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Inhalt * Kindheit und Jugend * meine Grossmutter und mein Grossvater * die Bremer Jahre |
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Meine Grosseltern Kriemhild und Eckart haben sich 1925 in Stettin im Tanzkurs kennengelernt. Er roch nach Mottenkugeln, da er aus Kostengruenden seinen eingemotteten Konfirmationsanzug zum Tanzen trug. Zuerst interessierte sie sich nicht weiter fuer ihn, doch als ihre Freundin Vera Interesse an ihm bekundete, wollte sie ihn doch. Von damals an, waren die beiden ein Paar. Meine Grossmutter hatte ein kleines Vermoegen geerbt und ihre Tante sagte ihr immer, dass sie keinem Mann davon erzaehlen solle. 1936 heirateten meine Grosseltern. Mein Grossvater hatte kaum Geld, er hatte grade erst angefangen zu arbeiten und so war er froh, dass meine Grossmutter Geld hatte. Sie konnte die ganze Aussteuer auf einmal bezahlen. Zur damaligen Zeit wohnten sie in Berlin. Hier wurde auch der erste Sohn geboren. Da mein Grossvater beim Bremer Vulkan arbeitete, zog die Familie nach Bremen. Hier wurde die erste Tochter geboren, anschliessend folgten noch zwei Zwillingsmaedchen. Im April 43 wurde die Werft bombardiert. Meine Grossmutter ging mit ihren Kindern nach Kropstaedt. Kropstaedt war ein Nachbarort von Mahrzana, wo ihre Tante Gretel lebte. Sie war mit dem Molkereiverwalter Franz Millow verheiratet und so gab es hier genug zu essen, ausserdem war es friedlicher als in Bremen. Tante Gretel konnte die Familie nicht in Mahrzahna aufnehmen, da sonst die Leute geredet haetten, denn bei Tante Gretel waren auch noch ihre Schwiegertochter Kaethe (die Frau ihres Sohnes Werner) mit ihren beiden Kindern. Daher wohnte meine Grossmutter im Nachbarort, ihre Vermieterin hiess Frau Sobotta, welche sehr nett gewesen ist. Die Wohnung war eher spaerlich, es gab nur zwei Zimmer, Kueche und Wohnzimmer. Einen Herd gab es auch nicht. Doch Tante Gretel, welche wie eine Mutter für meine Grossmutter war, kuemmerte sich mit allem um meine Grossmutter und ihre Familie. Jeden Sonntag brachte ein Kutscher einen Braten vorbei. An dem Haus in Kropstaedt ging die Strasse nach Berlin vorbei. Diese soll von Paris nach Berlin fuehren und schon Napoleon soll auf ihr marschiert sein. Im Dezember 1944 kam in Wittenberg/Lutherstadt beim Licht von Oellampen mein Vater zur Welt. Im Februar 45 wurde es kritisch, da die Rote Armee nahte. Meine Grossmutter wusste nicht, was sie tun sollte und schrieb meinem Grossvater. Er hat nicht auf den Brief geantwortet (was sie ihm bis zuletzt vorwarf), also machte sich meine Grossmutter einfach auf dem Weg nach Bremen. 2000 Mark zahlte sie einem Fahrer. Mit dabei waren Tante Miezi und Kaethe mit ihren beiden Kindern sowie einem Fluechtlingskind. Ein Drama gab es um Falk, den Schaeferhund von Tante Miezi, den sie wie ein Kind liebte. Meine Grossmutter wollte ihn nicht mitnehmen, da es zuwenig zu essen gab. Die Familie musste sich ausserdem auf dem Laster verstecken (die Nazis hatten der Bevoelkerung verboten zu fliehen, wobei sie sich selbst zuerst davon gemacht hatten) und wenn Falk gebellt haette, waeren sie vielleicht alle aufgefallen. Onkel Franz erschoss ihn, aber alle haben Tante Miezi gesagt, Falk waere davon gelaufen. Jahre nach dem Krieg hat sie noch versucht, ihn wiederzufinden und in der DDR Anzeigen geschaltet. Auf der Fahrt von Kroppstaedt nach Bremen wurde der Treck von Tieffliegern angegriffen und alle mussten in den Graben springen. Ausserdem gab es zwei Kontrollen, aber nichts passierte. Laut meiner Grossmutter soll mein Grossvater ganz verdutzt und nicht grade begeistert geguckt haben als auf einmal 11 Leute vor der Tuer standen. Ein Jahr nach Kriegsende kam dann der letzte Sohn zur Welt. |
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