Bauern und Heuerleute in Klein Dohren
Geschichte des Hofes Stickamp / Thien
 
1. Stickamp / Koormann / Tiehen, Fillerberg 10, Alte Hausnummer: Klein Dohren Nr. 1, UK: 30/141

Erstmalig aufgeführt sehe ich den Hof in einer Steuerliste von 1759. Bis 1906 gehört er einer Familie, die sich Stickamp nannte. Die Blutsverwandschaft mit der ursprüglichen Eigentümerfamilie ist allerdings seit 1891/92 nicht mehr gegeben. Vermutlich hatten Gerhard Heinrich Stickamp und seine Frau keinen männlichen Nachkommen. Jedenfalls heiratet Johann Koormann 1880 hier ein, indem er sich mit Anna Stickamp verehelichte. Seine Frau stirbt aber vor 1892. Johann Koormann, der sich seit seiner ersten Ehe auch Stickamp nennt, heiratet 1892 ein zweites Mal und zwar Anna Schulterobben aus Bakerde. Auch die Ehe währt nicht lange. Denn Johann Koormann stirbt und seine Witwe Anna geb. Schulterobben heiratet im Jahre 1901wieder, und zwar einen Clemens Lenger, der von der Heuerstelle Lenger / Spieker aus Groß Dohren stammt. Die Familie Lenger waren also Heuerleute, so daß Anna Schulterobben unter ihrem Stand wiedergeheiratet hat. Das war damals ungewöhnlich, wird aber dardurch erklärbar, wenn man annimmt, daß der Hof schon damals in finanziellen Schwierigkeiten steckte und sich daher kein ebenbürtiger Partner finden ließ. Natürlich könnte aber auch die Liebe die Partner zueinander geführt haben. Im Jahre 1906 ist dann wohl der Ruin des Hofes bzw. seiner Eigentümer eingetreten. In diesem Jahr kauft der aus Bookhof stammende Zimmermann und Heuermann des Bauern Liening, Hermann Thien, das Bauernhaus und mit 35 ha einen Teil der landwirtschaftlichen Flächen. Die Heuerleute werden nicht übernommen. Sie werden in dieser Zeit selbständig und übernehmen einen weiteren Teil der landwirtschaftlichen Flächen oder sie verlassen den Hof. Die Familie Stickamp (Koormann, Lenger) zieht nach Klosterholte bzw. Haverbeck.

Die Eheleute Hermann Thien und Bernhardine, geb. Lining, hatten 7 Kinder. Nach dem Tode des Hermann Thien im Jahre 1947 führte sein Sohn Heinrich den Hof weiter. Er hatte 1945 Klara Stroot geheiratet. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor: Hermann und Maria. Hermann verließ 1968 den Hof, erwarb auf dem zweiten Bildungsweg an einem Abendgymnasium das Abitur und wurde Arzt. Er praktiziert heute in Haren. Maria machte ihr Abitur bei den Ursulinen in Haselünne und ist in Damme verheiratet. Nachdem Hermann den Hof verlassen hatte und somit kein männlicher Erbe vorhanden war, der den Hof weiterführen wollte, lief die Landwirtschaft langsam aus bis zum Tod von Heirich Thien im Jahre 1986. Heute leben auf dem Anwesen, dessen ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebäude zum Teil verpachtet, zum Teil verfallen sind, der Pastor Hermann Thien und die Witwe seines Brudes Heinrich, Klara Thien geb. Stroot.

Der Hof hatte 1895 eine Größe von 72,3 ha. Das zum Hof gehörende landwirtschaftliche Areal umfaßt nach der Moor-Enteignung in der Nazi-Zeit und der Flurbereinigung in den 1960er Jahren heute Flächen von weniger als 30 ha, die verpachtet sind.

Hermann Thien wurde am 29.9.1913 geboren. Nach 8 Schuljahren wechselte er 1927 zur Aufbauschule nach Osnabrück und machte dort 1933 das Abitur. Noch im gleichen Jahr begann er ein Philosophie- und Theologie-Studium in Münster. Von 1937 an besuchte er das Priesterseminar in Osnabrück, wo er am 17.12.1938 zum Priester geweiht wurde. Seit 1939 war er zuerst Vikar, dann Kaplan in Schwerin. Dort wurde er 1950 von der russischen Geheimpolizei verhaftet und in einem Prozeß wegen Propaganda zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt. 1951 wurde er in ein Lager nach Workuta, ca. 2000 km nördlich von Moskau, überführt. Dort mußte er bis 1955 im Kohlebergbau unter Tage arbeiten. Im Frühjahr 1955 kam er zunächst nach Mardowina, ca. 500 km nördlich von Moskau, und wurde von dort im August 1955 nach Berlin entlassen. Im September 1955 war er dann wieder in seinem Heimatort Dohren. Nach einem Erholungsurlaub wurde er 1956 Pastor in Werpeloh / Hümmling. 1961 wurde er nach Lingen-Baccum versetzt und blieb dort, bis er 1983 in den Ruhestand trat. Seit dieser Zeit lebt er auf dem elterlichen Hof in Dohren und liest noch aushilfsweise die Messe in Grafeld und Berge.

Quellen: Gespräch mit Angela Janßen geb. Feldmann, Dohren, Waldstraße 41, im Herbst 1998. Gespräch mit Pastor Hermann Thien, Dohren, Fillerberg 10, am 6.2.1999.
 

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