Bauern und Heuerleute in Klein Dohren

Geschichte der Heuerstelle Dieker
des Bauern  Feye / Dr.Müller  / Robben
 

5.3  Dieker, genannt Möhlen-Dieker, Merschweg 3, Alte Hausnummer: Klein Dohren Nr. 5d. UK: 26/87.

Die Heuerlingsfamilie Dieker ist vor 1881 von Handrup nach Dohren gekommen. Wie die gesamte Gemeinde Groß und Klein Dohren erlebten sie 1920 einen schweren Nachtfrost, der die Roggenernte vernichtete. Wie viele Dohrener Bauern waren sie gezwungen, sich in der Folge Brot- und besonders Saatgetreide kaufen. Dafür mußte sich die Familie Dieker – wie viele andere auch – verschulden. Die Schulden wurden anscheinend nach und nach getilgt, so daß Dieker 1926 eine gebrauchte Scheune in Lage erwerben konnte. Aus der genannten Familie entstammten mindestens zwei Kinder. Hermann blieb unverheiratet auf dem elterlichen Hof wohnen und übte das Handwerk eines Bäckers aus. Er backte 30 Pfund schwere Brote für das Vieh. Außerdem war er ein großer Bienenzüchter. Bernhard übernahm die Heuerstelle von seinem Vater.

Sicher nach 1901, vermutlich aber vor 1917 gelangte die Familie Dieker in den Besitz der Dohrener Windmühle. Sie befand sich am Mühlenweg 9 und soll von einem Herrn Droste in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet und betrieben worden sein. Es soll eine Verbindung zwischen den Familien Dieker und Droste gegeben haben. Welcher Art diese Verbindung ist, habe ich nicht herausgefunden. Die Windmühle soll hier nicht neu gebaut, sondern von Baccum, vermutlich dem Wohnort der Familie Droste, nach hier umgesetzt worden sein.

Anderen, mir weniger wahrscheinlich vorkommenden Angaben zufolge, kaufte Bernhard Dieker, geboren vermutlich vor 1880, oder schon sein aus Handrup stammender Vater eine beschädigte Windmühle in Holland. Sicher scheint aber zu sein, daß die erworbene Mühle beschädigt war. Da zentrale Balken zerstört oder zumindest nicht mehr sicher erschienen, kaufte Dieker bei Nüssmann in Andrup Balken zum Erzatz. Diese wurden über den Lager Bach bis zum Zusammenfluß mit der Welle bachaufwärts geflöst und dann im Winter über den gefrorenen Boden mit Pferden bis zum Mühlenstandort am Mühlenweg 9 gezogen. Die Mühle stand auf zehn Quadersteinen, die später (zum Teil) als Fundament für das Kreuz auf dem Friedhof herangezogen wurden.

Sicher ist auch, daß es eine Bockwindmühle war, die 1895 dem Bauern Hermann Heinrich Möllering gehörte. Möllering war zu der Zeit ebenfalls Eigentümer des Hofes Groß Dohren Nr. 6, der etwa an der Ecke Kreuzdamm / Mittelstraße schräg gegenüber von Eier-Book stand. 1899 wurde bei der Mühle noch ein Backhaus errichtet. Anscheinend wurde der Betrieb der Bockwindmühle aber unwirtschaftlich, so daß sie 1901 zu einer dampfbetriebenen Mühle umgerüstet wurde.

 

Von dem besagten Bernhard Dieker ging die Heuerstelle an seine Sohn Bernhard über, der mit Anna Bruns aus Overwarta bei Freren verheiratet war. Von ihnen ging das Haus an die heutigen Eigentümer Bernhard Dieker und seine Frau Margarethe geb. Fröhleke über. Im Jahre 1958 wurde ein Teil der Stallungen im vorderen, zur Staße hin gelegenen Bereich des Heuerhauses in das Wohnhaus integriert, so daß es damit um etwa 5 m verlängert wurde. Die Familie erwarb das zu dieser Zeit gut erhaltene Heuerhaus im Jahre 1960 von Dr. Müller. Zu dieser Zeit waren die Scheune und der Stall bereits Eigentum der Familie Dieker. Vermutlich hatten sie diese Gebäude auf eigene Kosten errichtet. 1971 wurde das Haus um den Gebäudeteil vergrößert, in dem heute das Wohnzimmer untergebracht ist.

Der Heuerstelle hatte eine Größe von 12 ha. Dafür mußten in der Zeit vor 1960 etwa 300 DM pro Jahr an Pacht gezahlt werden. Vermutlich wegen des Betreibens der Mühle mußten Dieker nicht beim Bauern arbeiten.

 

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