4.5 Faut / Grever / Spieker, Dorfstraße, heute Jugendheim. Alte Hausnummer: Klein Dohren Nr. 4g. UK: 27//157/127k.
Dieser Heuerhof wurde im Jahre 1904 kurz nach dem Kirchenbau errichtet. Hier wohnte die Heuerlingsfamilien Faut, von der nicht sicher ist, ob sie schon einen Laden betrieb. Mit größerer Sicherheit läßt sich das von ihrem Nachfolger, der Familie Grever, sagen, die neben der Landwirtschaft wohl auch schon einen Laden betrieben hat. Das Heuerhaus brannte 1925 ab. Dabei könnte grobe Fahrlässigkeit oder sogar Brandstiftung im Spiel gewesen sein.
Am Tage des Brandes kam Gerhard Holterhaus vom Hof Hegger / Holtgers, Poststraße 11, nach Hause. Als er aus dem Fenster blickte, sah in Richtung der Kirche Flammen zum Himmel schlagen. Er lief sofort Richtung Kirche und erkannte bald, daß das Heuerhaus Grever brannte und nicht die Kirche, wie er befürchtet hatte. Vor dem brennenden Heuerhaus stand Herr Grever an einem Tischchen und schenkte Schnaps aus. Er begrüßte Gerhard Holtgers mit den Worten: "Wus uk äinen. Do is sowieso nix mehr to retten". Kommentar überflüssig!
Nach dem Wiederaufbau zog die Familie Spieker 1926 hier ein. August Spieker war ein Sohn aus der Familie des Pächters des Ahe-Tappel´schen Hofes. Er hatte auf der gegenüberliegenden Straßenseite bei dem Vorgänger von Frericks, Dreyer, als Bäcker gearbeitet und machte sich in dem Hemmenschen Heuerhaus mit einer Bäckerei, einem Kolonialwarenladen und etwas später auch mit einer Gaststätte selbständig. Als Heuermann war er hauptsächlich noch in der Ernte tätig. Zumindest formal waren August Spieker und sein Sohn Heinz aber noch Heuerleute. Heinz Spieker baute 1967/68 nebenan an der Dorfstraße 22 ein eigenes Haus und zog dann aus dem Heuerhaus aus. Ein Friseur namens Helmut Gerdes betrieb hier sein Gewerbe; danach wohnten zwei Familien nacheinander in dem Haus. Nachdem es etwa fünf Jahre leergestanden hatte, zog ein Paschmann aus Oberhausen in das Haus ein. Er hatte es zuvor von Hemmen gekauft, führte in Eigenleistung Renovierungsarbeiten durch und wohnte dann aber nur zwei bis drei Jahre dort. Nach einem abermaligen etwa einjährigen Leerstand kaufte die Kirchengemeinde das Haus, renovierte es gründlich und baute es zum Pfarrheim um.
Die Heuerstelle hatte eine Größe von nur 1 bis 2 ha, da die Betreiber von Anfang an eine weitere Erwerbsquelle außer der Landwirtschaft hatten. Die Heuerleute mußten auch weniger Arbeit für den Bauern leisten als normalerweise üblich war, nämlich an 5 bis 6 Tagen pro Jahr. Sei mußten keinen Torf stechen, keinen Mist verladen, keine Kartoffeln sammeln und im Winter nicht dreschen, sondern nur bei der Ernte helfen, und zwar beim Roggenbinden und Garbenwerfen (einlagern).
Quellen: Gespräch mit Herman Hemmen und seiner Frau Aloisia geb. Wehlage am 13.03.1999. Gespräch mit Bernhard Spieker und seiner Frau Gisela geb. Wellner am 27.07.99. Kontinent, Dezember 1994. Gespräch mit Bernhard Rüther, Poststraße 4, am 22.01.2000.