 wächst ihre Zahl auf über 700 Réfugiés.
Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, erlässt das Toleranzedikt von Potsdam. Ein großer Teil der in Frankreich wegen ihres Glaubensbekenntnisses verfolgten Hugenotten lässt sich in Berlin und der Mark Brandenburg nieder. Bereits ab 1661 hat der Große Kurfürst in mehreren Edikten die Einwanderung von Neusiedlern und Glaubensflüchtlingen erleichtert.
La Vigne-Plan Berlins von 1688
Die Einwohnerzahl erreicht 20.000. Durch die zahlreichen Einwanderer erleben Wirtschaft und Handel einen nachhaltigen Aufschwung.
Kurfürst Friedrich III. lässt westlich von Berlin/Cölln bei Lietzenburg ein Schloss für seine Frau Sophie Charlotte errichten. Nach ihrem Tod 1705 wird es in „Schloss Charlottenburg“ umbenannt.
Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg (1371-1440), Kurfürst von 1415 bis 1440
Friedrich II., "der Eiserne" (1413-1471), Kurfürst von 1440 von 1470
Albrecht Achilles (1414-1486), Kurfürst von 1470 bis 1486
Johann Cicero (1455-1499), Kurfürst von 1486 bis 1499
Joachim I. Nestor (1484-1535), Kurfürst von 1499 bis 1535
Joachim II. Hektor (1505-1571), Kurfürst von 1535 bis 1571
Johann Georg (1525-1598), Kurfürst von 1571 bis 1598
Joachim Friedrich (1546-1608), Kurfürst von 1598 bis 1608
Johann Sigismund (1572-1619), Kurfürst von 1608 bis 1619
Georg Wilhelm (1595-1640), Kurfürst von 1619 bis 1640
Friedrich Wilhelm (1620-1688), "der Große Kurfürst", Kurfürst von 1640 bis 1688
Friedrich III. (1657-1713), Kurfürst 1688 - 1701, dann König bis 1713 als Friedrich I.
Friedrich Wilhelm I., "der Soldatenkönig" (1688-1740), König von 1713 bis 1740
Friedrich II., "der Große" (1712-1786), König von 1740 bis 1786
Friedrich Wilhelm II., "der dicke Wilhelm" (1744-1797), König von 1786 bis 1797
Friedrich Wilhelm III. (1770-1840), König von 1797 bis 1840
Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861), König von 1840 bis 1858
Wilhelm I. (1797-1888), Regent 1858 - 1861, König 1861 - 1888, Kaiser 1871 - 1888
Friedrich III. (1831-1888), König und Kaiser 1888
Das Brandenburger Tor © Landesarchiv Berlin
Am 18.01.1701 lässt sich Kurfürst Friedrich III. in Königsberg zum König Friedrich I. in Preußen krönen. Berlin wird königliche Residenzstadt.
König Friedrich I. verfügt die Vereinigung der fünf Städte Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt zur Haupt- und Residenzstadt Berlin. Die vereinigte Stadt hat 55.000 Einwohner.
In Berlin wird die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Deren Umsetzung dauert noch einige Jahrzehnte.
Durch königliche Kabinettsorder Friedrichs I. entsteht aus einem 1709 errichteten Pesthaus am unteren Ende der Spree die Charité. Heute ist sie das älteste Krankenhaus Berlins und zugleich die älteste medizinische Bildungseinrichtung in Deutschland.
Bis 1739 kommen rund 1.200 böhmische Glaubensflüchtlinge nach Berlin. 1737 gründen sie Böhmisch-Rixdorf (heute Neukölln).
Bis 1737 wird die 1658-83 errichtete Stadtbefestigung
abgerissen und durch eine 14,5 km lange Zoll- ("Akzise"-)
Mauer ersetzt. Das umgrenzte Gebiet umfasst 1.330 Hektar
mit 80.000 Einwohnern. Bis 1841 bleibt diese Fläche
nahezu unverändert.
Deutsches Historisches Museum (ehemaliges Museum für Deutsche Geschichte, ehemaliges Zeughaus) © Landesarchiv Berlin
Unter Friedrich dem Großen entwickelt sich Berlin ab 1740 zu einem Zentrum der Aufklärung und intensiver Bautätigkeit. Die in dieser Zeit entstandenen Repräsentationsbauten prägen noch heute das Stadtbild rund um die Straße Unter den Linden: das Zeughaus (Fertigstellung bereits 1707 - Foto), das Kronprinzenpalais (1732), das Opernpalais (1737), die Staatsoper (1742), das Prinz-Heinrich-Palais (1756, heute Humboldt-Universität), die St. Hedwigs-Kathedrale (1773) und die Alte Bibliothek (1780).
Friedrich II. erwirbt die vom Kaufmann Johann Ernst Gotzkowsky 1761 an der Leipziger Straße eröffnete Porzellanmanufaktur und gründet die „Königliche Porzellanmanufaktur“ (KPM). Die erste Porzellanmanufaktur in Berlin war 1751 vom Wollfabrikanten Wilhelm Caspar Wegely in der Neuen Friedrichstraße eröffnet worden.
In der Berliner Behrenstraße eröffnet das erste deutschsprachige Theater. Vorher gab es nur fremdsprachige, überwiegend französische Aufführungen. Die erste Theateraufführung in Berlin ist für das Jahr 1541 im Cöllner Schloss nachgewiesen.
Der 1647 angelegte Reitweg vom Stadtschloss zum Tiergarten wird zur Prachtstraße ausgebaut (Unter den Linden).
Das von Carl Gotthard Langhans ab 1788 errichtete Brandenburger Tor wird eingeweiht. 1793 wird die von Johann Gottfried Schadow geschaffene Quadriga aufgesetzt.
Als erste gepflasterte Landstraße Preußens wird die Chaussee von Berlin nach Potsdam eröffnet.
Die erste Dampfmaschine läuft in Berlin. Der Baumwollfabrikant Johann Georg Sieburg setzt die aus England stammende Maschine zum Antrieb von Spinnmaschinen ein.
Berlin hat rund 170.000 Einwohner, darunter 25.000 Soldaten, und 7.200 private Häuser und öffentliche Gebäude.
Der unmittelbar vor der Stadtmauer gelegene Ochsenmarkt und Exerzierplatz erhält zu Ehren des russischen Zaren Alexander I., der im Oktober 1805 in Berlin weilt, den Namen Alexanderplatz.
Am 27. Oktober zieht der französische Kaiser Napoleon mit seinen Truppen durch das Brandenburger Tor in Berlin ein. Die Stadt bleibt bis zum Dezember 1808 von französischen Truppen besetzt. Die französische Fremdherrschaft in Preußen konnte erst 1814 endgültig beendet werden.
Eine neue, vom Freiherrn vom Stein entwickelte preußische Städteordnung tritt in Kraft und gewährt Berlin weitgehende Selbstverwaltungsrechte. Erstmals wird eine Stadtverordnetenversammlung gewählt, die dem König einen Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt benennt.
Die heutige Humboldt-Universität
Im Prinz-Heinrich-Palais Unter den Linden wird Berlins erste Universität eröffnet, die heutige Humboldt-Universität. Ihr erster Rektor ist Johann Gottlieb Fichte.
In der 1804 gegründeten Königlichen Eisengießerei an der Panke wird die erste Dampflokomotive des Kontinents fertig gestellt.
Das wirtschaftliche Wachstum der Stadt führt zu einem starken Zuzug von Arbeitskräften. In der Gartenstraße vor dem Hamburger Tor entstehen die ersten Mietskasernen.
Unter den Linden wird die erste Gasbeleuchtung Berlins in Betrieb genommen.
Altes Museum © Landesarchiv Berlin
Als erster Museumszweckbau in Preußen wird am Lustgarten auf der Spreeinsel das von Karl-Friedrich Schinkel errichtete Alte Museum eröffnet.
August Borsig legt den Grundstein für seine Maschinenfabrik an der Chausseestraße in Wedding. Daran anschließend sollten zahlreiche, später zum Teil weltberühmte Industriebetriebe folgen, z.B. Siemens (1847), Schwartzkopff (1852), Schering (1864), AEG (1883).
Potsdam und Berlin werden durch die erste Eisenbahnlinie in Preußen miteinander verbunden.
Am Südwestrand des Großen Tiergartens wird als erster Zoo Deutschlands der Zoologische Garten eröffnet. Bis 1900 ist er der größte Tierpark der Welt.
Als Gegenstück zum (königlichen) Tiergarten wird auf einem ehemaligen Weinbergsgelände im dicht besiedelten Osten als erste Erholungsstätte für alle Stände der 52 Hektar große Volkspark Friedrichshain errichtet (offizielle Eröffnung 1848). Er ist bis heute nach dem Großen Tiergarten Berlins größte Parkanlage und hat dem umgebenden Bezirk seinen Namen gegeben.
Die wachsende Stadt wird zum Magneten für Zuwanderer. Die Einwohnerzahl Berlins einschließlich der angrenzenden Siedlungsgebiete wächst auf über 400.000. Die zunehmende Mechanisierung führt zur Verelendung großer Bevölkerungsteile. 40 Prozent des städtischen Haushalts nimmt die Armenfürsorge in Anspruch.
Soziale Not und die Einschränkung politischer Freiheiten führen im März zum Ausbruch der bürgerlich-demokratischen Revolution in Berlin. Nach anfänglichen Erfolgen endet sie im November 1848 mit dem Einmarsch von 13.000 preußischen Soldaten unter General Friedrich von Wrangel und der Verhängung des Belagerungszustand bis Ende Juli 1849. Die meisten toten Aufständischen werden auf dem „Friedhof der Märzgefallenen“ im Volkspark Friedrichhain bestattet. Auch der „Platz des 18. März“ westlich des Brandenburger Tors erinnert noch heute an dieses Ereignis.
Das erste Wasserwerk Berlins geht in Betrieb. Es ist Teil eines umfassend geplanten modernen Wasserversorgungssystems.
Durch Eingemeindungen mehrerer Vorstädte (Wedding, Gesundbrunnen und Moabit sowie Teile der Feldmarken von Charlottenburg, Schöneberg, Tempelhof und Rixdorf) wächst die Fläche des Berliner Stadtgebietes von 35 auf 59 Quadratkilometer, die Einwohnerzahl steigt auf rund 550.000.
Das Berliner Rathaus © Landesarchiv Berlin
Das neue (heutige) Berliner Rathaus wird fertig gestellt. Wegen seiner roten Klinkerarchitektur wird es bald „Rotes Rathaus“ genannt.
Berlin hat 826.815 Einwohner in den Stadtgrenzen und 105.169 in seinen Vororten.
Das Berliner Stadtschloss (1913) © Landesarchiv Berlin
Berlin wird Hauptstadt des Deutschen Reiches. Dieser Gewinn an politischer Bedeutung, die Industrialisierung und der wirtschaftliche Aufschwung der Gründerjahre führen zur Ansiedlung zahlreicher weiterer Unternehmen in der Stadt. Berlin wird politisches, ökonomisches und wissenschaftliches Zentrum des Kaiserreichs.
Die Berliner Stadtbaurat James Hobrecht beginnt mit dem Aufbau eines umfassenden Entwässerungssystems für die Hauptstadt. In Friedrichshain wird das erste städtische Krankenhaus eröffnet.
Im Mai vereinigen sich in Gotha der von Ferdinand Lasalle 1863 gegründete „Allgemeine Deutsch Arbeiterverein“ (ADAV) mit der 1869 gegründeten „Sozialdemokratische Arbeiterpartei“ (SDAP) unter der Führung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht zur „Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands“ (SDAP) mit Sitz in Berlin. 1890 benennt sich die Partei in „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ (SPD) um. Die SPD selbst bezieht sich mit ihrem Gründungsdatum auf die Gründung des ADAV im Jahr 1863.
Die Einwohnerzahl überschreitet die Millionengrenze.
Das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ verbietet Organisationen, Druckschriften und Versammlungen der als „Reichsfeinde“ angesehen Sozialdemokraten. Es bleibt bis 1890 in Kraft.
Auf der Berliner Gewerbeausstellung stellen Siemens & Halske die erste elektrische Eisenbahn der Welt vor. 1881 fährt in Lichterfelde die erste elektrische Straßenbahn der Welt.
Der von der Stadt zum königlichen Jagdschloss Grunewald führende Knüppeldamm wird bis Halensee nach Vorbild der Champs- Elyseés in Paris zur Prachtstraße ausgebaut. Der „Neue Westen“ um den „Kurfürstendamm“ entwickelt sich zu einer bevorzugten Wohngegend für prominente und reiche Anwohner und einem beliebten Treffpunkt der Kulturszene.
In der Schumannstraße wird das "Deutsche Theater" eröffnet. 1892 folgt das "Neue Theater" am Schiffbauerdamm, als "Berliner Ensemble" die spätere Wirkungsstätte Berthold Brechts.
Zum 1. Mai finden in Berlin die ersten Maifeiern der Arbeiterbewegung statt. Bei den Reichstagswahlen wählt die absolute Mehrheit der Berliner sozialdemokratisch.
Dem Berliner Maschinenbauingenieur Otto Lilienthal gelingt der erste sichere Gleitflug der Geschichte (25 Meter). Lilienthal stirbt bei einem Flugunfall 1896. An ihn und seine Pionierleistung erinnern die Lilienthal-Gedenkstätte am „Fliegeberg“ in Lichterfelde sowie der heutige „Flughafen Otto Lilienthal“ in Tegel.
Berlin hat fast 1,9 Millionen Einwohner; unter Einschluss der 23 Vororte leben insgesamt 2,5 Millionen Menschen im unmittelbaren Einzugsbereich der Stadt. Laut einer "Wohnungs-Enquête" von 1903 ist Berlin die größte Mietskasernenstadt der Welt: Eine Million Wohnungen, davon 400.000 mit nur einem Raum und weitere 300.000 mit zwei Räumen.
Die erste Berliner U-Bahnlinie zwischen Warschauer Brücke und Knie (heute Ernst-Reuter-Platz) nimmt ihren Betrieb auf.
Der Schuster Wilhelm Voigt besetzt als „Hauptmann von Köpenick" mit richtigen Soldaten das Rathaus Köpenick, verhaftet den Bürgermeister und raubt die Stadtkasse.
Im neuen Westen am Wittenbergplatz wird das Kaufhaus des Westens, KaDeWe, eröffnet.
Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (heute Max- Planck-Gesellschaft) wird gegründet. Neben der Wissenschaft blühen auch Kultur, Wirtschaft und Forschung. Berlin gewinnt internationales Profil durch Namen wie Max Liebermann und Walter Leistikow (Berliner Sezession 1898), Max Reinhardt, Rudolf Virchow, Adolf von Harnack, Max Planck und Theodor Mommsen.
Berlin schließt sich mit den umgebenden Städten Charlottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf, Lichtenberg und Spandau sowie den Kreisen Niederbarnim und Teltow zum Zweckverband Groß-Berlin zusammen.
Die Einwohnerzahl innerhalb der Stadtgrenzen übersteigt die Zwei-Millionen-Grenze.
Während der Kriegsjahre wird die Versorgung der Millionenstadt immer schwieriger. Hunger und Kriegsmüdigkeit der Bevölkerung führen gegen Ende des Krieges in Berlin zu Massenstreiks.
Revolution in Berlin. Am 9. November verkündet Reichskanzler Prinz von Baden Abdankung Kaiser Wilhelms II. und übergibt Regierungsgeschäfte an Friedrich Ebert (SPD). Philipp Scheidemann ruft von einem Balkon des Reichstags die freie deutsche Republik aus. Karl Liebknecht proklamiert vom Balkon IV des Berliner Schlosses die freie sozialistische Republik Deutschlands.
Potsdamer Platz um 1930 © Landesarchiv Berlin
Nach Absetzung und Flucht Kaiser Wilhelms II. ins
niederländische Exil wird am 11. November durch
beiderseitigen Waffenstillstand der Erste Weltkrieg
beendet. Der sozialdemokratische Politiker Philipp
Scheidemann ruft am 9. November 1918 von einem
Fenster des Reichstags die „Deutsche Republik“
aus. Der Sozialdemokrat Friedrich Ebert wird
Reichskanzler.
Am 30. Dezember gründen Karl
Liebknecht, Rosa Luxemburg und Wilhelm Pieck im
Festsaal des preußischen Abgeordnetenhauses in
Berlin die „Kommunistische Partei Deutschlands“
(KPD).
Im Januar wird der von KPD und USPD getragene
Spartakusaufstand in Berlin blutig niedergeschlagen.
Am 15. Januar werden Karl Liebknecht und Rosa
Luxemburg festgenommen und durch Freikorps-Truppen im
Tiergarten ermordet.
Am 29. Februar wird eine
neue Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt,
erstmalig nicht nach dem Dreiklassenwahlrecht. Die
1917 von der SPD abgespaltene USPD erhält 47
Sitze, die SPD 46, beide zusammen also 93 der
insgesamt 144 Sitze. Erstmals sind auch 25 Frauen im
Stadtparlament vertreten. Gustav Böß wird
Oberbürgermeister.
Am 13. März putschen in Berlin Teile der
Reichswehr und anderer militärischer Verbände
gegen ihre durch den Versailler Vertrag verfügte
Auflösung. Sie erklären die gewählte
Regierung für abgesetzt und rufen den
rechtkonservativen Politiker Wolfgang Kapp zum
Reichkanzler aus. Unter einem von SPD und KPD
gemeinsam organisierten Generalstreik bricht der
Kapp-Putsch am 17. März zusammen.
Am 1.
Oktober werden durch das sogenannte
„Groß-Berlin-Gesetz“ 7 umgebende
Städte, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke nach
Berlin eingemeindet und das Stadtgebiet in 20 Bezirke
eingeteilt. Die Einwohnerzahl beträgt nun 3,8
Millionen, das Stadtgebiet verdreizehnfacht sich von
6.500 Hektar auf 878 Quadratkilometer. Berlin wird
zur größten Industriestadt des Kontinents
und entwickelt sich in den Zwanziger Jahren zur
legendären Kulturmetropole. In der Stadt leben
und arbeiten Künstler wie Otto Dix, Lionel
Feininger, Bertolt Brecht und Arnold Zweig. Hier
wirken die Nobelpreisträger Albert Einstein und
Fritz Haber.
Nach acht Jahren Bauzeit wird im Grunewald als erste Autobahn der Welt die „Automobil-Verkehrs- und Übungsstrecke“ (AVUS) eröffnet.
Am 24. Juni wird der deutsche Außenminister Walter Rathenau vor seiner Wohnung in Grunewald von rechtsgerichteten Militärs ermordet. Im April hatte er mit dem „Vertrag von Rapallo“ eine Annährung zwischen dem Deutschen Reich und dem Vorläuferstaat der am 30. Dezember 1922 gegründeten Sowjetunion in die Wege geleitet.
Die Inflation erreicht ihren Höhepunkt. Im
September kostete ein Kilo Roggenbrot 3,6 Millionen
Mark, eine Straßenbahnfahrt am 22. November
150.000 Mark.
Am 8. Oktober wird der Flughafen
Tempelhof in Betrieb genommen.
Auf dem Messegelände wird die „1. Große Deutsche Funkausstellung“ veranstaltet und der Grundstein für den Funkturm gelegt. Zur dritten Funkausstellung 1926 wird er mit einer Rede Albert Einsteins eröffnet.
Der Stadtbaurat Martin Wagner und der Architekt
Bruno Taut beginnen mit dem Bau der Hufeisensiedlung
in Britz als neue Synthese zwischen sozialem
Wohnungsbau und Eigenheim. Die Siedlung wird 1931
fertig gestellt und gilt als erstes und
herausragendes Beispiel des „Neuen Wohnens“
in Berlin.
Berlin hat 4.024.165. Einwohner
Im Februar wird die erste „Grüne Woche“ in Berlin veranstaltet.
Am 31. August erfolgt die Uraufführung der
"Dreigroschenoper" im Theater am
Schiffbauerdamm. In Berlin erscheinen 147 Tages- und
Wochenzeitungen.
Auf der fünften Großen
Deutschen Funkausstellung wird erstmalig das
Fernsehen öffentlich vorgeführt.
Die Weltwirtschaftskrise erfasst Berlin. Es gibt
664 Konkurse in der Stadt. Im Februar hat die Stadt
450.000 Arbeitslose. Es kommt zu Demonstrationen und
gewalttätigen Unruhen. Der „Blutmai“
1929 kostet über 30 Tote und mehrere Hundert
Verletzte.
Bei den Wahlen zur
Stadtverordnetenversammlung am 17. November erzielt
die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
(NSDAP) 5,8 Prozent und zieht erstmals mit 13
Abgeordneten in das Stadtparlament ein.
Bis Dezember steigt die Arbeitslosenzahl auf 630.000. Berlins Straßen sind Schauplatz zunehmender gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen links- und rechtsextremistischen Gruppierungen mit zahlreichen Toten und Verletzten. Die Reichtagswahlen am 6. November bringen der NSDAP zwar Verluste (von 37,4 auf 33,1 Prozent), sie wird aber wieder wie schon zuvor im Juli mit Abstand stärkste Fraktion. In Berlin erreicht sie einen Stimmanteil von 25,9 Prozent.
Bücherverbrennung © Landesarchiv Berlin
Die „Machtergreifung“ Adolf Hitlers
führt zur Machtübernahme der
Nationalsozialisten und zum Ende der Demokratie in
Deutschland und Berlin.
Am 14. März
stellt der preußischer Innenminister und
Ministerpräsident Hermann Göring (NSDAP)
dem gewählten Oberbürgermeister Heinrich
Sahm einen „Staatskommissar für die
Hauptstadt Berlin“ zur Seite, der die faktische
Machtausübung in Berlin übernimmt.
Am
20. März werden allen kommunistischen
Abgeordneten die Mandate aberkannt, im Juli geschieht
das Gleiche mit den Sozialdemokraten.
Am 21.
März wird vor den Toren der Stadt in
Sachsenhausen bei Oranienburg für die
inhaftierten Gegner des Regimes das erste
Konzentrationslager im Berliner Raum eröffnet.
Am
1. April finden in Berlin die ersten organisierte
Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte,
Ärzte und Rechtsanwälte statt. Am 10. Mai
veranstalten die Nationalsozialisten „wider den
undeutschen Geist“ eine Bücherverbrennung
auf dem Platz vor der Alten Bibliothek (heute
Bebelplatz). Heute erinnert dort ein Mahnmal an das
Ereignis.
Alle gewählten Gremien der Stadt werden aufgelöst. Die Verwaltung wird „gleichgeschaltet“: Rund 1300 Beamte, jeder dritte Angestellte und jeder zehnte Arbeiter werden entlassen. Im Dezember 1935 tritt der nur noch formal amtierende Oberbürgermeister Heinrich Sahm zurück.
Am 22. März startet in Berlin das erste öffentliche Fernsehprogramm der Welt.
Vom 1. bis 16. August finden in Berlin die elften Olympischen Sommerspiele statt. Für diese Zeit wird die Stadt von antijüdischen Plakaten und Hetzparolen gesäubert.
Das 700-jährige Stadtjubiläum wird erstmals mit einer großen Feier begangen.
Mit der Annexion Österreichs am 12. März
wird Berlin Hauptstadt des „Großdeutschen
Reiches“.
Am 9. November setzen SA- und
SS-Männer in der so genannten
"Reichskristallnacht" neun der zwölf
Berliner Synagogen in Brand, plündern jüdische
Geschäfte und terrorisieren zahlreiche jüdische
Bürger. Die rund 1.200 Verhafteten werden
zumeist in das Konzentrationslager Sachsenhausen
deportiert.
Von den 1933 in Berlin lebenden
160.000 Juden können bis 1941 etwa 90.000 ins
Ausland emigrieren, mehr als 60.000 kommen bis zum
Kriegsende in den Konzentrationslagern der
Nationalsozialisten ums Leben oder werden ermordet.
Rund 1.400 Juden überleben im Untergrund unter
Mithilfe der Berliner Bevölkerung, den
„Unbesungenen Helden“.
Mit der Kriegserklärung an Polen am 1. September wird Berlin zum Ausgangspunkt des Zweiten Weltkriegs.
Im August bombardieren erstmals gegnerische Luftstreitkräfte die Stadt.
Am 20. Januar werden in einer SS-Villa am Wannsee auf der so genannten „Wannsee-Konferenz“ die organisatorischen Maßnahmen zur „Endlösung der Judenfrage“, der industriemäßigen Vernichtung der europäischen Juden beschlossen. Heute befindet sich in dem Gebäude eine international beachtete Gedenk- und Bildungsstätte.
Nach der katastrophalen Niederlage der deutschen
Armee bei Stalingrad im Januar proklamiert
Reichpropagandaminister Joseph Goebbels am 18.
Februar im Berliner Sportpalast den „Totalen
Krieg“. Das historische Gebäude wird 1973
abgerissen.
Im Herbst beginnen die
anglo-amerikanischen Streitkräfte mit
großräumigen Flächenbombardements der
Stadt. Bis zum Kriegsende werden rund 1 Millionen
Einwohner evakuiert. Mehr als 50.000 verlieren ihr
Leben.
Am 20. Juli scheitert der Attentatsversuch Obersts Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler. Massenhafte Verhaftungen und standrechtliche Hinrichtungen sind die Folge. Stauffenberg und seine engsten Mittäter werden im Gebäude des Oberkommandos der Wehrmacht, dem Bendlerblock, erschossen (heute Gedenkstätte Stauffenbergstraße). 89 weitere Hinrichtungen erfolgen im NS-Zuchthaus Plötzensee. Insgesamt werden in dieser Hinrichtungsstätte der Nationalsozialisten bis 1945 rund 2.500 Todesurteile vollstreckt (heute Gedenkstätte Plötzensee).
Am
21. April überschreitet die Rote Armee erstmals
die Stadtgrenze Berlins. Die „Schlacht um
Berlin“ beginnt. Sie endet mit dem Selbstmord
Hitlers am 30. April und der Einstellung aller
Kampfhandlungen der deutschen Wehrmacht in Berlin am
2. Mai. Für Berlin ist der Krieg beendet.
In
der Nacht vom 8. auf den 9. Mai erfolgt im Kasinosaal
einer Wehrmachtskaserne im Berliner Ortsteil
Karlshorst vor den Vertretern aller Alliierten die
förmliche Kapitulation für ganz Deutschland
Luftbrücke © Landesarchiv Berlin
Die Berliner Garnison kapituliert am 2. Mai,
sechs Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges
in Europa. Weite
Teile der Stadt sind zerstört
[Film].
Der am 8. Mai 1945 beendete Zweite
Weltkrieg hat in weiten Teilen Berlins eine
Trümmerlandschaft hinterlassen: 600.000
zerstörte Wohnungen und von vormals 4,3
Millionen Einwohnern leben noch 2,8 Millionen in
der Stadt. Entsprechend der Vereinbarung der
Alliierten wurde die Stadt in vier Sektoren
aufgeteilt und gemeinsam von den
Besatzungsmächten, den Vereinigten Staaten
von Amerika, Großbritannien, Frankreich und
der Sowjetunion verwaltet.
Zunehmende Interessengegensätze der Siegermächte zur Nachkriegsordnung Europas und insbesondere Deutschlands führen zum Scheitern der gemeinsamen Verwaltung der Stadt durch die Alliierten. Berlin entwickelt sich zum Brennpunkt des „Kalten Krieges“.
Die im April unter Druck der Sowjetischen
Militärverwaltung und der KPD in der Ostzone
und Ost- Berlin durchgesetzte Vereinigung von KPD
und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei
Deutschlands (SED) führt zu heftigen
Auseinandersetzungen zwischen den Alliierten
sowie den lokalen Parteiorganisationen.
Am
20. Oktober wird mit einer Wahlbeteiligung von
92,3 Prozent Berlins erste
Stadtverordnetenversammlung nach dem Kriege
gewählt. Die SPD erhält 48,7 Prozent
der Stimmen, die CDU 22,2, die SED 19,8 und die
LDP 9,3 Prozent.
Der unter anderem durch Streitigkeiten um die
Währungsreform ausgelösten Blockade
[Film] der Westsektoren von Juni 1948 bis Mai
1949 durch die Sowjetunion begegnen die
westlichen Alliierten mit der Luftbrücke,
der bis dahin beispiellosen Versorgung einer
ganzen Stadt aus der Luft. (Foto Luftbrücke)
Aus den westlichen Siegermächten werden
Schutzmächte und Freunde.
Mit der
Blockade endet auch die gemeinsame Verwaltung
Berlins. Wegen zunehmender Störungen durch
Parteigänger der SED verlegt die
Stadtverordnetenversammlung ihre Tagungen am 6.
September in den Westteil der Stadt. In
Ost-Berlin bildet sich daraufhin am 30. November
ein eigener, von der SED dominierter Magistrat
unter Oberbürgermeister Friedrich Ebert.
Damit ist die Spaltung der Stadtverwaltung
vollzogen.
Am 9. September appelliert
Ernst Reuter vor der Ruine des Reichtages vor
mehr als 300.000 Berlinern an die „Völker
der Welt“, „diese Stadt und dieses
Volk“ nicht preiszugeben.
Am 4.
Dezember wird in West-Berlin als Gegengründung
zur im Ostteil gelegenen traditionellen
Friedrich-Wilhelms-Universität (ab 1949
Humboldt-Universität) die „Freie
Universität Berlin“ gegründet.
Die gewählte Stadtverordnetenversammlung
und der Oberbürgermeister nehmen
provisorisch Quartier als Untermieter im Rathaus
des West-Berliner Bezirks Schöneberg –
ein Provisorium, das mehr als 40 Jahre andauern
wird.
Wegen der Belastungen durch die
Blockade kommt es unter dem Oberbegriff "Notopfer
Berlin" zu einem ersten umfassenden
finanziellen Hilfsprogramm für die isolierte
Stadt. Sichtbarer Ausdruck ist die am 1. April in
den Westzonen eingeführte
2-Pfennig-Briefmarke "Notopfer Berlin“.
Sie gilt bis 1956.
Am 12. Mai hebt die
Sowjetunion die Blockade der Berliner
West-Sektoren auf. Als Folge stoppen die
Westalliierten ihre gegen die sowjetische
Besatzungszone verhängten
Wirtschaftssanktionen. Der Zugang nach
West-Berlin durch die sowjetische Besatzungszone
ist jedoch weiterhin nicht ohne weiteres möglich.
Bis zur Wiedervereinigung 1990 dürfen nur
die von der östlichen Seite festgelegten
Transitstrecken und die von den Alliierten schon
zu Kriegszeiten vereinbarten Luftkorridore
benutzt werden.
Am 23. Mai 1949 erfolgt in
den Westzonen Deutschlands die Gründung der
Bundesrepublik Deutschland. Für Berlin
bleibt der alliierte Sonderstatus (bis zur
Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990) erhalten.
Am 10. Mai 1949 bestimmt der Parlamentarische Rat
Bonn ersatzweise zur Hauptstadt des neuen
Staates.
Mit der Staatsgründung der
Deutschen Demokratischen Republik in der Ostzone
am 7. Oktober 1949 wird Ost-Berlin zur
„Hauptstadt der DDR“. In der Folge
werden beide Stadthälften eng in die
jeweiligen Gesellschaftssysteme ihrer
Führungsmächte eingebunden.
Im September beginnt in Ost-Berlin die
Sprengung des Berliner Stadtschlosses. Ein Symbol
des „preußischen Feudalismus“
soll getilgt werden.
Am 1. Oktober tritt
die bereits 1948 von der gewählten
Stadtverordnetenversammlung für die ganze
Stadt verabschiedete Verfassung von Berlin in
Kraft. Ihre tatsächliche Geltung ist durch
die Spaltung der Stadt aber auf die drei
Westsektoren (Land Berlin) beschränkt.
Ost-Berlin bleibt bis 1990 ohne Verfassung.
Am 18. Januar wählt das im Rathaus
Schöneberg tagende Abgeordnetenhaus Ernst
Reuter (SPD) zum ersten Regierenden Bürgermeister
von Berlin. Er amtiert bis zu seinem Tod am 29.
September 1953.
Im August finden in
Ost-Berlin die III. Weltfestspiele der Jugend und
Studenten mit 26.000 Teilnehmern aus 104 Ländern
statt. Über die noch offene Sektorengrenze
ist auch West-Berlin Zielpunkt vieler
ausländischer Besucher und FDJ-Mitglieder.
Mit dem „Gesetz über die Stellung
Berlins im Finanzsystem des Bundes“
(Drittes Überleitungsgesetz) vom 4. Januar
erhält West-Berlin einen Rechtsanspruch auf
finanzielle Hilfe des Bundes zur Erhaltung seiner
Lebensfähigkeit.
Im Februar beginnt
in Ost-Berlin im Rahmen des „Nationalen
Aufbauprogramms Berlin“ der Ausbau der
Stalinallee (ab 1961 Karl-Marx-Allee) zur „ersten
sozialistischen Straße Deutschlands“.
Die im sowjetischen Zuckerbäckerstil der
Stalinzeit errichteten Wohnhäuser stehen
heute unter Denkmalschutz und sind nach wie vor
begehrte Wohnquartiere.
Am 29. März
wird in West-Berlin im Großen Tiergarten
durch den britischen Außenminister Anthony
Eden der englische Garten eröffnet.
Am 16. Juni treten die Bauarbeiter an der
Ost-Berliner Stalinallee gegen eine staatlich
verordnete Normenerhöhung in Streik. Daraus
entwickelt am 17. Juni ein Volksaufstand, der auf
zahlreiche andere Städte der DDR übergreift
und in der Forderung nach Abschaffung des
SED-Regimes und freien Wahlen in ganz Deutschland
gipfelt. Der Aufstand wird von sowjetischen
Truppen gewaltsam niedergeschlagen. Es kommt zu
mehreren hundert Toten, über 1000 Verletzten
und zahlreichen Verhaftungen. Am 4. August
erklärt der Deutsche Bundestag den 17. Juni
als nationalen Gedenktag zum „Tag der
deutschen Einheit“.
Am 22. August
wird in West-Berlin für DDR-Flüchtlinge
das Notaufnahmelager Marienfelde eröffnet.
Im März bezieht das „Berliner Ensemble“ unter Leitung von Bertolt Brecht sein eigenes Haus im Theater am Schiffbauerdamm im Ost-Berliner Bezirk Mitte.
Am 2. Juli wird der Ost-Berliner Tierpark im
Schlosspark Friedrichsfelde eröffnet.
Am
16. September nimmt die „Deutsche Lufthansa
der DDR“ (ab 1959 „Interflug“)
den von der sowjetischen Besatzungsmacht
übernommen Flughafen Schönefeld als
ersten Verkehrsflughafen der DDR in Betrieb.
Am
30. November wird das nach Kriegszerstörungen
wieder aufgebaute (Ost-) Berliner Rathaus an
Oberbürgermeister Friedrich Ebert übergeben.
In West-Berlin beginnt der Bau der Stadtautobahn.
Als Höhepunkt des innerstädtischen
Neuaufbaus in den 50er Jahren findet in
West-Berlin die Internationale Bauausstellung
(Interbau) statt. Kernstücke sind das
bewusst als Gegenbeispiel zu den sozialistischen
Wohnungsbauten an der Stalinallee unter
Beteiligung zahlreicher internationaler
Architekten errichtete Hansaviertel und die
Kongresshalle im Großen Tiergarten.
Am
21. Juni wird in West-Berlin die 100.000ste
Wohnung übergeben, die seit 1945 mit
öffentlichen Mitteln errichtet worden
ist.
Im August wird in Ost-Berlin die
restaurierte, 1818 von Karl-Friedrich Schinkel
erbaute „Neue Wache“ an der Straße
„Unter den Linden“ wieder eröffnet.
Von 1960 bis 1990 dient sie der DDR als „Mahnmal
für die Opfer des Faschismus und
Militarismus“. Seit 1993 ist sie „Zentrale
Gedenkstätte der Bundesrepublik
Deutschland“.
Am 3. Oktober wird
Willy Brandt (SPD) in West-Berlin zum Regierenden
Bürgermeister Berlins gewählt. Er
amtiert bis Dezember 1966.
Im September wird in einer der wenigen
„Gemeinschaftsaktionen“ zu Zeiten des
Kalten Krieges mit der Wiederaufstellung der (in
West-Berlin neu gegossenen) Quadriga auf dem (in
Ost-Berlin stehenden) Brandenburger Tor die
Wiederherstellung dieses im Krieg stark
zerstörten Berliner Baudenkmals
abgeschlossen.
Am 27. November fordert der
sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita
Chruschtschow angesichts des anhaltenden
Flüchtlingsstroms aus der DDR über
Berlin in den Westen die drei Westalliierten in
einer Note ultimativ zum Verlassen Berlins auf
und verlangt die Umwandlung West-Berlins in eine
„entmilitarisierte freie Stadt“. Nach
der Blockade 1948/49 wird die Lebensfähigkeit
West-Berlins durch das sogenannte
„Chruschtschow-Ultimatum“ zum zweiten
Mal ernsthaft bedroht.
Am 18. Juni übernimmt Bundespräsident Theodor Heuss (FDP) offiziell das im Großen Tiergarten gelegene Schloss Bellevue als seinen Berliner Amtssitz.
Unter dem Druck zunehmender Zwangsmaßnahmen in der DDR (Zwangskollektivierung) flüchten im Laufe des Jahres nahezu 200.000 DDR-Bewohner über die offene Sektorengrenze nach West-Berlin.
Am 25. Juli verkündet US-Präsident
John F. Kennedy die lebenswichtigen Interessen
der westlichen Schutzmächte an Berlin, die
sog. „Three Essantials“: 1. Recht der
Alliierten auf Anwesenheit in Berlin, 2. ihr
Recht auf freien Zugang und 3. die Erhaltung der
Lebensfähigkeit und des Rechts auf
Selbstbestimmung für West-Berlin.
Im
Juli flüchten 30.415 DDR-Bewohner nach
West-Berlin. Das ist die höchste monatliche
Zahl seit 1953.
Am 13. August beginnt die
DDR mit dem Bau einer Mauer entlang der
Sektorengrenze und riegelt beide Teile der Stadt
voneinander ab.
Am 19. August treffen
US-Vizepräsident Lyndon B. Johnson und
General a.D. Lucius D. Clay in Berlin ein, um
sich über die Sperrmaßnahmen der DDR
zu informieren. Am 22. August besucht
Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) die
Stadt.
Am 25. August wird auf dem
Messegelände am Funkturm die erste
Internationale Funkausstellung seit 1939
eröffnet.
Am 17. Dezember wird der
Neubau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
in Charlottenburg (Egon Eiermann) durch Bischof
Otto Dibelius geweiht.
Bis Ende der siebziger Jahre werden in
West-Berlin große Stadtrandsiedlungen
errichtet (Gropiusstadt 1962, Märkisches
Viertel und Falkenhagener Feld 1963, jeweils
Baubeginn).
In Ost-Berlin wird das
Stadtzentrum der „Hauptstadt der DDR“
um Alexanderplatz und Marx-Engels-Platz
repräsentativ ausgebaut: am Alexanderplatz
„Haus des Lehrers“ und Kongresshalle
1964, „Haus der Elektroindustrie“
1969, Centrum-Warenhaus (heute „Kaufhof“)
und Hotel "Stadt Berlin" (heute „Park
Inn“) 1970 und „Haus des Reisens“
1971; am Marx-Engels-Platz Staatsratsgebäude
1964 (heute European School of Management and
Technology), Außenministerium 1967 (1995
abgerissen) und Fernsehturm 1969 (jeweils
Fertigstellung). Ebenso entstehen in dieser Zeit
die Wohnbebauung an der Karl-Liebknecht-Straße
und den Rathauspassagen (1968-1972) sowie an der
Karl-Marx-Allee bis Strausberger Platz
(1959-1965).
Am 17. Januar besucht der sowjetische Partei-
und Staatschef Nikita Chruschtschow
Ost-Berlin.
US-Präsident Kennedy
besucht am 26. Juni die Stadt und versichert in
seiner berühmten
Rede [Film] vor dem Rathaus Schöneberg
den Berlinern seine Solidarität.
Am
17. Dezember wird das erste Passierscheinabkommen
über die Regelung des Besuchs West-Berliner
Bürger bei Verwandten im Ostteil der Stadt
unterzeichnet. Es gilt für die Zeit vom 19.
Dezember 1963 bis zum 5. Januar 1964. 1,2 Mio.
West-Berliner nutzen die Möglichkeit eines
Verwandtenbesuchs im Ostteil der Stadt. Weitere
Abkommen folgen 1964,1965 und 1966.
Am 7. April hält der Deutsche Bundestag
eine Plenarsitzung in der Berliner Kongresshalle
ab. Aus Protest gegen diese „widerrechtliche“
Einbeziehung West-Berlins in das politische
System der Bundesrepublik Deutschland erlässt
die DDR ein Durchfahrtsverbot für
Bundestagsabgeordnete auf den Transitstrecken.
Sowjetische Militärmaschinen stören die
Sitzung durch Tief- und Überschallflüge
über dem Tagungsort.
Am 2. Mai wird
am Breitscheidplatz in Charlottenburg das
Europa-Center eröffnet.
Am 1. Dezember tritt Willy Brandt als Regierender Bürgermeister zurück und übernimmt das Amt des Vizekanzlers und Außenministers unter Bundeskanzler Kurt-Georg-Kiesinger.
Am 1. Januar wird im Ost-Berliner
Industriegebiet Oberschöneweide das erste
Industriekombinat der DDR gebildet, das Kombinat
VEB Kabelwerke Oberspree (KWO).
Am 2. Juni
wird bei einer studentischen Protestdemonstration
gegen den Besuch des Schahs von Persien in
West-Berlin der Berliner Student Benno Ohnesorg
durch einen Polizisten erschossen (heute
Gedenkrelief neben der Deutschen Oper). Sein Tod
und die folgenden Auseinandersetzungen rücken
die Berliner Studentenbewegung in den Blickpunkt
der allgemeinen Öffentlichkeit. Gegen den
universitären „Muff von tausend
Jahren“, die Erstarrungen der Großen
Koalition und die Ungerechtigkeit einer auf
Ausbeutung und Unterdrückung der Dritten
Welt beruhenden Weltordnung wird sie zur
Keimzelle der späteren
„außerparlamentarischen Opposition“
(APO).
Mit der Einstellung der Linie 55
zwischen Charlottenburg und Spandau endet in
West-Berlin am 2. Oktober (vorerst) das Zeitalter
der Straßenbahnen. In Ost-Berlin wird ihr
Verkehr bis zur Vereinigung aufrecht erhalten und
danach einige Linien wieder in die westlichen
Bezirke verlängert.
Das Attentat auf den Berliner Studentenführer
Rudi Dutschke am 11. April auf dem Kurfürstendamm
markiert einen weiteren dramatischen Höhepunkt
der Auseinandersetzungen um die Berliner
Studentenbewegung.
Zum 24. Jahrestag des
gescheiterten Umsturzversuchs gegen Adolf Hitler
vom 20. Juli 1944 wird am 20. Juli im
Bendlerblock die „Gedenk- und
Bildungsstätte Stauffenbergstraße“
eröffnet (heute Gedenkstätte Deutscher
Widerstand).
Am Kulturforum in West-Berlin
wird die von Mies van der Rohe errichte Neue
Nationalgalerie eröffnet.
Am 27. Februar besucht US-Präsident
Richard Nixon West-Berlin.
Am 2. Oktober
geht die Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz in
Betrieb.
Am 21. Oktober wird Willy Brandt
(SPD) zum Bundeskanzler gewählt. In seiner
Regierungserklärung erklärt er seine
Bereitschaft zu Verhandlungen zwischen beiden
deutschen Staaten.
Am 16. Dezember
schlagen die Westmächte der UdSSR Gespräche
zur Lösung der Probleme um Berlin vor.
Im Januar beginnt die Bebauung der Leipziger
Straße im Ost-Berliner Bezirk Mitte mit 11-
bis 25-stöckigen Wohnhäusern.
Am
26. März beginnen im Gebäude des
Alliierten Kontrollrates in West-Berlin die
Verhandlungen der vier ehemals alliierten
Siegermächte des II. Weltkrieges über
Berlin.
Am 19. April wird am Leninplatz im
Ost-Berliner Bezirk Friedrichshain (ab 1992 Platz
der Vereinten Nationen) das 19 Meter hohe
Lenindenkmal enthüllt. Es wird 1991
abgetragen.
Am 31. Januar werden erstmals seit 1952 wieder
zehn direkte Telefonleitungen zwischen West- und
Ost-Berlin geschaltet.
Am 3. Juni beginnen
Verhandlungen zwischen dem Berliner Senat und der
DDR-Regierung über "beiderseits
interessierende Fragen".
Am 3.
September unterzeichnen die Botschafter der vier
Siegermächte im Gebäude des Alliierten
Kontrollrates in West-Berlin das
Vier-Mächte-Abkommen zu Berlin. Es klärt
die Bindungen zwischen Berlin und der
Bundesrepublik Deutschland und ermöglicht in
der Folge eine Vielzahl von praktischen
Regelungen zum Nutzen der Menschen. Mit seinen
Folgeabkommen zum Transitverkehr sowie den Reise-
und Besuchsmöglichkeiten tritt es am 3. Juni
1972 in Kraft.
Brandenburger Tor 1989 © Landesarchiv Berlin
Die Paraphierung des Berlin-Abkommens am 3. September ermöglicht
in der Folge eine Reihe von praktischen Regelungen zum Nutzen der
Menschen.
Am 17. Dezember wird das Transitabkommen über
die Erleichterung des Verkehrs auf den Zugangswegen nach West-Berlin
zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR
unterzeichnet.
Am 20. Dezember unterzeichnen der Senat von
Berlin und die DDR-Regierung die "Vereinbarung über
Erleichterungen und Verbesserungen des Reise- und Besucherverkehrs"
sowie die "Vereinbarung über die Regelung der Frage von
Enklaven durch Gebietsaustausch".
Am 3. Juni unterzeichnen die vier Außenminister in Berlin
das Vier-Mächte-Schlussprotokoll zum Berlin-Abkommen von 1971.
Damit treten auch die Folgeabkommen in Kraft. Ein halbes Jahr später
schließen die Bundesrepublik Deutschland und die DDR den
Grundlagenvertrag. West-Berlin
wird in den Entspannungsprozess einbezogen [Film].
Am 1. November wird in West-Berlin der Flughafen Tegel eröffnet.
Auf der Grundlage eines Vertrages zwischen dem Bund der Evangelischen Kirchen der DDR und der DDR-Regierung beginnen die Wiederaufbauarbeiten am kriegszerstörten Berlin Dom auf der Spreeinsel im Ost-Berliner Bezirk Mitte (abgeschlossen 1993).
Im Frühjahr beginnen im Ost-Berliner Stadtteil Marzahn die
Arbeiten am größten Wohnungsbauprojekt in der Geschichte
der DDR. Bis 1990 werden hier 62.000 Wohnungen in Plattenbauweise
erreichtet.
Am 23. April wird auf dem Gelände des
ehemaligen Stadtschlosses im Ost-Berliner Bezirk Mitte der Palast der
Republik eröffnet. Nach langem Leerstand ab 1990 beginnen 2006
die Abrissarbeiten zu Gunsten der äußeren
Wiederherstellung des 1950 gesprengten Stadtschlosses.
Am 15. Dezember wird am Kulturforum in West-Berlin der von Hans Scharoun errichtete Neubau der Staatsbibliothek eröffnet.
Im Januar wird um das Neubaugebiet Marzahn herum als erster von
drei neuen Ost-Berliner Bezirken der Bezirk Marzahn gegründet.
Es folgen Hohenschönhausen (1985) und Hellersdorf (1986).
Am
2. April wir am Messegelände in West-Berlin das Internationale
Kongresszentrum (ICC) eröffnet.
Im Ost-Berliner Ortsteil Hellersdorf beginnen die Bauarbeiten an einer weiteren Neubausiedlung für 90.000 Einwohner.
Am 20. November wird die neue Transitautobahn nach Hamburg eröffnet.
Am 9. Januar übernimmt die West-Berliner Verkehrsgesellschaft
BVG von der DDR-Reichsbahn den Betrieb der S-Bahn in West-Berlin.
Am
8. Februar legt der Staats- und Parteichef der DDR in Ost-Berlin den
Grundstein zum Neubaugebiet Hohenschönhausen. Bis 1990 entstehen
hier 30.000 Wohnungen für 100.000 Einwohner.
Am 1.
Oktober wird das nach Kriegszerstörung rekonstruierte
Schinkelsche Schauspielhaus am Platz der Akademie im Ost-Berliner
Bezirk Mitte wiedereröffnet (heute Konzerthaus Berlin am
Gendarmenmarkt).
Von April bis Oktober findet im West-Berliner Bezirk Neukölln die 18. Bundesgartenschau statt (heute BUGA-Park in Britz).
Am 4. April wird im Stadtzentrum Ost-Berlins das Marx-Engels-Forum
eingeweiht.
Am 5. April fordert ein Bombenanschlag auf die
West-Berliner Diskothek "La Belle" zwei Tote und 193
Verletzte.
Alle Bemühungen zur einer gemeinsamen 750-Jahr-Feier Berlins
scheitern. Beide Teile der Stadt gedenken des Stadtjubiläums in
getrennten Veranstaltungen. Bauliche Höhepunkte in Ost-Berlin
sind u.a. die Einweihung des in historisierendem Stil nachgebauten
Nikolaiviertels rund um Berlins älteste Stadtkirche im
Stadtzentrum und die im Stil des 19. Jh. rekonstruierte
Husemannstraße im Bezirk Prenzlauer Berg.
In West-Berlin
findet unter dem Motto „Die Innenstadt als Wohnort“ die
Internationale Bauausstellung statt. Wichtige Themen sind die
„behutsame Stadterneuerung“ in Kreuzberg und der
Stadtneubau als „kritische Rekonstruktion“, z.B. durch
die Errichtung von Stadtvillen und Energiesparhäusern in
Tiergarten.
Am 12. Juni hält US-Präsident Ronald
Reagan seine berühmte Rede vor dem Brandenburger Tor: „Mr.
Gorbachev, open this gate. Mr. Gorbachev, tear down this wall"!“
Anlässlich der staatlichen Demonstration zum Jahrestag der
Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Ost-Berlin werden
am 17. Januar über 100 Mitglieder unabhängiger Friedens-
und Menschenrechtsgruppen festgenommen.
Am 11. Februar kommt
es im Ost-Berliner Schloss Niederschönhausen zum ersten Treffen
des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen (CDU) mit dem
DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker (SED). Themen des Gesprächs
sind u.a. Erleichterungen im Reise- und Besuchsverkehr, der Austausch
von Emissionsdaten, der Gebietsaustausch sowie die Öffnung
weiterer Grenzübergänge und der Eisenbahnverkehr.
Am
10. November erfolgt die symbolische Grundsteinlegung für den
Wiederaufbau der Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße im
Ost-Berliner Bezirk Mitte.
Die erstarkende
Bürgerbewegung in der DDR bringt die DDR-Führung mit
Forderungen nach Reformen in der DDR nach dem Vorbild von „Glasnost“
und Perestroika“ in der Sowjetunion immer mehr in die
Defensive.
Am 6. Oktober unterstützen 2.500 Personen bei
einer Versammlung in der Erlöserkirche in Ost-Berlin die
"Gemeinsame Erklärung" verschiedener Gruppen um das
"Neue Forum", in der u.a. freie Wahlen in der DDR gefordert
werden.
Am 7. Oktober begeht die DDR in Ost-Berlin den 40.
Jahrestag ihrer Gründung, unter den Gästen ist auch der
Partei- und Staatschef der UdSSR Michail Gorbatschow („Wer zu
spät kommt, den bestraft das Leben“).
Straßendemonstrationen vom Alexanderplatz bis zum Palast der
Republik und zur Gethsemane-Kirche (Prenzlauer Berg) mit Forderungen
nach Meinungsfreiheit und Reformen in der DDR werden in den
Abendstunden durch Sicherheitskräfte gewaltsam aufgelöst.
Es kommt zu zahlreichen Festnahmen.
Auf der 9. Tagung des ZK
der SED am 18. Oktober erklärt Erich Honeckers seinen Rücktritt
von der Funktion des Generalsekretärs des ZK der SED, vom Amt
des DDR-Staatsratsvorsitzenden und Vorsitzenden des Nationalen
Verteidigungsrates "aus gesundheitlichen Gründen“.
Egon Krenz wird sein Nachfolger.
Am 4. November versammeln
sich über 500.000 Bürger Ost-Berlins zu einer Demonstration
auf dem Alexanderplatz: Forderung nach Verwirklichung des Rechts auf
Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit. Die SED-Führung
verspricht Reiseerleichterungen in den Westen.
Die
Auseinandersetzungen um die neue Reiseregelung eskalieren so stark,
dass die DDR am 9. November unter dem Druck der Massen die Mauer in
Berlin und die innerdeutsche Grenze öffnet.
2+4 Gespräche
Am 18. März finden die ersten und einzigen freien Wahlen zur Volkskammer der DDR statt. Ihnen folgen im Mai die ersten freien Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung Ost-Berlins seit 1946. Am 12. September wird in Moskau der 2+4-Vertrag zwischen den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges und den beiden deutschen Staaten unterzeichnet, mit dem die Einheit völkerrechtlich geregelt wird. Deutschland erhält die volle Souveränität; in Berlin erlischt der Vier-Mächte-Status. Am 3. Oktober wird mit einem Staatsakt in Berlin die Vereinigung Deutschlands vollzogen. Danach werden im Dezember das Berliner Abgeordnetenhaus und der Deutsche Bundestag neu gewählt.
Abgeordnetenhaus Berlin © Abgeordnetenhaus Berlin
Am 11. Januar wählt das Abgeordnetenhaus den ersten
Gesamtberliner Senat. In Bonn beschließt der Deutsche Bundestag
am 20. Juni den Sitz von Regierung und Parlament in die Hauptstadt
Berlin zu verlegen.
Im gleichen Jahr zieht der Regierende
Bürgermeister mit der Senatskanzlei vom Rathaus Schöneberg
ins Berliner Rathaus („Rotes Rathaus“) im Bezirk
Mitte.
Seit 1993 hat das Abgeordnetenhaus, das Berliner
Landesparlament, seinen Sitz im Gebäude des ehemaligen
Preußischen Landtages.
Im Sommer verabschieden sich die amerikanischen, britischen, französischen und russischen Truppen mit Feiern und Paraden von den Berlinern. Am 8. September veranstaltet die Bundeswehr zu Ehren der ehemaligen Schutzmächte einen Großen Zapfenstreich auf dem Pariser Platz.
Am 22. Oktober wird die Berliner Verfassung in einer Volksabstimmung mit 75,1 Prozent der abgegebenen Stimmen angenommen. In großen Teilen schreibt sie die Berliner Verfassung von 1950 fort. Zu den wesentlichen Neuerungen zählen die Vertiefung einklagbarer Grundrechte und die Erweiterung des Katalogs der Staatsziele (unter anderem das Recht auf Arbeit, Bildung und angemessenen Wohnraum). Auch Umwelt- und Datenschutz haben jetzt Verfassungsrang. Die Beteiligungsrechte der Bürger durch Elemente der direkten Demokratie wie Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksentscheide sind erweitert worden. Der Berliner Verfassungsgerichtshof überwacht die Einhaltung der Verfassung.
Quadriga, Reichstagskuppel © Partner für Berlin/FTB-Werbefotografie
Am 19. April findet die erste Sitzung
des Deutschen Bundestages im neu gestalteten Reichstagsgebäude
statt.
In neu erbauten bzw. sanierten Bürogebäuden
nehmen die Dienststellen von Parlament und Bundesministerien in
Berlin die Arbeit auf. Auch der Bundesrat zieht von Bonn nach Berlin.
Zahlreiche Staaten errichten in Berlin ihre Botschaften; die
Bundesländer eröffnen Vertretungen in der Hauptstadt.
Das Bundeskanzleramt © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
Mit der Fertigstellung des neuen Bundeskanzleramts, das im Mai
2001 bezogen wird, ist die Verlegung von Bundestag und
Bundesregierung offiziell abgeschlossen. In unmittelbarer Nähe
des Reichstagsgebäudes sind weitere Bürokomplexe
entstanden: Das Jakob-Kaiser-Haus für Abgeordnete und das
Paul-Löbe-Haus für die Parlamentsausschüsse und das
Marie-Elisabeth-Lüders-Haus für die Bibliothek und den
wissenschaftlichen Dienst.
Am 3. Oktober finden die zentralen Feierlichkeiten der Bundesrepublik zum Tag der Deutschen Einheit am restaurierten Brandenburger Tor statt. Dabei wird das Tor nach fast zwei Jahren Restaurierungsarbeiten unter Bauplanen im neuen Glanz feierlich enthüllt.