Quelle. www.berlin.de

Die mittelalterliche Handelsstadt

Berlin und Cölln © Landesarchiv Berlin

Berlin und Cölln © Landesarchiv Berlin


Die Stadt entwickelt sich Ende des 12. Jahrhunderts aus den beiden Kaufmannssiedlungen Berlin und Cölln, gelegen zu beiden Seiten der Spree im heutigen Bezirk Mitte.

1237

Das Jahr 1237 gilt als offizielles Jahr der Stadtgründung. Cölln wird in diesem Jahr erstmals urkundlich erwähnt, Berlin folgt 1244.

1280

Berlin erhält ein neues Stadtsiegel, auf dem erstmals zwei Bären abgebildet sind.

1230

Bau der Nikolaikirche im heutigen Nikolaiviertel. 1292 wird die Marienkirche erstmals urkundlich erwähnt.

1307

Berlin und Cölln bilden eine Union, um die Rechte gegenüber dem Landesherrn zu sichern und auszuweiten. Im neuen, gemeinsamen Rathaus sitzen 12 Ratmannen aus Berlin und 6 aus Cölln. Nach innen behalten die Städte eigenständige Verwaltungen und Haushalte, nach außen bilden sie eine Einheit.

1356

Die Markgrafenschaft Brandenburg wird Kurfürstentum.

1360

Berlin-Cölln wird Mitglied des Hansebundes und nimmt als Vertreter der mitttelmärkischen Städte an den Tagungen in Lübeck teil. Der Kaufmanns- und Städtebund erlaubte weitreichende Handelsbeziehungen, jedoch hatte Berlin-Cölln kein großes Gewicht in dem Bündnis. 1518 wird die Stadt nach eigener Lossagung aus dem Bündnis ausgeschlossen.

1390

Am Platz der Nordwestecke des heutigen Berliner Rathauses im Bezirk Mitte wird erstmals ein Berliner Rathaus nachgewiesen.

1400

Berlin und Cölln haben rund 8.500 Einwohner und 1.100 Häuser. Die Doppelstadt besitzt drei Rathäuser, drei Hospitäler, Kirchen und Klöster mit Wohnstätten für die Geistlichkeit und den markgräflichen Hof.





Die kurfürstliche Residenzstadt

Kurfürst Friedrich Wilhelm, Gemälde von Jacques Vaillant © Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Kurfürst Friedrich Wilhelm, Gemälde von Jacques Vaillant © Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

1411

Mit der Berufung des Nürnberger Burggrafen Friedrich VI. aus dem Hause Hohenzollern zum obersten Verweser und Hauptmann der Mark beginnt die über 500-jährige Hohenzollernherrschaft in Berlin. 1415 wird er durch König Sigismund auf dem Konstanzer Konzil als Friedrich I. zum Kurfürsten und Markgrafen von Brandenburg berufen.

1432

Berlin und Cölln schließen sich zu einer Stadtgemeinde zusammen. Zur Durchsetzung eigener Machtansprüche wird diese gemeinsame Stadtverwaltung 1442 durch Kurfürst Friedrich II. wieder aufgehoben.

1443

Auf der Spreeinsel in Cölln wird der Grundstein zum späteren Berliner Stadtschloss gelegt. Die Aus- und Umbauten bis zu seiner endgültigen Form dauern bis 1716.

1486

Kurfürst Johann Cicero macht das Schloss in Cölln zur ständigen Residenz der brandenburgischen Kurfürsten aus dem Haus Hohenzollern. Die Entwicklung zur Residenzstadt bringt einen Zugewinn an politischer Bedeutung, zugleich aber auch einen Verlust der städtischen Freiheiten.

1500

Berlin und Cölln haben ca. 12.000 Einwohner.

1539

Reformation in Brandenburg. Am 1. November nimmt Kurfürst Joachim II. in der Spandauer St. Nikolai-Kirche erstmals das Abendmahl nach lutherischem Ritus ein. Rat und Bürgerschaft von Berlin/ Cölln folgen in einer öffentlichen Feier einen Tag später. Im Sommer 1540 wird die Reformation durch eine neue Kirchenordnung für ganz Brandenburg allgemein verkündet.

1571

In Cölln wird die Gaststätte "Zum Nußbaum" eröffnet. Das auf der Südspitze der Fischerinsel gelegene Gebäude wird 1943 zerstört. Als älteste überlieferte Gaststätte Berlins wird sie 1986/87 im heutigen Nikolaiviertel rekonstruiert.

1647

Zwischen dem Stadtschloss und dem Tiergarten, dem kurfürstlichen Jagdrevier westlich der Stadt, wird eine Allee angelegt: die spätere Straße Unter den Linden.

1648

Zum Ende des dreißigjährigen Krieges hat sich die Einwohnerzahl von Berlin/Cölln auf 6.000 halbiert.

1658

Bis 1683 werden Berlin und Cölln als Festung in Form eines Sterns mit 13 Bastionen ausgebaut. Reste davon sind heute noch am Märkischen Museum zu besichtigen.

1671

Die Berliner jüdische Gemeinde wird gegründet. Bis 1700 wächst sie auf 114 Familien mit über 1.000 Personen. Ein Jahr später erfolgt die Gründung der Hugenotten-Gemeinde zu Berlin mit anfangs 100 Mitgliedern. Bis 1677 wächst ihre Zahl auf über 700 Réfugiés.

1685

Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, erlässt das Toleranzedikt von Potsdam. Ein großer Teil der in Frankreich wegen ihres Glaubensbekenntnisses verfolgten Hugenotten lässt sich in Berlin und der Mark Brandenburg nieder. Bereits ab 1661 hat der Große Kurfürst in mehreren Edikten die Einwanderung von Neusiedlern und Glaubensflüchtlingen erleichtert.

La Vigne-Plan Berlins von 1688

La Vigne-Plan Berlins von 1688

1688

Die Einwohnerzahl erreicht 20.000. Durch die zahlreichen Einwanderer erleben Wirtschaft und Handel einen nachhaltigen Aufschwung.

1695

Kurfürst Friedrich III. lässt westlich von Berlin/Cölln bei Lietzenburg ein Schloss für seine Frau Sophie Charlotte errichten. Nach ihrem Tod 1705 wird es in „Schloss Charlottenburg“ umbenannt.

Die Hohenzollern in Berlin

  • Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg (1371-1440), Kurfürst von 1415 bis 1440

  • Friedrich II., "der Eiserne" (1413-1471), Kurfürst von 1440 von 1470

  • Albrecht Achilles (1414-1486), Kurfürst von 1470 bis 1486

  • Johann Cicero (1455-1499), Kurfürst von 1486 bis 1499

  • Joachim I. Nestor (1484-1535), Kurfürst von 1499 bis 1535

  • Joachim II. Hektor (1505-1571), Kurfürst von 1535 bis 1571

  • Johann Georg (1525-1598), Kurfürst von 1571 bis 1598

  • Joachim Friedrich (1546-1608), Kurfürst von 1598 bis 1608

  • Johann Sigismund (1572-1619), Kurfürst von 1608 bis 1619

  • Georg Wilhelm (1595-1640), Kurfürst von 1619 bis 1640

  • Friedrich Wilhelm (1620-1688), "der Große Kurfürst", Kurfürst von 1640 bis 1688

  • Friedrich III. (1657-1713), Kurfürst 1688 - 1701, dann König bis 1713 als Friedrich I.

  • Friedrich Wilhelm I., "der Soldatenkönig" (1688-1740), König von 1713 bis 1740

  • Friedrich II., "der Große" (1712-1786), König von 1740 bis 1786

  • Friedrich Wilhelm II., "der dicke Wilhelm" (1744-1797), König von 1786 bis 1797

  • Friedrich Wilhelm III. (1770-1840), König von 1797 bis 1840

  • Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861), König von 1840 bis 1858

  • Wilhelm I. (1797-1888), Regent 1858 - 1861, König 1861 - 1888, Kaiser 1871 - 1888

  • Friedrich III. (1831-1888), König und Kaiser 1888

  • Wilhelm II. (1859-1941), König und Kaiser von 1888 bis 1918





Die königliche Hauptstadt

Das Brandenburger Tor © Landesarchiv Berlin

Das Brandenburger Tor © Landesarchiv Berlin

1701

Am 18.01.1701 lässt sich Kurfürst Friedrich III. in Königsberg zum König Friedrich I. in Preußen krönen. Berlin wird königliche Residenzstadt.

1709

König Friedrich I. verfügt die Vereinigung der fünf Städte Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt zur Haupt- und Residenzstadt Berlin. Die vereinigte Stadt hat 55.000 Einwohner.

1717

In Berlin wird die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Deren Umsetzung dauert noch einige Jahrzehnte.

1726

Durch königliche Kabinettsorder Friedrichs I. entsteht aus einem 1709 errichteten Pesthaus am unteren Ende der Spree die Charité. Heute ist sie das älteste Krankenhaus Berlins und zugleich die älteste medizinische Bildungseinrichtung in Deutschland.

1732

Bis 1739 kommen rund 1.200 böhmische Glaubensflüchtlinge nach Berlin. 1737 gründen sie Böhmisch-Rixdorf (heute Neukölln).

1734

Bis 1737 wird die 1658-83 errichtete Stadtbefestigung abgerissen und durch eine 14,5 km lange Zoll- ("Akzise"-) Mauer ersetzt. Das umgrenzte Gebiet umfasst 1.330 Hektar mit 80.000 Einwohnern. Bis 1841 bleibt diese Fläche nahezu unverändert.


Deutsches Historisches Museum (ehemaliges Museum für Deutsche Geschichte, ehemaliges Zeughaus) © Landesarchiv Berlin

Deutsches Historisches Museum (ehemaliges Museum für Deutsche Geschichte, ehemaliges Zeughaus) © Landesarchiv Berlin

Unter Friedrich dem Großen entwickelt sich Berlin ab 1740 zu einem Zentrum der Aufklärung und intensiver Bautätigkeit. Die in dieser Zeit entstandenen Repräsentationsbauten prägen noch heute das Stadtbild rund um die Straße Unter den Linden: das Zeughaus (Fertigstellung bereits 1707 - Foto), das Kronprinzenpalais (1732), das Opernpalais (1737), die Staatsoper (1742), das Prinz-Heinrich-Palais (1756, heute Humboldt-Universität), die St. Hedwigs-Kathedrale (1773) und die Alte Bibliothek (1780).

1763

Friedrich II. erwirbt die vom Kaufmann Johann Ernst Gotzkowsky 1761 an der Leipziger Straße eröffnete Porzellanmanufaktur und gründet die „Königliche Porzellanmanufaktur“ (KPM). Die erste Porzellanmanufaktur in Berlin war 1751 vom Wollfabrikanten Wilhelm Caspar Wegely in der Neuen Friedrichstraße eröffnet worden.

1764

In der Berliner Behrenstraße eröffnet das erste deutschsprachige Theater. Vorher gab es nur fremdsprachige, überwiegend französische Aufführungen. Die erste Theateraufführung in Berlin ist für das Jahr 1541 im Cöllner Schloss nachgewiesen.

1770

Der 1647 angelegte Reitweg vom Stadtschloss zum Tiergarten wird zur Prachtstraße ausgebaut (Unter den Linden).

1791

Das von Carl Gotthard Langhans ab 1788 errichtete Brandenburger Tor wird eingeweiht. 1793 wird die von Johann Gottfried Schadow geschaffene Quadriga aufgesetzt.

1792

Als erste gepflasterte Landstraße Preußens wird die Chaussee von Berlin nach Potsdam eröffnet.

1795

Die erste Dampfmaschine läuft in Berlin. Der Baumwollfabrikant Johann Georg Sieburg setzt die aus England stammende Maschine zum Antrieb von Spinnmaschinen ein.

1800

Berlin hat rund 170.000 Einwohner, darunter 25.000 Soldaten, und 7.200 private Häuser und öffentliche Gebäude.

1805

Der unmittelbar vor der Stadtmauer gelegene Ochsenmarkt und Exerzierplatz erhält zu Ehren des russischen Zaren Alexander I., der im Oktober 1805 in Berlin weilt, den Namen Alexanderplatz.

1806

Am 27. Oktober zieht der französische Kaiser Napoleon mit seinen Truppen durch das Brandenburger Tor in Berlin ein. Die Stadt bleibt bis zum Dezember 1808 von französischen Truppen besetzt. Die französische Fremdherrschaft in Preußen konnte erst 1814 endgültig beendet werden.

1809

Eine neue, vom Freiherrn vom Stein entwickelte preußische Städteordnung tritt in Kraft und gewährt Berlin weitgehende Selbstverwaltungsrechte. Erstmals wird eine Stadtverordnetenversammlung gewählt, die dem König einen Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt benennt.

Die heutige Humboldt-Universität

Die heutige Humboldt-Universität

1810

Im Prinz-Heinrich-Palais Unter den Linden wird Berlins erste Universität eröffnet, die heutige Humboldt-Universität. Ihr erster Rektor ist Johann Gottlieb Fichte.

1816

In der 1804 gegründeten Königlichen Eisengießerei an der Panke wird die erste Dampflokomotive des Kontinents fertig gestellt.

1824

Das wirtschaftliche Wachstum der Stadt führt zu einem starken Zuzug von Arbeitskräften. In der Gartenstraße vor dem Hamburger Tor entstehen die ersten Mietskasernen.

1826

Unter den Linden wird die erste Gasbeleuchtung Berlins in Betrieb genommen.

Altes Museum © Landesarchiv Berlin

Altes Museum © Landesarchiv Berlin

1830

Als erster Museumszweckbau in Preußen wird am Lustgarten auf der Spreeinsel das von Karl-Friedrich Schinkel errichtete Alte Museum eröffnet.

1837

August Borsig legt den Grundstein für seine Maschinenfabrik an der Chausseestraße in Wedding. Daran anschließend sollten zahlreiche, später zum Teil weltberühmte Industriebetriebe folgen, z.B. Siemens (1847), Schwartzkopff (1852), Schering (1864), AEG (1883).

1838

Potsdam und Berlin werden durch die erste Eisenbahnlinie in Preußen miteinander verbunden.

1844

Am Südwestrand des Großen Tiergartens wird als erster Zoo Deutschlands der Zoologische Garten eröffnet. Bis 1900 ist er der größte Tierpark der Welt.

1846

Als Gegenstück zum (königlichen) Tiergarten wird auf einem ehemaligen Weinbergsgelände im dicht besiedelten Osten als erste Erholungsstätte für alle Stände der 52 Hektar große Volkspark Friedrichshain errichtet (offizielle Eröffnung 1848). Er ist bis heute nach dem Großen Tiergarten Berlins größte Parkanlage und hat dem umgebenden Bezirk seinen Namen gegeben.

1847

Die wachsende Stadt wird zum Magneten für Zuwanderer. Die Einwohnerzahl Berlins einschließlich der angrenzenden Siedlungsgebiete wächst auf über 400.000. Die zunehmende Mechanisierung führt zur Verelendung großer Bevölkerungsteile. 40 Prozent des städtischen Haushalts nimmt die Armenfürsorge in Anspruch.

1848

Soziale Not und die Einschränkung politischer Freiheiten führen im März zum Ausbruch der bürgerlich-demokratischen Revolution in Berlin. Nach anfänglichen Erfolgen endet sie im November 1848 mit dem Einmarsch von 13.000 preußischen Soldaten unter General Friedrich von Wrangel und der Verhängung des Belagerungszustand bis Ende Juli 1849. Die meisten toten Aufständischen werden auf dem „Friedhof der Märzgefallenen“ im Volkspark Friedrichhain bestattet. Auch der „Platz des 18. März“ westlich des Brandenburger Tors erinnert noch heute an dieses Ereignis.

1856

Das erste Wasserwerk Berlins geht in Betrieb. Es ist Teil eines umfassend geplanten modernen Wasserversorgungssystems.

1861

Durch Eingemeindungen mehrerer Vorstädte (Wedding, Gesundbrunnen und Moabit sowie Teile der Feldmarken von Charlottenburg, Schöneberg, Tempelhof und Rixdorf) wächst die Fläche des Berliner Stadtgebietes von 35 auf 59 Quadratkilometer, die Einwohnerzahl steigt auf rund 550.000.

Das Berliner Rathaus © Landesarchiv Berlin

Das Berliner Rathaus © Landesarchiv Berlin

1869

Das neue (heutige) Berliner Rathaus wird fertig gestellt. Wegen seiner roten Klinkerarchitektur wird es bald „Rotes Rathaus“ genannt.

1871

Berlin hat 826.815 Einwohner in den Stadtgrenzen und 105.169 in seinen Vororten.





Die kaiserliche Reichshauptstadt

Das Berliner Stadtschloss (1913) © Landesarchiv Berlin

Das Berliner Stadtschloss (1913) © Landesarchiv Berlin

1871

Berlin wird Hauptstadt des Deutschen Reiches. Dieser Gewinn an politischer Bedeutung, die Industrialisierung und der wirtschaftliche Aufschwung der Gründerjahre führen zur Ansiedlung zahlreicher weiterer Unternehmen in der Stadt. Berlin wird politisches, ökonomisches und wissenschaftliches Zentrum des Kaiserreichs.

1874

Die Berliner Stadtbaurat James Hobrecht beginnt mit dem Aufbau eines umfassenden Entwässerungssystems für die Hauptstadt. In Friedrichshain wird das erste städtische Krankenhaus eröffnet.

1875

Im Mai vereinigen sich in Gotha der von Ferdinand Lasalle 1863 gegründete „Allgemeine Deutsch Arbeiterverein“ (ADAV) mit der 1869 gegründeten „Sozialdemokratische Arbeiterpartei“ (SDAP) unter der Führung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht zur „Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands“ (SDAP) mit Sitz in Berlin. 1890 benennt sich die Partei in „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ (SPD) um. Die SPD selbst bezieht sich mit ihrem Gründungsdatum auf die Gründung des ADAV im Jahr 1863.

1877

Die Einwohnerzahl überschreitet die Millionengrenze.

1878

Das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ verbietet Organisationen, Druckschriften und Versammlungen der als „Reichsfeinde“ angesehen Sozialdemokraten. Es bleibt bis 1890 in Kraft.

1879

Auf der Berliner Gewerbeausstellung stellen Siemens & Halske die erste elektrische Eisenbahn der Welt vor. 1881 fährt in Lichterfelde die erste elektrische Straßenbahn der Welt.

1882

Der von der Stadt zum königlichen Jagdschloss Grunewald führende Knüppeldamm wird bis Halensee nach Vorbild der Champs- Elyseés in Paris zur Prachtstraße ausgebaut. Der „Neue Westen“ um den „Kurfürstendamm“ entwickelt sich zu einer bevorzugten Wohngegend für prominente und reiche Anwohner und einem beliebten Treffpunkt der Kulturszene.

1883

In der Schumannstraße wird das "Deutsche Theater" eröffnet. 1892 folgt das "Neue Theater" am Schiffbauerdamm, als "Berliner Ensemble" die spätere Wirkungsstätte Berthold Brechts.

1890

Zum 1. Mai finden in Berlin die ersten Maifeiern der Arbeiterbewegung statt. Bei den Reichstagswahlen wählt die absolute Mehrheit der Berliner sozialdemokratisch.

1891

Dem Berliner Maschinenbauingenieur Otto Lilienthal gelingt der erste sichere Gleitflug der Geschichte (25 Meter). Lilienthal stirbt bei einem Flugunfall 1896. An ihn und seine Pionierleistung erinnern die Lilienthal-Gedenkstätte am „Fliegeberg“ in Lichterfelde sowie der heutige „Flughafen Otto Lilienthal“ in Tegel.

1900

Berlin hat fast 1,9 Millionen Einwohner; unter Einschluss der 23 Vororte leben insgesamt 2,5 Millionen Menschen im unmittelbaren Einzugsbereich der Stadt. Laut einer "Wohnungs-Enquête" von 1903 ist Berlin die größte Mietskasernenstadt der Welt: Eine Million Wohnungen, davon 400.000 mit nur einem Raum und weitere 300.000 mit zwei Räumen.

1902

Die erste Berliner U-Bahnlinie zwischen Warschauer Brücke und Knie (heute Ernst-Reuter-Platz) nimmt ihren Betrieb auf.

1906

Der Schuster Wilhelm Voigt besetzt als „Hauptmann von Köpenick" mit richtigen Soldaten das Rathaus Köpenick, verhaftet den Bürgermeister und raubt die Stadtkasse.

1907

Im neuen Westen am Wittenbergplatz wird das Kaufhaus des Westens, KaDeWe, eröffnet.

1911

Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (heute Max- Planck-Gesellschaft) wird gegründet. Neben der Wissenschaft blühen auch Kultur, Wirtschaft und Forschung. Berlin gewinnt internationales Profil durch Namen wie Max Liebermann und Walter Leistikow (Berliner Sezession 1898), Max Reinhardt, Rudolf Virchow, Adolf von Harnack, Max Planck und Theodor Mommsen.

1911/1912

Berlin schließt sich mit den umgebenden Städten Charlottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf, Lichtenberg und Spandau sowie den Kreisen Niederbarnim und Teltow zum Zweckverband Groß-Berlin zusammen.

1912

Die Einwohnerzahl innerhalb der Stadtgrenzen übersteigt die Zwei-Millionen-Grenze.

1914-1918

Während der Kriegsjahre wird die Versorgung der Millionenstadt immer schwieriger. Hunger und Kriegsmüdigkeit der Bevölkerung führen gegen Ende des Krieges in Berlin zu Massenstreiks.

1918

Revolution in Berlin. Am 9. November verkündet Reichskanzler Prinz von Baden Abdankung Kaiser Wilhelms II. und übergibt Regierungsgeschäfte an Friedrich Ebert (SPD). Philipp Scheidemann ruft von einem Balkon des Reichstags die freie deutsche Republik aus. Karl Liebknecht proklamiert vom Balkon IV des Berliner Schlosses die freie sozialistische Republik Deutschlands.






Die Weltstadt in der Weimarer Republik

Potsdamer Platz um 1930 © Landesarchiv Berlin

Potsdamer Platz um 1930 © Landesarchiv Berlin

1918

Nach Absetzung und Flucht Kaiser Wilhelms II. ins niederländische Exil wird am 11. November durch beiderseitigen Waffenstillstand der Erste Weltkrieg beendet. Der sozialdemokratische Politiker Philipp Scheidemann ruft am 9. November 1918 von einem Fenster des Reichstags die „Deutsche Republik“ aus. Der Sozialdemokrat Friedrich Ebert wird Reichskanzler.
Am 30. Dezember gründen Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Wilhelm Pieck im Festsaal des preußischen Abgeordnetenhauses in Berlin die „Kommunistische Partei Deutschlands“ (KPD).

1919

Im Januar wird der von KPD und USPD getragene Spartakusaufstand in Berlin blutig niedergeschlagen. Am 15. Januar werden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg festgenommen und durch Freikorps-Truppen im Tiergarten ermordet.

Am 29. Februar wird eine neue Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt, erstmalig nicht nach dem Dreiklassenwahlrecht. Die 1917 von der SPD abgespaltene USPD erhält 47 Sitze, die SPD 46, beide zusammen also 93 der insgesamt 144 Sitze. Erstmals sind auch 25 Frauen im Stadtparlament vertreten. Gustav Böß wird Oberbürgermeister.

1920

Am 13. März putschen in Berlin Teile der Reichswehr und anderer militärischer Verbände gegen ihre durch den Versailler Vertrag verfügte Auflösung. Sie erklären die gewählte Regierung für abgesetzt und rufen den rechtkonservativen Politiker Wolfgang Kapp zum Reichkanzler aus. Unter einem von SPD und KPD gemeinsam organisierten Generalstreik bricht der Kapp-Putsch am 17. März zusammen.

Am 1. Oktober werden durch das sogenannte „Groß-Berlin-Gesetz“ 7 umgebende Städte, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke nach Berlin eingemeindet und das Stadtgebiet in 20 Bezirke eingeteilt. Die Einwohnerzahl beträgt nun 3,8 Millionen, das Stadtgebiet verdreizehnfacht sich von 6.500 Hektar auf 878 Quadratkilometer. Berlin wird zur größten Industriestadt des Kontinents und entwickelt sich in den Zwanziger Jahren zur legendären Kulturmetropole. In der Stadt leben und arbeiten Künstler wie Otto Dix, Lionel Feininger, Bertolt Brecht und Arnold Zweig. Hier wirken die Nobelpreisträger Albert Einstein und Fritz Haber.

1921

Nach acht Jahren Bauzeit wird im Grunewald als erste Autobahn der Welt die „Automobil-Verkehrs- und Übungsstrecke“ (AVUS) eröffnet.

1922

Am 24. Juni wird der deutsche Außenminister Walter Rathenau vor seiner Wohnung in Grunewald von rechtsgerichteten Militärs ermordet. Im April hatte er mit dem „Vertrag von Rapallo“ eine Annährung zwischen dem Deutschen Reich und dem Vorläuferstaat der am 30. Dezember 1922 gegründeten Sowjetunion in die Wege geleitet.

1923

Die Inflation erreicht ihren Höhepunkt. Im September kostete ein Kilo Roggenbrot 3,6 Millionen Mark, eine Straßenbahnfahrt am 22. November 150.000 Mark.

Am 8. Oktober wird der Flughafen Tempelhof in Betrieb genommen.

1924

Auf dem Messegelände wird die „1. Große Deutsche Funkausstellung“ veranstaltet und der Grundstein für den Funkturm gelegt. Zur dritten Funkausstellung 1926 wird er mit einer Rede Albert Einsteins eröffnet.

1925

Der Stadtbaurat Martin Wagner und der Architekt Bruno Taut beginnen mit dem Bau der Hufeisensiedlung in Britz als neue Synthese zwischen sozialem Wohnungsbau und Eigenheim. Die Siedlung wird 1931 fertig gestellt und gilt als erstes und herausragendes Beispiel des „Neuen Wohnens“ in Berlin.

Berlin hat 4.024.165. Einwohner

1926

Im Februar wird die erste „Grüne Woche“ in Berlin veranstaltet.

1928

Am 31. August erfolgt die Uraufführung der "Dreigroschenoper" im Theater am Schiffbauerdamm. In Berlin erscheinen 147 Tages- und Wochenzeitungen.

Auf der fünften Großen Deutschen Funkausstellung wird erstmalig das Fernsehen öffentlich vorgeführt.

1929

Die Weltwirtschaftskrise erfasst Berlin. Es gibt 664 Konkurse in der Stadt. Im Februar hat die Stadt 450.000 Arbeitslose. Es kommt zu Demonstrationen und gewalttätigen Unruhen. Der „Blutmai“ 1929 kostet über 30 Tote und mehrere Hundert Verletzte.

Bei den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung am 17. November erzielt die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) 5,8 Prozent und zieht erstmals mit 13 Abgeordneten in das Stadtparlament ein.

1932

Bis Dezember steigt die Arbeitslosenzahl auf 630.000. Berlins Straßen sind Schauplatz zunehmender gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen links- und rechtsextremistischen Gruppierungen mit zahlreichen Toten und Verletzten. Die Reichtagswahlen am 6. November bringen der NSDAP zwar Verluste (von 37,4 auf 33,1 Prozent), sie wird aber wieder wie schon zuvor im Juli mit Abstand stärkste Fraktion. In Berlin erreicht sie einen Stimmanteil von 25,9 Prozent.






Berlin im Nationalsozialismus

Bücherverbrennung © Landesarchiv Berlin

Bücherverbrennung © Landesarchiv Berlin

1933

Die „Machtergreifung“ Adolf Hitlers führt zur Machtübernahme der Nationalsozialisten und zum Ende der Demokratie in Deutschland und Berlin.

Am 14. März stellt der preußischer Innenminister und Ministerpräsident Hermann Göring (NSDAP) dem gewählten Oberbürgermeister Heinrich Sahm einen „Staatskommissar für die Hauptstadt Berlin“ zur Seite, der die faktische Machtausübung in Berlin übernimmt.

Am 20. März werden allen kommunistischen Abgeordneten die Mandate aberkannt, im Juli geschieht das Gleiche mit den Sozialdemokraten.

Am 21. März wird vor den Toren der Stadt in Sachsenhausen bei Oranienburg für die inhaftierten Gegner des Regimes das erste Konzentrationslager im Berliner Raum eröffnet.

Am 1. April finden in Berlin die ersten organisierte Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte, Ärzte und Rechtsanwälte statt. Am 10. Mai veranstalten die Nationalsozialisten „wider den undeutschen Geist“ eine Bücherverbrennung auf dem Platz vor der Alten Bibliothek (heute Bebelplatz). Heute erinnert dort ein Mahnmal an das Ereignis.

1934/35

Alle gewählten Gremien der Stadt werden aufgelöst. Die Verwaltung wird „gleichgeschaltet“: Rund 1300 Beamte, jeder dritte Angestellte und jeder zehnte Arbeiter werden entlassen. Im Dezember 1935 tritt der nur noch formal amtierende Oberbürgermeister Heinrich Sahm zurück.

1935

Am 22. März startet in Berlin das erste öffentliche Fernsehprogramm der Welt.

1936

Vom 1. bis 16. August finden in Berlin die elften Olympischen Sommerspiele statt. Für diese Zeit wird die Stadt von antijüdischen Plakaten und Hetzparolen gesäubert.

1937

Das 700-jährige Stadtjubiläum wird erstmals mit einer großen Feier begangen.

1938

Mit der Annexion Österreichs am 12. März wird Berlin Hauptstadt des „Großdeutschen Reiches“.

Am 9. November setzen SA- und SS-Männer in der so genannten "Reichskristallnacht" neun der zwölf Berliner Synagogen in Brand, plündern jüdische Geschäfte und terrorisieren zahlreiche jüdische Bürger. Die rund 1.200 Verhafteten werden zumeist in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert.

Von den 1933 in Berlin lebenden 160.000 Juden können bis 1941 etwa 90.000 ins Ausland emigrieren, mehr als 60.000 kommen bis zum Kriegsende in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten ums Leben oder werden ermordet. Rund 1.400 Juden überleben im Untergrund unter Mithilfe der Berliner Bevölkerung, den „Unbesungenen Helden“.

1939

Mit der Kriegserklärung an Polen am 1. September wird Berlin zum Ausgangspunkt des Zweiten Weltkriegs.

1940

Im August bombardieren erstmals gegnerische Luftstreitkräfte die Stadt.

1942

Am 20. Januar werden in einer SS-Villa am Wannsee auf der so genannten „Wannsee-Konferenz“ die organisatorischen Maßnahmen zur „Endlösung der Judenfrage“, der industriemäßigen Vernichtung der europäischen Juden beschlossen. Heute befindet sich in dem Gebäude eine international beachtete Gedenk- und Bildungsstätte.

1943

Nach der katastrophalen Niederlage der deutschen Armee bei Stalingrad im Januar proklamiert Reichpropagandaminister Joseph Goebbels am 18. Februar im Berliner Sportpalast den „Totalen Krieg“. Das historische Gebäude wird 1973 abgerissen.

Im Herbst beginnen die anglo-amerikanischen Streitkräfte mit großräumigen Flächenbombardements der Stadt. Bis zum Kriegsende werden rund 1 Millionen Einwohner evakuiert. Mehr als 50.000 verlieren ihr Leben.

1944

Am 20. Juli scheitert der Attentatsversuch Obersts Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler. Massenhafte Verhaftungen und standrechtliche Hinrichtungen sind die Folge. Stauffenberg und seine engsten Mittäter werden im Gebäude des Oberkommandos der Wehrmacht, dem Bendlerblock, erschossen (heute Gedenkstätte Stauffenbergstraße). 89 weitere Hinrichtungen erfolgen im NS-Zuchthaus Plötzensee. Insgesamt werden in dieser Hinrichtungsstätte der Nationalsozialisten bis 1945 rund 2.500 Todesurteile vollstreckt (heute Gedenkstätte Plötzensee).

1945

Am 21. April überschreitet die Rote Armee erstmals die Stadtgrenze Berlins. Die „Schlacht um Berlin“ beginnt. Sie endet mit dem Selbstmord Hitlers am 30. April und der Einstellung aller Kampfhandlungen der deutschen Wehrmacht in Berlin am 2. Mai. Für Berlin ist der Krieg beendet.

In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai erfolgt im Kasinosaal einer Wehrmachtskaserne im Berliner Ortsteil Karlshorst vor den Vertretern aller Alliierten die förmliche Kapitulation für ganz Deutschland





Berlin nach 1945 – Besetzung, Spaltung, Mauerbau und Kalter Krieg

Luftbrücke © Landesarchiv Berlin

Luftbrücke © Landesarchiv Berlin

1945

Die Berliner Garnison kapituliert am 2. Mai, sechs Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Weite Teile der Stadt sind zerstört [Film].
Der am 8. Mai 1945 beendete Zweite Weltkrieg hat in weiten Teilen Berlins eine Trümmerlandschaft hinterlassen: 600.000 zerstörte Wohnungen und von vormals 4,3 Millionen Einwohnern leben noch 2,8 Millionen in der Stadt. Entsprechend der Vereinbarung der Alliierten wurde die Stadt in vier Sektoren aufgeteilt und gemeinsam von den Besatzungsmächten, den Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion verwaltet.

1946-49

Zunehmende Interessengegensätze der Siegermächte zur Nachkriegsordnung Europas und insbesondere Deutschlands führen zum Scheitern der gemeinsamen Verwaltung der Stadt durch die Alliierten. Berlin entwickelt sich zum Brennpunkt des „Kalten Krieges“.

1946

Die im April unter Druck der Sowjetischen Militärverwaltung und der KPD in der Ostzone und Ost- Berlin durchgesetzte Vereinigung von KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) führt zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Alliierten sowie den lokalen Parteiorganisationen.

Am 20. Oktober wird mit einer Wahlbeteiligung von 92,3 Prozent Berlins erste Stadtverordnetenversammlung nach dem Kriege gewählt. Die SPD erhält 48,7 Prozent der Stimmen, die CDU 22,2, die SED 19,8 und die LDP 9,3 Prozent.

1948

Der unter anderem durch Streitigkeiten um die Währungsreform ausgelösten Blockade [Film] der Westsektoren von Juni 1948 bis Mai 1949 durch die Sowjetunion begegnen die westlichen Alliierten mit der Luftbrücke, der bis dahin beispiellosen Versorgung einer ganzen Stadt aus der Luft. (Foto Luftbrücke) Aus den westlichen Siegermächten werden Schutzmächte und Freunde.
Mit der Blockade endet auch die gemeinsame Verwaltung Berlins. Wegen zunehmender Störungen durch Parteigänger der SED verlegt die Stadtverordnetenversammlung ihre Tagungen am 6. September in den Westteil der Stadt. In Ost-Berlin bildet sich daraufhin am 30. November ein eigener, von der SED dominierter Magistrat unter Oberbürgermeister Friedrich Ebert. Damit ist die Spaltung der Stadtverwaltung vollzogen.

Am 9. September appelliert Ernst Reuter vor der Ruine des Reichtages vor mehr als 300.000 Berlinern an die „Völker der Welt“, „diese Stadt und dieses Volk“ nicht preiszugeben.

Am 4. Dezember wird in West-Berlin als Gegengründung zur im Ostteil gelegenen traditionellen Friedrich-Wilhelms-Universität (ab 1949 Humboldt-Universität) die „Freie Universität Berlin“ gegründet.

1949

Die gewählte Stadtverordnetenversammlung und der Oberbürgermeister nehmen provisorisch Quartier als Untermieter im Rathaus des West-Berliner Bezirks Schöneberg – ein Provisorium, das mehr als 40 Jahre andauern wird.

Wegen der Belastungen durch die Blockade kommt es unter dem Oberbegriff "Notopfer Berlin" zu einem ersten umfassenden finanziellen Hilfsprogramm für die isolierte Stadt. Sichtbarer Ausdruck ist die am 1. April in den Westzonen eingeführte 2-Pfennig-Briefmarke "Notopfer Berlin“. Sie gilt bis 1956.

Am 12. Mai hebt die Sowjetunion die Blockade der Berliner West-Sektoren auf. Als Folge stoppen die Westalliierten ihre gegen die sowjetische Besatzungszone verhängten Wirtschaftssanktionen. Der Zugang nach West-Berlin durch die sowjetische Besatzungszone ist jedoch weiterhin nicht ohne weiteres möglich. Bis zur Wiedervereinigung 1990 dürfen nur die von der östlichen Seite festgelegten Transitstrecken und die von den Alliierten schon zu Kriegszeiten vereinbarten Luftkorridore benutzt werden.

Am 23. Mai 1949 erfolgt in den Westzonen Deutschlands die Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Für Berlin bleibt der alliierte Sonderstatus (bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990) erhalten. Am 10. Mai 1949 bestimmt der Parlamentarische Rat Bonn ersatzweise zur Hauptstadt des neuen Staates.

Mit der Staatsgründung der Deutschen Demokratischen Republik in der Ostzone am 7. Oktober 1949 wird Ost-Berlin zur „Hauptstadt der DDR“. In der Folge werden beide Stadthälften eng in die jeweiligen Gesellschaftssysteme ihrer Führungsmächte eingebunden.

1950

Im September beginnt in Ost-Berlin die Sprengung des Berliner Stadtschlosses. Ein Symbol des „preußischen Feudalismus“ soll getilgt werden.

Am 1. Oktober tritt die bereits 1948 von der gewählten Stadtverordnetenversammlung für die ganze Stadt verabschiedete Verfassung von Berlin in Kraft. Ihre tatsächliche Geltung ist durch die Spaltung der Stadt aber auf die drei Westsektoren (Land Berlin) beschränkt. Ost-Berlin bleibt bis 1990 ohne Verfassung.

1951

Am 18. Januar wählt das im Rathaus Schöneberg tagende Abgeordnetenhaus Ernst Reuter (SPD) zum ersten Regierenden Bürgermeister von Berlin. Er amtiert bis zu seinem Tod am 29. September 1953.

Im August finden in Ost-Berlin die III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten mit 26.000 Teilnehmern aus 104 Ländern statt. Über die noch offene Sektorengrenze ist auch West-Berlin Zielpunkt vieler ausländischer Besucher und FDJ-Mitglieder.

1952

Mit dem „Gesetz über die Stellung Berlins im Finanzsystem des Bundes“ (Drittes Überleitungsgesetz) vom 4. Januar erhält West-Berlin einen Rechtsanspruch auf finanzielle Hilfe des Bundes zur Erhaltung seiner Lebensfähigkeit.

Im Februar beginnt in Ost-Berlin im Rahmen des „Nationalen Aufbauprogramms Berlin“ der Ausbau der Stalinallee (ab 1961 Karl-Marx-Allee) zur „ersten sozialistischen Straße Deutschlands“. Die im sowjetischen Zuckerbäckerstil der Stalinzeit errichteten Wohnhäuser stehen heute unter Denkmalschutz und sind nach wie vor begehrte Wohnquartiere.

Am 29. März wird in West-Berlin im Großen Tiergarten durch den britischen Außenminister Anthony Eden der englische Garten eröffnet.

1953

Am 16. Juni treten die Bauarbeiter an der Ost-Berliner Stalinallee gegen eine staatlich verordnete Normenerhöhung in Streik. Daraus entwickelt am 17. Juni ein Volksaufstand, der auf zahlreiche andere Städte der DDR übergreift und in der Forderung nach Abschaffung des SED-Regimes und freien Wahlen in ganz Deutschland gipfelt. Der Aufstand wird von sowjetischen Truppen gewaltsam niedergeschlagen. Es kommt zu mehreren hundert Toten, über 1000 Verletzten und zahlreichen Verhaftungen. Am 4. August erklärt der Deutsche Bundestag den 17. Juni als nationalen Gedenktag zum „Tag der deutschen Einheit“.

Am 22. August wird in West-Berlin für DDR-Flüchtlinge das Notaufnahmelager Marienfelde eröffnet.

1954

Im März bezieht das „Berliner Ensemble“ unter Leitung von Bertolt Brecht sein eigenes Haus im Theater am Schiffbauerdamm im Ost-Berliner Bezirk Mitte.

1955

Am 2. Juli wird der Ost-Berliner Tierpark im Schlosspark Friedrichsfelde eröffnet.

Am 16. September nimmt die „Deutsche Lufthansa der DDR“ (ab 1959 „Interflug“) den von der sowjetischen Besatzungsmacht übernommen Flughafen Schönefeld als ersten Verkehrsflughafen der DDR in Betrieb.

Am 30. November wird das nach Kriegszerstörungen wieder aufgebaute (Ost-) Berliner Rathaus an Oberbürgermeister Friedrich Ebert übergeben.

1956

In West-Berlin beginnt der Bau der Stadtautobahn.

1957

Als Höhepunkt des innerstädtischen Neuaufbaus in den 50er Jahren findet in West-Berlin die Internationale Bauausstellung (Interbau) statt. Kernstücke sind das bewusst als Gegenbeispiel zu den sozialistischen Wohnungsbauten an der Stalinallee unter Beteiligung zahlreicher internationaler Architekten errichtete Hansaviertel und die Kongresshalle im Großen Tiergarten.

Am 21. Juni wird in West-Berlin die 100.000ste Wohnung übergeben, die seit 1945 mit öffentlichen Mitteln errichtet worden ist.

Im August wird in Ost-Berlin die restaurierte, 1818 von Karl-Friedrich Schinkel erbaute „Neue Wache“ an der Straße „Unter den Linden“ wieder eröffnet. Von 1960 bis 1990 dient sie der DDR als „Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus“. Seit 1993 ist sie „Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland“.

Am 3. Oktober wird Willy Brandt (SPD) in West-Berlin zum Regierenden Bürgermeister Berlins gewählt. Er amtiert bis Dezember 1966.

1958

Im September wird in einer der wenigen „Gemeinschaftsaktionen“ zu Zeiten des Kalten Krieges mit der Wiederaufstellung der (in West-Berlin neu gegossenen) Quadriga auf dem (in Ost-Berlin stehenden) Brandenburger Tor die Wiederherstellung dieses im Krieg stark zerstörten Berliner Baudenkmals abgeschlossen.

Am 27. November fordert der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita Chruschtschow angesichts des anhaltenden Flüchtlingsstroms aus der DDR über Berlin in den Westen die drei Westalliierten in einer Note ultimativ zum Verlassen Berlins auf und verlangt die Umwandlung West-Berlins in eine „entmilitarisierte freie Stadt“. Nach der Blockade 1948/49 wird die Lebensfähigkeit West-Berlins durch das sogenannte „Chruschtschow-Ultimatum“ zum zweiten Mal ernsthaft bedroht.

1959

Am 18. Juni übernimmt Bundespräsident Theodor Heuss (FDP) offiziell das im Großen Tiergarten gelegene Schloss Bellevue als seinen Berliner Amtssitz.

1960

Unter dem Druck zunehmender Zwangsmaßnahmen in der DDR (Zwangskollektivierung) flüchten im Laufe des Jahres nahezu 200.000 DDR-Bewohner über die offene Sektorengrenze nach West-Berlin.

1961

Am 25. Juli verkündet US-Präsident John F. Kennedy die lebenswichtigen Interessen der westlichen Schutzmächte an Berlin, die sog. „Three Essantials“: 1. Recht der Alliierten auf Anwesenheit in Berlin, 2. ihr Recht auf freien Zugang und 3. die Erhaltung der Lebensfähigkeit und des Rechts auf Selbstbestimmung für West-Berlin.

Im Juli flüchten 30.415 DDR-Bewohner nach West-Berlin. Das ist die höchste monatliche Zahl seit 1953.

Am 13. August beginnt die DDR mit dem Bau einer Mauer entlang der Sektorengrenze und riegelt beide Teile der Stadt voneinander ab.

Am 19. August treffen US-Vizepräsident Lyndon B. Johnson und General a.D. Lucius D. Clay in Berlin ein, um sich über die Sperrmaßnahmen der DDR zu informieren. Am 22. August besucht Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) die Stadt.

Am 25. August wird auf dem Messegelände am Funkturm die erste Internationale Funkausstellung seit 1939 eröffnet.

Am 17. Dezember wird der Neubau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Charlottenburg (Egon Eiermann) durch Bischof Otto Dibelius geweiht.

1962

Bis Ende der siebziger Jahre werden in West-Berlin große Stadtrandsiedlungen errichtet (Gropiusstadt 1962, Märkisches Viertel und Falkenhagener Feld 1963, jeweils Baubeginn).

In Ost-Berlin wird das Stadtzentrum der „Hauptstadt der DDR“ um Alexanderplatz und Marx-Engels-Platz repräsentativ ausgebaut: am Alexanderplatz „Haus des Lehrers“ und Kongresshalle 1964, „Haus der Elektroindustrie“ 1969, Centrum-Warenhaus (heute „Kaufhof“) und Hotel "Stadt Berlin" (heute „Park Inn“) 1970 und „Haus des Reisens“ 1971; am Marx-Engels-Platz Staatsratsgebäude 1964 (heute European School of Management and Technology), Außenministerium 1967 (1995 abgerissen) und Fernsehturm 1969 (jeweils Fertigstellung). Ebenso entstehen in dieser Zeit die Wohnbebauung an der Karl-Liebknecht-Straße und den Rathauspassagen (1968-1972) sowie an der Karl-Marx-Allee bis Strausberger Platz (1959-1965).

1963

Am 17. Januar besucht der sowjetische Partei- und Staatschef Nikita Chruschtschow Ost-Berlin.

US-Präsident Kennedy besucht am 26. Juni die Stadt und versichert in seiner berühmten Rede [Film] vor dem Rathaus Schöneberg den Berlinern seine Solidarität.

Am 17. Dezember wird das erste Passierscheinabkommen über die Regelung des Besuchs West-Berliner Bürger bei Verwandten im Ostteil der Stadt unterzeichnet. Es gilt für die Zeit vom 19. Dezember 1963 bis zum 5. Januar 1964. 1,2 Mio. West-Berliner nutzen die Möglichkeit eines Verwandtenbesuchs im Ostteil der Stadt. Weitere Abkommen folgen 1964,1965 und 1966.

1965

Am 7. April hält der Deutsche Bundestag eine Plenarsitzung in der Berliner Kongresshalle ab. Aus Protest gegen diese „widerrechtliche“ Einbeziehung West-Berlins in das politische System der Bundesrepublik Deutschland erlässt die DDR ein Durchfahrtsverbot für Bundestagsabgeordnete auf den Transitstrecken. Sowjetische Militärmaschinen stören die Sitzung durch Tief- und Überschallflüge über dem Tagungsort.

Am 2. Mai wird am Breitscheidplatz in Charlottenburg das Europa-Center eröffnet.

1966

Am 1. Dezember tritt Willy Brandt als Regierender Bürgermeister zurück und übernimmt das Amt des Vizekanzlers und Außenministers unter Bundeskanzler Kurt-Georg-Kiesinger.

1967

Am 1. Januar wird im Ost-Berliner Industriegebiet Oberschöneweide das erste Industriekombinat der DDR gebildet, das Kombinat VEB Kabelwerke Oberspree (KWO).

Am 2. Juni wird bei einer studentischen Protestdemonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien in West-Berlin der Berliner Student Benno Ohnesorg durch einen Polizisten erschossen (heute Gedenkrelief neben der Deutschen Oper). Sein Tod und die folgenden Auseinandersetzungen rücken die Berliner Studentenbewegung in den Blickpunkt der allgemeinen Öffentlichkeit. Gegen den universitären „Muff von tausend Jahren“, die Erstarrungen der Großen Koalition und die Ungerechtigkeit einer auf Ausbeutung und Unterdrückung der Dritten Welt beruhenden Weltordnung wird sie zur Keimzelle der späteren „außerparlamentarischen Opposition“ (APO).

Mit der Einstellung der Linie 55 zwischen Charlottenburg und Spandau endet in West-Berlin am 2. Oktober (vorerst) das Zeitalter der Straßenbahnen. In Ost-Berlin wird ihr Verkehr bis zur Vereinigung aufrecht erhalten und danach einige Linien wieder in die westlichen Bezirke verlängert.

1968

Das Attentat auf den Berliner Studentenführer Rudi Dutschke am 11. April auf dem Kurfürstendamm markiert einen weiteren dramatischen Höhepunkt der Auseinandersetzungen um die Berliner Studentenbewegung.

Zum 24. Jahrestag des gescheiterten Umsturzversuchs gegen Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 wird am 20. Juli im Bendlerblock die „Gedenk- und Bildungsstätte Stauffenbergstraße“ eröffnet (heute Gedenkstätte Deutscher Widerstand).

Am Kulturforum in West-Berlin wird die von Mies van der Rohe errichte Neue Nationalgalerie eröffnet.

1969

Am 27. Februar besucht US-Präsident Richard Nixon West-Berlin.

Am 2. Oktober geht die Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz in Betrieb.

Am 21. Oktober wird Willy Brandt (SPD) zum Bundeskanzler gewählt. In seiner Regierungserklärung erklärt er seine Bereitschaft zu Verhandlungen zwischen beiden deutschen Staaten.

Am 16. Dezember schlagen die Westmächte der UdSSR Gespräche zur Lösung der Probleme um Berlin vor.

1970

Im Januar beginnt die Bebauung der Leipziger Straße im Ost-Berliner Bezirk Mitte mit 11- bis 25-stöckigen Wohnhäusern.

Am 26. März beginnen im Gebäude des Alliierten Kontrollrates in West-Berlin die Verhandlungen der vier ehemals alliierten Siegermächte des II. Weltkrieges über Berlin.

Am 19. April wird am Leninplatz im Ost-Berliner Bezirk Friedrichshain (ab 1992 Platz der Vereinten Nationen) das 19 Meter hohe Lenindenkmal enthüllt. Es wird 1991 abgetragen.

1971

Am 31. Januar werden erstmals seit 1952 wieder zehn direkte Telefonleitungen zwischen West- und Ost-Berlin geschaltet.

Am 3. Juni beginnen Verhandlungen zwischen dem Berliner Senat und der DDR-Regierung über "beiderseits interessierende Fragen".

Am 3. September unterzeichnen die Botschafter der vier Siegermächte im Gebäude des Alliierten Kontrollrates in West-Berlin das Vier-Mächte-Abkommen zu Berlin. Es klärt die Bindungen zwischen Berlin und der Bundesrepublik Deutschland und ermöglicht in der Folge eine Vielzahl von praktischen Regelungen zum Nutzen der Menschen. Mit seinen Folgeabkommen zum Transitverkehr sowie den Reise- und Besuchsmöglichkeiten tritt es am 3. Juni 1972 in Kraft.





Vom Berlin-Abkommen zum Fall der Mauer

Brandenburger Tor 1989 © Landesarchiv Berlin

Brandenburger Tor 1989 © Landesarchiv Berlin

1971

Die Paraphierung des Berlin-Abkommens am 3. September ermöglicht in der Folge eine Reihe von praktischen Regelungen zum Nutzen der Menschen.

Am 17. Dezember wird das Transitabkommen über die Erleichterung des Verkehrs auf den Zugangswegen nach West-Berlin zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR unterzeichnet.

Am 20. Dezember unterzeichnen der Senat von Berlin und die DDR-Regierung die "Vereinbarung über Erleichterungen und Verbesserungen des Reise- und Besucherverkehrs" sowie die "Vereinbarung über die Regelung der Frage von Enklaven durch Gebietsaustausch".

1972

Am 3. Juni unterzeichnen die vier Außenminister in Berlin das Vier-Mächte-Schlussprotokoll zum Berlin-Abkommen von 1971. Damit treten auch die Folgeabkommen in Kraft. Ein halbes Jahr später schließen die Bundesrepublik Deutschland und die DDR den Grundlagenvertrag. West-Berlin wird in den Entspannungsprozess einbezogen [Film].


1974

Am 1. November wird in West-Berlin der Flughafen Tegel eröffnet.

1975

Auf der Grundlage eines Vertrages zwischen dem Bund der Evangelischen Kirchen der DDR und der DDR-Regierung beginnen die Wiederaufbauarbeiten am kriegszerstörten Berlin Dom auf der Spreeinsel im Ost-Berliner Bezirk Mitte (abgeschlossen 1993).

1976

Im Frühjahr beginnen im Ost-Berliner Stadtteil Marzahn die Arbeiten am größten Wohnungsbauprojekt in der Geschichte der DDR. Bis 1990 werden hier 62.000 Wohnungen in Plattenbauweise erreichtet.

Am 23. April wird auf dem Gelände des ehemaligen Stadtschlosses im Ost-Berliner Bezirk Mitte der Palast der Republik eröffnet. Nach langem Leerstand ab 1990 beginnen 2006 die Abrissarbeiten zu Gunsten der äußeren Wiederherstellung des 1950 gesprengten Stadtschlosses.

1978

Am 15. Dezember wird am Kulturforum in West-Berlin der von Hans Scharoun errichtete Neubau der Staatsbibliothek eröffnet.

1979

Im Januar wird um das Neubaugebiet Marzahn herum als erster von drei neuen Ost-Berliner Bezirken der Bezirk Marzahn gegründet. Es folgen Hohenschönhausen (1985) und Hellersdorf (1986).

Am 2. April wir am Messegelände in West-Berlin das Internationale Kongresszentrum (ICC) eröffnet.

1980

Im Ost-Berliner Ortsteil Hellersdorf beginnen die Bauarbeiten an einer weiteren Neubausiedlung für 90.000 Einwohner.

1982

Am 20. November wird die neue Transitautobahn nach Hamburg eröffnet.

1984

Am 9. Januar übernimmt die West-Berliner Verkehrsgesellschaft BVG von der DDR-Reichsbahn den Betrieb der S-Bahn in West-Berlin.

Am 8. Februar legt der Staats- und Parteichef der DDR in Ost-Berlin den Grundstein zum Neubaugebiet Hohenschönhausen. Bis 1990 entstehen hier 30.000 Wohnungen für 100.000 Einwohner.

Am 1. Oktober wird das nach Kriegszerstörung rekonstruierte Schinkelsche Schauspielhaus am Platz der Akademie im Ost-Berliner Bezirk Mitte wiedereröffnet (heute Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt).

1985

Von April bis Oktober findet im West-Berliner Bezirk Neukölln die 18. Bundesgartenschau statt (heute BUGA-Park in Britz).

1986

Am 4. April wird im Stadtzentrum Ost-Berlins das Marx-Engels-Forum eingeweiht.

Am 5. April fordert ein Bombenanschlag auf die West-Berliner Diskothek "La Belle" zwei Tote und 193 Verletzte.

1987

Alle Bemühungen zur einer gemeinsamen 750-Jahr-Feier Berlins scheitern. Beide Teile der Stadt gedenken des Stadtjubiläums in getrennten Veranstaltungen. Bauliche Höhepunkte in Ost-Berlin sind u.a. die Einweihung des in historisierendem Stil nachgebauten Nikolaiviertels rund um Berlins älteste Stadtkirche im Stadtzentrum und die im Stil des 19. Jh. rekonstruierte Husemannstraße im Bezirk Prenzlauer Berg.

In West-Berlin findet unter dem Motto „Die Innenstadt als Wohnort“ die Internationale Bauausstellung statt. Wichtige Themen sind die „behutsame Stadterneuerung“ in Kreuzberg und der Stadtneubau als „kritische Rekonstruktion“, z.B. durch die Errichtung von Stadtvillen und Energiesparhäusern in Tiergarten.

Am 12. Juni hält US-Präsident Ronald Reagan seine berühmte Rede vor dem Brandenburger Tor: „Mr. Gorbachev, open this gate. Mr. Gorbachev, tear down this wall"!“

1988

Anlässlich der staatlichen Demonstration zum Jahrestag der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Ost-Berlin werden am 17. Januar über 100 Mitglieder unabhängiger Friedens- und Menschenrechtsgruppen festgenommen.

Am 11. Februar kommt es im Ost-Berliner Schloss Niederschönhausen zum ersten Treffen des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen (CDU) mit dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker (SED). Themen des Gesprächs sind u.a. Erleichterungen im Reise- und Besuchsverkehr, der Austausch von Emissionsdaten, der Gebietsaustausch sowie die Öffnung weiterer Grenzübergänge und der Eisenbahnverkehr.

Am 10. November erfolgt die symbolische Grundsteinlegung für den Wiederaufbau der Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße im Ost-Berliner Bezirk Mitte.

1989

Die erstarkende Bürgerbewegung in der DDR bringt die DDR-Führung mit Forderungen nach Reformen in der DDR nach dem Vorbild von „Glasnost“ und Perestroika“ in der Sowjetunion immer mehr in die Defensive.

Am 6. Oktober unterstützen 2.500 Personen bei einer Versammlung in der Erlöserkirche in Ost-Berlin die "Gemeinsame Erklärung" verschiedener Gruppen um das "Neue Forum", in der u.a. freie Wahlen in der DDR gefordert werden.

Am 7. Oktober begeht die DDR in Ost-Berlin den 40. Jahrestag ihrer Gründung, unter den Gästen ist auch der Partei- und Staatschef der UdSSR Michail Gorbatschow („Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“). Straßendemonstrationen vom Alexanderplatz bis zum Palast der Republik und zur Gethsemane-Kirche (Prenzlauer Berg) mit Forderungen nach Meinungsfreiheit und Reformen in der DDR werden in den Abendstunden durch Sicherheitskräfte gewaltsam aufgelöst. Es kommt zu zahlreichen Festnahmen.

Auf der 9. Tagung des ZK der SED am 18. Oktober erklärt Erich Honeckers seinen Rücktritt von der Funktion des Generalsekretärs des ZK der SED, vom Amt des DDR-Staatsratsvorsitzenden und Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates "aus gesundheitlichen Gründen“. Egon Krenz wird sein Nachfolger.

Am 4. November versammeln sich über 500.000 Bürger Ost-Berlins zu einer Demonstration auf dem Alexanderplatz: Forderung nach Verwirklichung des Rechts auf Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit. Die SED-Führung verspricht Reiseerleichterungen in den Westen.

Die Auseinandersetzungen um die neue Reiseregelung eskalieren so stark, dass die DDR am 9. November unter dem Druck der Massen die Mauer in Berlin und die innerdeutsche Grenze öffnet.





Das neue Berlin

2+4 Gespräche

2+4 Gespräche

1990

Am 18. März finden die ersten und einzigen freien Wahlen zur Volkskammer der DDR statt. Ihnen folgen im Mai die ersten freien Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung Ost-Berlins seit 1946. Am 12. September wird in Moskau der 2+4-Vertrag zwischen den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges und den beiden deutschen Staaten unterzeichnet, mit dem die Einheit völkerrechtlich geregelt wird. Deutschland erhält die volle Souveränität; in Berlin erlischt der Vier-Mächte-Status. Am 3. Oktober wird mit einem Staatsakt in Berlin die Vereinigung Deutschlands vollzogen. Danach werden im Dezember das Berliner Abgeordnetenhaus und der Deutsche Bundestag neu gewählt.

Abgeordnetenhaus Berlin © Abgeordnetenhaus Berlin

Abgeordnetenhaus Berlin © Abgeordnetenhaus Berlin

1991

Am 11. Januar wählt das Abgeordnetenhaus den ersten Gesamtberliner Senat. In Bonn beschließt der Deutsche Bundestag am 20. Juni den Sitz von Regierung und Parlament in die Hauptstadt Berlin zu verlegen.
Im gleichen Jahr zieht der Regierende Bürgermeister mit der Senatskanzlei vom Rathaus Schöneberg ins Berliner Rathaus („Rotes Rathaus“) im Bezirk Mitte.
Seit 1993 hat das Abgeordnetenhaus, das Berliner Landesparlament, seinen Sitz im Gebäude des ehemaligen Preußischen Landtages.

1994

Im Sommer verabschieden sich die amerikanischen, britischen, französischen und russischen Truppen mit Feiern und Paraden von den Berlinern. Am 8. September veranstaltet die Bundeswehr zu Ehren der ehemaligen Schutzmächte einen Großen Zapfenstreich auf dem Pariser Platz.

1995

Am 22. Oktober wird die Berliner Verfassung in einer Volksabstimmung mit 75,1 Prozent der abgegebenen Stimmen angenommen. In großen Teilen schreibt sie die Berliner Verfassung von 1950 fort. Zu den wesentlichen Neuerungen zählen die Vertiefung einklagbarer Grundrechte und die Erweiterung des Katalogs der Staatsziele (unter anderem das Recht auf Arbeit, Bildung und angemessenen Wohnraum). Auch Umwelt- und Datenschutz haben jetzt Verfassungsrang. Die Beteiligungsrechte der Bürger durch Elemente der direkten Demokratie wie Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksentscheide sind erweitert worden. Der Berliner Verfassungsgerichtshof überwacht die Einhaltung der Verfassung.

Quadriga, Reichstagskuppel © Partner für Berlin/FTB-Werbefotografie

Quadriga, Reichstagskuppel © Partner für Berlin/FTB-Werbefotografie

1999/2000

Am 19. April findet die erste Sitzung des Deutschen Bundestages im neu gestalteten Reichstagsgebäude statt.
In neu erbauten bzw. sanierten Bürogebäuden nehmen die Dienststellen von Parlament und Bundesministerien in Berlin die Arbeit auf. Auch der Bundesrat zieht von Bonn nach Berlin. Zahlreiche Staaten errichten in Berlin ihre Botschaften; die Bundesländer eröffnen Vertretungen in der Hauptstadt.

Das Bundeskanzleramt © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Das Bundeskanzleramt © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

2001


Mit der Fertigstellung des neuen Bundeskanzleramts, das im Mai 2001 bezogen wird, ist die Verlegung von Bundestag und Bundesregierung offiziell abgeschlossen. In unmittelbarer Nähe des Reichstagsgebäudes sind weitere Bürokomplexe entstanden: Das Jakob-Kaiser-Haus für Abgeordnete und das Paul-Löbe-Haus für die Parlamentsausschüsse und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus für die Bibliothek und den wissenschaftlichen Dienst.

2002

Am 3. Oktober finden die zentralen Feierlichkeiten der Bundesrepublik zum Tag der Deutschen Einheit am restaurierten Brandenburger Tor statt. Dabei wird das Tor nach fast zwei Jahren Restaurierungsarbeiten unter Bauplanen im neuen Glanz feierlich enthüllt.