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Januar 11

Februar 2011

Winter (Schnee-) Wanderung Tura76 -Wandergruppe -

im Harz  am Samstag,  5. Februar 2011   

    Ein Jahr zuvor fuhr die Wandergruppe zum ersten mal in den Harz zu einer Winterwanderung.  Der vom Inhaber Helmut Drieling selbst gefahrene Bus brachte die 19 mutigen Wandersleut` nach Torfhaus, wo eigentlich normalerweise mitfahrende Stammgäste (junge Familien mit Kindern) skilaufen und rodeln wollten. Wetter- und Schneelage, sowie der schneereiche Dezember 2010 mit den guten Rodelmöglichkeiten zu hause führten zum Einbruch der Wintersportler. Der Wetterumschwung, der für Norddeutschland und den Harz orkanartige Stürme und Temperaturanstiege mit Regen brachte, veranlasste die geschäftstüchtigen Rodelbahnbetreiber in Torfhaus, den Betrieb am Wochenende gar nicht erst aufzunehmen.
    Die 17 Tura-Wanderer (12 Stammwanderer und 5 Gastwanderer) saßen am Samstag, 5.Februar 2011 um 07:30Uhr ziemlich verloren und skeptisch im Bus vor der Tura-Halle. Keiner wollte es zugeben, aber so richtig wohl fühlte sich keiner – der Wanderführer übrigens auch nicht. Die Gastwanderer hatten vielleicht gehofft, dass die Fahrt abgesagt würde; die Stammwanderer schauten zur Sicherheit nochmals auf „Peters Wanderseite“, die jedoch keinen aktuellen Hinweis auf Absage enthielt, was die Insider eigentlich auch nicht erwarteten.
    Es stiegen dann nur noch 2 normale Reisegäste zu, die aber sehr damit einverstanden waren, mit der Gruppe mitzuwandern. Nach zügiger, komfortabler Anfahrt kamen die Wanderer gegen 11:30 Uhr in Torfhaus an. Auf der Fahrt hatte der Wanderführer noch die möglichen Wandertouren erklärt; entscheiden wollte er sich aber erst nach Ankunft und Prüfung der aktuellen Wege- und Schneeverhältnisse.
    So blieb es bei der geplanten Tour auf dem Goetheweg und den präparierten Winterwanderwegen in Richtung Brocken, Achtermann, Oderbrück und Königskrug. Es war weit mehr los auf den klassischen Wegen und Loipen, als die meisten Wanderer erwarteten. Im Nachhinein war es vielleicht gar nicht so schlimm, dass das Wetter nicht so optimal war, wie eine Woche zuvor. Dann wären sich Wanderer und Skiläufer massenweise auf den Füßen rumgetrampelt, schließlich gehört die Wanderstrecke zu den bliebtesten Winterwanderwegen.
    Es kam bei der Tura-Wandergruppe dann aber ganz anders. Nachdem man zunächst im Nationalpark-Besucherzentrum Torfhaus zur Versorgung kurz einkehrte, ging es parallel zur stark befahrenen B4 in Richtung Braunlage bis zum letzten Haus von (Altenau-) Torfhaus. Hier beginnt der „Goetheweg“, der zum Brocken, dem höchsten Harzgipfel (1142 m), führt. Am 10. Dezember 1777 brach Goethe, in Begleitung von Torfhaus-Förster Degen, zu seiner ersten Brockenbesteigung auf. Die Wanderung durch unwegsames Gelände bei hohem Schnee hinterließ einen nachhaltigen Eindruck auf den in einer schöpferischen Krise steckenden Dichter. Das Erlebnis unberührter Natur und die Freude darüber, den Gipfel erreicht zu haben, verliehen ihm neue Schaffenskraft. Sein Brockenerlebnis verarbeitete Goethe im "Faust" - der Harz erlangte hierdurch Weltruhm.
    Die Wandergruppe folgte zunächst dem „Goetheweg“, der am künstlich angelegten "Abbegraben" längs führt. Dieser 1.540 m lange Graben ist Bestandteil des "Oberharzer Wasserregal", einem umfangreichen System von künstlichen Gräben, Teichen und unterirdischen Wasserläufen, das zwischen 1536 und 1866 von den Harzer Bergleuten unter großem Aufwand angelegt wurde, dem Antrieb der "Künste" in den Bergwerken diente und heute zu den Weltkulturerben zählt. Links sah man durch den lichten Tannenwald das große Torfhausmoor liegen.Ein kurzer Anstieg, parallel zur Loipe, führte in Richtung Quitschenberg (Quitsche = Eberesche).
    An einer breit angelegten Winterwege- und Loipengabelung ließ sich der Wanderführer „verführen“, den Goetheweg zu verlassen und den kürzeren Weg in Richtung „Dreieckiger Pfahl“ zu nehmen, zumal der Weg begangen schien. Das war ein Fehler; die Spuren verliefen sich, umgestürzte Fichten lagen auf diesem ungeräumten Teilabschnitt des „Kaiserweg“, der noch voller Schnee lag. Jetzt war der volle Winterwandern-Einsatz gefordert. Im knöchel-, zum Teil kniehohen Schnee, galt es die Winterspur zu halten. Über Baumstämme, Wassergräben, die man erst sah, als die „Erstbegeher“ einbrachen und sich gar nasse Füße holten, war die Gruppe in „unberührter Natur“ (wie Goethe es erlebte!). Dieser Abschnitt forderte alle körperlichen Anstrengungen; hier brach jeder mal richtig ein und mußte wieder aufgrichtet werden. Es wurde dennoch viel gelacht, es traf ja alle gleichmäßig, ob geübter Wanderer/Sportler oder weniger geübter Gastwanderer. Die letzten schwierigen Meter ging die Gruppe an der B4 zum Parkplatz am Ehrenfriedhof. Ab hier folgte man wieder dem gewalzten, breiten Winterwanderweg und Loipennetz in Richtung „Dreieckiger Pfahl“. Dieser und die folgenden Tourenabschnitte waren vergleichsweise gemütlich und wenig anstrengend, dafür aber auch nicht mehr so „urig“ und ruhig, schließlich mußten sich Wanderer und Skilangläufer die Wege teilen. Nun begegnete man auch den ersten Wanderern, die vom Brocken herunter kamen.
    Am „Dreieckigen Pfahl“ wurde an der Schutzhütte (mit Stempelstelle) eine kurze Versorgungspause eingelegt und am alten Grenzstein der deutchen Geschichte mit dem geteilten Deutschland gedacht, schließlich verlief hier bis 1990 die Grenzbefestigungsanlage der DDR. Heute grenzen die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Niedersachsen aneinander und die Wanderer können weiland wie Goethe von Torfhaus den Brocken besteigen.
    Nun ging es gleichmäßig, „leichten Fußes“ wieder in Richtung Ehrenfriedhof zurück und nach dem ersten großen Abzweig auf dem breit gewalten Winterweg nach Oderbrück an der B4. Die Wanderer mußten konzentriert mitten im Loipenweg gehen, denn nun kamen die Sklilangläufer einem entgegen oder überholten einen auf der leicht abschüssigen Loipe. Einige kannten dese Wandergegend wenig, ahnten aber, dass man hier im Sommer ein wahres Wanderparadies erleben kann, wenn auch immer noch die gewaltigen Schäden, die der Borkenkäfer hier anrichtete, zu sehen waren. Unser Busfahrer Helmut parkte den Bus schon vor dem Gasthaus Königskrug, als er telefonisch gebeten wurde, die Gruppe am „Zwischenziel“ Oderbrück aufzunehmen, um die verfrorenen Wanderer von dort aus zu dem für die großen „Windbeutel“ berühmten Restaurant  „Königskrug“, einer der ältesten Harzer Gaststätten zu fahren. Große Freude und Erleichterung, als die Wanderer nach 3 ½-stündiger Wanderung den warmen Bus bestiegen und im Königskrug am offenen Kamin vorbei die warme Gaststube zur wohlverdienten abschließenden Kaffeerast betraten. In dem Gebäude am heutigen Kaiserweg und vormaligen „Heidenstieg“ war früher ein Wachposten, später die Gaststube mit Pferdestall und Zollstube untergebracht.
    Die wohlige Wärme und das Sitzen taten gut, der Kaffee mit den Tortenstücken und Windbeutel ersetzten das warme Mittagessen. Manch eine(r) gönnte sich zum Abschluss noch einen „Schierker Feuerstein“. Alle waren nach der anstrengenden Winderwanderung stolz und zufrieden; der Wanderführer war heilfroh, dass nichts passierte.
    So trat man in Helmuts komfortablen Bus um 16:15 Uhr die Heimfahrt an, die durch die Übertragung der Fußballbundesligaspiele recht kurzweilig war, zumal sich die meisten über die Niederlage des FC-Bayern freuen konnten. Kurz vor 20:00 Uhr trafen alle wohlbehalten an der Tura-Halle in Osternburg ein,

„Auf die Berge will ich steigen,
Wo die dunklen Tannen ragen,
Bäche rauschen, Vögel singen,
und die stolzen Wolken jagen“

 

Bilder:  Manfred Mertineit
Bericht:      Peter Lederle