3. Ostermann, Im Eichengrund 3. Alte Hausnummer: Klein Dohren Nr. 2. UK:
31/83
In dem Steuerregister von 1553 ist ein Ostermann für Dohren nicht aufgeführt. Möglicherweise existierte der Hof schon, wird aber von ein Beteiber anderen Namens bewirtschaftet. Erstmalig erwähnt finde ist den Hof 1658, allerdings unter Neuenlande. Im Status Animarum von 1749 wird Ostermann wieder unter Neuenlande aufgeführt. In den Steuerverzeichnissen von 1759 und 1760 wird der Hof richtig Klein Dohren zugeordnet. Seit etwa 1814 dürfte Eilard Ostermann mit Anna Maria Schene vom naheliegenden Hof in Neuenlande verheiratet sein. Ob ihr Sohn Johann Heinrich Ostermann ist, ist unklar. Dieser heiratet Angela Brokgerken, die vermutlich aus Groß Dohren stammt. Ihr Mann ist 1895 verstorben, so daß sie in diesem Jahr die Eigentümerin des Hofes Ostermann ist. Ihr mutmaßlicher Sohn Heinrich heiratet 1901 die aus Hüven stammende Maria Breher. Vermutlich haben sie mit ihrer Hochzeit den Hof übernommen und müssen erleben, daß dieser im Jahre 1905 abbrennt. Er wird unmittelbar nach dem Brand wieder aufgebaut. Dazu werden wertvolle Hölzer (Pitchpine) verwendet, die über die Hase bis Haselünne oder Herzlake geflöst werden. Dieses Holz wird u.a. auch zum Kirchenbau eingesezt. Möglicherweise hat sich der Hof von dem kostspieligen Wiederaufbau wirtschaftlich nicht mehr richtig erholen können. Jedenfalls werden schon in den 1930er Jahren zwei Heuerstellen (Vox und Brümmer-Flerlage) verkauft. In der Mitte der 1930er Jahre heiraten der Sohn Josef und Margarethe Hegger aus Westrum. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie als einzig mögliche Hoferben übrig geblieben. Im Januar 1949 brannte die Scheune ab, in der zu dieser Zeit 23 Flüchtlinge wohnten. Der Hofeigentümer, Josef Ostermann, wurde verdächtigt, das Feuer gelegt zu haben, und kam für neun Tage in Untersuchungshaft. Erst 1952 wurde laut Angaben von Grete Ostermann im Rahmen einer polizeilichen Fahndung wegen Diebstahls festgestellt, daß der damalige Bewohner und spätere Knecht H.J. für die Brandstiftung verantwortlich war. Es stellte sich heraus, daß der Täter aus Verärgerung darüber, daß er für einen Apfeldiebstahl vom Hofeigentümer zur Rede gestellt worden war, die Scheune angesteckt hatte. Nach dem wirtschaftlichen Niedergang führten die kinderlose Ehe von Josef Ostermann und seiner Frau Grete sowie ein schwerer Autounfall (oder Motorradunfall) von Josef Ostermann, der ihn berufsunfähig machte, zur Aufgabe des Hofes. Das Ehepaar Ostermann baute an der Andruper Straße 9 ein Haus, in das es 1960 umzog, und verpachtete den Hof an Johann Sandmann, der ihn seit dieser Zeit bis 1972 bewirtschaftete. 1973 wurde er von Ostermann an Paul Renze aus Dincklage verkauft. Nachdem die Landwirtschaft für etwa ein Jahr verwaist war und nur ein älteres Ehepaar die Wohnung im Bauernhaus bewohnt hatte, zog die Familie Renze zum 1. November 1973 hier ein. Sie stecken in der Folgezeit viel Geld und Arbeit in den ziemlich verwahrlosten Hof. Sie misteten das Bauernhaus gründlich aus und renovierten es, beseitigten den 1973 zusammengefallenen Schweinestall, bauten die wiedererrichtete Scheune zu einem Schweinestall um, bauten dort noch ein Stück an und pflasterten den Hof . Im Jahre 1993 wurde ein neues Wohnhaus errichtet, in dem heute (April 2000) im Erdgeschoß Paul Renze mit seiner Frau und im Obergeschoß ihr Sohn Herbert Renze mit seiner Familie wohnt. Im gleichen Jahr wurde die Schweinemast, die zum Schluß mit 150 Tieren betrieben wurde, aufgegeben. Heute wird Rinderhaltung betrieben, und der Sohn Herbert hat eine Arbeitsstelle außerhalb der Landwirtschaft gefunden. Da er die Landwirtschaft nicht von seinen Eltern übernehmen will und alle seine Geschwister den Hof bereits verlassen haben, ist die Aufgabe der Landwirtschaft über kurz oder lang beschlossene Sache.
Der Hof hatte 1895 eine Größe von 87,5 ha und umfaßte 1945 noch etwa 60 ha. Beim Verkauf an Renze war die Hofgröße auf etwa 25 ha geschrumpft, von denen 22 ha an diesen verkauft wurden. 2,3 ha behielt die Familie Ostermann für ihr Haus an der Andruper Straße. Im Jahre 1983 wurden 2 ha Moorfläche im Hahnenmoor unter Naturschutz gestellt und für 2,- DM/m2 an eine staatliche Stelle veräußert. Nachdem bis 1988 6 ha Land zugepachtet worden waren, umfaßt der Hof heute eine Fläche von 20 ha.
Quellen: Gespräch mit Grete Ostermann im Altenheim St. Josef in Haselünne am 31.5.1999. Gespräch mit Paul Renze und seiner Frau Christel geb. Blömer am 22.04.2000.