Einleitung

Definition Legasthenie bzw. Lese-Rechtschreibschwäche

"Die Legasthenie (Lese-Rechtschreibschwäche) bezeichnet eine umschriebene Störung im Erlernen der Schriftsprache, die nicht durch eine allgemeine Beeinträchtigung der geistigen Entwicklungs-, Milieu- oder Unterrichtsbedingungen erklärt werden kann. Vielmehr ist die Legasthenie das Ergebnis von Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung, Motorik und / oder der sensorischen Integration, bei denen es sich um anlagebedingte und / oder durch äußere schädigende Einwirkungen entstandene Entwicklungsstörungen von Teilfunktionen des zentralen Nervensystems handelt."

(Definition der Weltgesundheitsorganisation)

Ansatz des vorliegenden Konzeptes für den LRS-Förderunterricht

Das vorliegende Konzept der LRS-Lernwerkstatt  begreift die Legasthenie als eine Teilleistungsschwäche im Sinne der Definition der Weltgesundheitsorganisation. Daraus folgt die Konsequenz, dass die Methoden zur Vermittlung von Rechtschreibung ein besonderes Gewicht erhalten.

Im Kern ist "die Ursache" bzw. sind "die Ursachen" für die Lese-Rechtschreibschwäche vieler Menschen noch nicht abschließend geklärt, deshalb gibt es auch noch keine wissenschaftlich völlig fundierte Therapie.

In diesem Zusammenhang sind die hier aufgeführten methodischen Varianten beim Schreibenlernen als Krücken bzw. Ersatzstrategien zu verstehen, die das Lernen für LRS-Kinder erleichtern können. Es werden viele Sinne und Lernkanäle angesprochen, um das visuelle, das auditive und das schreibmotorische Gedächtnis besser miteinander zu verknüpfen.

Die Rechtschreib-Lernstationen  sollten im Gruppenförderunterricht im Zusammenhang gesehen werden, nur so kann durch Methodenvielfalt eine ganzheitliche Förderung gelingen. In der Einzeltherapie können durch eine individuelle Diagnostik im Bereich der Teilleistungsschwächen besser Schwerpunkte bei der Auswahl der Methoden für einen Schüler gesetzt werden. Die Texte können im Umfang an die entsprechende Lerngruppe angepasst werden, da sie als veränderbare Dateien vorliegen.

Ich habe über den Förderunterricht hinaus weitere Lernstationen erarbeitet, die es auch erlauben, ein Stationslernen im Rechtschreibunterricht mit einer ganz "normalen" Klasse durchzuführen.

Auswahl der Rechtschreibeinheiten und des Rechtschreibwortschatzes

Vier Rechtschreibeinheiten liegen vor:

1. Wörter mit b, d, g im Auslaut
2. Wörter mit h
3. Wörter mit ie
4. Wörter mit ä und Wörter ohne h

Die Auswahl der Rechtschreibeinheiten und die Reihenfolge des Lehrganges berücksichtigen das Gesetz der Ähnlichkeitshemmung (Ranschburg-Phänomen).

Darüberhinaus eignen sich für das Stationslernen als Form der Freiarbeit nur Rechtschreibthemen, die überwiegend ohne Regelwissen vermittelt werden können, d.h. die vollständig im Schreibprozess automatisiert werden können.

Themen wie zum Beispiel "s-Laute" oder "Großschreibung von Nomen" sind damit von dem hier vorliegenden Konzept ausgeschlossen und sollten mit anderen Methoden vermittelt werden. Bei der Auswahl des Übungswortschatzes habe ich mich an Sprachbüchern orientiert, die einen kritischen Wortschatz für den Jahrgang fünf anbieten.

Auswahl der Lernstationen für Förderunterricht und gesamte Klasse

Lernstationen für den Förderunterricht:

-Dosen-Diktat
-Laufdiktat
-Wachsmalstift
-Freies Schreiben
-Wörter kneten
-Wörter ertasten
-Schreibmaschine / Schreibcomputer
-Computer mit Lernsoftware
-Walkman-Diktat

Bei einer Fördergruppe von 8-10 Schülern sollten zwei Arbeitsplätze pro Station eingerichtet werden.

Lernstationen für eine volle Klassenstärke:

-Dosendiktat
-Laufdiktat
-Diktatschieber
-Checky
-Walkman-Diktat
-Schreibmaschine, Schreibcomputer
-Freies Schreiben
-Arbeitsblatt 1
-Arbeitsblatt 2

Bei einer Klassenstärke von 20-28 Schülern sollten vier Arbeitsplätze pro Station eingerichtet werden.

Wortlistentraining

Vor dem Beginn der Arbeit an den Lernstationen sollte zu jeder Einheit zunächst ein ein- bis zweistündiges Wortlistentraining durchgeführt werden. Das Wortlistentraining dient dazu, den Kernwortschatz der Einheit einzuführen. Die SchülerInnen sollen sich bewusst mit dem Wortschatz auseinandersetzen, d.h. sie prägen sich Wortbilder ein, wenden Ableitungsstrategien an oder heben einzelne Buchstaben visuell hervor. Anschließend verwenden sie diesen Wortschatz im Textzusammenhang an den Lernstationen.

Organisationsform der LRS-Lernwerkstatt

Die LRS-Lernwerkstatt ist in ihrer äußeren Organisationsform als Stationslernen konzipiert. Dies ermöglicht eine selbständige und individualisierte Arbeit der Schüler im Förderunterricht und lässt dem Lehrer die Zeit, den Lernprozess zu betreuen und die Arbeitsergebnisse aller Schüler (bei einer Gruppenstärke von acht bis zehn Schülern) zu kontrollieren (Beobachtungsbogen hierfür siehe S. 8).

Jeder Schüler sollte in einer Einheit alle Stationen durchlaufen. Um dieses zu gewährleisten, bietet es sich an, die Schüler mit Hilfe eines Übersichtsplanes (siehe S. 6) vor jeder Stunde für eine Startstation einzuteilen. Nach Bearbeitung der ersten Station in einer Stunde empfiehlt es sich, den Wechsel an die nächste Lernstation – soweit eine Wahlmöglichkeit besteht - mit dem Schüler zusammen zu entscheiden. Hierbei sollte auch eine Abwechslung zwischen schreibintensiven und handlungsorientierteren Stationen berücksichtigt werden. In der Regel sind die LRS-Schüler in der Lage, zwei Stationen pro Stunde zu bearbeiten.

Nach Beendigung einer Lernstation ist durch entsprechendes Kontrollmaterial eine Selbstkontrolle der Schüler vorgesehen. Durch unterschiedlichen Umfang der Stationen und durch das unterschiedliche Arbeitstempo der Schüler bleibt für den Lehrer genügend Zeit eine Endkontrolle durchzuführen, den Wechsel an die nächste Station zu besprechen und sich Beobachtungen zum Lernprozess zu notieren.

Die Arbeitsweise der Freiarbeit in der LRS-Lernwerkstatt hat in der Praxis gezeigt, dass besonders verhaltensauffällige Schüler mit Hilfe dieses Unterrichtsverfahrens konzentrierter und disziplinierter arbeiten als im Frontalunterricht. Um so wichtiger ist dieser Aspekt der Optimierung von LRS-Förderunterricht, wenn man sich die Korrelation zwischen LRS-Betroffenheit, Verhaltensauffälligkeit (bis hin zu ADS) und der überwiegenden Betroffenheit von Jungen vor Augen führt.

Beim Einsatz der erweiterten Lernwerkstatt in der gesamten Klasse hat sich ein Laufzettelsystem bewährt, das die Schüler selbst führen und der Lehrer zwischendurch abzeichnet (siehe S. 7). Da die Schüler ihr Arbeitstempo selbst bestimmen können, wirkt sich das Laufzettel-Kontrollsystem als Nachweis gegenüber dem Lehrer motivierend auf die Leistungsbereitschaft aus.

Individuellen Fehlerwortschatz wiederholen

Neben einer sofortigen Berichtigung von Fehlern nach der Bearbeitung einer Lernstation ist es für den langfristigen Lernerfolg wichtig, einen individuellen Übungswortschatz für spätere Wiederholungen zu ermitteln und festzuhalten. Dies kann durch Anlegen einer Seite in der Schülermappe geschehen, auf der der Übungswortschatz festgehalten wird, oder besser noch durch den Einsatz einer Rechtschreib-Lernkartei. Im AOL Verlag gibt es preiswerte Lernkarteien (Katalog anfordern: AOL Verlag, Fon: 07227/95880).

Materialaufbereitung

Um die Lebensdauer der Materialien für den Einsatz in späteren Lerngruppen zu verlängern, bietet es sich an, einige Vorlagen auf Kartonpappe zu kopieren und den Schülern in Klarsichthüllen anzubieten (Laminieren wäre natürlich am besten).

 Lagerung der Lernstationen

Damit die vorliegenden Freiarbeitsmaterialien gut erhalten bleiben und den Schülern schnell und übersichtlich angeboten werden können, muss ein Ordnungssystem geschaffen werden. Preiswert und effektiv ist die Lagerung jeder einzelnen Station in einem Karton. Die Kartons werden mit dem Titel der Lernstation und ihrem Materialinhalt beschriftet (Etiketten siehe Anhang). Für die Schüler ist dieses leicht zu überblicken und sie können die Stationen selbständig auf- und abbauen (ein Regal wird natürlich noch benötigt).

Durch ein solches System kommen die Schüler schnell ins Arbeiten – so lässt sich selbst in voller Klassenstärke in einer 45-Minuten-Stunde sehr effektiv arbeiten.

Brain-Gym

Zur Förderung der sensorischen Integration wurden innerhalb der Kinesiologie Übungen zur Gehirn-Hemisphären-Integration entwickelt. Ich setze einige dieser Übungen zu Beginn meiner Förderstunden ein. Dies dient der Schaffung einer konzentrierten und entspannten Lernatmosphäre. (siehe Literaturverzeichnis)

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