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Kirchentag 2006

Predigt über 1.Korinther 2, 1-20; Letzter Sonntag nach Epiphanias 2006
A und O Kerze
Liebe Gemeinde!
Vorstellungsgespräch: „Jawohl, ich habe eine solide Ausbildung und
längere Berufserfahrung. Ich fühle mich für die Stelle befähigt und will
sie nach besten Kräften ausfüllen. Ich stehe zu dieser Aufgabe, denn sie
ist sinnvoll.“
Solche Bewerbungsgespräche sind heute eine sehr aktuelle Sache. Wie
stelle ich mich dar auf der leidigen Jobsuche? - Sie tun mir leid, die
immer wieder vorsprechen, Absagen einstecken und bei der nächsten
Vorstellung wieder Selbstbewusstsein demonstrieren sollen. -
Wisst ihr, dass es dem Apostel Paulus ähnlich ging. Er war zwar nicht
auf Jobsuche, aber er war mit seinem Missionsauftrag unterwegs. Immer
wieder neu musste er werbend Stellung beziehen als Diener der Kirche
Jesu Christi. So auch jetzt gegenüber der sehr kritischen Gemeinde in
Korinth.
Bewerbungsgespräch im Dienst unseres christlichen Glauben! Heute
auch eine aktuelle Sache. Wie stelle ich mich vor im leidigen Missionsauftrag,
der auch uns aufgegeben ist?
Paulus schreibt hier sozusagen einen Bewerbungsbrief, um von den
Korinthern angenommen zu werden? Der Apostel sah sich großen Vor-
behalten gegenüber. Besonders geistig gewandte Personen, Schlaumeier,
waren in der Korinther Gemeinde hervorgetreten. Sie befriedigten
besonders das Streben nach Weisheit einzelner Gemeindeteile. So entstanden
verschiedene Parteien in der Gemeinde. Die einen nannten sich
apollisch, andere kephisch, andere aber auch paulinisch.
Man fragte bei Paulus an: Lieber Paulus, du gehörst doch zu Jesus
Christus. Bitte stelle uns deine Verkündigung mal richtig vor. Welche
Vollmacht hast du? Was hast du vorzuweisen?
- Wer bewirbt sich am besten bei uns im Markt der Christlichen Meinungen,
im Markt der Religionen. Wie begründest du die lebenswichtige
Frage: Wo sind wir am besten aufgehoben?
Diese Frage interessiert doch, oder! Die Antwort könnte uns sicherer
machen, dass wir in Christi Gemeinde richtig versorgt sind! Und sie
kann uns auch lehren, in welcher Art und Weise wir uns bei anderen bewerben,
damit die Botschaft Christi Menschen bewegt.
Ich will versuchen, dir das in drei Schritten nahe zu bringen. Vielleicht
stärkt es uns, und wir lernen wirklich etwas daraus für unsere Art kirchlicher
Werbung.

1. Mit eigenen Erfahrungen werben:
Paulus stellt sich vor: Liebe Leute, als ich zu euch kam, da lag mir
nicht daran, euch mit schlauen Argumenten einzufangen, mit logischen
Beweisen und zwingenden Schlussfolgerungen, mit hohen Worten und
hoher Weisheit.
Das ist wohl der Punkt, wo wir auch immer wieder scheitern. Wer versucht,
seinen Glauben vor sich selbst und vor anderen mit Verstandes-
Argumenten zu untermauern, wird letztlich an die Grenze geraten. Er
wird enttäuscht werden. Das Geheimnis Gottes lässt sich nicht beweisen!
Aber, so fährt Paulus fort: Ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu
wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. Das ist seine Erfahrung,
sein Wissen, allein JESUS CHRISTUS! Der ist ihm selbst entgegen
getreten, mitten in seinem falschen Hass und Eifern, hinein in seine
inneren Dunkelheit. Paulus hat die Wahrheit erfahren aus dem Wort
seines Herrn, und er weiß jetzt: Christus ist mein Leben!
Genau das kann nur es sein: Wir bauen darauf und geben das weiter,
was wir selbst erfahren haben: Christus ist unser Arzt, er ist unser Frie-
de. Wir kennen den, der unsere Krankheit trug und unsere Schmerzen
auf sich lud. Diese Erfahrung, als beste, ja selbst vor dem Tod beschützende
Wahrheit ist die Empfehlung unseres Glaubens. Die können
wir getrost und frei weiter geben.

2. Kein überhebliches Eigenlob.
Eigenlob stinkt, das durchschaut man schnell. Und in die gleiche
Schublade passen Empfehlungen, die man sich selber ausstellt.
Paulus fährt nämlich jetzt nicht so fort: Liebe Leute, schaut mich
prächtigen gesunden Kerl doch mal an, SO kam ich bei euch an! Ich der
oberste Diener meines Herrn. Ich stelle schon an sich eine Empfehlung
dar.
Liebe Leute! Es ist nicht gut, wenn wir uns anderen als die
Besserwisser darstellen, als solche, die die Glaubens-Weisheit gefressen
haben. Solche Leute sind mir immer unangenehm, Christen, die sich mit
ihrer Glaubenskraft brüsten. Als hätten wir das Recht, nur klar zu
stellen, gewaltig auf den Putz zu klopfen, schnell zu verurteilen. Wer
könnte seiner denn wirklich sicher sein? Steckt die Schwachheit nicht
ständig in uns? Brauchen die Gesunden den Arzt?
Paulus weist im Gegenteil darauf hin: Ich war bei euch in
Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern.
Gestehen wir es ruhig ein, vor uns selbst und auch im Gespräch. Wir
nicht die Vollkommenen, die Besseren. Wir sind schwach und es fällt
auch uns schwer, die richtigen Worte zu finden, das richtige zu tun.
Denn so kann Paulus fortfahren: Mein Wort und meine Predigt geschahen
nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in
Erweisung des Geistes und der Kraft Gottes!
Empfehlungen, die man sich selbst ausstellt, sind anrüchig. Aber wo
wir uns von der Kraft des Heiligen Geistes tragen lassen, sind wir frei.
Und wo wir den verkünden, der in unserer Schwachheit mächtig ist,
brauchen wir uns nicht zu schämen.
Du kannst dann sagen: Ich weiß, ich bin nicht vollkommen, ich habe
meine Probleme, Ängste und Fragen. Aber ich darf mich auf den
verlassen, der mich trotzdem mit seiner Liebe trägt. Er gibt mir Kraft
und Hoffnung. Unser Glaube steht nicht auf Menschenweisheit, sondern
auf Gottes Kraft. - So sagt es Paulus.

3. Freudiges Kirchenbewusstsein demonstrieren
Und was kann Paulus über seine Kirche und Botschaft sagen?
Man könnte meinen, er wäre jetzt ganz tolerant und vorsichtig. Aber
im Gegenteil, er nennt seine Botschaft großartig: Weisheit bei den Vollkommenen.
Das ist dick aufgetragen. Er stellt die Lehre, die er in
Schwachheit verkündet, über sämtliche irdische Erkenntnisse. Sie steht
für ihn über allen Philosophien und Religionen.
Er gibt sich nicht damit zufrieden, dass die Kirche Christi eine unter
vielen ist, eine die in gewisser Weise empfehlenswerte Gemeinschaft.
Sie ist die offenbarte Weisheit Gottes, sagt er. Das hat Gott denen bereitet,
die ihn lieben! Uns hat es Gott offenbart durch seinen Geist.
Ist das nicht toll? Wir dürfen wissen: Wir haben die beste Firma der
Welt. Von der dürfen wir reden. Diese ewige Firma überfordert uns
nicht. Sie entlässt uns auch nicht, geht nie Konkurs. Ihr Chef ist der Heilige
Geist, ihr Manager ist Gottes Sohn, und der Vater hat die Bürgschaft
übernommen.
Das dürfen wir laut und deutlich sagen: Aus unserem Glauben an
Gottes Offenbarung wissen wir das. Und unzählige Menschen zweier
Jahrtausenden und mehr, überall in der Welt vertrauen dieser Weisheit!
Sie haben darauf vertraut ihr Leben lang, sie haben immer wieder unter
Gottes Wort und Sakrament Erfahrungen gesammelt. Erfahrungen, die
für sich sprechen.
Das ist die Kirche Jesus Christi! Dort und nur dort steht der Mensch im
Mittelpunkt der Liebe Gnade und des ewigen Friedens Gottes!
Ich fasse zusammen:
Wenn ich mich mit meiner Glaubensbotschaft bei anderen bewerbe,
dann könnte ich tatsächlich diesem Bewerbungsschreiben des Paulus
folgen:
1. Ich komme nicht mit eigener Schlauheit, sondern spreche die Erfahrung
aus, die ich aus und mit der Frohen Botschaft von Jesus Christus
gemacht habe.
2. Ich stehe ruhig zu meiner eigenen Schwachheit und bekenne mich zu
dem Herrn, der mich dennoch liebt, stützt, aufrichtet und trägt.
3. Ich bekenne mich ruhig ohne falsche Scham zu der Firma mit der
größten Lebensweisheit: Jesus Christus, Gottes Sohn, unser Heiland!
- Gestern, heute und in Ewigkeit. Amen

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